Forum: Panorama
Gelbwesten-Proteste: Demonstrant mit Sprengsatz forderte Treffen mit Macron
AFP

Bei den Gelbwesten-Demonstrationen in Frankreich ist es erneut zu einem ernsten Zwischenfall gekommen. Ein mit Sprengstoff bewaffneter Mann drohte mit Gewalt. Erst nach Stunden war die Gefahr gebannt.

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frenchie3 24.11.2018, 08:38
1. Die drehen langsam durch

Gestern mit 130 auf der Autobahn, linke Spur, zieht ein Kleinwagen ohne Blinker hinter einem LKW mit 90 links rüber, ca 40 m vor uns. Vollbremsung. Und dann fährt er ca 2 km mit 92 weiter. Als wir endlich vorbei konnten grinst uns der *** an und deutet auf die gelbe Weste vor sich auf dem Armaturenbrett. Wir waren so platt daß wir nicht mal das Kennzeichen aufgeschrieben haben.

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Leser_01 24.11.2018, 08:39
2.

Kleine Frage in die Runde: Wer finanziert eigentlich diese "Gelbwesten"? Solche Gruppen bilden sich üblicherweise nicht bei Karl-Heinz und Sabine im Hobbykeller. Sind da am Ende mal wieder die üblichen Verdächtigen tätig, die unter dem Oberbegriff "Aktivisten" einen Mitgliedsstaat der EU destabilisieren wollen?

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Anandamid 24.11.2018, 09:20
3. Es gibt nur sehr wenig öffentlichen Nahverkehr in Frankreich

Weil man sowas noch nie gesehen hat, kommt man auch nicht auf die Idee, das man den ja auch mal fordern könnte. Und die Politiker kommen nicht auf die Idee, einen öffentlichen Nahverkehr eventuell einmal anzubieten.

Das ist sicherlich nur ein kleiner Teil von Macrons Problemen, aber ein wichtiger.

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nachdenk... 24.11.2018, 09:27
4. Was mir den Pelz, aber mach mich nicht nass

Was erwarten die Leute immer - die Welt möge so bleiben, Rente mit 60, fliegen für 30 Euro, die gesellschaftlichen Kosten tragen andere oder die Nachkommen? Wer verantwortlich Politik macht, muss sowas aussitzen können. Mit den Leuten reden, ja. Aber nicht der kurzsichtigen Unvernunft nachgeben.

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seine-et-marnais 24.11.2018, 09:42
5. Frankreich im Herbst

Eigentlich war vorherzusehen dass Frankreich auf diesen Konflikt zusteuert. Frankreichs nicht allzu wahlfreudige Bevölkerung war bereit 2017 den Tisch umzuschmeissen und die 'neue Politik' Macrons zu wählen. Nur und das war von Anfang an klar, Macron hat die Franzosen getäuscht. Er hat mit 'partizipativer' Demokratie begonnen, der erste Akt war es seine 'Anhänger' auszuschicken um Umfragen zu machen, er hat mit seinem 'et en même Temps' nun mal alle gegensätzlichen Interessen abgedeckt, er hat als 'Jupiter' mit seinem Alleinmarsch im Louvre (im Hintergrund zu sehen: Benalla) zu 'Freude schöner Götterfunken' seine Präsidentschaft begonnen.
Diese Präsidentschaftswahlen gelten in Frankreich als 'casse du siècle' was man übersetzen kann als 'Jahrhundertbruch', indem eine kleine Gruppe von ehrgeizigen Jungpolitikern die Macht übernommen haben. LREM als Partei existiert nicht, es gibt eine 'Parteispitze' mit Macron und einigen Spezis, es gibt aber keine Organisation, nichts, nada, rien. Ein LREM-Anh¨nger hat gefälligst die 'frohe Botschaft' zu verkünden, innerparteilich zu sagen hat er nichts da es weder eine Parteistruktur und rechtlich gesehen gar keine Partei gibt.
Und so regiert Macron jetzt mit seiner engen Gefolgschaft, verstärkt von Verwaltungsfachleuten der ENA aus seinem Abschlussjahrgang Senghor. Diese ENArchen (Nationale Verwaltungsschule) sind Verwaltungsfachleute haben da kurz in das Buch 'Wirtschaft für Anfänger' reingeschaut, ein Wirtschafts- und Entwicklungsmodell zusammengebastelt, unter allerlei Prämissen, und wollen es nun koste es was es wolle durchziehen. Das ist wunderschön geplant, Macron hält wunderbare Reden, sein einziges Problem, wenn dieses wirtschafs- und steuerliche Kartenhausmodell in den Fugen kracht, sagt er trotzig 'j'assume', ich nehme das auf meine Kappe, und will weitermachen als ginge es planmässig weiter.
Macron ist mit seiner Umverteilungspolitik kräftig auf die Nase gefallen, und statt des 'Goldenen Oktobers', bei dem er allen 'Aktiven' eine Kaufkraftsteigerung versprochen hatte (Unterdrückung von Lohnnebenkosten und eines Teils der Wohnsteuer), hat er nun den 'Gelben November' denn seine Umverteilungspolitik wirkt so dass Frankreich zwar statistisch einen Kaufkraftzuwachs verzeichnen kann, der aber nur 'oben' ankommt, während 'unten' die Kaufkraft in den Keller rutscht.
Macrons Problem, es geht schon lange nicht mehr nur um den Preis für Diesel, es geht um das Entwicklungsmodell für Frankreich, es geht um soziale und sozietale Probleme, es geht um das Demokratieverständnis. Die Probleme haben sich seit 40 Jahren angesammelt, sie sind nicht die Schuld alleine Macrons, aber Macron hat eine 'neue Welt' versprochen, wurstelt aber weiter wie in der alten, nur noch schlimmer, und der von ihm gepredigte 'Degagismus' (degager = leine ziehen) trifft ihn nun selbst.

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seine-et-marnais 24.11.2018, 09:57
6. Frankreich im Herbst

Eigentlich war vorherzusehen dass Frankreich auf diesen Konflikt zusteuert. Frankreichs nicht allzu wahlfreudige Bevölkerung war bereit 2017 den Tisch umzuschmeissen und die 'neue Politik' Macrons zu wählen. Nur und das war von Anfang an klar, Macron hat die Franzosen getäuscht. Er hat mit 'partizipativer' Demokratie begonnen, der erste Akt war es seine 'Anhänger' auszuschicken um Umfragen zu machen, er hat mit seinem 'et en même Temps' nun mal alle gegensätzlichen Interessen abgedeckt, er hat als 'Jupiter' mit seinem Alleinmarsch im Louvre (im Hintergrund zu sehen: Benalla) zu 'Freude schöner Götterfunken' seine Präsidentschaft begonnen.
Diese Präsidentschaftswahlen gelten in Frankreich als 'casse du siècle' was man übersetzen kann als 'Jahrhundertbruch', indem eine kleine Gruppe von ehrgeizigen Jungpolitikern die Macht übernommen haben. LREM als Partei existiert nicht, es gibt eine 'Parteispitze' mit Macron und einigen Spezis, es gibt aber keine Organisation, nichts, nada, rien. Ein LREM-Anh¨nger hat gefälligst die 'frohe Botschaft' zu verkünden, innerparteilich zu sagen hat er nichts da es weder eine Parteistruktur und rechtlich gesehen gar keine Partei gibt.
Und so regiert Macron jetzt mit seiner engen Gefolgschaft, verstärkt von Verwaltungsfachleuten der ENA aus seinem Abschlussjahrgang Senghor. Diese ENArchen (Nationale Verwaltungsschule) sind Verwaltungsfachleute haben da kurz in das Buch 'Wirtschaft für Anfänger' reingeschaut, ein Wirtschafts- und Entwicklungsmodell zusammengebastelt, unter allerlei Prämissen, und wollen es nun koste es was es wolle durchziehen. Das ist wunderschön geplant, Macron hält wunderbare Reden, sein einziges Problem, wenn dieses wirtschafs- und steuerliche Kartenhausmodell in den Fugen kracht, sagt er trotzig 'j'assume', ich nehme das auf meine Kappe, und will weitermachen als ginge es planmässig weiter.
Macron ist mit seiner Umverteilungspolitik kräftig auf die Nase gefallen, und statt des 'Goldenen Oktobers', bei dem er allen 'Aktiven' eine Kaufkraftsteigerung versprochen hatte (Unterdrückung von Lohnnebenkosten und eines Teils der Wohnsteuer), hat er nun den 'Gelben November' denn seine Umverteilungspolitik wirkt so dass Frankreich zwar statistisch einen Kaufkraftzuwachs verzeichnen kann, der aber nur 'oben' ankommt, während 'unten' die Kaufkraft in den Keller rutscht.
Macrons Problem, es geht schon lange nicht mehr nur um den Preis für Diesel, es geht um das Entwicklungsmodell für Frankreich, es geht um soziale und sozietale Probleme, es geht um das Demokratieverständnis. Die Probleme haben sich seit 40 Jahren angesammelt, sie sind nicht die Schuld alleine Macrons, aber Macron hat eine 'neue Welt' versprochen, wurstelt aber weiter wie in der alten, nur noch schlimmer, und der von ihm gepredigte 'Degagismus' (degager = leine ziehen) trifft ihn nun selbst.

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passwort_nu 24.11.2018, 10:04
7. Wo ist das Thema

Die gelben Westen sind kaum Teil der Berichterstattung. Die Situation in Frankreich ist schon sehr ausgeregt. Inhaltlich falsch ist zu behaupten, es geht bei den Gilets jaunes ausschließlich um die Benzinpreise. Spiegel betreibt schon fast Staatsschutz Funktion. Bin gespannt, wie es drüben weitergeht.

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seine-et-marnais 24.11.2018, 10:53
8. Mann o mann

Zitat von nachdenk...
Was erwarten die Leute immer - die Welt möge so bleiben, Rente mit 60, fliegen für 30 Euro, die gesellschaftlichen Kosten tragen andere oder die Nachkommen? Wer verantwortlich Politik macht, muss sowas aussitzen können. Mit den Leuten reden, ja. Aber nicht der kurzsichtigen Unvernunft nachgeben.
Sie sollten tatsächlich etwas nachdenken und sich informieren
ad 1. Die Rente in Frankreich gibt es in der Regel mit 62. Die Rentner sind stark betroffen von der Umverteilungspolitik Macrons a, nach oben, b. von den Rentnern zu den 'Aktiven'. Das Rentenniceau in F ist höher als in D, aber nicht zufällig sind auffallend viele Rentner bei den 'gelben Westen', zB die totgefahrenen Chantal Mazet (63) oder ein umgefahrener Rentner (71) in Arras. Zudem wohnen viele Rentner auf dem Lande und besitzen oft nur einen Diesel (bis vor wenigen Jahren angepriesen von allen Politikern als umweltfreundlich).
ad 2. Die Wochenendflieger/Billigflieger, die mit nicht steuerpflichtigem Kerosen fliegen, sind kaum Haushalte die nicht wissen wie sie den Autotank füllen sollen oder bei denen am 15. das Haushaltsgeld fehlt.
ad 3. Die gesellschaftlichen Kosten für die 'transition ecologique' ist dann doch denen aufgebrummt worden die eh zu den Verlierern des macronschen Umverteilens gehören.
ad 4. Und die 'gilets jaunes' wohnen vor allem in Gegenden in denen die Einkommen knapp sind, in denen die öffentlichen Dienste abgebaut werden, in denen die 'Versorgungszentren' immer weiter entfernt sind, in denen es kaum ÖPNV gibt.
Fazit kurzsichtige Unvernunft kann man den 'gilets jaunes' nicht unterstellen, denn die 'kämpfen' darum dass das Land, die Bobos und die Hipster und wer sie alle sind, endlich aufhören alle Lasten in die Banlieues und in die Provinz abzuschieben. Elektrotretroller in Paris kann eben nur der fahren wer davon profitiert dass in der Provinz 'die geux' zahlen für dieses Vergnügen. Denn auch ein Elektrotretroller fährt nur mit Strom der eben 'nicht aus der Wand' kommt; und die Leute aus den 'Overflydepartements' zahlen eben mit dass man kostengünstig zum Weekendtrip quer durch Europa startet per subventioniertem Flugvergnügen, während sie teuer zahlen müssen um die Oma im 100 km entfernten Krankenhaus zu besuchen, da man alle Krankenhäuser in der Provinz schliesst.

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flytogether 24.11.2018, 11:00
9. Hauptsache sich aufregen

Da regen sich ein paar Tausend Franzosen auf wegen einer Erhöhung des Benzinpreises. Das ist doch lächerlich. Bei einem Preis von 2€ pro Liter sind bei weitem nicht die wahren Kosten kalkuliert die der Verbrauch von Mineralöl generiert. Z. B. die Schäden an Häusern, Auswirkungen auf die Gesundheit usw. Vollkommen lächerlich wird das Ganze wenn man die Preise für sonstige Verbrauchsgüter vergleicht mit dem Rest von Europa. Wieso regt sich der Franzose auf wenn der Literpreis um 10% über dem Preis wie in Deutschland oder Italien liegt? Warum geht er nicht auf die Barrikaden wenn der Liter Frischmilch um 100% teurer ist als in D. Oder die Flasche Cidre in jedem popeligen franz. Großmarkt das doppelte kostet als bei Lidl. Oder der französische Camembert (das gleiche Produkt wohlgemerkt) in Frankreich deutlich mehr kostet als im deutschen Einzelhandel. Aber sich aufgeilen über den Benzinpreis. Und dann den Motor laufen lassen während man sein Baguette kauft oder minutenlang auf sein sein Smartphone gafft. Natürlich in einem SUV, der ist ja besonders spritsparend. Liebe Franzosen, einfach mal das Hirn benutzen und nicht unschuldige Mitbürger in die Geiselhaft nehmen. Aber klar - irgendwo den Verkehr blockieren, dass kann jeder Dödl.

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