Forum: Politik
Freiwilligendienst: Der Zivi geht, der Bufdi kommt

Der Bundesfreiwilligendienst wird unerwartet gut angenommen: Nach ersten Startschwierigkeiten haben sich seit Juli*bereits mehr als 25.000 Menschen für den Zivildienst-Ersatz angemeldet - unter den Freiwilligen sind auch Ältere überraschend stark vertreten.

parisien 28.12.2011, 16:47
1. Verblüffung

Zitat von sysop
Der Bundesfreiwilligendienst wird unerwartet gut angenommen: Nach ersten Startschwierigkeiten haben sich seit Juli*bereits mehr als 25.000 Menschen für den Zivildienst-Ersatz angemeldet - unter den Freiwilligen sind auch Ältere überraschend stark vertreten.
Wenn ich ehrlich bin muss ich sagen, dass ich diesem Dienst keine Chance gegeben habe.
Wenig Geld und schwierige Arbeit, inbes. im Pflegebereich, arbeiten aus sozialen Erwägungen ?
Träume ich ? Muss die Analyse des gesellschaftlichen Gewissens der Deutschen neu vorgenommen werden ?
Ich warte ab, bis ich es wirklich glaube.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
fr.rottenmeier 28.12.2011, 17:00
2. Der

Zitat von parisien
Wenn ich ehrlich bin muss ich sagen, dass ich diesem Dienst keine Chance gegeben habe. Wenig Geld und schwierige Arbeit, inbes. im Pflegebereich, arbeiten aus sozialen Erwägungen ? Träume ich ? Muss die Analyse des gesellschaftlichen Gewissens der Deutschen neu vorgenommen werden ? Ich warte ab, bis ich es wirklich glaube.
ein oder andere Bufdi wird es wohl auch als Überbrückung nutzen müssen, bis ein Studienplatz für ihn frei wird, oder ein Ausbildungsvertrag in Aussicht ist. Und natürlich macht sich ein Bufdi im Lebenslauf allemal besser als ein Rumhängjahr bei Mutti zu Hause.
:-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
logikerhh 28.12.2011, 17:06
3. Warten und Hoffen

Zitat von parisien
Wenn ich ehrlich bin muss ich sagen, dass ich diesem Dienst keine Chance gegeben habe. Wenig Geld und schwierige Arbeit, inbes. im Pflegebereich, arbeiten aus sozialen Erwägungen ? Träume ich ? Muss die Analyse des gesellschaftlichen Gewissens der Deutschen neu vorgenommen werden ? Ich warte ab, bis ich es wirklich glaube.
Mir geht's ebenso. Man muss da noch einmal die genaue Analyse abwarten wer den Dienst macht und ob die Genannten dann auch wirklich dafür geeignet sind, aber offensichtlich war die Öffnung von Alter/Geschlecht und Nationalität ein echter Coup. Zuvor war z.B. gebürtigen Ausländern lediglich das freiwillige soziale Jahr eine Alternative, wenn sie sich vor einem sozialen Studium in der Praxis bilden wollten, das funktioniert jetzt auch so. Und Rentner, die zuvor komplett ehrenamtlich möglicherweise sowieso Dienste dieser Art übernommen hätten (oder gar haben?) erhalten so ein kleines Zubrot zu ihrer Rente.

Es zeigt sich immer mehr, dass in dem Chaoshaufen der Regierung ausgerechnet die jüngste CDU-Ministerin, Kristina Schröder, ein gutes Gespür für die Realität beweist. Was mich indes nicht verwundert, traut sie sich schließlich als eine der Wenigen, auch offen zu Frau von der Leyen zu opponieren, wenn sie anderer Meinung ist.
Bislang hielt ich ausnahmslos ihre Vorschläge für die besseren im Vergleich zu jenen von der Leyens.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
CorvusCornix 28.12.2011, 17:17
4. ...

Zitat von parisien
Wenn ich ehrlich bin muss ich sagen, dass ich diesem Dienst keine Chance gegeben habe. Wenig Geld und schwierige Arbeit, inbes. im Pflegebereich, arbeiten aus sozialen Erwägungen ? Träume ich ? Muss die Analyse des gesellschaftlichen Gewissens der Deutschen neu vorgenommen werden ? Ich warte ab, bis ich es wirklich glaube.
Nein, Sie müssen Ihre Analyse nicht wirklich überdenken, Sie haben aber die vielen ehrenamtlichen Helfer vergessen oder junge Leute, die auch früher schon zB ein FSJ abgerissen haben.
Auch sprach der Artikel von vielen älteren Menschen, die unter den Bufdis sind, das sind diejenigen, die eigentlich schon immer der Gesellschaft etwas zurückgeben wollten, aber teilweise zu bequem zum Organisieren waren oder schlichtweg keinen Ansprechpartner hatten.
Meine Großmutter (76J) ist jetzt auch (erstmal) für ein halbes Jahr ein Bufdi. Sie hat schon immer eine Familie mit einem behindertem Kind unterstützt, die mit ihr in einem Haus wohnt, jetzt begleitet sie dieses Kind ganz offiziell zur Förderschule und hilft dort vor Ort in der Betreuung mit. Für sie hat sich nicht viel geändert, außer daß sie nun für etwas mehr Arbeit sogar noch etwas Geld bekommt. Und sie hat schon etliche Freundinnen über diesen Dienst "informiert" :-)
Oder die Frau eines Arbeitskollegen, die nicht bedachte, daß ihr während einer dreijährigen Elternzeit die Decke auf den Kopf fallen könnte. Sie wird demnächst als Bufdi in der Kita helfen, in die ihr Sohn später gehen wird.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jimknopf107 28.12.2011, 18:46
5.

Zitat von parisien
Wenn ich ehrlich bin muss ich sagen, dass ich diesem Dienst keine Chance gegeben habe. Wenig Geld und schwierige Arbeit, inbes. im Pflegebereich, arbeiten aus sozialen Erwägungen ? Träume ich ? Muss die Analyse des gesellschaftlichen Gewissens der Deutschen neu vorgenommen werden ? Ich warte ab, bis ich es wirklich glaube.
Es muss sich eben erst etapplieren, das bisherige System war wegen seines Verstoßes gegen das GG (Gleichheitsgrundsatz) ohnehin nicht mehr länger tragbar. Aber auch das - und das verschweigt der Spiegel-Artikel erwartungsgemäß - ist ein Erfolg vor allem von und für Herrn Guttenberg (ja, genau jener welcher so bereitwillig dem SPON über den unglaublich langen Sommer geholfen hat), der mit der Abschaffung des Grundwehrdienstes dieses Modell überhaupt erst möglich gemacht hat. Was jetzt noch fehlt, ist die Frauenquote für den Bufdi, denn schließlich sind Frauen in sozialen Belangen doch besonderst stark- zumindest wird es einem überall so erzählt..

Beitrag melden Antworten / Zitieren
parisien 28.12.2011, 22:17
6. Äpfel und Birnen ?

[QUOTE=CorvusCornix;9360777]Nein, Sie müssen Ihre Analyse nicht wirklich überdenken, Sie haben aber die vielen ehrenamtlichen Helfer vergessen oder junge Leute, die auch früher schon zB ein FSJ abgerissen haben.


Das erklärt zumindest zT. die Zahlen . Dann ist aber die Prämisse des Titels falsch : Es ist ja anscheinend nicht so, dass die Bufdis 1:1 an die Stelle der Zivis treten, vielmehr kommen noch Dienstleistende hinzu, die es schon immer gegeben hat - neben des Zivis - und solche, die durch die Bezahlung angelockt werden .
Aber wenn das alles seinen sozialen Zweck dauerhaft erfüllt, soll es mir persönlich recht sein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
logikerhh 28.12.2011, 23:42
7. Gute Sache, das!

Zitat von parisien
Das erklärt zumindest zT. die Zahlen . Dann ist aber die Prämisse des Titels falsch : Es ist ja anscheinend nicht so, dass die Bufdis 1:1 an die Stelle der Zivis treten, vielmehr kommen noch Dienstleistende hinzu, die es schon immer gegeben hat - neben des Zivis - und solche, die durch die Bezahlung angelockt werden .
Dass da geschummelt wird und z.B. der Rückgang der FSJs verschwiegen wird, kann man sich denken.

Dennoch ist es eine gute Sache, da nun genau das geschieht, das eigentlich schon längst fällig war: Dass ehemals ehrenamtliche Arbeit vergütet wird und damit dem Sozialwesen jene Anerkennung seitens des Staates zuteil wird, das es verdient.

Ich halte Kristina Schröder für eine außerordentlich kompetente Frau, die überdies auch noch eine der wenigen Politikerinnen ist, die sich noch ein Stück Idealismus bewahrt hat. Würde mich nicht wundern wenn sie genau diese allgemeine Aufwertung des Sozialwesens im Sinn hatte.
Und es würde, sollte sie diese Entwicklung wirklich vorhergesehen haben, ebenfalls sehr für ihren politischen Instinkt sprechen, indem sie A ursprünglich sagte, insgeheim aber B anpeilte - und B, wie von ihr gewünscht, dann tatsächlich eintrifft.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jimknopf107 29.12.2011, 10:09
8. ...

[QUOTE=parisien;9361891] Zitat von CorvusCornix
Nein, Sie müssen Ihre Analyse nicht wirklich überdenken, Sie haben aber die vielen ehrenamtlichen Helfer vergessen oder junge Leute, die auch früher schon zB ein FSJ abgerissen haben. Das erklärt zumindest zT. die Zahlen . Dann ist aber die Prämisse des Titels falsch : Es ist ja anscheinend nicht so, dass die Bufdis 1:1 an die Stelle der Zivis treten, vielmehr kommen noch Dienstleistende hinzu, die es schon immer gegeben hat - neben des Zivis - und solche, die durch die Bezahlung angelockt werden . Aber wenn das alles seinen sozialen Zweck dauerhaft erfüllt, soll es mir persönlich recht sein.
Die Sache mit dem Zivildienst verdeckt eben unter dem Mantel des "Schaffens im Sinne des Gemeinwohls", dass er ein Jobkiller war. Warum sollte ein Krhs einen Pfleger (mit normalem Lohn) anstellen, wenn man die selben Tätigkeiten vielleicht auch durch einen Zivi für wesentlich weniger Geld erledigen lassen kann, noch dazu, wo man den letzten ja viel besser gängeln kann, schließlich steht er unter Befehlsgewalt und MUSS die auferlegten Aufgaben erledigen, da er sonst u.U. ein Verfahren angehängt bekommt und anschließend vorbestraft ist. Und das alles für 2,40 DM (zu meiner Zeit), kann sich ja jeder ausrechnen, was man sich dafür alles leisten kann. Darüberhinaus wird gerne übersehen, dass die Zivis zwar nur ihren "Sold" bekommen- ihre Leistung aber zu ganz normalen Tarifen an den Kunden verrechnet wird, was natürlich eine fantastische Marge ermöglicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren