Forum: Politik
Aufteilung des Kosovo: Auf dem Balkan drohen blutige Tragödien
REUTERS

Serben und Albaner einigen sich womöglich schon bald über die Aufteilung des Kosovo. Das könnte auch anderswo Nationalisten beflügeln - und für den ganzen Balkan gefährlich werden.

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NauMax 07.09.2018, 12:49
20.

Zitat von n - n
... Tschechen und Slowaken haben sich recht friedlich geeinigt. Deutsche und Dänen haben sich bei Flensburg geeinigt - obwohl dort auch lange um die Grenze gekämpft worden war. Die Grenze war ja auch schon mal kurz hinter Hamburg ! Es scheint also zu gehen. Vielleicht müßte das nur moderiert werden an einem runden Tisch mit großen Landkarten mit dem Ziel, eine friedliche Lösung zu finden. Die Frage ist ja auch: Wer hat wann diese Grenzen gezogen - gegen den Willen von Bevölkerungen. Hier könnte Brüssel mal was unter Beweis stellen !
Bei Grenzverschiebungen lässt man eigentlich immer Menschen im Regen stehen. Die Nord- und Südverschiebungen der Grenze zwischen Deutschland und Dänemark ist da natürlich ein Beispiel, wie man so etwas relativ konfliktfrei abwickelt (wobei die heutige Grenze exakt dort verläuft, wo sich 1918 die ethnischen Mehrheitsverhältnisse in der Bevölkerung umkehrten). Allerdings gibt es heute noch Nationalisten in Dänemark, die die Dänische Grenze am liebsten wieder wie im Hochmittelalter entlang der Eider verlaufen sehen wollen, da dieser Fluss einst vertraglich als Grenze zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem Königreich Dänemark festgelegt wurde. Die krassesten Gegenbeispiel ist die Vertreibung Deutscher Minderheiten aus Osteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg und das Ethnische Chaos auf dem Balkan, welches in den Kriegen der 1990er Jahren gipfelte.

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hirlix 07.09.2018, 12:56
21. Was ist denn die Alternative?

Momentan gibt es auch Konflikte und es gibt kaum Anzeichen, dass sich die Lage in naher Zukunft entspannt. Den Menschen einfach nur sagen "ihr lebt nun halt in einem Land, deal with it" kann ja wohl nicht die Lösung sein. Vielleicht sollte man nun die Gelegenheit nutzen um dort die Grenzen alle zu korrigieren und homogenere Staaten zu schaffen. Ich verstehe schon, dass ethnisch homogene Staaten Teufelszeug für den modernen linken Westeuropäer sind, aber Moralpredigten bringen auch keine Ruhe in die Region...

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kumi-ori 07.09.2018, 13:02
22.

Zitat von k-lab
„....die sollen gefälligst mit der Multikulturellen Mischung klar kommen“. Eben EU- du bitte aber auch! Ungarn, Polen, Italien, Frankreich und nicht zuletzt Deutschland sind nicht gerade Vorbildhaft für den Balkan was Multikulti angeht. Zu Tito’s Zeiten hat Multikulti zu 95% funktioniert. Es wurde anders, als die EU den Sozialismus aus Europa verdrängen wollte und dadurch die Bombe am Balkan zu platzen brachte. Danke EU! Austeilen ist immer leicht.
Zur Zeit des Bosnienkriegs kamen Zehntausende Flüchtlinge allein nach München. Und siehe da, obwohl jeder Einzelne seine privaten Traumata mitbrachte, klappte es einigermaßen problemlos. Serben und Muslime, die sich vorher noch in ihrem Heimatdorf beschossen hatten, saßen nebeneinander in der Kantine und redeten davon, wann denn der Krieg endlich vorbei sei.

Ich glaube nicht, dass der Multikulturismus in der EU an unüberwindbaren Hemmnissen scheitert. Wir haben ja auch innerhalb der EU sehr viele unterschiedliche Ethnien und es klappt eigentlich ganz gut. Dass Problem, das wir in Deutschland haben, ist, dass wir den Neuankömmlingen keine klare Linie und Orientierung vorgeben, und so die Illusion erwecken, die Regeln in diesem Land könnten auf den Wunsch der Zuwanderer aufgeweicht werden. Das fing an mit der katrastrophalen Idee der Kanzlerin, aus falschverstandener Rücksichtnahme auf religiöse Befindlichkeiten, die rituelle männliche Genitalverstümmelung in Deutschland zuzulassen. Die Signalwirkung war verheerend. Es kann nicht anders sein, als dass man von vorn herein klar stellt, dass ausschließlich die Gesetzeslage auf der Grundlage der zivilen Menschrechte gültig ist, und dass jedwede Religion, Folklore oder Stammesgebräuche in Deutschland außerhalb der eigenen vier Wände keine Relevanz haben. Wahrscheinlich war da das alte Jugoslawien konsequenter als Deutschland in diesen Tagen, und deshalb grummelten die Leute zwar, aber sie lebten in Frieden miteinander.

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rational_bleiben 07.09.2018, 13:08
23.

"Obwohl mehrheitlich albanisch besiedelt, spielt das Kosovo in der serbischen Nationalmythologie eine zentrale Rolle."

Nicht, dass es mich als Deutsch-Kroaten wirklich interessiert - aber bevor man schreibt "obwohl", sollte man die fünf Minuten investieren, um nach der demographischen Entwicklung des Kosovo der letzten Jahrhunderte zu recherchieren (insbesondere des 19. und 20.), um zu verstehen wie groß der Anteil der Albaner an der Gesamtbevölkerung des Kosovo zu welchem historischen Zeitpunkt war - um es dann in zeitliche Relation zu setzen mit der Schlacht auf dem Amselfeld oder der Enstehungszeit der serbischen Klöster auf dem Kosovo. Dann fällt zumindest schon mal das "obwohl" weg.

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hse 07.09.2018, 13:12
24. Ethnische Grenzen andernorts

Ethnische Grenzen funktionieren eigentlich ganz gut in Mitteleuropa. Die ethnischen Grenzen des heutigen Deutschlands könnte man sogar als Garanten des Friedens bezeichnen. Im Unterschied zu den politischen Grenzen vor dem 1. Weltkrieg

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newbie99 07.09.2018, 13:17
25. Eine Ethnie, ein Staat?

Man hört hier an diversen Stellen Sympathie für die Idee monoethnische Staaten zu schaffen, in dem man bestehende Staaten auflöst. Weil Multi-Ethnische Staaten nicht funktionieren könnten, wie postuliert wurde. Ich habe da meine Zweifel. Viele, die sich heute zweifelsfrei als (patriotische) US-Amerikaner verstehen, können auf Großeltern oder Ur-Großeltern zurückblicken, die sich klar als Iren, Italiener oder Polen angesehen und in den engen Gassen New Yorks gegenseitig eines auf die Mütze gegeben haben. Die Frage ist, ob es ein Staat schafft eine eigene Identität aufzubauen. Das ist in Amerika zweifelsfrei gelungen. Auf dem Balken genauso zweifelsfrei nicht!

Die 90iger Jahre haben viel Elend auf dem Balkan gezeigt und es kam der Begriff der "ethnischen Säuberung" auf. Denn diese Region zeichnet sich dadurch aus, dass sie in weiten Teilen eben nicht "ethnisch-rein" besiedelt ist. Und so wurden Minderheiten unterdrückt, verjagt oder schlimmeres angetan, sobald eine Mehrheit ihre Identität als staatsbildend etablieren konnte. Und noch immer sind viel, viele Gebiete - z. B. in Bosnien - gemischt-ethnisch besiedelt.
Und da mach augenscheinlich das Kosovo keine Ausnahme! Ich kann das Argument dieses Mönchs absolut nachvollziehen. Die Erfahrungen zeigen, dass sich die Politiker um die Interessen derjenigen Landsleute, die als Minderheit irgendwo leben, nicht besonders viel kümmern. Wenn hier ein Teil des Kosovo's serbisch wird, kann das ein serbischer Politiker als Erfolg verbuchen, das ist entscheidend! Wie es dann den verbliebenen Serben ergeht, die nicht in diesem Teil wohnen, ist egal. Und umgekehrt gilt das natürlich absolut genauso.

Daher sehe ich auch das Argument, hier hätten sich die Parteien ja schließlich untereinander friedlich geeinigt, als nicht schlagend an. Denn diese Rechnung geht eben zu lasten jener Menschen, die bei den Verhandlungen keine Rolle gespielt haben. Und kommt es dann erst einmal wieder zu gegenseitigen Vertreibungen, dann werden dadurch die jeweiligen Nationalisten angestachelt, mit unabsehbaren Folgen. Von der erwähnten Signalwirkung einmal ganz zu schweigen!
Der Balkan galt schon früheren Generationen als "Pulverfass" - nicht erst seit nach dem ersten Weltkrieg. Zur Erinnerung: Der Funke, der damals das Fass zur Explosion brachte, zündete auf dem Balkan! Eine echte Lösung habe ich auch nicht, habe aber bisher auch noch nichts überzeugendes gesehen!

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mimas101 07.09.2018, 13:26
26.

Zitat von hse
Ethnische Grenzen funktionieren eigentlich ganz gut in Mitteleuropa. Die ethnischen Grenzen des heutigen Deutschlands könnte man sogar als Garanten des Friedens bezeichnen. Im Unterschied zu den politischen Grenzen vor dem 1. Weltkrieg
Zu Kaisers Zeiten war der Osten des Deutschen Reiches ein Mischgebiet vieler Ethnien und Völker, man lese nur mal die Geschichte des Danziger Korridors. Und das funktionierte problemlos.
Erst als im Versailler Vertrag dieses Gebiet unter Zugrundelegung von ethnischen und sprachlichen Räumen Polen zugeschlagen wurde begann doch erst der ganze Zirkus der in den zweiten Weltkrieg (mit) führte.
Was aber in Deutschland (Ost, also z.B. Lausitz) oder in (West, z.B. Franken gut klappt) ist die unterschiedslose Akzeptanz der lokalen Riten und Gebräuche, ohne das man ethnische Grenzen ziehen oder Leute mit einem Bommelhut unbedingt in die Wetterau verfrachten müßte.

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Sonia 07.09.2018, 13:26
27. Und alle gehören zur EU

Jeder wird seine eigenen Interessen - auf die EU kommen noch richtige Probleme zu, die sie nicht in der Lage sein wird, zu lösen. Was dass für Länder wie Deutschland bedeuten kann, dürfte sich jeder selbst ausmalen. Auch in diesem Konflikt gären religiöse Konflikte. Die rückwärtsgewandte Interessenpolitik erleben wir in Spanien und der Balkan wird diese auch niemals beenden.

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paysdoufs 07.09.2018, 13:30
28.

Ist "Aufteilung" hier wirklich die richtige, unaufgeregte und wertfreie Vokabel? Für mich schwingt da mit dass zwei Grossmächte die Existenz eines Staates und/oder Volkes (z.B. der/Polen/s) in Frage stellen. Davon scheinen wir hier, bei den Kosovaren, ja weit entfernt. Oder?

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kumi-ori 07.09.2018, 13:34
29.

Zitat von Meinungsäußerung05
Es ist natürlich nett, sich die Meinung einer einzigen Person anzuhören. Journalistisch interessanter wäre es gewesen, wenn man Befragungen/Interviews in Presheva (einschl. umliegende Gebiete) und Mirovica geführt hätte. Mich erstaunt auch immer wieder, dass das......
Das mag alles richtig sein, aber es ist heute nicht mehr zu ändern. Und wenn man es ändern würde, dann würde alles nur noch schlimmer werden.

Wenn wir uns fragen, was wir tun könnten, dann sollten wir vielleicht mal sehen, was in Mitteleuropa passiert ist, dass nach zwei verheerenden Kriegen heute die jungen Menschen aus Deutschland, Holland, Polen, Frankreich problemlos miteinander leben und arbeiten können, ohne, dass die Vergangenheit hier irgendeine Rolle spielt. Ich habe noch am Rande mitbekommen, dass die Generation meiner Ahnen um den Verlust von Schlesien oder Elsass getrauert hatten. Heute weiß kein Mensch mehr, wo das eigentlich liegt.
Ich glaube, dass die Antwort bei den kulturellen Umwälzungen der Sechzigerjahre zu suchen ist. Auch wenn diese Generation heute belächelt wird, hat sie doch nicht nur den Grundstein zu einem friedlichen Zusammenleben, sondern auch zu Wohlstand für alle gelegt. Wenn die Menschen wie im Südbalkan jeden Tag mit der Flinte vor die Haustür gehen und nachsehen, ob sie nicht ihren Boden gegen böse nachbarstämme verteidigen müssen (zumindest ist das das Bild, das wir von diesem Land haben), kann dort auch nichts produziert werden. Deshalb sehe ich die einzige Lösung darin, dass wir die Jugend in diesen Ländern für eine völkerverbindende Kultur gewinnen, die ethische Werte lebt und sich auch schon mal von den Vorstellungen der Großväter distanziert. Das wird hier und da mal zu Zorn und Tränen führen, aber am Ende werden alle gern die Früchte der Veränderung genießen, sowie auch in Deutschland irgendwann die Altnazis eingesehen haben, dass sie besser in der kleinen bequemen BRD leben, als in einem ständig kriegerischen großdeutschen Reich.

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