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Austritts-Verhandlungen: Der Brexit-Stellungskrieg
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Von wegen Beschleunigung: Die Brexit-Verhandlungen kommen nicht vom Fleck. In der sechsten Runde der Gespräche zwischen der EU und den Briten scheinen sich die Fronten sogar noch weiter verhärtet zu haben.

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thomasp1965 10.11.2017, 18:05
1. Ein Jahr

Ein Jahr müssen wir dieses unwürdige Schauspiel noch ertragen. Demnächst, wenn die Investitionspläne für das nächste und übernächste Jahr gemacht werden, wird man sehen was für Auswirkungen Brexit hat.
Den Briten droht ein hartes Erwachen und man kann ihnen nur wünschen, daß sie noch rechtzeitig vor Mrz/19 zur Besinnung kommen und den Exit vom Exit erklären. Den Schaden haben sie dann zwar teilweise schon, aber vielleicht wird's dann weniger schlimm.
Wie unfähig eine Regierung sein kann hat uns May gezeigt. Den Brexit erklären, dann erstmal monatelang Wahlkampf und Neuwahl spielen, dann sich in irren Träumereien ergehen, schließlich wird man in arge Zeitnot geraten und nichts wird geregelt sein.
Wenn sie dann aus ideologischen Gründen die Notbremse - Exit vom Brexit - nicht ziehen, dann wird's schlimm.
Grenze zu Nordirland - harte Grenze, Zollkontrollen, Bombenstimmung.
Banken&Dienstleistung - kein/kaum Zugang zum Binnenmarkt, Banken wandern stärker ab.
Handel mit anderen Staaten - größtenteils nach WTO, mit entsprechenden Zöllen.
Desintegration aus Lieferketten, Abwanderung von Industriejobs nach Osteuropa und Asien (die haben bessere Handelsverträge mit EU, als UK dann).
...
Vor allem schlimm, weil ein Rückzug vom Rückzug dann nicht mehr geht. Man ist dann Beitrittskandidat. Soetwas wie Britenrabatt wird's dann mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr geben. Eher einen Aufschlag.
Aber gut. Die rechtspopulistischen Politclowns wird man sich dann wohl in UK zur Brust nehmen. Farage, Boris, May, Davis usw. können sich schonmal nach Ländern umschauen, die ihnen dann vor ihrem Volk Asyl geben...

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shardan 10.11.2017, 18:33
2. Unwürdiger Poker

Es ist ein unwürdiger Poker, den die Briten da spielen - letzten Endes ebenso zu Lasten der eigenen Bevölkerung wie zu Lasten der EU. GB hat meiner Meinung nach auf Stur geschaltet und hofft, damit ein Nachgeben der EU zu erzwingen. Es zeugt nicht von politischem Durchblick, denn genau das kann sich die EU beim besten Willen nicht leisten - es würde dazu führen, dass viele andere Staaten ihre Mitgliedschaft in der EU überdenken: Wozu mit allen Verpflichtungen Mitglied sein, wenn es auch ohne geht? In einigen Wochen könnte GB feststellen, dass man zu hoch gepokert hat - selbst die EU-Kommission wird ihre Existenz nicht gefährden wollen. Es wird (hoffentlich) keinen Brexit mit Bremsfallschirm und Sonderrechten geben - Out is Out. Bis diese Erkenntnis in einigen britischen Köpfen angekommen ist, dürfte es für einen weichen Brexit zu spät sein, dann gibt es eine harte Landung.

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n.strohm 10.11.2017, 18:38
3. Die EU muss

aus eigenem Überlebenstrieb heraus an den Briten ein Exempel statuieren.
Die Briten müssen Flagge zeigen um nicht als Versager dazustehen und um ein Mindestmaß der von Johnson, Farrage und auch anderen Torries erzählten Luftschlösser zu realisieren. Den einen hat man quasi als Schweigegeld das Aussenministerium gegeben, der andere scheint in der Versenkung verschwunden zu sein.

Ein definierter Startdatum für den harten Austritt als Drohung hilft beiden.
Die EU hat den harten Brexit mit minimalem Entgegenkommen und -vielleicht - maximalen Schaden für die Briten.
Und die Briten können den vermeintlich eintretenden Schaden der britischen Wirtschaft auf die aus britischer Sicht schon immer empfundene Verhandlungssturheit/Mangel an Berücksichtigung der britischen Wünsche der EU zu schieben.

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nhorwath 10.11.2017, 18:42
4. Spiegel-Sprache?

Irritierend ist für mich eine Head-Line die vom "Stellungskrieg" in so einem wirtschafts-politischen Zusammenhang spricht.Gerade beim Spiegel hätte ich so etwas mit dem Feingefühl für deutsche Vergangenheit niemals erwartet.Aber man lernt nie aus.Aber Schlagwort-Journalismus ist scheinbar wieder in.Die Briten werden das schon richtig machen.Die brauchen unsere Schlaumeier-Ratschläge am wenigsten.

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kuac 10.11.2017, 19:04
5.

Zitat von n.strohm
.....Die Briten müssen Flagge zeigen um nicht als Versager dazustehen und um ein Mindestmaß der von Johnson, Farrage und auch anderen Torries erzählten Luftschlösser zu realisieren. Den einen hat man quasi als Schweigegeld das Aussenministerium gegeben, der andere scheint in der Versenkung verschwunden zu sein....
Johnson hat sicher freiwillig auf Vehandlungsführung verzichtet, weil er weiss, dass Brexit nichts gutes bringen wird. Sogar die Premierministerin May war eine Brexitgegnerin.

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simonweber1 10.11.2017, 19:11
6. Man

Zitat von shardan
Es ist ein unwürdiger Poker, den die Briten da spielen - letzten Endes ebenso zu Lasten der eigenen Bevölkerung wie zu Lasten der EU. GB hat meiner Meinung nach auf Stur geschaltet und hofft, damit ein Nachgeben der EU zu erzwingen. Es zeugt nicht von politischem Durchblick, denn genau das kann sich die EU beim besten Willen nicht leisten - es würde dazu führen, dass viele andere Staaten ihre Mitgliedschaft in der EU überdenken: Wozu mit allen Verpflichtungen Mitglied sein, wenn es auch ohne geht? In einigen Wochen könnte GB feststellen, dass man zu hoch gepokert hat - selbst die EU-Kommission wird ihre Existenz nicht gefährden wollen. Es wird (hoffentlich) keinen Brexit mit Bremsfallschirm und Sonderrechten geben - Out is Out. Bis diese Erkenntnis in einigen britischen Köpfen angekommen ist, dürfte es für einen weichen Brexit zu spät sein, dann gibt es eine harte Landung.
Kann das Ganze auch anders beurteilen. Wenn man einmal die Medienberichte die fast unisono gegen UK gerichtet sind weglässt und die ganze Sache nüchtern betrachtet, liegt es doch eher an der EU, dass das Verfahren nicht vorangeht. Die EU hat sich darauf festgelegt zuallererst die Finanzierungsfrage zu klären. Man ist seitens der EU aber nicht in der Lage eine konkrete Summe zu benennen. Im Raum stehen Schätzungen von 60-100 Milliarden die UK nicht akzeptieren kann. Was Ihre Schlußfolgerung betrifft, so wird es wohl so sein, dass nicht nur die Briten Federn lassen müssen, es wird wohl auch teuer für die EU und speziell auch für Deutschland.Heute gab es einen Kommentar zum Brexit auf NDR wo darauf hingewiesen wurde, dass Deutschland allein für das Ausscheiden UK 3,5 Milliarden Euro zukünftig mehr an die EU zu zahlen hat, Dazu kommen die Befürchtungen der zukünftigen Handelsschwierigkeiten, die sich auf Milliardenhöhe bewegen könnten.

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rudig 10.11.2017, 19:24
7. naja,

Zitat von thomasp1965
Ein Jahr müssen wir dieses unwürdige Schauspiel noch ertragen. Demnächst, wenn die Investitionspläne für das nächste und übernächste Jahr gemacht werden, wird man sehen was für Auswirkungen Brexit hat. Den Briten droht ein hartes Erwachen und man kann ihnen nur wünschen, daß sie noch rechtzeitig vor Mrz/19 zur Besinnung kommen und den Exit vom Exit erklären. Den Schaden haben sie dann zwar teilweise schon, aber vielleicht wird's dann weniger schlimm. Wie unfähig eine Regierung sein kann hat uns May gezeigt. Den Brexit erklären, dann erstmal monatelang Wahlkampf und Neuwahl spielen, dann sich in irren Träumereien ergehen, schließlich wird man in arge Zeitnot geraten und nichts wird geregelt sein. Wenn sie dann aus ideologischen Gründen die Notbremse - Exit vom Brexit - nicht ziehen, dann wird's schlimm. Grenze zu Nordirland - harte Grenze, Zollkontrollen, Bombenstimmung. Banken&Dienstleistung - kein/kaum Zugang zum Binnenmarkt, Banken wandern stärker ab. Handel mit anderen Staaten - größtenteils nach WTO, mit entsprechenden Zöllen. Desintegration aus Lieferketten, Abwanderung von Industriejobs nach Osteuropa und Asien (die haben bessere Handelsverträge mit EU, als UK dann). Vor allem schlimm, weil ein Rückzug vom Rückzug dann nicht mehr geht. Man ist dann Beitrittskandidat. Soetwas wie Britenrabatt wird's dann mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr geben. Eher einen Aufschlag. Aber gut. Die rechtspopulistischen Politclowns wird man sich dann wohl in UK zur Brust nehmen. Farage, Boris, May, Davis usw. können sich schonmal nach Ländern umschauen, die ihnen dann vor ihrem Volk Asyl geben...
ich glaube Sie haben da Wunschträume.
Auch ich glaube, daß der Brexit keine gute Idee ist aber Ihre Vorstellungen sind übertrieben.
Ich war gerade in England und kann Ihnen mitteilen, die Engländer machen keinen Exil from Brexit.
Viel haben einfach keine Lust, sich von Brüssel was vorschreiben zu lassen und wenn ich z.B. an Juncker denke, kann ich das verstehen!

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ichliebeeuchdochalle 10.11.2017, 19:44
8.

Fehler im Text: ""Machen wir uns keine Illusionen", sagte Barnier. Die Streitfragen werden "nur im Zusammenhang mit den zukünftigen Beziehungen" zwischen EU und Großbritannien zu lösen sein. Deshalb müsse jetzt über die Zukunft geredet werden. Es war ein erneuter Versuch, die EU dazu zu bringen, ihre bisherige Strategie zu ändern und über die künftigen Handelsbeziehungen zu reden - noch bevor die strittigen Fragen der Phase eins geklärt sind."

Das kann Barnier (spricht für die EU) nicht gesagt haben sondern nur Davis (spricht für Britannien).

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Liberalitärer 10.11.2017, 20:04
9. Due Diligence

Zitat von rudig
ich glaube Sie haben da Wunschträume. Auch ich glaube, daß der Brexit keine gute Idee ist aber Ihre Vorstellungen sind übertrieben. Ich war gerade in England und kann Ihnen mitteilen, die Engländer machen keinen Exil from Brexit. Viel haben einfach keine Lust, sich von Brüssel was vorschreiben zu lassen und wenn ich z.B. an Juncker denke, kann ich das verstehen!
Die Tory Partei wird dieses "Ultimatum" mit Sicherheit verstreichen lassen. Das dürfte auch mit den aktuellen Begebenheiten in Berlin zu haben - man wird abwarten wollen. Schließlich muss jedem Deal von EU Seite auch Berlin zustimmen können. Die groben Zahlen sind in London bekannt und Frau May hat angeboten, die systematisch durchzuarbeiten.
Realistischerweise wird das angesichts der Buchführung der EU dauern. Deswegen sollen Folgefragen auch schon vorab besprochen werden. Was Herr Barnier erwartet, das ist eine Art Blankoscheck. Das muss aber alles eben durch das Unterhaus und das ist eben keine leere Phrase.
Scheck schreiben wie einst Herr Kohl, das wird nicht gehen. Solange bis diese Prozeduren so ungefähr stehen wird m.E. wohl ein "gespannter Waffenstillstand" herrschen.

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