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Elterncouch: Ganztagsbetreuung ist keine Kinderfolter
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mt0xff 17.12.2017, 09:15
1. Weiter?

Sorry, aber Ganztagesbetreuung als progressiv betrachten halte ich auch für Blödsinn. Dass man am Abend noch 2h für Pfannkuchen hat und das wars ist nicht nur für die Kinder ein Rückschritt. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang im Büro verschimmeln ist nicht "weit", es ist rückschrittlich. Früher war es normal, dass Kinder "neben der Arbeit" in der Werkstatt oder am Bauernhof rumgerannt sind. Ich war oft mal mit im Büro, Kindergarten war furchtbar für mich. Meiner Tochter tut die Tagesmutter sicher gut, aber irgendwann wird es ihr dann auch einfach zuviel.

Glücklicherweise habe ich die Möglichkeit, tatsächlich ein modernes Leben zu leben und das nur zeitweise in Anspruch nehmen zu müssen. Das heisst ich arbeite in erster Linie remote, sehr mobil und nur 25-30h/Woche. Verdiene trotzdem mehr als vorher fulltime. Mein Arbeitsplatz wechselt zwischen Büro, Couch, Bett, Badewanne, Garten und weiter draussen in der Natur. Und ich bin produktiver als jemals vergammelnd im tristen Büroumfeld. Keine Depressionen mehr, keine regelmäßigen Burnout-Gefühle. Keine 300 Euro im Monat für den Hundesitter. Meine Fortbildung ist in den Alltag eingeflogen, Kommunikation via slack App ebenfalls.

Und ich habe alles miterlebt - von den ersten Schritten über die ersten Worte bis zum ganz regulären Alltag.

Das was Sie beschreiben ist nur ein erweitertes Hamsterrad, verkauft als modern.

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fredadrett 17.12.2017, 09:23
2. Wenn der Vater wirklich denkt

das die Kinder nicht lieber zu Hause bei ihm oder seiner Frau wären, dann ist er unheimlich naiv oder sie sind, schlechte Eltern.
Ich glaube bei solchen Artikeln wird einfach versucht die eigene wirtschaftliche Situation zu rechtfertigen.
Aus eigener Erfahrung hätte ich meinen Sohn gern erst mit drei Jahren in den Kindergarten geschickt, musste ihn aber schon vorher halbtags in die Krippe geben.
Wie gesagt wirtschaftliche Zwänge und keine freie Entscheidung und dazu stehe ich. Albern sich das schönreden zu wollen.

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fördeanwohner 17.12.2017, 09:29
3.

Das ist ein gelungener Beitrag.
Und ist es nicht geradezu absurd, dass in Frankreich Kinder einerseits einen höheren Stellenwert haben, d.h. das Land insgesamt kinderfreundlicher ist, und gleichzeitig nicht wie rohe Eier behandelt werden, die nur von Mama am besten sechs Jahre lang betüdelt werden sollten und früh lernen, dass nur das Ich zählt?

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dutze 17.12.2017, 09:30
4. Gesellschaftsproblem

Das sind gesellschaftliche Probleme. Wir identifizieren uns über Beruf und Statussymbole, Wer etwas repräsentieren will und anerkannt sein will, der lebt iin der Altbauwohnung im teuren Hipsterviertel und fährt einen SUV. Dazu braucht es natürlich viel Geld, welches u.U. nur mit zwei Gehältern zu verdienen ist. Das alle geht dann zu lasten der Familie und insbesondere der Kinder. Ich finde, Wenn die Erzieherinnen die eigenen Kinder täglich länger sehen als zumindest einen Elternteil, dann läuft meiner Meinung nach etwas verkehrt. Eltern sollten Kinder massgeblich erziehen, beeinflussen und Ansprechpartner sein, nicht die Erzieherinnen. Deshalb muss man sich mitunter tatsächlich zwischen Karriere bzw. Statussymbolen und Kindern entscheiden. Aber wie gesagt: Das ist ein hausgemachtes Problem. Wir selbst formen unsere Gesellschaft und unsere Werte und Normen. Solange Karriere und Statussymbole mehr Wert als die Familie hat, wir dieses Problem auch weiter bestehen. Verkehrte Welt....

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anjakmail-einkauf2 17.12.2017, 09:51
5. Danke, danke, danke!

treffend und amüsant geschrieben. Ich habe eben meinen "lebenslang" ganztagsbetreuten Teenagern die Überschrift vorgelesen und gefragt ob sie das bestätigen könnten. Ich bekam ein eher irritiertes Ja in dem Tonfall: "Ich versteh die Frage nicht?" Also, wo ist das Problem?

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007er 17.12.2017, 09:55
6.

Das Problem ist leider, dass manche Kita und sehr viel Ganztagsschulen doch Verwahrstationen sind. Es sind weder der zeitliche Rahmen noch die personellen Ressourcen gegeben, um sich um die Bedürfnisse u Bedarfe der unterschiedlichen Kinder zu kümmern. Survival of the fittest- wird gefordert u gefördert. Sieht man auch sehr schön in Krippengruppen, insbesondere dort, wo häufiger Personalwechsel, durch die unterschiedlichsten Gründe hervorgerufen, gang und gäbe ist. Persönlich kann ich dem Autor nur wünschen, dass seine Kinder so 'funktionieren' wie die Gesellschaft es neuerdings fordert.
Im übrigen sind Gleichberechtigtes Berufs - und Familienleben auch ohne staatliche Sozialisationseinrichtungen möglich. Kinder bei einer Tagesmutter mit anderen kids, Teilzeit Krippe, Familienangehörige, Schule mit Hort (hier findet auch die Ferienbetreuung statt u zudem offerieren sie weitaus bessere Betreuungszeiten als manche GTS). Da der Hort nicht obligatorisch ist, kann man individuell das Angebot nutzen.... mal Mittags in Schwimmbad, Musikunterricht, Ergo, usw
)
Aber mir scheint, solch indivduelle Betreuungsoptionen sind zu anstrengend. Unterhalten sie sich beim nächsten Frankreich Urlaub, wenn ihre kids bei der Abendanimation sind, mit einer Französin über die Klein/ Kindbetreuung in der Grand Nation. Sie werden überrascht sein....

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Leser161 17.12.2017, 10:01
7.

"Es geht auch nicht darum, das eine Lebensmodell gegen das andere auszuspielen."

Na dann machen Sie halt nicht mit beim Ausspielen und machen nicht die Leute lächerlich, die halt keine Ganztagsbeetreuung in Anspruch nehmen wollen:

"Mutti kocht und "samstags (aber nur samstags!) gehört Vati mir!"

Respektieren Sie die Eltern, die das gerne anders machen wollen. Und sei es, weil dann mehr Ganztagsplätze für Ihre und meine Kinder bleiben.

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lemmy01 17.12.2017, 10:05
8.

Ich sage einmal so: In den letzten Tagen gab es etliche Berichte über Verrohung an den Schulen. Auf ntv sagte dazu ein Sozialarbeiter (!) im Interview sinngemäß folgendes: "Für die Erziehung und Sozialisierung sind die Eltern verantwortlich. Das können die Lehrer nicht leisten."

Die Aussagen in dem Artikel hier und dieses Statement "beissen" sich schon etwas. Wobei in den Fällen, die in den letzten Tagen in der Presse standen, vermutlich (auch) die Sozialisierung durch die Eltern gescheitert ist.

Man sollte sich vielleicht fragen, was man als Kind selbst gern gewollt hätte...

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ko-spon 17.12.2017, 10:09
9.

Mag ja alles richtig sein, wenn die Gantageseinrichtung gut ist. Nach diesbezueglich ausserst schlechten Erfahrungen bin ich nun Anhaenger der vielgescholtenen Herdpraemie. Jeder sollte sich selbst aussuchen, was fuer seine Kinder am besten ist. Wenn es klappt, ist das natuerlich ganz bequem mit der Gantagsbetreuung. Wenn nicht, traegt das Kind durchaus auch schwere psychische Schaeden davon.

Meine Frau und ich teilen und die Nachtmittagsbetreuung ca. 50-50 auf, mit flexiblen Arbeitszeiten ist das zum Glueck kein groesseres Problem.

Zum Thema Franzosen: sie wuerden auch anders, wenn sie koennten (ich weiss das zufaellig, weil ich franzoesische Verwandschaft habe). Aber sowas wie Elterngeld oder Rueckkehrrecht nach Elternzeit oder so was gibt's dort leider nicht.

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