Forum: Politik
Historiker Gerd Koenen: "Chavez nimmt Kuba Huckepack"

Unter Globalisierungskritikern gilt Venezuelas Präsident Hugo Chavez als Hoffnungsträger. Der Frankfurter Historiker Gerd Koenen erklärt im Interview mit Spiegel Online, warum er eher in die Tradition lateinamerikanischer Despoten gehört - und warum die europäische Linke immer wieder auf solche Caudillos hereinfällt.

larsg 29.05.2007, 19:03
1. Viel erklärt wurde nicht

Also, ich habe mich sehr bemüht, aber die Erklärung, warum Chavez jetzt ein Despot sei, habe ich nicht ganz verstanden. Was mir allerdings nicht gefällt ist die Kronzeugenargumentation des Interviewten, nach dem Motto "ich war mal links, jetzt bin ich's nicht mehr, das ist der Beweis". Auch die diversen Verbindungen zu "anderen Despoten" im Iran und Nordkorea kann ich nicht sehen, sie werden im Artikel auch nicht beschrieben, nur vorausgesetzt. Was fehlt, ist ein Beispiel für erfolgreiche politische Bewegungen in Dritte-Welt-Ländern. Man mag zwar offenbar Chavez nicht, Castro auch nicht, die verbündeten Regierungen in Bolivien und Nicaragua sind ja wahrscheinlich auch tabu... warum werden dann die "anderen linken Regierungen" mit den besseren Konzepten nicht genannt?

Also, wenn man das Ziel vor Augen hat, eine freie Demokratie in allen Ländern der Dritten Welt zu schaffen, dann muß man natürlich besorgt sein, wenn sich soviel Macht auf einen (sehr populären) Politiker vereinigt. Wer aber auch sieht, welche Mechanismen international den Stillstand in der Dritten Welt garantieren, und wie die Europäer und Nordamerikaner mit ihren vermeintlich so menschenfreundlichen Systemen vom Elend dieser Länder profitieren, der wird bei genauem Hinsehen feststellen, daß gerade die Übeltäter, die sich ein Stück weit von dem ach so segensreichen freien Weltmarkt abkoppeln, in Sachen Bildung, medizinischer Versorgung und damit auch Lebenserwartung den Alternativmodellen recht weit voraus sind. Deshalb würde ich mir hier eine etwas differenziertere Darstellung wünschen, als die Lebenskrise eines reugigen "Altlinken" zu politischer Weisheit zu machen.

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targo 29.05.2007, 21:47
2. Wie bitte?

...und ich dachte bis jetzt, in Venezuela herrscht eine Demokratie.
Vielleicht könnte der Fragesteller einmal erläutern, wie er (sie) darauf kommt - ich möchte über so schwerwiegende Änderungen im Weltgeschehen unterichtet werden!
Oder ist vielleicht der Fragensteller auch der Beantworter?

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tokugawa98 30.05.2007, 23:50
3. Ursache und Wirkung verwechseln

Bemerkenswerter Vergleich von Chavez und Castro. Was der gute Apologist zu erwaehnen vergisst, ist dass Castro bei weitem kein Kommunist war, als er seine Revolution durchfuehrte. Der Druck der USA fuehrte dazu, dass er bei den Sowjets Schutz suchte. Das Gleiche passiert mit Chavez. Ein i.W. soziales Programm wurde durch den US-amerikanisch legimitierten Putsch unterbrochen, wobei die Medien mit Begeisterung gegen den Upstart gehetzt haben. Seitdem er wieder an die Macht kam hat er Versuche, der "Opposition" ihn loszuwerden abgewehrt und gleichzeitig Machtsicherung und Rache betrieben. Ich versteh seine Partanoia schon, mit den Putschisten im eigenen Land und dem US-Stuetzpunkt Kolumbien an der Grenze. Ich stimme ja sogar zu, dass sein jetziger Weg der falsche ist, allerdings war der keine freie Wahl. Waere spannend gewesen, einmal einen sozialistischen Staat zu sehen, der sich ohne westliche Einmischung entwickelt.
Ist der Sowjetunion nicht vergoennt worden und niemandem seitdem. Chile und Iran sind nur zwei beredte Beispiel...

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ingo_horst 30.05.2007, 01:17
4. Zu den letzten Beiträgen über Venezuela (27, 28 und 29 Mai)

Aus verschiedenen Gründen bin Ich diesem Land sehr verbunden und dankbar.
Ich kann viele Beiträge hier im Forum überhaupt nicht nachvollziehen (einige finde Ich überholt und von einer etwas eingeschränkten und verzehrten Weltanschauung zeugend).

Gratuliere Herr Koenen für seine sehr realistische Einschätzung der Lage im Land. Auch dafür frühere Irrtümer einzugestehen Mein Respekt für Sie.

Übrigens ist schon der nächste Sender im Visier (Globovision). Warten wir es ab.
Hoffentlich irre ich mich in diesem Punkt.

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algore 30.05.2007, 10:43
5. doku

Sehr interessante Doku zu dem Thema:

"The Revolution will not be televized"

Einfach mal bei Google gucken.Bringt das Ganze mal in nen ordentlichen Kontext.

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ingo_horst 30.05.2007, 17:39
6. Mit Vorsicht zu geniessen!

Zitat von algore
Sehr interessante Doku zu dem Thema: "The Revolution will not be televized" Einfach mal bei Google gucken.Bringt das Ganze mal in nen ordentlichen Kontext.
Ich war zu dem Zeitpunkt der in diesem Film "Dokumentiert" wird in Venezuela.

Schade dass viele Menschen auf diese (wie ich vermute von der Venezolanischen Regierung mitfinanzierten) Propaganda reingefallen sind. Die Nominierung für einen Filmpreis zeigt wie unbesorgt und leichtfertig mit der Lateinamerikanischen Lage umgegangen wurde. Das Filmteam aus Irland wurde von der Regierung in Zucker und Watte gepackt behandelt dass es schon unheimlich war zu zuschauen.

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käss 31.05.2007, 23:54
7. "Chávez nimmt Kuba Huckepack"

Sehr geehrte Leser

Chavez ist mit überzeugender Mehrheit demokratisch gewählt und eine Glücksfall für Venezuela, Südamerika und die Welt. Der Helmstedter Chirurg Christoph Krämer war als Wahlbeobachter dabei und war begeistert.

Dass Chavez Bush nicht mag, kann ich ihm nicht verdenken, ich mag ihn auch nicht.
Denn Bush ist Völkerrechtsbrecher und damit Kriegsverbrecher und Massenmörder.

Er würde gern mit seiner Armee in Venezuela einmarschieren, aber er ist abgelenkt durch den Irak und andere Probleme... Wir sollten dabei dringend helfen, ihn abzulenken!
Zum Beispiel in Heiligendamm....

Herzliche Grüße

Helmut Käss


Tulpenweg 11, 38108 Braunschweig, Tel. 0531 35 05 13, eMail: Helmut_Kaess@web.de ,

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Stefan Seum 31.05.2007, 22:06
8. Über die Dummheit sich mit westlicher Demokratie zufrieden zu geben

Herr Koenen setzt mit dem Interview "Chavez nimmt Kuba huckepack" eine Reihe von verfälschten Vergleichen fort und unterminiert die Chance, dass auch westlichen Demokratien sich über sinnvolle, pluralistische Reformen Gedanken machen. Die Vergleiche von Chavez mit Ghadafi, Ahmadenischad, Lukaschenko und Kim de Jung sind kulturpolitisch absurd und suggestiv. Herr Koenen verpasst es den Lesern des Spiegels faktisches Wissen über die verschiedenen politischen Systeme zu vermitteln. Ein Beispiel: Die Medien in Venezuela waren bis Chavez Reformen ausschließlich private Medien, in den Händen der oligarchischen Oberschicht. Eine Situation, eindeutig im Gegensatz zu dem Deutschen Verständnis von einer pluralistischen, öffentlich-rechtlichen Medienlandschaft. Heute gibt es private und öffentliche Medienanstalten.

Wenn es tatsächlich, wie Herr Koenen andeutet, die pluralistische, freie demokratische Gesellschaft ist, die wir (im Westen) zu exportieren suchen, dann sollten wir uns zunächst die Frage stellen, ob unser Demokratiemodell reif und nicht weiter reformbedürftig ist. Die zurückgehenden Wahlbeteiligungen, Zäune um Heiligendamm und nicht stattfindende Volksentscheide zu der Post-89 BRD und auch der EU Verfassung zeugen eher vom Gegenteil.

Die Studentenbewegung der 68iger, die Jugendbewegung der 80iger und die Anti-Globalisierungsbewegung sind wesentliche und wichtige Elemente kontinuierlicher Gesellschaftsentwicklung, auch wenn es zu Fehleinschätzungen kommt. Der demokratische "Ausgleich der Interessen" bedarf zunächst einer Balance der (ökonomischen) Macht dieser Interessen. Mit der Kritik an dieser Balance erfüllt die "globale Linke" eine wesentliche Aufgabe zur Gefahrenabwendung unserer westlichen Demokratien.

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ingo_horst 02.06.2007, 15:36
9. Merkwürdig

Es es schon komisch. Es vergeht kaum ein Sonntag wo Chavez in seinem Fernseh Marathon "Halo Presidente" Fidel und Kuba in den Himmel lobt.

Aber Herr Koenen bildet sich das alles nur ein???

Herr Chavez ist Bush Gegner, also kann er sich gegen sein eigenes Volk jeden Übergriff erlauben der ihm in den Sinn kommt. Klingt logisch oder?

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