Forum: Panorama
Todesstrafe in den USA: Illusion des sanften Tötens
REUTERS

Ein umstrittenes Gift, willkürliche Entscheidungen, Aufschübe in letzter Sekunde: Noch nie war der Irrsinn des amerikanischen Todesstrafen-Regimes so offensichtlich.

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weißbrot 29.01.2015, 10:15
50.

Zitat von mathel1966
Ich glaube der Autor würde ganz anders schreiben wenn er Betroffender wäre. Denke Sie sich mal in deren Position rein. Aber das ist so das och der arme Mörder denken Ich halte die Todesstrafe in eindeutigen Fällen für sehr wohl angebracht sicherlich nicht so diletantisch wie manchmal in den Usa. Übrigens ein Grossteil der Amerikaner und auch der Japaner ist dafür. Komisch.
Und in uneindeutigen Fällen, dann nur eine lebenslange Haftstrafe?

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koenigludwigiivonbayern 29.01.2015, 10:19
51. Nicht ohne meinen Anwalt!

Solange es Rechtsanwälte gibt, solange räumt das Rechtssystem ein, nicht unfehlbar zu sein. Solange ein Rechtssystem einräumt, nicht unfehlbar zu sein, solange besteht die Möglichkeit, das Unschuldige exekutiert werden. Dazu hat ein Staat genausowenig ein Recht, wie der Einzelne, der einen Mord begeht. Man muß sich halt etwas anderes einfallen lassen, auch wenn es wehtut. Aber diesen Schmerz muß die Gesellschaft aushalten, nicht der Unschuldige, der dafür sterben muss.

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münchen1975 29.01.2015, 10:30
52.

Ich bezweifle, daß eine solche Maßnahme bei Todesstrafenbefürwortern zu einem Umdenken führen würde. Falls solche Menschen überhaupt jemals denken (oder fühlen).

Öffentliche Hinrichtungen und Pogrome waren zu aller Zeit Anlaß für volksfestartige Stimmung bei jenem Teil der Bevölkerung, den man mit Recht nur noch als "Gesindel" bezeichnen kann. Und das ist nicht nur in den USA, im Iran oder bei den unteren Schichten der Gesellschaft so. Auch bei uns in der Alten Welt und unter den sogenannten "gebildeten Leuten" findet man genügend Leute von dieser Sorte, da brauchen wir nicht in Überheblichkeit zu verfallen.

Als Beispiel muß man nur an die Zustände bei der letzten öffentlichen Hinrichtung in Frankreich, vollzogen 1939 an dem Serienmörder Eugen Weidmann, erinnern (http://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Weidmann)

Der Filmkritiker Hans Schmid beschrieb diese kürzlich auf Telepolis:

"Schätzungen nach sollen am Abend davor zwischen 10.000 und 40.000 Schaulustige nach Versailles gefahren sein, die dort die Nacht zum Tag machten. Die Bistros hatten rund um die Uhr geöffnet, was auch bedeutet, dass viele Besoffene dabei waren (oder wenigstens irgendwo in den umliegenden Straßen grölten), als zwei Minuten nach halb fünf das Fallbeil niederging. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung marschierte Militär auf. Ein Hotelier machte das Geschäft seines Lebens, weil er Zimmer mit Aussicht vermieten konnte. Im Stockwerk unter Renaudon, dem Photographen von der France-Soir, fand eine Hinrichtungsparty statt, deren Teilnehmer sich das Ziel gesetzt hatten, in dem Moment, in dem Weidmanns Kopf fiel, die Champagnerkorken knallen zu lassen. (…)

In Versailles hatte die Polizei Absperrgitter aufgestellt, hinter denen sich schon Stunden vor der Hinrichtung die Menge drängte. In den Bereich innerhalb der Absperrungen kam nur, wer eine Eintrittskarte hatte. Das waren Parlamentsabgeordnete, Kulturschaffende, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Leute mit Beziehungen. (…)

Nach der Enthauptung wurden die Absperrungen aufgehoben. Hysterisierte "Weidmann-Girls" liefen zur Guillotine, um ihre Taschentücher in das Blut des Geköpften zu tauchen. Der Versuch einer Dame, den Grabpfleger des Gonards-Friedhofs zu bestechen, auf dem der Serienmörder anonym bestattet wurde, wirkt da schon fast dezent: sie bot dem Mann Geld für Weidmanns Kopf." (http://www.heise.de/tp/druck/mb/artikel/43/43531/1.html)

Die Zustände bei dieser letzten öffentlichen Hinrichtung in Frankreich 1939 waren derart abstoßend, daß die französische Regierung Hinrichtungen fortan nur noch nichtöffentlich, hinter den Gefängnismauern stattfinden ließ.

Bei der letzten öffentlichen Hinrichtung in Kentucky 1936 ging es auch nicht viel anders zu. Dort verfolgten 20.000 Menschen in "Mordsstimmung" bei Bier und Barbecue eine Hinrichtung am Galgen wie eine Sportveranstaltung, weswegen man danach auch in den USA Schluß machte mit dem öffentlichen Staatsmord.

Bei öffentlichen Hinrichtungen kann man wunderbar beobachten, was für ein moralisch überlegener Menschenschlag das ist, der für die Todesstrafe eintritt und ist nicht auf Vermutungen angewiesen, wie in den anonymen Internetforen.

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Heartliner 29.01.2015, 10:46
53. @fridagold

Nehmen Sie sich die Zeit, lesen Sie die Gerichtsakten. Es gibt keine Zweifel an der Schuld dieses Mannes.

Er hat alle (viele!) Instanzen durchlaufen, es wurde sehr viel Zeit und Aufwand in eine lückenlose Aufklärung verwendet.

Prinzipiell finde ich Ihren Einwand aber berechtigt. Die Beweislage muss zweifelsfrei sein für solch ein (im wahrsten Sinne des Wortes) endgültiges Urteil.

Ich gebe offen zu: Rache spielt eine Rolle in meiner Einstellung pro Todesstrafe. Ich finde moralisch nichts verwerfliches daran, Satisfaktion zu verlangen. Und wenn eine gesellschaftliche Mehrheit das so sieht, wird es mit Recht so umgesetzt. Ob es mit Gerechtigkeit so umgesetzt wird, dafür kann es nie eine endgültige Antwort geben. Auch Sie haben mit Ihrem Weltbild nicht die Deutungshoheit darüber, was moralisch vertretbar ist, nur weil Sie für weniger Strenge plädieren.

Unsere weichgespülte Waldorfkindergarten-Gesellschaft stilisiert die Täter zu Opfern. Charles Warner hat den Tod verdient. Egal wie schwer seine Kindheit war, welchen Frust oder welche anderen Probleme er hatte. Lesen Sie, was er getan hat, wenn ihr menschenfreundliches Gemüt das denn ertragen kann?

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zizarazou 29.01.2015, 10:51
54. @polarwolf14

"Wer mit Wissen und Wollen einen Menschen tötet, ist kein Mensch." Und was ist dann mit den Henkern? Töten diese nicht mit Wissen und Wollen? Selten so einen Unsinn gelesen. Lesen Sie Ihre Beiträge eigentlich, bevor Sie sie veröffentlichen?

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Heartliner 29.01.2015, 11:17
55. Armer Hermann?

Wenn hier so leidenschaftlich gegen die Todesstrafe plädiert wird: Würde hier jemand den Freitod von Hermann Göring beklagen, in den er durch seine Verurteilung zum Tode durch den Strang getrieben wurde? Na? Reicht die Moralkeule auch so weit?

Wie wäre es, wenn ihr Menschenfreunde eine kleine Gedenk-Demo organisiert für Hermann, seinen Freund Keitel und die anderen "Opfer" der Nürnberger Prozesse?

Hey, denn immerhin kann es philosophisch betrachtet ja nie vollständig und zweifelsfrei bewiesen sein, dass diese Jungs wirklich Mörder waren. Und vielleicht sind sie als Kinder vom Dorfpfarrer vergewaltigt worden?

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frietz 29.01.2015, 11:24
56.

Zitat von F.uchur
sterbewillige wollen Sterben. Todeskandidaten in den meisten Fällen nicht.
warum sind todeskandidaten todeskanditaten? Dass Todeskandidaten nicht sterben wollen ist ein Witz. sie haben meistens einen anderen Menschen getötet. Sie haben sich das "Recht" genommen und das Leben einer anderen Person beendet. allein dadurch verliert so ein "Mensch" mmn sein Recht auf Leben.
Dass Todeskandidaten nicht sterben wollen ist ein Witz.

Wenn man liest, dass ein 19jähriger seine schwangere exfreundlin absticht und bei lebendigem leib verbrennt, dann frage ich mich, ob die höchststrafe von 15 jahren gerecht sein soll. dies ist z.b. ein Fall, in dem ich 100%ig hinter der todesstrafe stehen würde.

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blackpride 29.01.2015, 11:33
57. Sie, werter Forist

Zitat von fridagold
Sterbewillige erhalten die Medikamente, die die Hersteller nicht für Todesstrafen eingesetzt sehen wollen. Offenbar (und verständlicherweise) sehen die Hersteller kein so großes Problem bei Selbsttötung im Vergleich zu staatlich angeordnetem Mord.
vergleichen nicht Äpfel mit Birnen, Sie vergleichen Äpfel mit Katzenkalendern.

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Adrenalina 29.01.2015, 11:35
58. @heartliner

Sie würden aus Rache töten? Töten lassen, besser gesagt? Erklären Sie mir bitte, inwiefern Sie sich dann von dem Verurteilten unterscheiden. Ist Rache ein "besseres" Motiv zu töten als bspw. Habgier oder Eifersucht? Alle drei Motive erfüllen das Mordmerkmal...

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babeli 29.01.2015, 11:37
59.

Ich möchte nur Amnesty zitieren, für die ich bereits unzählige Briefe geschrieben habe, leider auch immer wieder in die USA:
Staaten können nicht gleichzeitig die Menschenrechte achten und die Todesstrafe verhängen und vollstrecken.

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