Forum: Panorama
Ex-RAF-Terroristen - zurück zur normalen Existenz?

Nach der Freilassung von Brigitte Mohnhaupt wurden sogleich Befürchtungen einer steilen "Medienkarriere" der Ex-Terroristin laut. Ist eine Resozialisierung mit so viel Öffentlichkeit überhaupt möglich? Wie soll mit den ehemaligen RAF-Mitgliedern umgegangen werden?

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C.Jung 28.03.2007, 15:56
1. KEINE Plattform zur Selbstdarstellung geben.

Jedenfalls sollte Leuten, die keinerlei selbstkritisches Verhältnis haben zu ihren Morden und dem Leid, das sie anderen zugefügt haben, KEINERLEI Plattform zur Selbstdarstellung und -rechtfertigung gegeben werden!

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charcharinus 28.03.2007, 16:04
2. Fahndungseinstellung?

Zitat von sysop
Nach der Freilassung von Brigitte Mohnhaupt wurden sogleich Befürchtungen einer steilen "Medienkarriere" der Ex-Terroristin laut. Ist eine Resozialisierung mit so viel Öffentlichkeit überhaupt möglich? Wie soll mit den ehemaligen RAF-Mitgliedern umgegangen werden?
Da wird diskutiert, ob die Fahndung der bisher noch nicht festgenommenen RAF-Mitglieder der 3. Generation, die vor noch nicht einmal 8 Jahren ihren letzten Überfall begangen haben, eingestellt werden soll!
Und jetzt die Resozialisierung der RAF oder deren Mitglieder der 1. und 2. Generation?

Das beißt sich doch!

Da wird mit zweierlei Recht Maß genommen.
Die normalen Mitbürger, die, warum auch immer, einen Menschen totgeschlagen haben, werden zu lebenslänglich verurteilt und je nach dem, ob feminin oder maskulin, früher oder später wieder rausgelassenö

Die RAF, also die gegen den Staat und die Kapitalisten und die Kapitalistenknechte (eigentlich jeder Normalo, der Geld verdienen muß um etwas zu knabbern zu haben) gemordet haben;
da wird die Abgeltungsdauer für einen Mord mal schnell auf 3 Jahre verkürzt.

Ich weiß nicht, irgendwie kommt mir das "spanisch" vor!

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Andreas Heil 28.03.2007, 19:00
3.

Zitat von sysop
... Befürchtungen ...
Felix Ensslin hat in einem großartigen Artikel in der ZEIT Überlegungen angestellt, die übliche Geplänkel hinausgehen:

... Es ist die Geschichte einer Wiederkehr des Politischen – in der gespenstischen Anwesenheit einer anderen Welt ...

... Nicht Straftaten machen den Terroristen zum Terroristen – und zum Gegenstand rechtsstaatlicher Maßnahmen –, sondern Gedanken, die zur bestehenden Ordnung eine Alternative erträumen ...

... Denn es ist ein Grundgedanke des Konservatismus, dass die Unfähigkeit, die Realität zu akzeptieren, der Anfang allen Übels ist und in letzter Konsequenz also auch der Nährboden für Terrorismus ...

... Vielleicht erklärt das die Aufregung der vergangenen Monate: Unter all den Hülsen und populistischen Einlassungen ist ein Bewusstsein vorhanden, dass es sich bei der Debatte um die Begnadigung eines Terroristen um eine traumatische Wiederkehr des Politischen selbst handelt. Der Akt der Gnade, so er vollzogen würde, verwiese in sich selbst schon darauf, dass die Welt, so wie sie ist, nicht die einzig denkbare – vielleicht sogar nicht die wirklich wünschenswerte – ist.


Die doppelte Verdrängung

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LucasF 28.03.2007, 21:14
4.

"Wie soll mit den ehemaligen RAF-Mitgliedern umgegangen werden?"

Mit äußerster Härte. Wenn man bedenkt, wie die Betroffenen leiden, geht es den ehemaligen Mitgliedern dieser Organisation viel zu gut.

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kräuterhexe 28.03.2007, 21:18
5. Warum nicht?

Man sollte sie in der Alten-oder Behindertenbetreung oder Strassenkinderbetreuung etc. arbeiten lassen.....Dann können die mir was erzählen über ihre komischen Ansichten über ihren komischen Klassenkampf.an könnte sie nützlich machen.....

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kräuterhexe 28.03.2007, 21:24
6.

...oder sie schnuppern erst mal beim Langhans rein.....Das gefällt ihnen bestimmt gut.Erst mal gute Laune verschaffen;der Rest geht dann schon.

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Reziprozität 28.03.2007, 21:54
7.

Zitat von sysop
... Wie soll mit den ehemaligen RAF-Mitgliedern umgegangen werden?
Ich stehe der deutschen Justiz eher kritisch gegenüber, das Gezerre um die Anti-Nazisymbole oder der aktuelle Fall der "Koran-Richterin" machen dies leicht. In diesem Falle stehe ich jedoch gern auf und applaudiere. Staat und Justiz haben damals der "Verlockung" widerstanden eine politische Justiz auszuüben und die RAF-Terroristen wie gemeine Kriminelle (die sie in meinen Augen auch sind) abgeurteilt. Konsequenterweise greifen jetzt Massnahmen (Entlassung auf Bewährung mit konkreten Auflagen) die auch ganz gewöhnlichen Schwerkriminellen zuteil werden und die sowohl eine Wiederholung des Geschehenen vermeiden sollen, als auch auf die Resozialisierung der Straftäter abzielen, sofern das möglich ist. Frau Mohnhaupt wird es eh' kompliziert finden, sich in der Welt des 21. Jahrhunderts zurechtzufinden.

Es fällt mir allerdings schwer daran zu glauben, dass Frau Mohnhaupt jetzt von Jauch, über Beckmann zu Kerner tingelt, Versuche seitens der Sensationsmedien wird es allerdings geben. Ich kann mir jedoch nur schwer vorstellen, warum eine ehemalige "Stadtguerillera" auf einmal mit der BLÖD-Zeitung reden wollte.

Obgleich das Leiden der Angehörigen der RAF-Opfer damit nicht zu sühnen ist, plädiere ich dafür diese sicherlich verbitterte ältere Frau einfach der Vergessenheit anheimfallen zu lassen.

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QueFueMejor 28.03.2007, 22:09
8.

Zitat von Reziprozität
Ich stehe der deutschen Justiz eher kritisch gegenüber, das Gezerre um die Anti-Nazisymbole oder der aktuelle Fall der "Koran-Richterin" machen dies leicht. In diesem Falle stehe ich jedoch gern auf und applaudiere. Staat und Justiz haben damals der "Verlockung" widerstanden eine politische Justiz auszuüben und die RAF-Terroristen wie gemeine Kriminelle (die sie in meinen Augen auch sind) abgeurteilt. Konsequenterweise greifen jetzt Massnahmen (Entlassung auf Bewährung mit konkreten Auflagen) die auch ganz gewöhnlichen Schwerkriminellen zuteil werden und die sowohl eine Wiederholung des Geschehenen vermeiden sollen, als auch auf die Resozialisierung der Straftäter abzielen, sofern das möglich ist. Frau Mohnhaupt wird es eh' kompliziert finden, sich in der Welt des 21. Jahrhunderts zurechtzufinden. Es fällt mir allerdings schwer daran zu glauben, dass Frau Mohnhaupt jetzt von Jauch, über Beckmann zu Kerner tingelt, Versuche seitens der Sensationsmedien wird es allerdings geben. Ich kann mir jedoch nur schwer vorstellen, warum eine ehemalige "Stadtguerillera" auf einmal mit der BLÖD-Zeitung reden wollte. Obgleich das Leiden der Angehörigen der RAF-Opfer damit nicht zu sühnen ist, plädiere ich dafür diese sicherlich verbitterte ältere Frau einfach der Vergessenheit anheimfallen zu lassen.
Endlich mal ein Gegner der RAF, der die Sache wirklich objektiv betrachtet. Frau Mohnhaupt hat ihre Chance, wir werden sehen was sie daraus macht. Beziehungsweise wir werden hoffentlich nicht sehen, was Frau Mohnhaupt daraus macht, das wäre schön. Zum einen würde es Berichte in der Zeitung mit den 4 Buchstaben vermeiden, zum andern würde es zeigen, dass auch Ex-RAF-Terroristen resozialisiert werden können. Das wäre auch Klars Chance.
Hoffen wir einfach, dass wir von Frau Mohnhaupt nie wieder etwas hören

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udo46 29.03.2007, 23:51
9.

Frau Mohnhaupt und Konsorten schmarotzten seinerzeit in einer demokratischen Wohlstandsgesellschaft, die ihnen nicht passte.

Es gab eine Menge Leute, denen diese Gesellschaft auch nicht passte. Die haben aber nicht zur Waffe gegriffen, weil sie wussten oder wenigstens fühlten, dass das Resultat (Mord, Entführung, Erpressung, Brandstiftung etc.) in keinem Verhältnis zur Chance auf Verwirklichung ihres selbstgebastelten Wunschtraums stand.

Es war weder Selbstverteidigung noch Notwehr, die diese "Kämpfer für eine bessere Welt" zu ihren Taten veranlasste, sondern ein missionarisches Denken, das man nur als fundamentalistisch religiös oder sektierisch bezeichnen kann. (Wie erbärmlich eigentlich, wenn man dem z. B. den Widerstand des vietnamesischen oder (in Grenzen) palästinensischen Volkes gegenüberstellt oder auch den Widerstand gegen das Hitlerregime.)

Und warum sollte unsere demokratisch eingesetzte Rechtsordnung mit diesen Leuten anders verfahren als mit islamistischen Terroristen? Auch hier wird doch auch nicht auf irgendwelche hehren Ziele als strafmildernd abgestellt.

Mörder sollte man wie Mörder behandeln - unabhängig auch davon, welchen IQ sie in den Gerichtssaal mitbringen.

Und genauso sollte die "Nachbehandlung" aussehen: kein Unterschied zu "gwöhnlichen" Kriminellen!

Es hat schon des öfteren prominente Strafentlassene gegeben: Da war das Medieninteresse recht schnell wieder erlahmt. Auch hier wird es so sein.

Und wenn Alt-Kommunarden (im Grunde Ewig-Gestrige) sich auf ihre Art um die Resozialisierung von Frau Mohnhaupt sorgen, dann ist das für mich nur ein Witz, eine historische Randnotiz und gut fürs Kabarett.

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