Forum: Panorama
Wiedergutmachung für misshandelte Heimkinder?

In Westdeutschland sind nach dem Krieg mehr als eine halbe Million Kinder in Heimen aufgewachsen. Sie mussten dort unentgeltlich arbeiten und wurden teilweise misshandelt oder gedemütigt. Nun sollen ihre Geschichten aufgearbeitet werden. Was denken Sie - sind Entschädigungszahlungen gerechtfertigt?

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Rainer Helmbrecht 17.02.2009, 18:42
1.

Zitat von sysop
In Westdeutschland sind nach dem Krieg mehr als eine halbe Million Kinder in Heimen aufgewachsen. Sie mussten dort unentgeltlich arbeiten und wurden teilweise misshandelt oder gedemütigt. Nun sollen ihre Geschichten aufgearbeitet werden. Was denken Sie - sind Entschädigungszahlungen gerechtfertigt?
Wenn man das Gedöns um den Begriff Würde auch nur im geringsten mit Leben erfüllen wollte, wäre das ein Gebot der Gerechtigkeit.

Das Problem ist, dass diese Einweisungen durch Juristen möglich wurden, die auf Grund ihrer Fachkenntnisse zu Mitschuldigen wurden.

Wie wir aber alle Wissen, hat die Justiz bis heute ihre Nazivergangenheit nicht aufgearbeitet und bevor da nicht alle Opfer verstorben sind, wird das auch nicht geschehen.

Wenn man das weiss, dann wird man auch in dem Fall der Opfer in der Nachkriegszeit, auf eine Biologische Lösung warten.

Nun, allerdings kommt ein gleichwertiges Problem zum Tragen. Diese Einweisungen geschahen häufig/überwiegend zu Gunsten von kirchlichen Einrichtungen. Da die Kirchen ein konträres Verhältnis zu Barmherzigkeit und Geld haben, kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Summe, die sich in den letzten 50 Jahren durch Zins und Zinseszins gut entwickelt haben, wird ein großes Wehklagen beginnen.

Eine Lösung könnte bestenfalls ein Graf der FDP herbeiführen, der sich bei der Lösung der polnischen Zwangsarbeitern durch besonder Barmherzigkeit ausgezeichnet hat. Da bekamen solche Opfer, sofern sie überhaupt noch lebten, nach 60-70 Jahren für 2 Jahre Zwangsarbeit solche Unsummen, in Höhe von 600-800DM, ein gutes Beispiel.

Was der einzelne Gläubige zu (s)einer Kirche sagt, die sich durch Raffgier und Brutalität von den moralischen Grundsätzen ihrer Kirche entfernt hat, muss jeder für sich abmachen.

Die Polizei, die weder den jungen Leuten sexuelle Übergriffe, körperliche Gewalt und unmenschlich Behandlung glaubte und die Staatsanwaltschaften sich auch nicht besonders interessierten, bedürften einer genaueren Überprüfung. Eine Schande für eine unabhängige Justiz, und einer Öffentlichkeit, die wie bei allen Kindesmisshandlungen wegschaut.

Ein hoch interessanter Aspekt unserer Gesellschaft, der leider aus gehen wird, wie das Hornberger Schießen;o).

MfG. Rainer

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manuelajaeger 17.02.2009, 18:42
2. Für mich ja

Also ich finde das o.k. Wir geben Steuergelder für weitaus sinnfreiere Dinge aus. Aber Geld gleicht nichts aus. Egal wieviel Geld sie an die Opfer zahlen, sie werden sich nicht besser fühlen.

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jocurt1 17.02.2009, 18:54
3. Und jetzt bitte mal wieder

Zitat von sysop
In Westdeutschland sind nach dem Krieg mehr als eine halbe Million Kinder in Heimen aufgewachsen. Sie mussten dort unentgeltlich arbeiten und wurden teilweise misshandelt oder gedemütigt. Nun sollen ihre Geschichten aufgearbeitet werden. Was denken Sie - sind Entschädigungszahlungen gerechtfertigt?
auf die DDR zeigen, weil da war ja bestimmt alles noch viiiiieeeeel schlimmer.

Der Ausweg bleibt ja jedem aus dem Westen, der etwas zu vertuschen hat.

Ich muss kotzen, wenn ich an die vielen Berichte im Westen über unsere Kindertagesstätten denke. Alles Sachen, die jetzt gern genutzt werden.

Ich kann mich aber nicht erinnern, dass wir die lieben Kleinen schon in die echte Produktion geschickt haben. UTP war ein Unterrichtsfach mit 2Std. die Woche und keine Ausbeutung.

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Petra Raab 17.02.2009, 18:54
4.

Zitat von sysop
In Westdeutschland sind nach dem Krieg mehr als eine halbe Million Kinder in Heimen aufgewachsen. Sie mussten dort unentgeltlich arbeiten und wurden teilweise misshandelt oder gedemütigt. Nun sollen ihre Geschichten aufgearbeitet werden. Was denken Sie - sind Entschädigungszahlungen gerechtfertigt?
#


Selbstverständlich sind Entschädigungszahlungen
gerechtfertigt.
Noch besser ist es, eine unabhängige Kontrolle
in die jetzigen Heime zu senden und dort die Zahlungen
etwas aufzustocken, sowie allgemein etwas mehr für die
Kinder in diesem Lande auszugeben, statt für die Banker.

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altruist 17.02.2009, 18:57
5. wiedergutmachung weiterspannen

eine wiedergutmachung in finanzeller hinsicht wäre meines erachtens richtig und selbstverständlich-das muss auf kosten aller gehen unter starke beteiligung der kirchen ,nicht auf kosten der rentenversicherung!
aber wo sind dann die grenzen?
auch die kriegswaisen,die ohne einen oder zwei elternteile aufgewachsen sind, haben benachteiligungen wegen chancenungleichheiten erfahren.auch die müssten eine entschädigung erhalten.
"der krieg ist erst zuende,wenn das am letzten kriegstag geborene kind,gestorben ist"
die zahlen sind inzwischen überschaubar und bringen die republik nicht so aus dem tritt wie die bankenkrise

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Stefan Albrecht 17.02.2009, 19:00
6. Wie will man sowas mit Geld ausgleichen

Zitat von sysop
In Westdeutschland sind nach dem Krieg mehr als eine halbe Million Kinder in Heimen aufgewachsen. Sie mussten dort unentgeltlich arbeiten und wurden teilweise misshandelt oder gedemütigt. Nun sollen ihre Geschichten aufgearbeitet werden. Was denken Sie - sind Entschädigungszahlungen gerechtfertigt?
Ob Entschädigungszahlungen durchsetzbar sind halte ich für zweifelhaft, denn wer kann denn rechtlich belangt werden?
Aber es ist auf jeden Fall extrem gut, dass diese Mißstände ans Tageslicht kommen und damit vielen klar wird, wie trügerisch die "Heile Welt" der fünfziger und sechziger Jahre war und damit auch klar wird, dass das "Zucht und Ordnung" geschwafel nichts anderes als ein schmutziges Überbleibsel aus der Nazizeit ist. Einer Zeit, mit der erst mit der Studentenrevolte 1968 wirklich angefangen wurde sie aufzuarbeiten und deren Urheber noch lange nach dem Ende des 2. Weltkireges überall vorzufinden waren.

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Tractus 17.02.2009, 19:01
7. Anerkennung und Wiedergutmachung

Anerkennung des erlittenen Leids und Wiedergutmachung ist wohl das mindeste, dass Menschen erfahren sollten, deren Leben auf diese Weise zerstört wurde. Erst recht, wenn die Einrichtungen unter der Schirmherrschaft bzw. unter dem Auftrag der Kirchen betrieben wurden. Gewalt, Demütigung und Missbrauch an wehrlosen und schutzbefohlenen Kindern muss genauso geahndet werden wie andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Dass die kath. Kirche sich ziert, wundert nicht. Gerade in ihrem Namen und Auftrag wurde unendlich viel Leid unter Heimkindern verursacht. Das weiß ich aus Erzählungen von Betroffenen.

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Gertrud Stamm-Holz 17.02.2009, 19:01
8.

Zitat von sysop
In Westdeutschland sind nach dem Krieg mehr als eine halbe Million Kinder in Heimen aufgewachsen. Sie mussten dort unentgeltlich arbeiten und wurden teilweise misshandelt oder gedemütigt. Nun sollen ihre Geschichten aufgearbeitet werden. Was denken Sie - sind Entschädigungszahlungen gerechtfertigt?
Entschädigungen sind allgemein dazu da, den Betroffenen einen Maulkorb zu verpassen.
Deutschland ist nicht berühmt für die Aufarbeitung seiner nahen oder älteren Geschichte. Im Falle Contergan ist immer noch nichts zur völligen Zufriedenheit vom Tisch.
Auch im Fall von ehemaligen Heimkindern wird das nicht anders sein.

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Bernhard Fischer 17.02.2009, 19:07
9. Daumen hoch...

Zitat von Rainer Helmbrecht
Wenn man das Gedöns um den Begriff Würde auch nur im geringsten mit Leben erfüllen wollte, wäre das ein Gebot der Gerechtigkeit. ... Die Polizei, die weder den jungen Leuten sexuelle Übergriffe, körperliche Gewalt und unmenschlich Behandlung glaubte und die Staatsanwaltschaften sich auch nicht besonders interessierten, bedürften einer genaueren Überprüfung. Eine Schande für eine unabhängige Justiz, und einer Öffentlichkeit, die wie bei allen Kindesmisshandlungen wegschaut. Ein hoch interessanter Aspekt unserer Gesellschaft, der leider aus gehen wird, wie das Hornberger Schießen;o). MfG. Rainer
Danke, Herr Helmbrecht, für Ihre fundierte Stellungnahme, welche meine volle Unterstützung findet - auch im Namen meiner Liebsten, die nur kurz (aber nachhaltig) dieses Leidensystem durchlaufen musste.....

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