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Verbrechensbekämpfung per Software: "Warum ich?"
Pre-Crime

Verbrechen verhindern, bevor sie geschehen - das verheißt das sogenannte Predictive Policing. Eine Dokumentation zeigt nun, was es für Menschen bedeuten kann, wenn eine Software sie für gefährlich hält.

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HH1960 11.10.2017, 18:44
1. Teilweise ist das ok

Wenn die Polizei wie beschrieben gefährdete Areale besser identifizieren und schützen könnte - wie in D in der Erprobung - halte ich das für sinnvoll. Werden einzelne Menschen z.B. aufgrund ihres Social Media Profils beobachtet, ist das grenzwertig. Generell sollte m.E. die Polizei auf dem Stand der Technik bleiben. Die Verbrecher sind es allemal.

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rex_danny 11.10.2017, 18:48
2.

Ja nun, überall im Leben übernehmen Maschinen und Software die Aufgaben von Menschen. Was hier beschrieben wird, ist nichts anderes, als der Schutzmann vor 100 Jahren machte, wenn er einfach nur an der Kreuzung stand und die Umgebung beobachtete. Seine Datenbank war sein Gehirn, sein Speicher sein Notizbuch und sein Netzwerk waren die Kollegen. Er kannte sein Revier und die Schrullen seiner Bewohner. Er kannte die Guten, die Bösen, die Seltsamen und alle die, auf die man ein Auge werfen musste.

Ein Polizist tut in diesem Sinne auch nichts anderes, als (verdächtiges) Verhalten zu analysieren, abzuwägen, einzuordnen, auszusortieren und abzuschätzen, was dahinter stecken könnte. Die guten Polizisten konnten genau das ziemlich gut und hatten dann den berühmten Riecher - wenn etwas "gegen den Himmel stank".

Heute hat die wenige Polizei dazu keine Zeit, die Beamten rennen der Arbeit hinterher und der Schutzmann an der Ecke, den sieht man nicht mehr.

Und wenn es den gäbe, käme ganz bestimmt der nächste steuerzahlende Bürger und würde ihn anmaulen, ober fürs Nichtstun bezahlt würde.

Also übernehmen heute Kameras und Software diese Arbeit.

Finde ich im Jahr 2017 durchaus für angemessen.

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NatanielPusch 11.10.2017, 19:25
3. Polizisten haben Erfahrungswerte ...

... weshalb sie bestimmte Menschen häufiger kontrollieren als anderen. Wenn es aber Menschen sind, die diese Wahl treffen, wer häufiger kontrolliert wird, sind Vorwürfe von Rassismus selten weit.

Was ist aber, wenn nun eine Software eine ähnliche Korrelation bestätigt, wie sie den Erfahrungswerten von erfahrenen Polizisten entspricht? Wäre diese Software dann auch Rassistisch? Oder müsste sie der Quotengerechtigkeit halber eine äquivalente Anzahl eigentlich unbescholtener Leute in die Liste nehmen, nur damit es keine Rassismusvorwürfe gibt? Sozusagen die "Quotenweissen", wie es sie heute schon bei Kontrollen gibt. Sie werden nur deswegen gefilzt, damit niemand sagen kann, dass die Polizei nur Schwarze kontrolliert.

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melnibone 11.10.2017, 19:59
4. Der Staat ...

und die Software: sind bedeutend gefährlicher als der Bürger.
Ich möchte keine neue schöne Diktatur.

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oil-peak-fan 11.10.2017, 20:37
5. Brazil.

Philip K. Dick, im Text wird es kurz erwähnt, hatte Minority Report 46 Jahre vor der Spielberg-Verfilmung veröffentlicht. Er kannte die Werke Huxleys, Heinleins, Asimovs, Bradburys und hat vieles noch weitergedacht, vor allem aber heruntergebrochen in eine mögliche Realität. Wie total ein Staat sein kann, ließ sich von den damit gescheiterten damaligen Deutschen lernen. Heute ist die totale Überwachung durch z.B. Meldeamt, Finanzamt, Arbeitsagentur, Jobcenter, Krankenkasse, … Standard in Demokratien. Nacktscanner an Flughäfen und wer weiß schon, wo noch, und im öffentlichen Raum überall Kameras. Wozu das alles? Zu unserer Sicherheit? Wer zudem an sichere Software glaubt, sollen ja nicht wenige sein, dem ist nicht zu helfen, und was Egbert von der bpb insbesondere in den letzten drei Absätzen schreibt, lässt auch eine andere Lesart zu. Ich halte davon nichts.

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locust 11.10.2017, 20:49
6. @NatanielPusch #3

Mit Verlaub, was schreiben Sie denn bitte hier für einen Blödsinn und welche rassistischen Stereotypen verbreiten Sie bitte? Ist ja kaum zu ertragen? Ihre Definition der Kriminalität bezieht sich auf ethnische und "rassische" Unterschiede hinsichtlich vermuteter begangener Straftaten. So schlecht so recht. Die Software wird von Menschen hergestellt, die Gefahr, dass bestimmte "rassische und ethnische Merkmale" mit einfließen könnten, beweisen Sie mit Ihrem Standpunkt. Angenommen, die Software würde in Hamburg Billstedt angewandt und zwar im Hinblick auf die Früherkennung bandenmässig begangener Raubüberfälle und Diebstähle, dann käme wohl etwas heraus, was Sie zu implizieren versuchen. Und was ist der Wert dieser Aussage? Eben keiner, da u.a. keine Korrelation zwischen den Faktoren Armut und Einbruch besteht. Würde die Software dahingehend darauf programmiert, Steuerhinterziehung frühzeitig zu erkennen, wie wäre dann wohl die Erkenntnis? Der "Alibi-Weiße", die "Quoten-Kartoffel" suggeriert in Ihrer Aussage, dass Kriminalität ein typisches Verhalten "nicht weißer Bevölkerungsschichten" sei, was gelinde gesagt ziemlich naiv und zudem - wie bereits mitgeteilt - zutiefst rassistisch ist. Kriminalität findet dort statt, wo hingeguckt wird. Zur Zeit der "Zero Tolerance" Einführung in NYC zu Zeiten Guillianis stieg die Anzahl der festgenommenen Latinos und Schwarzen massiv. Heutige Studien zeigen auch den Grund hierfür. Ausschlaggebend war u.a. auch hier institutionaler Rassismus, Schwarze wurden aufgrund des "Wild-Pinkelns" kontrolliert und festgenommen, Weiße wurden ermahnt oder überhaupt nicht angesprochen. Zur selben Zeit floriert, welch Zynismus, der Betrug an der Wall Street, u.a. einer der Faktoren der Finanzkrise von 2008. Schräg oder? Die deutsche PKS (polizeiliche Kriminaltätsstatistik) bildet auch niemals, wie oftmals kolportiert, die Kriminalität ab, geschweige denn, dass sie Rückschlüsse auf "Tätergruppen" darstellt, sondern ist lediglich ein Indiz und eine Darstellung polizeilichen Einsatzes, Arbeitsaufwandes und Engagements. Mit graust vor einer Software die wahrscheinlich auch ihre Stereotypen beinhalten. Jemand ist unschuldig, bis jemand eine Straftat begeht und diese ihm nachgewiesen wird.

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ford_mustang 11.10.2017, 21:16
7. So transparent wie die Schufa!

Keiner weiß genau, wo die Daten alle herkommen und nach welchen Algorithmen diese ausgewertet werden. Ruf mal bei der Schufa an und versuche dir erklären zu lassen wie dein Score zustande kommt. Mit der beschriebenen Software must du dich dann irgendwann nicht wundern, wenn du plötzlich eine elektronische Fußfessel trägst. Ebnet nur den Weg für Diktatoren und betet, dass hier keine Diktatur entsteht. Denn was heute noch erlaubt ist, kann morgen schon eine Straftat sein.

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Paddel2 11.10.2017, 21:36
8. Kein guter Beitrag

Der Vergleich zum Film „Minority Report“ ist schlecht gewählt, da das Wesen von Pre–Crime darin besteht, Menschen zu inhaftieren bevor sie ihr prognostiziertes Verbrechen begehen. Hier jedoch geht es um Risikoberechnung unter Anwendung von Statistik. So ein System kann gar nicht perfekt sein und Einzelfälle sind ungeeignet um es generell infrage zu stellen. Wirklich dumm sind die Fälle, in denen die Lebensweise von Individuen kritisiert wird. Das ist natürlich höchst bedenklich, hat aber mit dem Kernthema wenig zu tun. Risikoprofile von Regionen und Personenkreisen sind hilfreich, um Ressourcen effizient einzusetzen. Das ist aber noch keine Verurteilung. Man muss den Begriff des Risikos schon richtig verstehen um derartige Innovationen adäquat hinterfragen zu können. So wie Kreditinstitute Kreditkunden aufgrund ihres Risikoprofils ablehnen, wie Versicherungen Kunden ablehnen, so können derartige Systeme im Einzelfall zwar irren, werden aber in der großen Mehrheit gute Ergebnisse erzielen. Nicht die Systeme sind das Problem, sondern deren unprofessioneller Einsatz!

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knocker2 11.10.2017, 21:45
9. mal andere Zielpersonen auswählen

Man könnte mit der Software ja mal die oberen 10.000 als Zielpersonen auswählen und vorhersagen lassen wann wieder wirtschaftskriminalität und dergkeichen verübt wird.
Das Errgebnis wäre fatal.
Es kommt ja doch nur darauf an gegen wen die Software eingesetzt wird. und das sind nich tdie in den Nobelvillen.

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