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Wikipedia-Debatte: Hilferuf aus dem Maschinenraum

Wikipedia wird zensiert von Besserwissern, die entscheiden wollen, was wichtig ist und was nicht - sagen die Kritiker der Online-Enzyklopädie. Das stimmt nicht, sagt Ur-Wikipedianer Kurt Jansson: Es mangelt nicht an Vielfalt. Sondern an Menschen, die bereit sind, die Dreckarbeit zu machen.

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frenchhorn1969 11.12.2009, 08:45
1. unerträgliche Besserwisser

leidvoll musste ich erfahren, dass WIKI von unerträglichen Besserwissern regiert wird. Ich habe vor einigen Jahren einen Beitrag (eine sehr gut bewertete Semesterarbeit zu einem Spezialthema) dort eingestellt. Diese wurde aus formalen (!!!!) Gründen gelöscht, statt die formalen "Fehler" zu beseitigen. Damit war das Thema WIKI für mich erledigt. Der Beitrag der nun an dieser Stelle steht hat Grundschulniveau.
Damals hebe ich mich ziemlich darüber aufgeregt. Diese Blockwart Mentalität finde ich sehr abstoßend.

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Friedrich G. Alte 11.12.2009, 08:50
2. Konzept gescheitert

Zitat von sysop
Wikipedia wird zensiert von Besserwissern, die entscheiden wollen, was wichtig ist und was nicht - sagen die Kritiker der Online-Enzyklopädie. Das stimmt nicht, sagt Ur-Wikipedianer Kurt Jansson: Es mangelt nicht an Vielfalt. Sondern an Menschen, die bereit sind, die Dreckarbeit zu machen.
Da es nie genug solcher Menschen geben wird, die die Dreckarbeit machen und kompetent sind, ist das ganze Konzept gescheitert. Es ist eben nichts mit Schwarmintelligenz. Die, die wissen, haben keine Zeit und die, die Zeit haben, wissen nichts. So könnte man das Phänomen beschreiben. Den Autoren, die in der Lage sind, Wissen über das, was schon im Netz ist hinaus in Wikipedia einzubringen, wird vorgehalten, dass es nicht im Netz zu finden ist, folglich in den Augen der Webjünger gar nicht existiert. Der Fachmann wird rausgeschmissen, weil er sein ureigenstes Wissen nicht mit Zitaten belegen kann, während derjenige, der ein Provinz-Anzeigenblatt zitiert, akzeptiert wird. Wikipedia ist die Verschwörung des Common Sense gegen das Fachwissen. So kommen immer mehr Studenten, die glauben, um ein naturwissenschaftliches Problem zu lösen, reicht es, kurz vorher mal bei Wikipedia nachzuschauen. Sie scheitern. Das Bachelor/Master-Studium ist Ausdruck der Wikipediasierung der Ausbildung. Das haben sie gemerkt und protestieren sehr richtig dagegen. Aufhalten werden sie es nicht.

Wikipedia ist gut

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jga 11.12.2009, 09:23
3. wie immer: if you pay peanuts, you get monkeys

wie bei jedem Job: bezahlt besser, dann kommen mehr Leute. Und stellt mehr Leute ein, dann verteilt sich die Arbeitslast auf mehr Schultern.

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morsix 11.12.2009, 09:26
4. Ausge-wiki-d

Ich beteilige mich nicht mehr an Wikipedia und nutze das Angebot auch immer weniger.
Wegen den Besserwissern ....
Warum?

Im us-Wiki kann man sehr viel über "esotherische Programmiersprachen" erfahren. Na klar, diese Randerscheinung der IT mag nicht wirklich relevant sein für wichtige IT Projekte auf dieser Welt. Dennoch, es ist eben ein Experimentalbereich der IT und für viele durchaus mehr als nur eine Spielerei, für mich auch.
Im deutschen Wiki wurde fast alles gelöscht. Das ist traurig.

In vielen Wikieinträgen finden sich am Schluss, bei der Linksammlung, durchaus Links auf Foren. Ich finde, das ist durchaus berechtigt, wenn ein Forum bsp. eine echte Hilfe ist - Hilfe zur Selbsthilfe. Mir ist allerdings schleierhaft, warum mein Link auf ein Forum für "chinesische Motorroller" ständig zensiert wird. Genau diese Menschen, die einen "Baumarktroller" fahren, haben Bedarf an "Selbsthilfe". Ich würde es verstehen, wenn Wiki generell keine Links auf Foren erlauben würde.

Nunja, Wiki war mal ein tolles Projekt ...

Grüße
Rudi

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luminis 11.12.2009, 09:29
5. #

Schockierenderweise ist das oben erwähnte "Wikipedia-als-Quelle-zitieren-Phänomen" nicht nur in Bachelor/Master- Studiengang zu finden. Auch beim alt bewährten Staatsexamen muss Professor in Bezug auf wissenschaftliche Hausarbeiten festhalten: "Finger weg von Wikipedia". Da ist die Entrüstung groß unter manch Studenten, die anscheinend nicht "die Zxxx" oder den "Spiegel" als Lektüre rezipieren, sondern sich auf BILD-reichere Kost beschränken.

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Weiser Bähr 11.12.2009, 09:35
6. "Diskussion" nutzen

In den Wikipedia-Artikeln darf man ja bekanntermaßen nicht einmal Rechtschreibfehler korrigieren, weil ja jede Änderung von irgendeinem Blockwart oder "Eigentümer" (die nennen sich echt so!) eines Artikels gleich wieder rückgängig gemacht wird.

Wenn ich Wesentliches beitragen will zu Wikipedia, dann schreib ich dass nur noch in die "Diskussion"-Seite. Das machen wohl mittlerweile viele so. Denn dort finde ich oft wertvollere Informationen, als auf der "Artikel"-Seite.

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Eva K 11.12.2009, 09:46
7. Wikipedia ist keine Quelle

Zitat von luminis
Schockierenderweise ist das oben erwähnte "Wikipedia-als-Quelle-zitieren-Phänomen" nicht nur in Bachelor/Master- Studiengang zu finden. (...)
Wikipedia ist keine Basis für eine irgendwie geartete Arbeit in wissenschaftlichen Studiengängen. Das sagt auch der WP-Gründer Jimbo Wales ganz offen. Wikipedia im bestmöglichsten Sinn ist ja selbst nichts als eine Sammlung von Referaten, die vorzugsweise auf Sekundärliteratur basieren. Primärquellen werden nur selten herangezogen, wenn sie dem Autor zugänglich sind.

Trotzdem sollten Studenten Wikipedia als Hilfe nutzen, denn gut ausgearbeitete Artikel führen im Anhang meist umfangreiche Literaturlisten, die die oft umständliche Literatursuche vereinfachen können. Mit ein wenig Glück wird auch auf digitalisierte Primärmaterialien im Web verwiesen. Mehr sollte es allerdings nicht sein, schließ war und ist auch der Brockhaus noch nie eine akzeptable Basis für wissenschaftliche Arbeiten gewesen.

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langsamfahrstelle 11.12.2009, 09:48
8. -

Zitat von
Schockierenderweise ist das oben erwähnte "Wikipedia-als-Quelle-zitieren-Phänomen" nicht nur in Bachelor/Master- Studiengang zu finden.
Haha. Ich habe mittlerweile zufällig (!) bei der Recherche schon mehrere Dissertationen entdeckt, die ganz schamlos 2-3 Absätze 1:1 aus Wikipedia übernehmen. Aber ohne Quellenangabe.

Und nein, die Absätze sind zu 100 Prozent nicht vom Autor der Diss in WP eingetragen worden.

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olenz 11.12.2009, 09:49
9. Danke für diesen Artikel!

Ich bin selbst Wikipedia-Autor, oder vielmehr einer der Leute, die "den Dreck wegmachen", wie Herr Jansson das ausdrückt - ich entferne Spam, ich versuche, dafür zu sorgen, dass Artikel nicht zu sehr vom neutralen Standpunkt abweichen, etc. Und ich gebe zu: ich bin ein absoluter Verfechter der Relevanzkriterien - und genau aus den Gründen, die Herr Jansson beschreibt. Nur war ich bisher nicht in der Lage, sie so auf den Punkt zu benennen.

Ich kann nur sagen: Danke für diesen Artikel!

Ich sehe, dass es schon schwierig genug ist, in einer Liste von ca. 100 Artikeln nur dafür zu sorgen, dass die Artikel nicht von persönlichen Anfeindungen, Werbung und Quatsch durchsetzt sind. Je mehr Artikel erstellt werden, desto grösser der Aufwand dafür. Und leider wächst die Anzahl der Leute, die Artikel warten, nicht annähernd so schnell, wie die Anzahl der Artikel wachsen würde - gäbe es nicht die Relevanzkriterien.

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