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Elterncouch: Hier herrscht Chaos, in Ordnung?
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e-biker 20.01.2019, 16:31
1. Irrsinn

Das Grundmißverständnis liegt in der Annahme, man müsse aufräumen, weil die Reinigungskraft kommt. Klar, sie oder er sollen gut und effektiv arbeiten können. Aber: Wenn man die Zeit, die man für das Aufräumen aufbringt, gleich selbst in die Reinigung und ins Putzen der Wohnung investiert, haben alle etwas davon: Die Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen und man macht vllt. sogar etwas gemeinsam. Vor allem aber spart man viel Geld, das man dann besser mal als Anreiz in eine nette Familienaktion investieren kann.
Aufräumen, für die Putzfrau. Tztztz. Wir haben uns damit auch jahrelang selbst betrogen. ;-)

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freigeistiger 20.01.2019, 17:51
2.

Warum sollen die Kinder aufräumen? Um die Erwartungen Anderer zu erfüllen, deren Sinn man nicht nachvollziehen kann? Kinder können erst ab sechs Jahren abstrakt denken. Aufräumen weil Mutter es will ist abstrakt. Der Mutter kann man Kochrezepte auch nicht mit Hilfe von Chemie erklären. Kinder lernen durch das Nachmachen der Erwachsenen. Kinder beim Aufräumen des Wohnzimmers mitmachen lassen und einbinden als normale gemeinsame Tätigkeit ist natürliches Lernen. Im Kinderzimmer einige Grundsätze für die Vorteile der Kinder festlegen. Das Bett bleibt fei. Ein Durchgang von Tür zu Bett, Fenster und Schreibtisch bleiben immer frei. Weil es praktisch ist. Sachen in Bereichen ablegen. Es muss nicht ordentlich aussehen. Es muss eine logische Ordnung haben. Kleidung hat seinen Bereich, Schulsachen haben ihren Bereich, Stifte haben ihr Behältnis, etc.. Dann braucht man nicht zu suchen. __ Kinder haben noch meistens eine natürliche Empathie. „Frau Jansen braucht den Boden frei, damit sie saugen kann.“

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remedias.cortes 20.01.2019, 18:02
3.

Wenn die Kinder so eine Unordnung haben, besitzen sie schlicht zu viele Sachen und sind reizüberflutet. Lösung: Immer nur 5 - 10 Spielsachen draußen lassen, den Rest wegpacken. Hat den Vorteil, dass sich die Kinder jedesmal wie über Neues freuen, wenn die Spielsachen ausgetauscht werden. Auch zu empfehlen nach überbordenden Weihnachts- oder Geburtstagsfeiern. Wenn das Kind aber ein ganz bestimmtes Spielzeug will, sollte es herausgegeben werden, es geht nicht um Diktatur, sondern um Reizabschirmung.

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f_bauer 20.01.2019, 18:34
4.

Der Herr Ratz hat ja bei seinem Erziehungsstil schon das Wort „scheitern“ mit eingebaut. Menschen wachsen selten über ihre eigenen Erwartungen hinaus. Und das hat bei ihm auch seine Gründe.

Das „Geheimnis“ beim Aufräumen (das eigentlich überhaupt keins sein sollte) ist die Aufteilung der Aufräumaktion in kleine Teilaufgaben. Wenn Eltern glauben, sie könnten Kindern einfach sagen: „Räum mal das Zimmer auf“ - eine Aufgabe, die aus weit über hundert Teilaktionen bestehen kann - dann ist bei diesen Eltern (ja, bei den Eltern, nicht bei den Kindern) das Scheitern wirklich vorprogrammiert. Die denken halt „Ich kann das, also kann mein fünf Jahre altes Kind das auch!“

Kurioserweise würden solche Eltern aber nie auf die Idee kommen, ihren Kindern zu sagen: „Koch mal Boeuf Stroganoff - ganz allein!“ oder „Geh mal zum Supermarkt und mach den Wocheneinkauf!“ oder „Meine Steuererklärung machst du gefälligst fertig bevor die Putzfrau kommt!“ Aber bei der ähnlich komplexen Aufräumaufgabe sollen die Kinder das allein machen. Ohne Hilfe. Zeitbegrenzt. Und bei dieser komplett bizarren Forderung glauben die Eltern noch, das wäre irgendwie pädagogisch sinnvoll?

Haben solche Eltern null Empathie?

Können sich solche Eltern nicht vorstellen, wie es für ein kleines Kind ist, wenn es vor einem Riesenchaos steht und dann die Aufgabe bekommt: „Jetzt bring das mal alles in eine Struktur, die meine Anforderungen erfüllt, deren Sinn, Zweck, Umfang und genaue Form du noch gar nicht erfassen kannst.“?

Und wenn die Kinder es nicht hinbekommen, dann soll die Lösung darin bestehen, das Kind anzufeuern, oder mit rumzuwurschteln, als würde das irgendwie die Gesamtkomplexität der Aufgabe reduzieren. Wenn Herr Ratz seine nächste Steuerklärung macht, möchte ich daneben sitzen und rufen: „Super, Jonas! Toll! Weiter so! Wenn du es in einer Stunde schaffst, lese ich dir was vor!“ Wird bestimmt eine Menge bringen. Oder ich kritzel hier und da mal ein paar Zahlen in die Steuererklärung, um zu „helfen“ - und um Herrn Ratz implizit klar zu machen, dass ich das besser kann als er. So lege ich auch gleich seine Erwartungen an sich selbst fest, über die er nicht mehr hinauswachsen wird.

Also wie gesagt: Teilaufgaben. „Räum mal die Legos auf.“ Immer noch zu viel? „Räum mal die roten Legos auf.“ Danach geht es halt weiter. Ist für die Eltern sicherlich zäh und frustrierend, wenn man alle fünf Minuten eine neue Aufgabe stellen muss. aber vielleicht geht dann doch dem einen oder anderen noch ein Licht auf, wenn man sieht, wieviele Aufgaben so ein Kind bewältigen muss, um das Zimmer komplett aufzuräumen.

Wie so oft sind es eben nicht die Kinder, die zum Aufräumen trainiert werden müssen, sondern die Eltern, die lernen müssen, kindgerechte Aufgaben zu vergeben. Eigentlich schade, dass Eltern so ein Empathietraining nötig haben. Aber wenigstens liefert es einen pseudo-lustigen Artikel auf Spiegel Online.

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mairae 20.01.2019, 21:41
5.

Aufräumen ist doch kein Problem! Meine Tipps: 1. Wenig Spielzeug gut verteilt in einfachen Boxen. Das sorgt dafür, dass keine Reizüberflutung stattfindet und die Sachen ihren Platz haben. Im Wohnzimmer steht das, im Kinderzimmer jenes an einer ganz bestimmten Stelle. Boxen sorgen dafür, dass aufräumen durch schlichtes in die Box werfen erledigt werden kann. 2. Mithelfen! Kinder können lange Zeit nicht alleine aufräumen und sind überfordert damit. Hilft man aktiv mit und zeigt, was jetzt wo reinsortiert wird (Boxen), hilft das Kind in seinem Tempo mit. 3. Was neues spielen bedeutet das alte wegräumen! Funktioniert bei uns super. Wenn du kneten willst, müssen wir die Malsachen wegräumen. 4. Jeden Tag wird "aufgeräumt"! Das bedeutet bei uns, dass die Sachen, die bespielt worden sind, wieder an ihren Platz gestellt werden. Aufräumen bedeutet nicht, dass alles auseinandergebaut (z.B. Lego etc.) sein muss. Es muss nur ordentlich hingestellt und nicht benutztes weggeräumt sein.

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Postwachstumsökonom 21.01.2019, 23:42
6. Konmari

Die Lösung ist noch viel einfacher. Einmal alles aussortieren und entrümpeln, das behalten was man wirklich mag und jedem Gegenstand einem festen Platz zu ordnen. Wenn man diese simple Minimalismusregel nach Marie Kondo einmal kapiert und internalisiert hat, braucht man nie wieder aufräumen. Ein Leben lang.

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schenkilla 22.01.2019, 07:37
7. Welch Luxus-

problem....
mit zwei Kindern, zwei Jobs und zwei Nebenbeschäftigungen ist für uns Frau Jansen noch immer nicht drin....also bleibt uns nichts anderes übrig als selbst aufzuräumen und sogar auch zu saugen...dies ist dann der Job des Großen....funktioniert meist reibungslos und ich erkenne gar pädagogischen einen Sinn dahinter...

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kolenya 24.01.2019, 08:40
8.

Aufräumen zu einem bestimmten Zeitpunkt und dann auch noch Sonntags ist schwierig, gerade für so kleine Kinder. Also warum nicht einfach den Druck rausnehmen und Frau Hansen sagen: Wenn aufgeräumt ist, bitte sauber machen und wenn nicht, dann nicht? Wenn es dann mal nicht klappt mit dem aufräumen, macht man halt am Montag weiter und kann dann selber sauber machen. Und ich wette,( wenn man das gar nicht mag) es braucht nur ein paar Wochen und man achtet da als Eltern drauf, dass man früh genug mit dem aufräumen anfängt und schiebt es nicht mehr auf. Beachtet man die tollen Tipps der Leser hier, ist es ja eh nur noch ein Klacks.

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