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"Wolfenstein II: The New Colossus" im Test: Ab nach Amerika, Nazis plattmachen
Bethesda

Das neue "Wolfenstein" spielt in einem Amerika, das sich in der Hand von Super-Nazis befindet. Der Shooter ist ein derber Kommentar auf die heutige Zeit - und spielerisch äußerst unterhaltsam.

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Oberleerer 30.10.2017, 21:44
1.

Zu Wolfenstein sollte man noch erwähnen, daß die Exekutionsszene aus dem ersten Teil (wo man sich zwischen einem der 2 Kameraden entscheiden muß) nun mehreren Szenen gewichen ist, wo man einer Enthauptung, einer Haustiererschießung und einer Prügelattacke gegen die Mutter beiwohnen muß.
Ein unbeschwerter Ballerspaß sieht dann doch anders aus.

Ansonsten spielt man nur in Schlauchleveln, manchmal in größeren Hallen. Meist im engen U-Boot, in U-Bahntunneln, Hausruien und Eisenbahnen. Viel Platz für Strategie bleibt also nicht.
Trotzdem ist es spannend und man will immer weiterspielen.

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Zaunsfeld 30.10.2017, 21:49
2.

Im Übrigen wäre es durchaus möglich, Computerspiele auch in Deutschland unzensiert zu veröffentlichen. In Filmen geht es ja beispielsweise auch. In Filmen ist es deshalb erlaubt, da Filme ganz allgemein als Medium als Kunst anerkannt sind und Kunst in Deutschland gemäß Grundgesetz nicht zensiert werden darf. Dabei geht es nicht um einzelne Filme, die Kunst sind oder nicht, sondern das Medium Film an sich gilt schon als Kunst, unabhängig von den Inhalten.
Nun ist es zweifelsohne mittlerweile so, dass Computerspiele ebenfalls seit vielen Jahren den Status von Kunstwerken erfüllen. Man denke da nur an die Fallout-Reihe, die Bioshock-Reihe oder andere hochwertige Spiele. Der einzige Grund, warum Computerspiele immer noch zensiert werden, besteht darin, dass bisher einfach noch kein Spiele-Publisher vor das Bundesverfassungsgericht gezogen ist, um dort PC-Spiele als Kunst einstufen zu lassen. Man kann wohl mit 99%iger Wahrscheinlichkeit ausgehen, dass der Kläger die Klage gewinnen würde. Wenn selbst die grottigste DailySoap allgemein als Kunst anerkannt ist, dann werden auch story-basierte Computerspiele wie die Bioshock-Reihe usw. diese Hürde locker nehmen.
Es gibt nur einen Grund, warum das bisher nicht passiert ist. Es ist einfach für einen Publisher unpopulär finanziell uninteressant, diesen juristischen Weg durch die Instanzen zu beschreiten. Erst mal müsste ein Publisher ein entsprechendes Spiel mit Hakenkreuzen oder ähnlichem haben. Das muss dann vom Staat indiziert werden, d.h. der Publisher verdient dann damit kein Geld, da es nicht beworben und nicht verkauft werden darf. Dann muss der Publisher Geld in die Hand nehmen, um sich jahrelang durch die Instanzen bis zum Bundesverfassungsgericht zu klagen. Dort wird der Publisher zwar wahrscheinlich Recht bekommen, aber bis es so weit ist, ist das Spiel einige Jahre alt und verkauft wird es dann auch nicht mehr werden. Noch dazu muss der Publisher sich dann vorwerfen lassen, den Nationalsozialismus zu verherrlichen. Gibt also schlechte Presse. Komischerweise macht aber niemand den gleichen Publishern diese Vorwürfe, wenn sie die gleichen unzensierten Spiele im rest der Welt außer in Deutschland zu verkaufen.

Eine Möglichkeit, ein solches Grundsatzurteil zu erwirken, wäre eine Art Kickstarter-Kampagne. Man müsste für genau diesen Zweck, nämlich den Weg durch die Instanzen Geld sammeln. Dann muss man ein kleines Studio beauftragen und auch mit dem gesammelten Geld dafür bezahlen, ein betroffenes künstlerisch anspruchsvolles Spiel zu entwickeln, was dann indexiert wird. Dann kann der Klageweg bis zum BVG beschritten werden. Wenn dann erst mal ein Grundsatzurteil gefällt ist, braucht es keine weiteren Klagen mehr.

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leander_hausmann 30.10.2017, 21:57
3. Mega geiles Spiel

Ich zocke es gerade. Und ich finde es super.
Das Szenario ist durchgeknallt und dazu passt auch das mit dem "Regime".+
Sind zwar nazis und man sieht auch mal hitler (eine der besten Szenen des Spiels ^^), aber der Fun faktor ist mega.
absolute Empfehlung

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Zaunsfeld 30.10.2017, 22:05
4.

Zitat von Oberleerer
Zu Wolfenstein sollte man noch erwähnen, daß die Exekutionsszene aus dem ersten Teil (wo man sich zwischen einem der 2 Kameraden entscheiden muß) nun mehreren Szenen gewichen ist, wo man einer Enthauptung, einer Haustiererschießung und einer Prügelattacke gegen die Mutter beiwohnen muß. Ein unbeschwerter Ballerspaß sieht dann doch anders aus. Ansonsten spielt man nur in Schlauchleveln, manchmal in größeren Hallen. Meist im engen U-Boot, in U-Bahntunneln, Hausruien und Eisenbahnen. Viel Platz für Strategie bleibt also nicht. Trotzdem ist es spannend und man will immer weiterspielen.
Es ist ja auch ein eher klassischer Shooter und kein Open-World-Rollenspiel.

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sebastianschneider 30.10.2017, 22:30
5. Egoshooter und Pseudomoral, geht das?

Wenn ich mein Hintergrundwissen auffrischen will über die Mechanismen, die den Nationalsozialismus an die Macht gebracht haben, brauche ich keinen Egoshooter.
Bei Sebastian Haffner kann ich etwas über Hitler lernen. Wenn ich wissen will, wie sich Intellektuelle die Massenerschießungen zu etwas Sinnhaftem zurechtgebogen haben, lese ich „Die Wohlgesinnten“ von Jonathan Litell. Über die Psychologie von Massen klären Le Bon und Elias Canetti auf.
Der direkte Vorgänger des vom Rezensenten gelobten „Colossus“, „The New Order“, war für mich erstmals eine große Enttäuschung im Wolfenstein-Universum. Wegen seiner völligen Humorlosigkeit. Entgegen dem witzigen Trailer triefte das Spiel von Pseudomoral. Hinfort das „Hüpaho“ und „Eine kleine Amerikaner“ des allerersten Spiels, fort die geheimnisvolle Atmosphäre des zweiten, nichts vom Indiana Jones Feeling des Dritten. Stattdessen muss ich den verzückten Tonbandaufzeichnungen einer Frau lauschen, die im Zivilleben Beziehungen zu Soldaten aufbaut, um sie sodann hinterrücks zu ermorden. Wer hierin einen Akt politischer Aufklärung oder ein Wachrütteln gegenüber aktuellen politischen Verhältnissen sieht, hat den Schuss nicht mehr gehört.
"The New Order" war für mich der erste Shooter, bei dem mir die Gewalt im Spiel bedenklich erschien: ich sah mich den gleichen Propaganda-Mechanismen ausgesetzt, mit denen im realen Leben Menschen gegeneinander aufgehetzt werden: mit fiktionalen Gräueln wird erst einmal die Bösartigkeit des Gegners vor Augen geführt, sodann wird mir von allen Seiten eingeflüstert, dass die anderen noch viel böser seien als gedacht; und endlich bin ich legitimiert, massenhaft Morde zu begehen. Die alten Wolfensteinvorgänger bedurften dieses primitiven psychologischen Mechanismus nicht. Da wurde „ehrlich“ nach Herzenslust geballert. Und jeder wusste, es ist Unsinn, was ich gerade mache, losgelöst vom echten Leben.
Die psychologische Inszenierung, die pseudoauthentische Rechtfertigung für das Gemetzel nervt enorm. Schlimmer noch: das Spiel kommt mit einer Botschaft daher: wenn der andere nur böse genug ist, darf man all jene, die seine Insignien tragen, ohne nachzufragen umlegen. Und dies vor dem Hintergrund realer historischer Ereignisse.
Gerade weil es das Spiel so ernst meint mit seiner politischen Korrektheit, verwandelt es die Grauen des Nationalsozialismus in eine Räuberpistole. Was für John Rambo in Teil 3 die bösen Sowjets („FBW-Prädikat: wertvoll“), sind diesem schwedischen Blaskowitz die Nazis. Nur dass bei Rambo das Augenzwinkern deutlich größer war.

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held_der_arbeit! 31.10.2017, 23:23
6. Getroffene Hunde bellen

Ein schöner Kommentar zum amerikanischen Protofaschismus. Damit sollte die Frage ob Spiele Kultur bzw Kunst sind eigentlich (wieder mal) geklärt sein. Leider aber müssen wir uns hierzulande immer noch mit Zensur herumärgern während die herkömmliche Kunst davon unberührt bleibt. Mit teils deutlich derberen Inszenierungen

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lorn order 31.10.2017, 23:29
7. es geht nicht um Indizierung sondern um Verbot

Zitat von Zaunsfeld
Im Übrigen wäre es durchaus möglich, Computerspiele auch in Deutschland unzensiert zu veröffentlichen. In Filmen geht es ja beispielsweise auch. In Filmen ist es deshalb erlaubt, da Filme ganz allgemein als Medium als Kunst anerkannt sind und Kunst in Deutschland gemäß Grundgesetz nicht zensiert werden darf. Dabei geht es nicht um einzelne Filme, die Kunst sind oder nicht, sondern das Medium Film an sich gilt schon als Kunst, unabhängig von den Inhalten. Nun ist es zweifelsohne mittlerweile so, dass Computerspiele ebenfalls seit vielen Jahren den Status von Kunstwerken erfüllen. Man denke da nur an die Fallout-Reihe, die Bioshock-Reihe oder andere hochwertige Spiele. ...
Ein Spiel mit verfassungsfeindlichen Symbolen wie Hakenkreuzen wird nicht indiziert sondern ist per se eine Straftat und von daher verboten.
Nicht nur der Handel sondern auch der Besitz solcher Spiele ist bei Strafandrohung verboten.

Das hat mit Indizierung aber nun gar nichts zu tun.

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Moctezuma 31.10.2017, 08:25
8. Mehr als nur ein Computerspiel

Alleine, dass man politisch über ein Wolfenstein Spiel diskutiert, zeigt, dass es den Nerv der Zeit getroffen hat. Neben der hohen Qualität sowohl spielerisch als auch erzählerisch ist es heutzutage auch politisch inkorrekt. Ja, der Main-Plot (Nazis besetzen USA) verdient jetzt keinen Oskar, aber daraus wurden ja auch schon ganze Serien (Man in the high castle) oder Bücher gemacht. So sind es dann die kleinen, persönlichen Stories, die hier glänzen.
Schon im Vorwege, als es die ersten Trailer gab, diskutierte man im Netz, ob es denn lustig oder rassistisch sei, wenn JB (der Hauptakteur) von Grace Walker (dem Kopf des New Yorker Widerstandes, eine Schwarze) als "Weißbrot" bezeichnet wird. Und das war noch eine der harmlosesten Diskussionen. Wenn also Nazis gegen ein Wolfenstein Spiel aufbegehren, dann hat Maschine Games zusammen mit dem Publisher Bethesda offensichtlich alles richtig gemacht.

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Darl 31.10.2017, 08:46
9. Von deutscher Zensur und Nutzerreviews.

Sagen wir es mal so, die Zensur in der deutschen Version von Wolfenstein ist zwar manchmal sehr unfreiwilig komisch. Aber ich denke die bescheuertste Zensur ist immer noch in Hearts of Iron 4 (ein Strategiespiel von Paradox Entertainmen) wo Hitler auf seinem Poträt in Schatten gehüllt war wie ein Bond Bösewicht (Ich habe sie erwartet Mister Churchill). Naja wir Deutschen (oder besser unsere Jugendschützer und Moralwärter) sind in der Hinsicht schon etwas sehr paranoid. Muss aber sagen das ich bei diesem Spiel immer noch die vielen englischen (und auch teilweise deutschen) Nutzerkritiken am witzigsten finde in dem das Spiel als (ich zitiere) "kommunistische Propaganda", "ein von political correctness verseuchtes Drecksspiel" , "Ein Spiel für "SJWs" und linke Terroristen" bezeichnet wurde und es manche Leute schade finden das man "nicht auf der Seite der Nazis (es wurde explizit Nazis gesagt ) spielen kann" obwohl der Grundtenor in dieser Spielreihe schon immer "Nazis töten" war. In einem Teil der Reihe (der in Deutschland indiziert ist) kämpfte man gegen Robo-Hitler ums mal auf den Punkt zu bringen. Wäre so als würden sich Satanisten beschweren das man in Doom Dämonen tötet.

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