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Europas Presse über Grass: "Das Problem ist das Tabu des Antisemitismus"
DPA

In mehreren europäischen Zeitungen hat Günter Grass diese Woche ein Gedicht über die Lage im Nahen Osten veröffentlicht, und das Presse-Echo war gewaltig. "Grass hätte lieber schweigen sollen", schreibt die "Presse" in Wien. "Das Problem ist das Schuldgefühl der Deutschen", kommentiert "Le Monde".

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marthaimschnee 06.04.2012, 22:07
1.

Also fassen wir zusammen: Grass hat Unrecht, nicht weil er Unrecht hat, sondern weil er ein Nazi war und Kritik an Israel grundsätzlich Antisemitismus ist!

Ganz im ernst, wer die aktuelle Politik Israels nicht beschreiben kann, ohne das Wort "Holocaust" zu bemühen, braucht eigentlich gar nichts sagen, denn es kommt sowieso nichts sinnvolles dabei raus! Und würde man diesen Umstand außer Acht lassen, müßte wohl jedem schnell klar werden, daß die israelischen Hardliner - und wie überall ist es auch dort nur eine winzige Gruppe, die mit übelstem Populismus auf Stimmenfang geht - eine ziemlich unverschämte Politik des Hasses betreiben. Es ist mir zumindest nicht bekannt, daß irgendein Land einem anderen ohne völkerrechtliche Konsequenzen einen atomaren Angriff androhen kann.

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problembaerz1000 06.04.2012, 22:07
2. sehr interessant

Zitat von sysop
In mehreren europäischen Zeitungen hat Günter Grass diese Woche ein Gedicht über die Lage im Nahen Osten veröffentlicht, und das Presse-Echo war gewaltig. "Grass hätte lieber schweigen sollen", schreibt die "Presse" in Wien. "Das Problem ist das Schuldgefühl der Deutschen", kommentiert "Le Monde".
Das ist ja interessant. Man bleibt geliebt und wird von allen Seiten gelobt solange das sagt, was die anderen hören wollen. Sobald jedoch eine andere Meinung vertreten wird, die nicht nach dem Geschmack der anderen ist, ist man gefährlich für die Gesellschaft. Warum wurde nicht früher ständig gesagt, dass er bei der SS war ? Jetzt auf einmal ? Wie kann man behaupten, dass das iranische VOLK Israel auslöschen will ? Wir haben bis jetzt keinen einzigen Iraner getroffen, der über soetwas jemals gesprochen hat oder sich gegen Israel geäußert hätte.

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seine-et-marnais 06.04.2012, 22:09
3. Richtiger Kommentar von 'Le Monde'

Zitat von sysop
"Das Problem ist das Schuldgefühl der Deutschen", kommentiert "Le Monde". .... Im Grunde ist das wahre Problem des Gedichts nicht die Bombe oder der Iran, sondern das Schuldgefühl der Deutschen, das Tabu des Antisemitismus in Deutschland, und die Schwierigkeit der Deutschen, sich über etwas Jüdisches im Allgemeinen und Israel im Speziellen zu äußern, und auch die Selbstzensur der Intellektuellen, ob bewusst oder unbewusst.
Deutschland hat ein Problem. Alles was getan und diskutiert wird wird unweigerlich am Holocaust gemessen. Deutschland wird es so verwehrt ein normales Land zu werden, und normal zu reagieren. Man kann nicht von Deutschland verlangen 'seine Rolle' in Europa und in der Welt zu spielen, und beim geringsten Anlass den Deutschen ihre Geschichte vorzuwerfen und zu sagen dass sie deswegen dieses oder jenes eben nicht tun duerfen.
Was mir Angst macht, in Deutschland gibt es nur noch den politischen mainstream, es gibt kein links und rechts mehr, und sollte einer Kritik oder eine Diskussion wollen, dann wird er sofort ins politische Abseits gestellt, ist er ein Radikaler. Wir sind wieder in einer Zeit wie vor 1968. Wenn einer damals Kritik uebte, hiess es 'Geh doch nach Drueben'. Zur Abwehr der Kritik heute in Europa-, Euro oder Einwanderungsfragen wird dreimal pro Woche diskutiert ob die NPD verboten werden muss, wir an das Moerdertrio aus Zwickau zweimal die Woche erinnert mit dem Spruch, Rechtsradikale morden, Rechtsradikale sind Populisten, wer eine abweichende Meinung hat ist Rechtspopulist, also ein potentieller Moerder. So wird jede Kritik abgewuergt. Und um Angst vor den Linken zu machen, hat man ja gerade die Honecker ausgegraben.
Drei, vier Parteigroessen und die Bildzeitung bestimmen heute was diskutiert werden darf, was gesagt werden darf. Dabei gibt es gewisse Codes:'politisch korrekt ' ist: Suedlander sind faul, Spanier, Portugiesen und vor allem Griechen sind ausgesprochen faul. Politisch nicht korrekt ist es dagegen zu sagen; Suedlander sind faul, Tuerken sind faul. Wer bestimmt das eigentlich?
Ich lebe jetzt seit Jahrzehnten in Frankreich. Hier gibt es wesentlich mehr Antisemitismus als in Deutschland, warum weiss ich nicht, ist aber so. Da kaeme aber die juedische Gemeinde nie! auf die Idee Frankreich in Go oder No Go Areas aufzuteilen, obwohl wir einige wilde antisemitische Verbrechen gekannt haben. Nie kaeme die juedische Gemeinde auf die Idee der Regierung oeffentlich vorschreiben zu wollen welche Politik sie zu machen hat. Natuerlich gibt sie ihre Ansicht bekannt, und natuerlich ist die pro-israelisch, aber nicht jede Kritik an der Politik der israelischen Regierung wird als Antisemitismus hochgespielt.
Fazit: das Problem Deutschlands sind die Tabus, meiner Meinung nach staut sich da so manches auf. Mit einer richtigen Diskussion koennten Konfliktstoffe abgebaut werden. Indem man Konflikte zu Tabus erklaert loest man sie nicht, sondern wenn sie dann zutage treten ist das nur umso heftiger.
Frueher spielte da die Presse, vor allem der Spiegel eine wichtige Rolle, aber lang lang ist's her. Wenn die Demokraten die Probleme nicht mehr aufgreifen, dann tun dies halt die Radikalen.

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5igterm 06.04.2012, 23:15
4.

Wer offene Kritik an israelischer Politik oder Israel im Allgemeinen verlautbart, der wird schon fast affektiv - und das ist ein Umstand den es nachhaltig zu aendern gilt - von pro-israelischen Stimmen aus aller Herren Laender, mit dem Stempel des Antisemitismus belegt. Es ist dabei zumeist voellig unbedeutend, ob die Stimme einen wohlwollenden Hinweis oder aber eine ernst gemeinte Kritik aeussert. Wenn es sich dann noch um eine Person mit deutscher Abstammung handeln sollte, so laeuft die Maschinerie oftmals auf Hochtouren, denn unabhaengig davon, dass die meisten Deutschen viel zu jung sind und nur ueber eine Art Sippenhaft fuer die Graeultaten im Dritten Reich ueberhaupt noch verantwortlich gemacht werden koennten, wird der Grosse Finger der Kritik in die ewig klaffende Schuldwunde gelegt und auch gerne einmal in ihr herumgedreht.

Es scheint gerade in den dominierenden Medien kaum ein Interesse zu geben Dies zu hinterfragen, oder aber zumindest Stimmen als gleichberechtigt zu tolerieren - und diese somit nicht schon fast affektiv als Nazi oder Antisemit zu stigmatisieren - die sich nicht duckmaeusig schweigend, oder aber den politisch opportunen Meinungsbildern folgend, zu aeussern wagen. Die Argumente des Aufruehrers dienen dabei bestenfalls in verkuerzter oder aus dem Zusammenhang geloester Form dazu, zu beweisen, dass er ein irrsinniger und absolut fehlgeleiteter Zeitgenosse ist.

Solange es nicht zur lang beschworenen und viel zitierten Toleranz des Andersdenkenden kommt, zu der es auch - und das schon aus Anstand - gehoert nicht gleich heuschreckenartig ueber alles und jeden herzufallen, ohne bei einem moeglichen vermuteten Missverstandnis zu hinterfragen, wie es denn genau gemeint sei, wird es brodeln. Das Thema hat sogar das Potetial sonst verschieden denkende Stroemungen zu vereinen, um sich vom Druck der immer weiter klaffenden Schuldwunde ein fuer allemal lozusagen. Betrachtet man die Foren und Umfragen - sodann die Kommentarfunktion auf den Seiten der Presse nicht sogar deaktiviert wurde - so sieht man sehr oft ueberwaeltigende Mehrheiten auf der Seite der Grass-Zustimmer. Ich fand keine einzige Umfrage in der die Befuehrworter in der Minderheit gewesen waeren (wer eine findet darf diese gerne hier verlinken, es wuerde mich wirklich interessieren).

Man muss es sich wahrlich auf der Zunge zergehen lassen. Es aeussert sich jemand besorgt, dass es zu einem schweren Krieg, mit vielen unschuldigen Toten, und weitreichenden Folgen fuer die gesamte Region kommen kann. Die Reaktion hierauf liest sich (Copy & Paste) wie folgt:

Klarsfeld wirft Grass Hitler-Analogie vor (ZEIT ONLINE | Nachrichten, Hintergründe und Debatten)
Damals war er ein SS-Mann, heute schreibt er wie einer (FOCUS Online - Nachrichten)
Der braune Kern der Zwiebel (Aktuelle Nachrichten - Bild.de *)

...uvam...

*"Die Bild hier aufzufuehren kann doch nicht ernst gemeint sein", koennte man konstatieren, doch ist dieses Printmedium einer der bedeutendsten Meinungsmacher und ist somit ernster zu nehmen als es so manchem lieb ist.

Ist es nicht viel schaendlicher sich hemmungslos in einer solch unflaetigen Weise zu ergehen und sich nicht auf einer intellektuellen Ebene mit dem Schriebs auseinanderzusetzen, zumal die Vorwuerfe das Potential haben, geradezu auf der Autobahn der geschichtverklaerenden Vokabolismen zum Rufmord einer sonst integeren Person zu fuehren? Aber Autobahn geht ja mal garnicht...

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pauline-luise 06.04.2012, 23:49
5. Presse-Echo für Günter Grass

Zitat von sysop
In mehreren europäischen Zeitungen hat Günter Grass diese Woche ein Gedicht über die Lage im Nahen Osten veröffentlicht, und das Presse-Echo war gewaltig. "Grass hätte lieber schweigen sollen", schreibt die "Presse" in Wien. "Das Problem ist das Schuldgefühl der Deutschen", kommentiert "Le Monde".
Nur Hoffnung spendet jenes aus El Pais.
G.Grass ist eine moralische Autorität.
Und es ist nicht übertrieben, wenn er vor der Gefahr warnt.
Wer am Weltfrieden interessiert ist, muß dem zustimmen.
Denn Israel hat Macht.
Und Israel läßt noch immer alle für den erlittenen Holocaust bezahlen.
Es ist mutig, sich gegen diese Übermacht Israel zu stellen.
Israel maßt sich unglaubliche Rechte an:
die Palästinenser zu knechten und im Elend zu halten.
- gezielte Tötungen werden niemals geahndet.
- Israel zieht ständig die Karte Holocaust, um die Welt zum Schweigen zu bringen.
Es ist Zeit, daß sich Israel emanzipiert.
Und als fairer Partner in der Welt auftritt.
Es ist Zeit, daß sich Europa, insbesondere Deutschland, emanzipiert und sondiert, was Recht und was Unrecht ist.
Dann kann die Welt auch wieder aufatmen. Derzeit herrscht hier in Deutschland ein Regiment der Repression und des Rassismus gegenüber Aufklärung und Toleranz.
Es gibt in Deutschland keine Leichtigkeit und Unbeschwertheit mehr, keinen Humor, keinen Witz, keine Begeisterung an Idealen, keinen Schwung, mit Phantasie und Intuition sich auszutauschen. Es erstickt alles im Sumpf der Überwachung.

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mikerol 06.04.2012, 23:57
6. Provinzieller gehts wohl nicht!

Zitat von sysop
In mehreren europäischen Zeitungen hat Günter Grass diese Woche ein Gedicht über die Lage im Nahen Osten veröffentlicht, und das Presse-Echo war gewaltig. "Grass hätte lieber schweigen sollen", schreibt die "Presse" in Wien. "Das Problem ist das Schuldgefühl der Deutschen", kommentiert "Le Monde".

Als politisches Kommentar ist das Grass Gedicht, das als Gedicht nicht viel taugt, und als Kommentar mehr von dem Autor efordert haette, eine Binsenweisheit. Das so was Anti-Semitismus Beschuldigungen hervorruft zeugt von der scheinbaren Unmoeglichkeit zwischen Juden und dem Staat Israel zu unterscheiden, oder insbesonders der Netanahu Regierung, und von der andauernden Unausgeglichenheit des Deutschen Schuldgefuehls.

Grass fails to mention that Israel has been the chief US aircraft carrier in the Middle East for a long time, and is the Neo-Con spear of US imperialism. In that respect the entire controversy in Germany strikes me as amazingly parochial. Mike Roloff | Facebook name

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Atheist_Crusader 07.04.2012, 00:02
7.

Zitat von seine-et-marnais
Deutschland hat ein Problem. Alles was getan und diskutiert wird wird unweigerlich am Holocaust gemessen. Deutschland wird es so verwehrt ein normales Land zu werden, und normal zu reagieren.
Deutschland hat nunmal das Problem, dass es gewaltsam gezwungen wurde, sich mit seiner Geschichte auseinanderzusetzen. Und sowas kann man keiner Großmacht des 20. Jahrhunderts antun, ohne sie langfristig zu traumatisieren. JEDE Großmacht hat tonnenweise Leichen im Keller - sonst wäre sie keine Großmacht geworden. Aber die anderen wurden halt nicht zur falschen Zeit besetzt und haben dann ihre Schandtaten gewaltsam in den Rachen geschoben bekommen.

Und das sollte man vielleicht nicht relativieren; die Relationen KENNEN sollte man aber trotzdem. Nehmen wir nur mal die Kriegsgegner der Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg: Die USA wurden auf der Ausrottung und Vertreibung der Indianer erbaut. Die Briten schmierten die Räder ihres Empires täglich mit Dutzenden von Toten; der "Kreuzritter der Demokratie", Churchill selbst empfahl noch wenige Jahre vor Kriegsbeginn, Giftgas gegen renitente Kurden einzusetzen. Die Franzosen waren kaum weniger blutrünstige Kolonialherren, nur weniger erfolgreich. Polen war wenig mehr als eine Diktatur und das auch nicht von der zimperlichen Sorte wie sowohl Deutsche als auch Russen und Juden herausfinden durften. Selbst die Belgier haben es geschafft, ihre Grausamkeit in das Gedächtnis Zentralfrikas einzubrennen... die heute noch gebräuchliche Praxis des Hände-Abhackens geht auf deren koloniale Motivationstechniken zurück. Grundsätzlich gab es in praktisch jedem europäischen Land faschistische Parteien und Antisemitismus, egal auf welcher Seite es stand. Über die Sowjetunion könnte man Bände verfassen und China... Chiang Kai-Sheck, ein machtgeiler Paranoiker und Mao, ein weiterer glühender Vertreter von Anstand und Menschenrechten...
Ja, das ist der zweite Weltkrieg. Bei weitem nicht "der ultimative Krieg - Gut gegen Böse". Eher "Böse gegen noch böser". Aber wer weiß schon solche Dinge? Was lernen denn die Kinder in der Schule? Zweiter Weltkrieg und Nationalsozialismus. Jahrelang wird da ausgerollt, was wir doch eigentlich ein Völkchen von Psychopathen sind. Was vielleicht sogar stimmt. Nur sagt ihnen keiner dazu, dass der Rest der Welt auch nicht viel besser ist.
Erziehen Sie mal so ein Kind. Sagen Sie ihm, dass es zurückgeblieben ist, weil es mit 2 Monaten noch in die Windeln gekackt hat, mit 4 Monaten noch nicht laufen und mit 6 Monaten noch nicht sprechen konnte. Wenn Sie ihm nie erzählen, dass es bei anderen Kindern auch nicht besser aussieht... wie zum Teufel soll es da mal irgendeine Form von gesundem Selbstbewusstsein entwickeln?

Deutschland befindet sich auf einem Kurs permanenten Selbsthasses. Und es hat mehr Angst davor jemals wieder bedeutend zu sein, als Belgien, Polen, Frankreich und Israel zusammen. Und ich träume von dem Tag, an dem wir den ganzen Mist mal ad acta legen können, selbstbewusst nach vorne treten können und sagen: "Das ist jetzt über 60 Jahre her. Wenn das dein bestes Argument ist, dann halt bitte gleich den Rand!"

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tajmahal1111 07.04.2012, 00:08
8.

Wie kann man dem Staat Israel Erstschlagsdrohungen mit Atomwaffen vorwerfen, es sei denn, es gäbe sie? Wie kann man diesem Staat laut Sigmar Gabriel ein Apartheids-Regime vorwerfen, es sei denn, es gäbe es? Wie kann man überhaupt auf die Idee kommen, Israel hätte die Atombombe, obwohl es von dort gar nicht bestätigt ist? Dann würde man uns in einer Menschheitsfrage belügen und betrügen! Israel lügt? Es sei die friedlichste Demokratie auf der ganzen Welt, die wohl nur aus Jux deutsche U-Boote mit den Rampen für ihre Atombomben bekommt, die sie ja nicht hat, oder? Ein Staat, dem 200 Atombomben zugesprochen werden, äußert sich einfach nicht zur Fähigkeit, die komplette Welt und die Menschheit zu zerstören. Grotesker Irrsinn!

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mountainqueen 07.04.2012, 00:15
9. ich muss Ihnen leider in Allem recht geben

Zitat von seine-et-marnais
Deutschland hat ein Problem. Alles was getan und diskutiert wird wird unweigerlich am Holocaust gemessen. Deutschland wird es so verwehrt ein normales Land zu werden, und normal zu reagieren. Man kann nicht von Deutschland verlangen 'seine Rolle' in Europa und in der Welt zu spielen, und beim geringsten Anlass den Deutschen ihre Geschichte vorzuwerfen und zu sagen dass sie deswegen dieses oder jenes eben nicht tun duerfen. Was mir Angst macht, in Deutschland gibt es nur noch den politischen mainstream, es gibt kein links und rechts mehr, und sollte einer Kritik oder eine Diskussion wollen, dann wird er sofort ins politische Abseits gestellt, ist er ein Radikaler. Wir sind wieder in einer Zeit wie vor 1968. Wenn einer damals Kritik uebte, hiess es 'Geh doch nach Drueben'. Zur Abwehr der Kritik heute in Europa-, Euro oder Einwanderungsfragen wird dreimal pro Woche diskutiert ob die NPD verboten werden muss, wir an das Moerdertrio aus Zwickau zweimal die Woche erinnert mit dem Spruch, Rechtsradikale morden, Rechtsradikale sind Populisten, wer eine abweichende Meinung hat ist Rechtspopulist, also ein potentieller Moerder. So wird jede Kritik abgewuergt. Und um Angst vor den Linken zu machen, hat man ja gerade die Honecker ausgegraben. Drei, vier Parteigroessen und die Bildzeitung bestimmen heute was diskutiert werden darf, was gesagt werden darf. Dabei gibt es gewisse Codes:'politisch korrekt ' ist: Suedlander sind faul, Spanier, Portugiesen und vor allem Griechen sind ausgesprochen faul. Politisch nicht korrekt ist es dagegen zu sagen; Suedlander sind faul, Tuerken sind faul. Wer bestimmt das eigentlich? Ich lebe jetzt seit Jahrzehnten in Frankreich. Hier gibt es wesentlich mehr Antisemitismus als in Deutschland, warum weiss ich nicht, ist aber so. Da kaeme aber die juedische Gemeinde nie! auf die Idee Frankreich in Go oder No Go Areas aufzuteilen, obwohl wir einige wilde antisemitische Verbrechen gekannt haben. Nie kaeme die juedische Gemeinde auf die Idee der Regierung oeffentlich vorschreiben zu wollen welche Politik sie zu machen hat. Natuerlich gibt sie ihre Ansicht bekannt, und natuerlich ist die pro-israelisch, aber nicht jede Kritik an der Politik der israelischen Regierung wird als Antisemitismus hochgespielt. Fazit: das Problem Deutschlands sind die Tabus, meiner Meinung nach staut sich da so manches auf. Mit einer richtigen Diskussion koennten Konfliktstoffe abgebaut werden. Indem man Konflikte zu Tabus erklaert loest man sie nicht, sondern wenn sie dann zutage treten ist das nur umso heftiger. Frueher spielte da die Presse, vor allem der Spiegel eine wichtige Rolle, aber lang lang ist's her. Wenn die Demokraten die Probleme nicht mehr aufgreifen, dann tun dies halt die Radikalen.

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