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Beobachtungen zum Wahlkampf: Selfies, Wut und viele Zahlen
AFP

Der Bundestagswahlkampf geht zu Ende. Am Sonntagabend werden die einen feiern, die anderen trauern. Was bleibt von diesen Wochen? Fünf Beobachtungen.

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fallobst24 23.09.2017, 19:28
1.

Sie verstehen es nicht oder wollen es einfach nicht verstehen. Es geht darum, dass es keine wirkliche, ehrliche, bemühte Diskussion über die Zukunft unseres Landes gibt. Merkel entzieht sich höchst erfolgreich mit ihrem "Sie kennen mich", "in einem Land, in dem wir gerne leben", dem Vorschreiben wie das TV-Duell ablaufen soll und wie oft es stattfinden darf und vielem mehr.
Es gibt keine greifbare Sach-Diskussion. Merkels Antwort auf all das ist: das wird schon und es wird alles gut. Wieso erklärt sie nicht. Diese unglaubliche Arroganz wirkt auf viele Bürger fast, als dürfte man sich freuen dieses Gottesgeschenk Merkel wählen zu dürfen.

Der Preis für den gefühlten Merkel'schen Absolutismus ist eine AFD, die aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Stand mit zweistelligem Ergebnis in den Bundestag einziehen wird, und wahrscheinlich zudem als 3. stärkste Partei.

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wynkendewild 23.09.2017, 19:29
2. Überraschung

Der Bürger ist mitnichten zufrieden mit dert politischen Klasse und die Leute als Schreihälse abtun zu wollen sollte man tunlichst unterlassen. Die Bürger dürfen ihrem Unmut auf jeden Fall Ausdruck verleihen.

Der jährliche Armustbericht sowie die steigende Anzahl derer die in prokären Arbeitsverhältnissen ihr Dasein fristen müssen lassen sich nicht wegdiskutieren. Und die Parteien egal welcher Couleur "spielen" nur mit dem Wähler und dessen Emotionen.

Dieses Land ist vom System her schließlich ein zivilier Industriestandort sowie finanzieller und logistischer Knotenpunkt Europas. Die eigentlichen Gewinner werden deshalb nicht in den Bundestag einziehen sondern auch weiterhin im Hintergrund agieren.

Vergleichen möchte ich die Situation mit jemanden der Zahnschmerzen hat, diese aber ignoriert. Er nimmt ne Tablette und am Ende läuft es dann trotzdem auf eine Wurzelbehandlung hinaus.

Nur deshalb werden wir morgen völlig überraschend mit der Wiederwahl der CDU als stärkste Kraft rechnen dürfen......

MfG:
wynkendewild

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tialo 23.09.2017, 19:31
3.

Ich war letzte Woche auf einer Wahlkampfveranstaltung von Frau Merkel. Die Rede von ihr war okay, kein Highlight, aber durchaus einige gute Punkte angesprochen. Unter den rund 4000 Zuhörern waren auch einige AfDler und NPDler, die lautstark die Veranstaltung störten. Jetzt ist Kritik und Gegensatz in einer Demokratie natürlich erlaubt und erwünscht, aber was dort los war, hat mich echt fassungslos gemacht.

Die Störer pfiffen 90 Minuten lang lautstark in ihre Trillerpfeiffen, hielten Plakate hoch auf denen solche netten Sätze wie "Flüchtlinge raus" oder "Merkel, die Volksverräterin" standen und brüllten in einer Tour irgendwelche Beleidgungen und Parolen in Richtung Bühne - das war einfach nur unterirdisch. Ich habe vorgestern per Brief gewählt und dort der Union und Frau Merkel meine Stimme gegeben. Bin eigentlich eher der Typ Wechselwähler, habe die letzten Wahlen meistens zwischen CDU, SPD , FDP oder einer kleineren Partei geschwankt, aber diese ganzen Schreihälse und Aggro-Vollpfosten haben mich tatsächlich mit Frau Merkel solidarisieren lassen, obwohl ich vor einigen Wochen mein Kreuz eigentlich noch woanders machen wollte.

Solange die AfD solche Menschen anzieht und in solchen Millieus verkehrt, sind die für mich echt unwählbar und ich hoffe, dass wir morgen eine hohe Wahlbeteiligung sehen werden.

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keine Zensur nötig 23.09.2017, 19:34
4. Sie haben leider auch keine Ahnung -

da sie Millionen ausblenden, die Aufstocken oder sonstwie hinten an stehen. Dass sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet und der hochgelobte Mittelstand massiv erodiert - Ihnen egal.

ja - alle sind alternativlos zufrieden. Bis - ja, das eigene Eigenheimchen geplündert wurde, der ökologische Familienpanzer weg ist, die Frau oder Tochter Opfer von eher nicht migrierter Mitbürgern wird und und.

Wieviele der Enttäuschten udn Abgehängten morgen die Blaulackierten wählen wird man sehen.

Und ich wünsche mir keine solide Regierungsarbeit am Parlament und Gesetz vorbei, sondern die Erfüllung von grundgesetzlich vorgesehenen Pflichten.

Hinweis - die Mutterpartei der CDU, die Zentrumspartei, hievte da am 30.01.1933 auch so einen unterschätzten Vertreter der Unzufriedenen an die Macht, weil es zuviele Unzufriedene gab.

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derinvestigator 23.09.2017, 19:48
5. Man darf nicht Ursache und Wirkung miteinander vertauschen!

Wenn eine Partei, wie der AfD unterstellt wird, so viel an Wut und Frust bei vielen Bürgern auslösen kann, wie die Kanzlerin während ihrer Wahlkampagne kennen lernen durfte, wäre es doch mal an der Zeit, nach den Ursachen zu fragen. Auch hier gilt das simple Gesetz: Von nichts kommt nichts! Die etablierten Parteien wollen nicht wahr haben, dass das Staatsversagen in der völlig unregulierten Flüchtlingspolitik der Merkelregierung eine wesentliche Ursache ist. Die unsägliche Flüchtlingspolitik, die bis zum heutigen Tag offene Grenzen erfordert und Tausende von Menschen unidentifiziert ins Land lässt, ist es, die diesen Zorn und Hass möglich macht, wie er sich z. B. am Tag der deutschen Einheit in einer extremen Form entladen hat. Die etablierten Parteien halten sich völlig bedeckt, wie sie dieses milliardenschwere Problem lösen und dessen Kosten auf die Bevölkerung verteilen können; wir reden von ca. 25 – 30 Milliarden pro Jahr. Die absolute Nichtbeachtung bürgerlicher Sorgen und das Hinwegregieren über deren Köpfe erbost die Menschen, die sich das nicht mehr gefallen lassen wollen. Die Konsequenz: Nun dienen die empörten Pöbler und Wutbürger als Feindbild gegen die Demokratie und die auf Hofberichterstattung eingeschworenen Journalisten. Dabei ist die Lösung des Problems relativ einfach: Nur eine Änderung der merkelschen Flüchtlingspolitik kann zu einer Befriedung im Lande führen.

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matthias-j 23.09.2017, 20:06
6. Nicht verzagen lieber Spiegel

Ihr habt im Wahlkampf wirklich alles Für Rot-Rot-Grün getan. Auch fürMerkel. Mit fairen und unfairen Mitteln. Und wenn alle drei Parteien und Merkel abschmieren soltet ihr vielleicht daran denken, dass eure Leser nicht dumm sind. Weil, was ihr als in euren Wahlkampf gebracht habt war eine Beleidigung für jeden intelligenten Menschen und hat der AfD nur aus Trotz noch etliche Stimmen gebracht. Aber abwarten. Vielleicht wird Martin Schulz mit 51% am Sonntag noch Kanzler. Das würde allerdings nur gehen wenn der Spiegel für die Stimmenauswahl verantwortlich wäre.
Traurig, dass zu sagen, aber eure Kommentare vor allem auf bento würden dies als realistisch erscheinen lassen.

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hackee1 23.09.2017, 20:10
7. Wenn Merkel gewinnt...

können sich Spiegel, Spiegel Online, die öffentlich rechtlichen Funkhäuser, kurz, die gesamte deutsche Medienlandschaft auf die Schulter klopfen. Ziel erreicht. Jede andere Kanzlerin oder Kanzler mit einer so verheerenden Bilanz wäre nicht nach 12 Jahren wiedergewählt, sondern nach zwei Jahren zur Vertrauensfrage gezwungen worden, auch durch eine vierte Gewalt. Wenn über Merkel nur halb so kritisch berichtet würde wie über Gabriel, Steinmeier, Schulz oder andere Politiker wäre Sie da wo Sie hingehört. Auf einer Hinterbank im Parlament oder bar jedes politischen Mandats. Keine Ideen für das Land, für Europa oder sonstwas. Nur verwalten des Staus Quo, sich in Erfolgen sonnen die andere Regierungen oder kleinere Koalitionspartner ermöglicht haben. Mehr ist da nicht, war noch nie und wird nie sein. Nochmal vier Jahre die Dame und wir sind International so abgehängt, das holen wir nie wieder auf.

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voiceecho 23.09.2017, 20:18
8. Lahm und sinnlos!

Der Wahlkampf war in diesem Jahr so lahm und inhaltsleer, dass man sich gefragt hat, ob unsere Politiker den Menschen überhaupt was sagen wollen.
Dieser Wahlkampf war die beste Werbung für eine Änderung des Wahlgesetzes und zwar durch Verlängerung der Wahlperiode auf 5 Jahre und Beschränkung der Amtszeit der Bundeskanzlers bzw. Bundestagsabgeordnete auf maximale zwei Wahlperioden! Diese Änderungen sind längst überfällig, damit immer wieder „frisches Blut“ in die Ämter reinkommt und Politikverdrossenheit entgegengewirkt wird.

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Koana 23.09.2017, 20:36
9. Morgen werden....

entweder 598 Leute und ihre künftigen "Mitarbeiter" feiern, oder 598 plus X und ich wage zu behaupten, dass sich dieses X der Eigenschaft größer 100 erfreuen könnte.

Sprich das Wahlvolk macht viele Menschen glücklich!
Und die gewählten künftigen Politokraten dürfen dann auch einige Menschen glücklich machen.
Ich denke, das wird eine eher kleinere Gruppe, sicher die Minderheit, sein.

Aber die Mehrheit schenkt ihre Stimme und nicht nur die, sie schenkt auch Ihre Lebenskraft, auf dass die Gewinner im materiellen Überfluss die Welt ersticken.

Desto mehr Menschen in prekäre Verhältnisse abrutschen, desto schöner wird es in diesem Land wieder werden, da jene, die sich materieller Armut gegenüber sehen, vielleicht die wahren Werte des Lebens wieder finden.
Sollen die "Gewinner " ruhig in Palästen feiern, solange sie nicht ihre Schergen auf uns los lassen, haben wir die Chance auf ein lebenswertes Sein.

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