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Heimkinder in Deutschland: SOS im Kinderdorf
DPA

Die Zahl der Heimkinder wächst seit Jahren stark an. Plätze und Personal sind knapp - darunter leidet die Qualität der Betreuung. Experten warnen vor einem wachsenden Risiko für Übergriffe.

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Loewe101 16.05.2018, 13:30
1. Irreführung

Die Überschrift des Artikels ist irreführend.
Er lässt glauben, dass die SOS Kinderdörfer im speziellen gemeint sind.
Das ist unfair und nicht angebracht!

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Marhaus 16.05.2018, 13:32
2. Wie herzig

Trotzdem geht es diesen Kindern besser als 87 % der Kinder der Welt. Sie klopfen auf den falschen Mitleidsbusch.

Sie sollten auch die Missbrauchsziffern gegen Kinder in Schweden, Finnland und Norwegen anführen, in deren Volksheimen nach Ihrer Meinung alles besser ist. Bevor Sie die Deutschen als ein Volk von Kinderschändern bezeichnen.

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Margaretefan 16.05.2018, 13:35
3. Zutiefst...

...traurig. Es mag in dem Zusammenhang seltsam bzw gar verstörend rüberkommen, aber ich musste beim Lesen des Artikels an die janusköpfigen Abtreibungsgegner und Schwangerschaftsabbruchwerbeverbeverbotsrichtigfin der denken. Ach würden sie sich doch mit gleicher Inbrunst, wie sie sich für das (noch) ungeborene Leben einsetzen, für diese ungeliebten, im Leben angekommen Kinder stark machen...

Auf wievielen Milliarden hockt eigentlich die katholische Kirche? Deren verehrter Herr Jesus, hat hier wahrlich keine ihm würdige Vertreter auf Erden - zumindest nicht unter den oberen Funktionären. Diejenigen, die die lobenswerte Arbeit in Gemeinden und auch Heimen machen, sind nicht selten sehr engagierte Frauen, deren Stellenwert in der katholischen Kirche bekanntlich unter dem der Männer steht. Zum Haare raufen...

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hannibalanteportas 16.05.2018, 13:41
4. Leider kann ich vieles bestätigen

Und v.a. der letzte Satz stimmt in der Art, dass es schmerzt.
Banken, die Protegierung multinationaler Konzerne, Automobilindustrie, alles ist wichtiger!
Und ich habe ja nichts dagegen, dass MINT so beworben wird. Gleichzeitig wird vergessen, dass die sozialen Berufe mit der fortschreitenden Digitalisierung immer wichtiger werden. Und da reicht wie z.B. das einst geäußerte Ansinnen beim KiTa-Ausbau, man könnte die Erzieher/innen-Ausbildung ja mal schnell verkürzen oder bei der Altenpflege zweifelhafte Unternehmen aus dem ehemaligen Ostblock zu nehmen einfach nicht aus.
Ich hatte selbst mehrere Erzieherinnen schon in ambulanter Therapie und es hat mich jedesmal erschrocken zu hören, dass sie selbst im KiTA/KiGa mit schwierigen Kindern oft allein gelassen werden und die Arbeitnehmer dann immer überlasteter werden. Zusammen mit dem Umstand, dass man dann zwecks Mangel auch auf weniger geeignete Kandidaten/innen zurückgreifen muss, dann wundern mich die Aussagen bzgl. Übergriffen gar nicht.
Es reicht qualitativ betrachtet nun mal nicht, schulische/berufliche Qualifikation in Naturwissenschaften zu fördern, man muss vorher die Kinder überhaupt befähigen, dass sie langwierige schulische/berufliche Bildung überhaupt verfolgen können, sonst vererbt sich HartzIV einfach weiter. Mit all den „wunderbaren“ Konsequenzen auf die körperliche und seelische Gesundheit und dem Einfluss auf Gesundheits-und Sozialsysteme.
Und dass 57% der Kinder aus den sozial schwachen Schichten kommen bedeutet ja im Umkehrschluss, dass 43% das nicht tun.
Das eine ist natürlich, dass die Behörden aufgrund der verschiedenen heftigen Vorfälle in den letzten Jahren schneller und verstärkt drauf schauen.
Gleichzeitig merke ich auch, dass auch Kinder aus „besseren“ Kreisen psychisch auch immer kränker werden, wenn die Probleme auch anderer Natur sind.
Auch wenn es unpopulär ist: es wird in Deutschland für jeden kleinsten Unsinn ein Nachweis erwartet. Selbst bei einem Schwangerschaftsabbruch, welcher meiner Meinung nach nur die Mutter etwas angeht, muss man in sich in Beratung begeben. Bei dem gesamtgesellschaftlich so wichtigen Thema „Kinder“ und „Erziehung“ hat aber niemand den Mut zu sagen: egal aus welcher Schicht man kommt, man muss für ein paar grundlegende Stunden (z.B. analog zum Schwangerschaftsvorbereitungskurs) in eine Beratung.
Das macht mich echt richtig sauer und traurig.

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Margaretefan 16.05.2018, 13:48
5. Der zweite...

...Kommentarl ist an Empathielosigkeit kaum zu überbieten. Hier wurde auf ein ernsthaftes Problem aufmerksam gemacht und kein Heimbetreiber angeklagt. Gegen unwürdige Zustände mit noch unwürdigere Zustände zu argumentieren, ist ganz schlechter und für mich beschämender Stil.

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madameping 16.05.2018, 14:14
6. Schule für Eltern?

Sorry, aber als ich diesen traurigen Artikel gelesen habe, kam mir ein bitterböser Gedanke: Es ist unerträglich, dass es in Deutschland derartiges Leid gibt; Leute, die aus welchen Gründen auch immer mit ihrem Kind hoffnungslos überfordert sind... Es ist wirklich zu überlegen, ob nicht eine Schule für Eltern eingerichtet werden sollte. Das heißt: Allen, die sich ein Kind wünschen, sollte durch dringenden Rat auferlegt werden, diese Schulbank drücken (bei Psychologen, Soziologen und vielleicht Eltern mit gesundem Menschenverstand etc.) - um zu erfassen, zu begreifen und zu verinnerlichen, welche weitreichende Verantwortung in jeder Lebenslage sie sich mit einem Kind auferlegen. Wer kein Kind will, der soll es lassen. Das ist genau so mutig, anständig und respektabel, wie die volle Bereitschaft, sich auf das Kind einzustellen und im Vorfeld zu wissen, was das für einen heißt. Unsere Politiker sollten sich überlegen, ihre Angewohnheit, Bürger zum Kinderkriegen zu ermutigen, mit dem dringenden Hinweis zu ergänzen, dass sie jedoch fortan eine riesige Verantwortung tragen. Auch hier sollte die Prämisse gelten: Wer kein Kind will, handelt genau so respektabel, wie jene, die bereit sind, sich mit ganzer Seele und Verstandeskraft der Erziehung ihres Kindes zu widmen.

Im Übrigen stimme ich "Margarethefans" Gedanken zur Doppelmoral der sogenannten Lebensschützer voll und ganz zu. Die sind immer nur zur Stelle, wenn sie einem Arzt/einer Ärztin und einer betroffenen Frau mit Tod und Teufel drohen.

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ludwig49 16.05.2018, 14:15
7. Die politischen Fehlleistungen...

...seit Jahrzehnten spiegelt letztlich das soziale Umfeld wieder. Hartz IV als Dauereinrichtung, Gewalt an Schulen, Leben am Existenzminimum, Wohnungsnot. Sehr oft sind Kinder die Opfer, wenn Eltern sozial und emotional schwach sind, weil Perspektiven nur noch in der virtuellen Welt statt finden. Zudem zucke ich zusammen, wenn zu allem Elend auch noch kirchliche - insbesondere katholische - Einrichtungen sich für befugt halten, irgendwie tätig zu werden.

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tuedelich 16.05.2018, 14:15
8.

Zitat von Marhaus
Trotzdem geht es diesen Kindern besser als 87 % der Kinder der Welt. Sie klopfen auf den falschen Mitleidsbusch. Sie sollten auch die Missbrauchsziffern gegen Kinder in Schweden, Finnland und Norwegen anführen, in deren Volksheimen nach Ihrer Meinung alles besser ist. Bevor Sie die Deutschen als ein Volk von Kinderschändern bezeichnen.
Aua, das tut weh. Selbst sollte es irgendwo Missbrauch geben, bedeutet das doch nicht, dass wir diesen bei uns akzeptieren und auch noch mit fremden Ländern argumentieren ....

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slartibartfras 16.05.2018, 14:26
9. Es wird zu früh beendet

Das größte Problem liegt am Ende.

Fast alle Jugendhilfemaßnamen werden spätestens mit dem 21. Lebensjahr beendet, öfter auch früher. Es gibt keine Statistik, was mit den Jugendliche danach passiert.

Dabei sollte man an seine eigene Jugendzeit denken. An wen hat man sich gewendet, wenn man Problem mit der Freundin/Freund hatte, Rat gebraucht hat oder auch einfach positive Erlebnisse teilen? Die meisten an die Eltern. Diese Möglichkeit entfällt für ehemalige Heimkinder, dabei zeigen Studien, dass dieser Rückhalt wichtig wäre, die Gefahr für Rückfälle in Hartz 4 steigen dadurch.

Diese frühe Beendigung der Maßnahme macht kein Sinn, da zahlt der Staat ewig lang und auf den letzten Metern bricht es plötzlich ab.
Aber die Sparmaßnahmen betreffen oft Jugendämter.

Deswegen haben sich ehemalige Heimkinder (engl. Careleaver) zusammengetan, um auf diese und weitere Missstände aufmerksam zu machen.
Hier mehr Informationen bei Interesse:
www.careleaver.de

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