Forum: Netzwelt
Verrohung im Internet: 99 posen online, der 100-ste ermordet jemanden
DPA

Liest man die Meldungen der vergangenen Tage, könnte man meinen: Das Netz verroht - und mit ihm die Gesellschaft, die ganze Welt. Dabei ist das nichts Neues, wir brauchen nur eine Digitalausgabe der Zivilisierung.

Seite 1 von 9
Nordstadtbewohner 15.03.2017, 14:38
1. Das ist auch von der Politik in Deutschland so gewollt.

"Soziale Netzwerke werden daher alles löschen, was im Halbdunkel aus 100 Meter Entfernung so ähnlich aussehen könnte, als wäre es mit einem rechtswidrigen Inhalt verwandt."

Es war klar, dass es keine Zensur geben würde, aber als Herr Maas auf einer Veranstaltung forderte: "Facebook und Co müssten auch bestimmte Inhalte löschen, die noch nicht die Grenze des strafbaren übertreten", war klar, dass es in irgendeiner Art ein Gummiparagraphengesetz geben wird (In einem Artikel hier bei Spon vor Wochen zu lesen), um unbequeme Sichtweisen zu verhindern.

Hier zeigt die deutsche Politik ihr wahres Gesicht. Meinungsfreiheit nur dort, wo es den Politikern und Meinungshabern in den Kram passt. Echte Meinungsfreiheit wie in den USA gibt es hierzulande nicht.

Beitrag melden
Boone63 15.03.2017, 14:39
2. Diktatoren

Meiner Meinung nach ist der Höhepunkt der Zivilisierung überschritten. Gewalt bricht immer öfters aus und es wird nicht weniger. Darum haben Diktatoren Hochkonjuktur. Man flüchtet sich hinter jemanden der Schutz bietet.
Ob da jetzt Minderheiten (Homosexuelle und Frauen in RU, Christen in muslimischen Ländern, ...) oder freie Meinungsäußerung (China, ...) darunter leidet, ist für die Anhänger der Diktatoren einfach das kleinere Übel.
Und der Mensch selber ist einfach zerstörerisch, dumm, gewalttätig und egoistisch.
Das Netz zeigt jetzt einfach nur allen.
Und ich bin mir sicher dass der industrielle Massenmord nach deutschem Vorbind sich sicher noch steigern lässt, gib den Menschen einfach noch ein wenig Zeit.

Beitrag melden
timtonic 15.03.2017, 14:54
3. So sieht's aus

Aus irgendeinem Grund streifen sehr viele Leute die "dünne Decke der Zivilisation" im Netz schneller ab als man sich drüber wundern kann. Warum ist das so? Die vermeintliche Anonymität? Das würde ja bedeuten, dass den meisten Menschen die Zivilisation sowieso eher lästig ist, und die erste Gelegenheit zum Ausbruch sofort genutzt wird. Das wäre dann auch Grund genug für einen ordentlichen Kultur-Pessimismus.

Beitrag melden
hazebuster 15.03.2017, 14:54
4. Verrohung?

Wer weiß, wie 4chan vor 10 Jahren war, der weiß auch, dass dort das Gegenteil von Verrohung stattgefunden hat, nämlich eine extreme Mäßigung

Beitrag melden
uruetten2 15.03.2017, 14:55
5.

Lieber Herr Lobo,
den meisten Ihrer Schlussfolgerungen stimme ich zu, glaube aber, dass ein wesentlicher Aspekt außen vor bleibt. Auch wenn im Falle des mutmaßlichen Kindsmörders aus Herne die Pose mit Bild und Namen ins Netz kam und der Mensch auch im vordigitalen Zeitalter mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den zivilisatorischen Grundkonsens aufgekündigt hätte, so scheint mir der am meisten besorgniserregende Brandbeschleuniger netzbasierender Hass- und Hetzdynamik die Anonymität zu sein. Den meisten der geistigen Brandstifter in den "normalen" sozialen Medien unterstelle ich, dass sie noch nicht einmal unter Alkohol wagen würden, diese Gewaltfantasien vor den Augen und Ohren anderer Menschen zu äußern. Dem häufig vorgetragenen Argument, der Wegfall der Anonymität gefährde auch Menschen, die sonst mit ihrer Meinung garnicht mehr an die Öffentlichkeit gelangen könnten, stelle ich, gewiss mit Bedauern, eine Abwägung von Gewinn und Verlust einer Klarnamenpflicht entgegen.

Beitrag melden
mborevi 15.03.2017, 14:58
6. Man braucht sich nur ...

... die Fernsehprogramme der Öffentlich-Rechtlichen und die Computer- und Handyspiele der Kinder anzusehen um sofort zu begreifen, woher die Verrohung gewisser Teile der Gesellschaft stammt. Wer ständig nur mit Gewalt und Verrohung infiltriert wird, der glaubt zum Schluss, das sei die Realität. Gehirnwäsche eben. Es gibt einen Jugendschutz bezüglich Alkohol und Sex, einen bezüglich Gewalt, Kriminalität und Verrohung gibt es nicht. Dabei wäre das viel wichtiger.

Beitrag melden
snoopye 15.03.2017, 15:01
7. Danke, Sascha Lobo,

für die klugen und deutlichen Worte! Jetzt braucht es nur noch weise Politikschaffende, die sie erhören und umsetzen. Maas gehört (so zeigt es der Gesetzesentwurf) dazu ganz offensichtlich leider nicht.

Beitrag melden
Jimbofeider 1 15.03.2017, 15:03
8. Logo

Diesmal Hr. Lobo "Logo". Brilliant analysiert ohne zu überziehen nüchtern und sachlich. Meinen Respekt!

Beitrag melden
rösti 15.03.2017, 15:06
9. ja

Zivilisierung, ja das brauchen wir und zwar alle! Mal wieder mit dem Nachbarn reden, mit den Kindern Zeit verbringen und erziehen und sie nicht morgens abgeben und abends holen, damit man zweimal in Urlaub oder zwei Autos fahren kann! Handys nur zum Tel. benutzen wenn man es braucht! Diese Lügereien in den Foren und jetzt neu die Gewaltaufrufe und Beleidigungen... bleiben ungestraft und unwiedersprochen..! Wenigstens sollten die Natels nicht mehr automatisch Wörter und Sätze vervollständigen können das würde schon 70% weniger User bringen !

Beitrag melden
Seite 1 von 9
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!