Forum: Politik
Ärzte ohne Grenzen über Italiens Flüchtlingspläne: "Dann ertrinken noch mehr Menschen
Anna Surinyach/ MSF

Die EU will die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen vor Libyen einschränken. Florian Westphal von Ärzte ohne Grenzen kritisiert den Druck auf Seenotretter - und befürchtet mehr Tote auf dem Mittelmeer.

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daktaris 04.08.2017, 09:32
1. Darf man das zynisch nennen?

Die Grenze zwischen Rettung und Unterstützung der Schleuser ist doch fließend, wie man am Beispiel der NGO Jugend Rettet sieht. Man muss sich schon die Frage gefallen lassen, ob nicht auch die weit reichenden Hilfeleistungen der vermeintlichen Retter die Fluchtbewegungen zusätzlich forcieren.

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bundesheiner 04.08.2017, 09:38
2. Verantwortlungslos

Vielleicht war es in den Anfängen der Flüchtlingskriese sehr hilfreich von NGO's Unterstützung bei der Rettung von Menschen zu erhalten, die sich in Seenot befanden. Doch die untätige EU hat sich m. E. dadurch nur weiter in das aus gerückt. Die Rettung von Menschen in Seenot steht nicht zur Diskussion. Doch stellt sich auch die Frage nach dem "wie". Genauso ist es möglich, die in Seenot geratenden Menschen, wieder an das Festland ihrer Herkunft abzusetzen. Hilfreich wäre es, die Boote der Schleuser gleich mit zu vernichten. Parallel muss die EU auf die Lebensbedingungen in den dortigen Staaten solchen Einfluss nehmen, die eine Auswanderung stoppt. Das hätte aber auch eine Änderung der aktuellen Wirtschaftpolitik zu Folge, um den Staaten mehr Chancen und Möglichkeiten zu eröffnen. Das wollte bisher nur noch nicht begriffen werden.

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niroclean 04.08.2017, 09:38
3. ...es reicht

Es ist gut das jetzt gegen diese Handlager der Schlepper vorgegangen wird. Auch wenn es vielleicht nicht gewollt ist, diese angeblichen "Seenotretter" motivieren die Menschen doch nur zusätzlich eine Flucht zu wagen. Ja ich weiß, jetzt kommt wieder ein Aufschrei das wir im "reichen Europa" doch nicht zusehen können...etc.
Vielleicht sollten alle diese blauäugigen Helfer darüber nachdenken das es gleichen Wohlstand für alle nicht geben wird (wie sehe der dann wohl aus? Alle wohnen in selbst gebastelten Hütten?) und das Humanität auch Grenzen hat.

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GSYBE 04.08.2017, 09:42
4. ehrlich

Ich denke wir sollten ehrlich werden, und ich möchte wirklich das Kriegsflüchtlingen geholfen wird und sie aufgenommen werden, bis sich die Situation in ihren Ländern gebessert hat oder sie in Europa eine neue Heimat gefunden haben.

Die Ehrlichkeit bezieht sich auf den Unterschied zwischen Kriegsflucht und Armutsmigration.

Die Armutsmigranten - man kann es nunmal nicht ignorieren, es ist ein Fakt und zwar kein alternativer - sind auf jedem Foto und in jedem Video zu gefühlten 95% als kräftige und junge Männer zwischen 15 und 25 Jahren zu identifizieren.

Zur Ehrlichkeit gehört auch einzugestehen, dass die Erlangung internationaler Gewässer das Hauptziel ist; da warten die NGOs...und ich will denen noch nicht mal ihre heere Einstellung absprechen.

Aber es ist nunmal kontraproduktiv und verschlimmert die Thematik nur; jedenfalls so wie es heute abläuft.

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asentreu 04.08.2017, 09:44
5. Was wäre wenn?

"Die Europäische Union soll endlich einen proaktiven Such- und Rettungsmechanismus im Mittelmeer einrichten, um Italien zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass es weniger Tote gibt. Der zweite Schritt ist, dass die EU sich Gedanken machen muss, in wie weit es für Menschen in Not möglich sein kann, in Europa Schutz zu finden - und zwar auf einem legalen und sicheren Weg. Das extrem verwerfliche Geschäftsmodell der Schlepper funktioniert ja nur, weil es keine legale Alternative gibt."

Und was wäre wenn es ewig so weiter geht? In wie weit ist denn die EU exklusiv in der Pflicht, sich darüber Gedanken zu machen? Es MUSS keine legale Alternative zu Schlepperei geben.

Was es geben muss/ sollte:
- Rettung jedes Menschen aus echter Seenot (kein knietiefes Wasser!), jedoch, wie von Italien vorgeschlagen, Rückführung in den Ausgangshafen
- scharfe Definition und Abgrenzung von Asyl, erwünschter sowie unerwünschter (illegaler) Migration
- Erhaltung des Status quo zu Gunsten der echten Asylberechtigten und zu Lasten (sofortige und konsequente Abschiebung) der illegalen Migranten
- sofortige Rückführung von Nicht-Asylberechtigten (ja, ich befürworte Blitzentscheidungen, wobei keine oder gefälschte Ausweisdokumente immer zu Lasten der Antragsteller bewertet werden sollten-> Verschleierungsabsicht)
- feste und verpflichtende Verteilungsquoten für Asylberechtigte innerhalb der EU (wenn Staaten sich weigern, könnte man Zahlungen/Hilfsgelder kürzen/streichen)
- Definition von erwünschter Migration nach dem Vorbild anderer Staaten (z.B. das australische Modell)

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bernhard.geisser 04.08.2017, 09:44
6. Australien kopieren

Die NGO's warnen zurecht vor den höllischen Zuständen auf dem Festland in Libyen. Die Migration nach Libyen kann aber nur gestoppt werden, wenn keine Überfahrten nach Europa erfolgreich sind. Alle Botte abfangen und z.B. nach Tunesien bringen und von dort Rückreise in die Heimat organisieren. Nur so lässt sich das Sterben an Land und auf dem Meer stoppen. Vorbildlich umgesetzt hat dies bereits Australien.

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Navygo 04.08.2017, 09:48
7.

Ich empfinde es als einen Hohn, was diese "Rettungsmissionen" dort treiben. Dann noch zu behaupten, es wuerde mehr Tote geben, wenn sie nicht permanent vor Ort waeren ist ein schlechter Witz.
Die Migranten werden von Schleppern doch nur dann noch rausgejagt, wenn diese wissen, dass ein Schiff in der Umgebung nur darauf wartet, die Menschen an Bord zu nehmen. Dann wird der Shuttleservice in die EU von diesen gewaehrleistet.
Keine "Retter" vor Ort wuerde auf Dauer dieses ganze Geschaeftsmodell zusammenbrechen lassen und es wuerden zwar immer noch Leute versuchen, aber eben mit ganz anderen Voraussetzungen, da sie versuchen muessten wirklich die Ueberfahrt stemmen zu koennen. Also quasi der Status Quo for dem "Pendelservice". Vergleicht man die Zahlen wird man sehen, dass diese deutlich niedriger waren und auch wieder sein wuerden. Dazu eine konsequente Rueckfuehrung an den Ausgangspunkt und das Problem waere bald Geschichte. MSF und andere dieser Organisationen sind ein Teil des Problems - gar der Schlepperindustrie - und nicht der Loesung!

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restluft 04.08.2017, 09:49
8. Eine letzte Frage

Und wie viele Jahre soll das dann so weiter gehen? Bis wann sind alle Flüchtlinge in Europa angekommen und verteilt und versorgt und in Arbeit und intergriert. Oder hört das Fliehen nach - sagen wir 5 Jahren - auf, weil endlich die Fluchtursachen alle erfolgreich bekämpft worden sind.
Schön ist es ,die Geschichte komplett zu erzählen und vor allem zuende zu denken. Aber denken schadet ja der Illusion und dem Aktionismus.
Ich will auch keine Menschen im Mittelmeer ertrinken sehen. Aber wer falsche Hoffnungen sät, streut die Köder und ist mitschuldig. Kooperation mit den Schleusern setzt nicht voraus, dass man direkt mit ihnen kommuniziert, es reicht ja schon die Signale zu geben, die die Welle in Gang setzt.
Wer Waffenhersteller und -lieferanten als Mittäter anprangert muss sich gefallen lassen als Mittäter zu gelten, wenn er Köder legt und falsche Hoffnungen schürt.
Aber wie oft sind immer die anderen die Bösen. Fingerzeig bringt aber keine Lösung sondern ist nur Selbstbefriedigung.
In diesem Sinne: Weiterhin viel und guten Spaß dabei. Und sagt mir Bescheid, wann die Rettung zu Ende ist.

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haresu 04.08.2017, 09:52
9. Italien wird hysterisch

Weil die EU versagt. Es mag ja ein paar wenige Retter geben, die Regeln überschreiten. So zu tun, als würde dies in nennenswertem Umfang die Flucht über das Mittelmeer fördern. Die Fluchtursachen sind ganz andere und mittelfristig auch nicht abzustellen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: ertrinken lassen oder nicht. Und bei denen die ankommen muss Italien endlich mehr geholfen werden. Die deutsche Haltung ist jämmerlich.

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