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Grundsatzurteil: Kinderporno-Konsum im Internet ist strafbar

Das Anschauen von Kinderpornos im Internet ist strafbar. Das hat das Hamburger Oberlandesgericht entschieden. Auch durch das kurzfristige Herunterladen in den Arbeitsspeicher eines Computers seien Nutzer im Besitz der Dateien, heißt es in der Entscheidung. Sie gilt als Grundsatzurteil.

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keksdose 15.02.2010, 16:40
1. Es gibt also doch Gedankenverbrechen.....

Zwar bin ich noch nie auf solche Abbildungen während des surfens gestoßen, aber wenn doch einmal - dann habe ich nach diesem Urteil ein Verbrechen begangen.........
Weltfremder geht es nicht mehr......

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snickerman 15.02.2010, 16:48
2. ja schön

bleiben viele Fragen.
Hat er für diese Bilder bezahlt? Wenn ja, an wen?
Hat er sich an Kindern vergriffen?
Schützt das Nichtansehen die missbrauchten Kinder?
Wie definiert man "Willen"?
Führt das Betrachten von Bildern zur Nachahmung?
Kann man aus dem Ansehen nicht auch eine Verbreitung machen?
(auch temporäres Speichern ist gleichzeitig Kopieren)
Zeigt die steigende Zahl der Fälle, dass es schlimmer wird-
oder wird durch immer mehr User und Seiten einfach nur mehr angeklickt?

Warum sind Bilder von Mord nicht auch verboten?
(auch fiktive, die gelten auch als Missbrauch von... was auch immer...)

Ist das alles wirklich hilfreich oder nur ein Herumdoktern an Symptomen?

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vidocq 15.02.2010, 17:06
3. Kein Titel

Zitat von keksdose
Zwar bin ich noch nie auf solche Abbildungen während des surfens gestoßen, aber wenn doch einmal - dann habe ich nach diesem Urteil ein Verbrechen begangen......... Weltfremder geht es nicht mehr......
Wenn man der Logik des Gerichts folgt, müssen Sie nicht mal solche Bilder zu Gesicht bekommen haben, um ein Verbrechen zu gehen. Browser können Seiten im Voraus laden (bei Firefox ist diese Funktion standardmäßig aktiviert*), wenn diese auf der aktuellen Seiten verlinkt ist. Da dabei die vorausgeladene Seite natürlich im Speicher gehalten wird, haben Sie nach dieser Logik bereits eine Straftat begannen.

* Überprüfung in Firefox: about:config, wenn der Wert von "network.prefetch_next" "true" ist, werden Seiten im Voraus geladen

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Axeman 15.02.2010, 17:11
4. Nicht weltfremd

Zitat von keksdose
Zaber wenn doch einmal - dann habe ich nach diesem Urteil ein Verbrechen begangen......... Weltfremder geht es nicht mehr......
Nein. Zum Besitz gehört auch Besitzwille.
Wenn mir jemand im Vorbeilaufen eine Knarre aufs Grundstück wirft, bin ich auch kein Waffenbesitzer.
Ich finde das Urteil gut.

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verspiegelung 15.02.2010, 17:11
5. Hallo OLG, ist es also wieder mal soweit?

Zitat von keksdose
Zwar bin ich noch nie auf solche Abbildungen während des surfens gestoßen, aber wenn doch einmal - dann habe ich nach diesem Urteil ein Verbrechen begangen......... Weltfremder geht es nicht mehr......
Eine interessanter Denkanstoss: Allein beim Betrachten einer Spiegel-Online-Seite landen mehrere Dutzend von Bild-Dateien im Browser-Cache. Darüber habe ich - hat jeder Surfer - keinerlei Kontrolle, solange er nicht im nur-Text-Modus surft. Diese Bilder müssen nicht einmal *sichtbar* sein. Ein einfaches IMG SRC="schweinkram.jpg" width=1 height=1 reicht, um unbemerkt den Cache zu fluten. Welchen Seiten kann ich als Surfer also trauen? Welchen Werbe-Inseraten? Danke, OLG.
Nebenbei bemerkt, ist es schwierig, sich eine Meinung anhand der wenigen Informationen im Artikel zu bilden. Jemand, der im Zeitraum von mehreren Monaten die unglaubliche Menge von insgesamt siebzehn (!) Bildern betrachtet?

Ich habe ernstliche Zweifel, ob diese Person tatsächlich so ein gefährlicher Triebtäter ist, vor dem die Gesellschaft geschützt werden muss...

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spiegel-hai 15.02.2010, 17:15
6. Titel

Zitat von sysop
Das Anschauen von Kinderpornos im Internet ist strafbar. Das hat das Hamburger Oberlandesgericht entschieden. Auch durch das kurzfristige Herunterladen in den Arbeitsspeicher eines Computers seien Nutzer im Besitz der Dateien, heißt es in der Entscheidung. Sie gilt als Grundsatzurteil.
daß das das letzte Wort zu dem Thema sein soll, glaube ich nicht. So was wird auch per Spam verschickt, und man kann sich da kaum gegen wehren, sie zugesandt zu bekommen. Vor Jahren hatte ich mal den Ärger mit ganz normalen Porno-Spam und habe damals nur unter großen Mühen und Einsatz von 20 - 30 Regeln in den Einstellungen der Mailbox meines Providers diese Lästigkeit stoppen können.

Wird man also demnächst für die Art des Spams bestraft, der in der Mailbox eintrudelt?

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Zylex 15.02.2010, 17:21
7. Jaja die guten Kinderpornos..

Sehe das sehr zweigeteilt..

Einmal finde ich es richtig, daß sich solche Perversen nicht damit rausreden können sie hätten die Dateien nicht gespeichert, auf der anderen Seite ist so ein weltfremdes Entscheiden über Dinge, von denen man keine Ahnung hat, wirklich fatal. Nach dem Urteil ist man jetzt wohl für alles Illegale verantwortlich, was durch irgendeine Webseite (meist wahrscheinlich völlig unbemerkt) mit geladen wird. Sei es zb ein Hakenkreuzsymbol, eine Urheberrechtsverletzung oder andere illegalen Daten. ZB eine rechtswidrige Veröffentlichung von irgendwelchen internen Unterlagen wie auf Wikileaks..

Man steht jetzt also beim surfen immer mit einem Bein im Knast..einen herzlichen Dank an die Internetausdruckergeneration!

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Tostan 15.02.2010, 17:23
8. Im cache steht nicht nur das, was man im Internet sieht

Zitat von keksdose
Zwar bin ich noch nie auf solche Abbildungen während des surfens gestoßen
Sind sie sich da sicher? Wissen sie genau, was ihr Computer im Internet macht? nicht gerade wenige Dateien werden "präventiv" heruntergeladen und im Cache abgelegt, denn der Nutzer könnte sie ja anschauen wollen. Ein Beispiel hier auf SPON: Diese Infoboxen, zum Beispiel die Infobox "Republik Iran" im aktuellen Artikel "Die Schattenkrieger"... die Texte sind alle schon geladen, bevor sie auf das "+" klicken und sie sehen. Ähnlich funktioniert es bei Bildergalerien, z.b. bei einer bekannten deutschen KFZ-Börse.

Also der Nutzer bekommt bei weitem nicht alles zu sehen, was der Rechner abspeichert. Und genau das ist das gefährliche bei diesem Urteil: Wenn der Cache des Browsers zählt, kann man durch manipulierte Seiten Menschen diskreditieren. Und mit dem Pädophilie-Vorwurf lassen sich Existenzen leicht vernichten. auch wenn die Unschuld erwiesen wird, der Verdacht reicht schon.

Also nur noch auf 100% vertrauenswürdigen Seiten surfen ... ach nein, auf denen auch nicht, die könnten ja gehackt sein.

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nzz 15.02.2010, 17:30
9. Neudefinition von Besitz?

1. Unabhängig von dem Kinderporno-Dreck erschließt sich mir das Urteil nicht ganz. Ich verstehe es so, dass das Laden von etwas in den Arbeitsspeicher als Inbesitznahme defniert wird. Nun kann man aber technisch überhaupt keine Daten am Computer betrachten, seien es Bilder oder Texte, OHNE sie in seinen RAM-Speicher zu laden, also in der Form Besitz zu nehmen. Heißt das nun, man ist automatisch ein Raubkopierer, wenn man urheberrechtlich geschütztes Material im Internet betrachtet, weil das nicht geht, ohne es kurzzeitig in Besitz zu nehmen?

Ich denke das Urteil MUSS schwerwiegende Folgen für alle Surfer bzw. das Copyright im Internet haben. Oder denke ich da jetzt völlig daneben?

2. Ich finde das Urteil absurd: Man kann im Internet eine Sache nicht betrachten, OHNE sie in Besitz zu nehmen. In dem Moment, in dem man sieht, was man für einen Dreck vor der Nase hat, ist man schon der Besitzer. Wenn einem einer im echten Leben etwas andrehen will (z.B. Drogen) und man will das nicht haben, dann kann man es ablehnen, das Zeug in Besitz zu nehmen, wenn man es als verbotene Sache ERKENNT. Im Internet fallen Erkennen und Besitzen nach dem Gericht zusammen, d.h. die Möglichkeit der Nicht-Inbesitznahme von etwas, das man als strafbar identifiziert hat, geht gar nicht. Ganz unjuristisch gesprochen, ist das total fies.

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