Forum: Panorama
Marx, 219a, Gewalt: Unangenehme Unordnungen
Eric Vazzoler/ DER SPIEGEL

Hat Marx den Kapitalismus nicht kapiert? Gibt es Frauen, die nicht abtreiben konnten, weil dafür nicht geworben werden darf? Und wie viele Faustschläge machen einen Gewalttrend? Thomas Fischer analysiert für SPIEGEL ONLINE.

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Frida_Gold 12.05.2018, 10:08
1.

Abtreibung mit Sterbehilfe vergleichen? Sterbehilfe ist in Deutschland schlicht nie erlaubt. Abtreibung nach Beratung ist dagegen geduldet - so sehr, dass ein Teil der anfallenden Kosten von den Krankenkassen getragen wird.
Niemand will, dass Plakate "treib noch heute ab und bekomme einen Wellnessgutschein" erscheinen - niemand kann ernsthaft glauben, dass das eintreten wird. Ärztliche Leistungen dürfen generell so nicht beworben werden. Aber normalerweise darf ein Arzt öffentlich über seine Leistungen informieren, z.B. durch ein Türschild oder seine Website. Das gilt für alles außer Schwangerschaftsabbrüche, was irgendwie etwas schräg ist, geben Sie das wenigstens zu? Entweder etwas ist vom Gesetzgeber und den Krankenkassen akzeptiert, dann muss der Arzt darüber informieren dürfen. Oder es ist halt illegal wie Sterbehilfe, dann ist die Diskussion müßig.
So bleibt Abtreibung etwas halblegales und die Beratungsstellen haben eben nicht allesamt vollständige Listen, da auch sie jeden Arzt einzeln befragen müssen, anstatt sich über den Leistungsumfang per Website zu informieren - dort darf ja keine Info stehen. Wenn Praxen die Besitzer wechseln, Ärzte abwandern, sich neu ansiedeln, ihr Angebot ändern bedeutet das, dass die Daten nicht mehr aktuell sind.
Der Gesetzgeber wälzt somit die Informationsmöglichkeiten auf die Beratungsstellen ab, statt dem Bürger zu erlauben, sich zu informieren. Oder glauben Sie, die Arztpraxen freuen sich über unzählige Anrufe, ob auch Abtreibungen durchgeführt werden, wofür ein Wort auf der Website ausreichen würde?

Wer glaubt, dass durch "Werbung" in Form von Information auch nur eine Frau beschließe "och, wenn das so nah um die Ecke ist, treibe ich heute mal ab", hat von Frauen und Schwangerschaften keine Ahnung.

Übrigens wäre eine Informationsmöglichkeit auch hilfreich für Abtreibungsgegner: Sie könnten Praxen meiden, in denen auch Abbrüche durchgeführt werden.

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spon-457-jg4i-3 12.05.2018, 10:27
2. Köstlich

Ein wunderbarer Artikel eines schlauen Kopfes: Thomas Fischer wie man ihn kennt. Er entlarvt das ganze hysterische Gezetter um § 219a als das was es ist: Journalistisch gehypte Stimmungsmache, bei der man § 218 am liebsten gleich mit kassiert. Schöne neue Linke Welt !

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Treeman 12.05.2018, 10:28
3. Einspruch euer Ehren!

Ich halte es schon für einen fundamentalen Unterschied ob einer Abtreibungswilligen eine Namensliste vorliegt oder ob sie die Möglichkeit hat, sich einen Arzt zu suchen, bei dem Sie den Eindruck hat, er wisse in physischer und psychologischer Hinsicht was er tut. Für Letzteres ist neutrale, dem Thema angemessene Information, die natürlich einen gewissen werbenden Charakter hat unerlässlich.

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vubra 12.05.2018, 10:37
4. Danke Herr Prof. Dr. Thomas Fischer

einfach, sachlich, realistisch und verständlich . So wie ihr Beitrag geschrieben ist so sollte Politik heute sein. Aber dazwischen liegen Welten. Es war sehr erfrischend ihren Beitrag zu lesen.

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reichsvernunft 12.05.2018, 10:46
5. Unglaublich...

... ein analytisch intelligenter, unterhaltsam verfasster Artikel, der die Öffentlichkeit erreicht. Bitte mehr davon. Ich finde aber, ein wichtiger Baustein zur erneuten Abtreibungsdebatte fehlt, und das sind die Meinungsmacher selbst. Das Thema ist heikel, und gesetzlich kaum zu regeln. Sicher sind die bestehenden Systeme nicht perfekt, aber in der aktuellen politischen Umgebung zwischen Frauenquote ohne KiTa-Plätze. Behördenkreuz und heilig gesprochenem Turbokapitalismus ist die Bearbeitung eines in sich sehr fragilen aber funktionierenden Gesetzwerkes schlicht unmöglich. Was immer bei einer Revision herauskäme wäre, so es nicht in irgendein Extrem abkippt, rechtstechnisch ziemlich sicher schlechter als das bestehende, wäre es doch genau denen ausgesetzt die unsere derzeitige Gesetzgebung in Händen halten. Und kaum etwas belastet den Bürger de Facto mehr als gesetzgeberische Grobmotorik.

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Timothy Martin 12.05.2018, 10:55
6. Ich schließe mich dem 1ten kommentar an

Die argumentation ist zu kurz gegriffen. Da der Gesetzgeber das unwort :"schwangerschaftsabruch" nicht in der Öffentlichkeit sehen will, plädiere ich für die alternative: Gebärmutter-reinigung.
Das klingt positiv und zivilisatorisch....
Der Abschnitt zu Marx ist jedoch treffend, auch wenn ich das zweite beispiel nicht entschlüsseln kann (?)
Teil drei ist teil der neuen fake-news Initiative zur manipulation der Leser. Hat in deutschen Medien ja eine hundertjährige Tradition...

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mpirschel 12.05.2018, 11:03
7. Er ist wieder da...

Wie schön, wieder etwas von Herrn Fischer zu hören. Ich bin nicht immer seiner Meinung, aber dass ist aber wohl niemand. Aber seine Argumentation ist immer erfrischend.
Bitte mehr von ihm!

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instant feedback 12.05.2018, 11:14
8. Flagranter Linksideologe

Von einem Prof. Dr. hätte ich eigentlich mehr erwartet, als so eine plumpe, polemische Schwarzweißmalerei zum Thema Unternehmer. Fischer macht ihn in zynischer Weise für alles Übel auf der Welt verantwortlich, ohne darüber nachzudenken, wie sich denn die Lebensverhältnisse der Menschen in Ländern darstellen, wo es keine Unternehmer gibt. Beispiele gab es mit dem Aufkommen des Marxismus-Leninismus genug. Dass diese Gesellschaftsform überall gescheitert ist, dürfte diesem Denker doch durchaus bekannt sein. Das erfolgreichste Wirtschaftmodell ist unverkennbar die soziale Marktwirtschaft, in der die Unternehmer tatsächlich die treibende Kraft sind. Das weiß Thomas Fischer natürlich auch, aber als flagranter Linksideologe darf er das natürlich nicht zugeben.

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carlohh 12.05.2018, 11:16
9. Gut

geschrieben und gut zu lesen, Herr Fischer!

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