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Umgang mit Rechts: Die AfD verstehen, ohne Verständnis zu entwickeln
imago/ Lars Berg

Ein Jahr lang hat unser Kolumnist versucht, in Sozialen Medien mit Rechten zu kommunizieren. Aus diesem Experiment entwickelt er nun Tipps für einen vernünftigen Umgang mit der AfD.

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steffenbaensch777 20.09.2017, 16:46
1. Zerstörung der liberalen Demokratie

Ich habe das Wahlprogramm der AfD gelesen und war mit vielem nicht einverstanden. Manche Punkte fand ich auch zutiefst falsch. Das sie aber die liberale Demokratie zerstören will, halte ich für nicht belegt. Womit denn? Volksabstimmungen auf Bundesebene? Ich dachte immer das Ziel der AfD sei, dass die BRD mehr wie die Schweiz wird. Ist die Schweiz keine liberale Demokratie?

Natürlich kann es sein, dass sie tatsächlich dieses Zahl hat, aber das hat sie noch nicht gesagt. Ist es nicht grundsätzlich so, dass Politiker nach der Wahl ganz andere Sache umsetzen, wenn sie in Regierungsverwantwortung kommt? Das weiß man bei den anderen Parteien auch nicht. Ein grundsätzliches Problem dessen, was wir Demokratie nennen.

Die liberale Demokratie muss auf jeden Fall weiterentwickelt werden, denn so wie es aktuell ist, sorgt es für viel Verdruss.

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KopernikusFFM 20.09.2017, 16:59
2. richtige Richtung

Mit Blick auf die AfD gehen mir viele der im Artikel beschriebenen Gedankengänge ebenfalls durch den Kopf. Vor allem nachdem ich vor einer Woche von einem AfD Wähler direkt - ohne das er mich auch nur kannte - als Gegner bezeichnete. Mein Wunsch nach Kommunikation wurde damit geblockt, dass er es Leid sei sich ewig erklären zu müssen. Meine Frage nach den Gründen, AfD zu wählen, verhallte trotz mehrmaliger Nachfrage und wurde stoisch mit diesem einen Argument ignoriert. Wie radikal er eingestellt war zeigte sich mit Blick auf sein Auto, "Nafri go Home", "Hells Angels" und "Böhse Onkelz" fanden sich als Aufkleber darauf. Das eben jene Person auch schwul ist verstärkte mein Interesse an seiner Wahl nur umso mehr, blieb aber wie gesagt unbeantwortet. Ich hätte gern Zugang zu ihm gefunden, es war schlichtweg nicht möglich.
Ich lese aktuell die Hitler-Biografie von Peter Longerich und es ist erschreckend, dass damals wie heute Menschen so schnell und leicht einfache Antworten zu komplexen Problemen annehmen und dabei die abschaffung demokratischer Grundwerte in Kaufen nehmen.

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GeMe 20.09.2017, 17:01
3. Man kann Herrn Lobo nur zustimmen

Sascha Lobo hat vollkommen recht mit dem was er schreibt. Die AfD-Anhänger werden ihn natürlich wieder in der Luft zerreissen, weil sie seiner Argumentation entweder nicht folgen können (mangels Intellekt) oder und das dürfte der größte Teil sein, weil sie ihr nicht folgen wollen. Die AfD ist rechts bis rechtsextrem und wer sie wählt ist es auch, da gibt es nichts zu diskutieren. Die allermeisten wollen es nur sich selbst und vor allem allen anderen nicht eingestehen, dass sie rechtsextrem sind.

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kuschl 20.09.2017, 17:02
4. Das Feuerwerk der AfD Erklärer

Ich wähle liberal und laufe selbst damit Gefahr, in die rechte Ecke positioniert zu werden, zumal der FDP ähnlicher Hass entgegengebracht wird, wie der AfD. Jeder scheint sich an dieser Partei abarbeiten zu wollen, selbst mit abstrusen Unterstellungen. Wo steht geschrieben, das die Partei die liberale Demokratie zerstören möchte, ausser in den Köpfen einiger hysterischer AfD Gegner? Man kann auch übertreiben und der AfD einen Aufmerksamkeitshype verpassen, der ihr nur nützt. Muss SPON eigentliche jeden Tag eine andere AfD Sau durchs Dorf treiben? Allmählich nervt es!

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Epsola 20.09.2017, 17:04
5.

"Und wenn hier überhaupt noch etwas helfen kann, dann nur, immer und immer wieder ausführlich und empörungsmindernd zu erklären, weshalb genau ein Satz, ein Verhalten, ein politischer Vorschlag inakzeptabel oder menschenfeindlich ist."
Nein das hilft nicht, das wurde ja nun zahlreich bewiesen. Je mehr man auf die AFD eingeht, desto mehr eskalieren diese, wie Aufmerksamkeitsjunkie die immer den noch größeren Kick suchen. Das Verhalten der Öffentlichkeit gegenüber der AFD ähnelt Appeasementpolitik gegenüber Kriegstreibern. Ein Eingehen auf solche Kräfte, führt nur zu Grenzverschiebungen. Vieles was von der AFD heute fast erregungslos hingenommen wird, hätte vor 2 Jahren noch zurecht große Empörung ausgelöst. Der Versuch "immer wieder ausführlich und empörungsmindernd zu erklären" führt zum Abstumpfen derjenigen die das versuchen. Es gibt nur einen richtigen Umgang mit Rechtsextremisten, brandmarken & ausgrenzen derjenigen die sich Ausgrenzen und unbescholtene Bürger brandmarken. Es gibt nichts zu diskutieren mit diesen Leuten außer vor Gericht, Artikel 1 des Grundgesetzes ist nicht verhandelbar und in Talkshows haben die Leute längst nicht mehr zu suchen erst recht nicht bei den Öffentlich-Rechtlichen. Wer zum GEZ-Boykott aufruft, gegen die Anstalten hetzt, Lügen verbreitet und in Sendungen anwesende Gäste fremdenfeindlich angeht, der hat sich damit selbst lebenslang ausgeladen, egal wie sehr man dann im Dreieck herumspringt und von unfairer Behandlung fabuliert weil der eigene unfaire Umgang nicht toleriert wird.

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ruhepuls 20.09.2017, 17:05
6. Liberal sein will nicht jeder

Gemeinhin glauben viele, dass Begriffe wie Freiheit oder Toleranz generell positiv belegt sind. Für viele sind sie das aber nicht oder nur bedingt. Sicher finden wir beispielsweise Freiheit gut, wenn es sich um unserer Freiheit handelt. Wenn aber mein Nachbar seine Freiheiten praktiziert - und diese mir nicht gefallen, dann ist Freiheit plötzlich nicht mehr so toll. Mit Toleranz ist das ähnlich. Wenn heutzutage keiner mehr was sagt, wenn jemand im Jogginganzug einkaufen geht, dann findet derjenige das natürlich gut. Wenn er dann aber eine Frau mit Schleier beim Einkaufen sieht, dann ist Toleranz nicht mehr gut. In einer pluralistischen Gesellschaft, die immer mehr in Gruppen und Grüppchen zerfällt, gibt es viele unterschiedliche Vorstellungen von Freiheit oder von Toleranz. Und viele davon sind nicht kompatibel. Das ist es unter anderem, das der AfD Wähler zutreibt.

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ApuMichael 20.09.2017, 17:06
7. Etwas wirr

Von einer Strategie, die den Namen verdient, verlange ich Dreierlei: sie muss auf einer schonungslos Analyse der Ausgangslage fußen; sie muss klar kommuniziert werden und sie hat ein paar erfolgversprechende Handlungsoptionen aufzeigen. Ich lese Herrn Lobos Jahresarbeit gleich ein zweites Mal. Beim ersten Mal fand ich zumindest meinen Wunsch nach Klarheit nicht erfüllt.

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melnibone 20.09.2017, 17:08
8. Sicher ist die AfD ...

nicht jedermanns Partei ... auch sicher nicht die Meine.
Aber das Wähler, die zuvor nie zur Wahl gingen ... wieder zu Bundestags- oder Landtagswahlen an den Wahlurnen erscheinen, finde ich durchaus positiv.
Zur AfD ... die rechten Konservativen benötigen eine Plattform ... und nicht etwa: außerparlamentarisches Oppositionsdasein mit Dauergewaltpotential.
Das würde einen weiteren politischen bundesrepublikanischen Dornröschenschlaf befördern.
Und welche Ziele die AfD verfolgt: wissen sie am allerwenigsten Herr Lobo.
Der politsche Wandlungsprozess ... immer auf der Suche nach Mehrheiten und gesellschaftlicher Anerkennung; treibt eigentlich jede Partei so um.
Wieso sollte die AfD nicht in den Bundestag kommen.
CDU und CSU sind doch dort schon sehr lange ... und sind auch Gesellschafts- und Realitätsentfernt.

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jimbofeider 20.09.2017, 17:08
9. Zweifel

Mit den Rechten ist es schwer sachlich zu diskutieren, ihnen nahe zukommen ist fast aussichtslos. Es endet beinahe ausnahmslos im emotionalen, bei den Instinkten ( mein Gefühl sagt mir u.s.f. ) Ferner sind sie fast hysterisch davon überzeugt Recht zu haben, allein die Wahrheit zu kennen. Dazu ein Zitat von Charles Bukovski Amerik. Schriftsteller: Das Problem der Welt ist, das Intelligente Menschen voller Zweifel, und Dumme voller Selbstvertrauen sind.

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