Forum: Politik
Interview mit Oskar Lafontaine: "Ich widerspreche der Lüge, die Kriege der USA diente
Oliver Dietze/ SPIEGEL ONLINE

Frust über die SPD, Flüchtlingspolitik, Russlands neue Rolle in der Welt, die USA als Feindbild: Ex-Linken-Chef Oskar Lafontaine scheut keine Kontroverse. Die eigenen Leute warnt er vor weiteren Intrigen: "Das vergiftet das Klima".

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Sonia 17.05.2018, 13:43
1. Das weiss jeder denkende Mensch

und alles richtig, Herr Lafontaine, und bekannt. Leider wird darauf selten hingewiesen. Das Gerde von westlichen Werten, was für ein Geschwätz. Dem Ex-Bundespräsidenten Köhler kostete seine Aussage, dass auch Deutschland seine wirtschaftlichen Intetessen am Hindukusch vertritt, seinen Job. Mutig war das von ihm. Lang ist die Liste amerikanischer Kriege seit 1945, militärischer Interventionen, Geheimdienstaktionen zum Sturz unliebsamer Regierungen. Einer der übelsten Aktionen mit schwersten Folgen für die Menschen im Iran der Sturz der frei gewählten iranischen Regierung mit Hilfe der CIA; ein grausames Regime folgte. Das Gebrüll mit der Krim u. gleichzeitig das Schweigen zur Annexion Ost-Jerusalems, der Besetzung des West-Jordanlandes, der Besetzung Nord-Zyperns, der Besetzung Tibets. Alles Brüche des Völkerrechts ohne Sanktionen. All diese Lügen haben zum Vertrauensverlust in unsere westlichen Demokratien geführt. Diese sind in großer Gefahr, selbst Opfer ihrer Lügen zu werden. Was die USA anrichteten und weiter anrichten werden, wie Europa folgte, das gehört auf den Tisch. Ansonsten werden wirklich Rechte unsere Demokratie zerstören.

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gunpot 17.05.2018, 14:04
2. Um das festzustellen,

bedarf es nicht eines Oscar Lafontaine. Natürlich installierte der CIA im Iran einen Aufruhr, um den antidemokratischen Schah wieder ans Ruder zu bringen. Dag Hammerskjöld stürzte mit seinem Flugzeug über Shaba (Katanga) ab, damit die die sich bei der Machtinstallierung Mobutus nicht so sehr einmischt. In Panama funktionierte die Zusammenarbeit mit pine apple face jahrelang sehr gut. Reagan sagte einmal über Noriega: Yes he is a dog, but don't Forget, he is our dog. Diese Beispiele könnten weitergeführt werden...
Was ist nun das Neue an der message von Lafontaine? Er vergleicht Äpfel mit Orangen. Fakt ist, dass Iran Israel auslöschen möchte. Fakt ist auch, dass ein Land bestimmen darf, wo es seine Botschaft errichtet. Da können die Palästinenser noch so sehr schreien: Hat man etwa ihre Moschee in Jerusalem angegriffen? Ein Teil Jerusalems war schon vor dem 6-Tage Krieg in 1967 in israelischer Hand. Wo ist das Novum?

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KURT E.Schewe 17.05.2018, 14:08
3. er hat ja so recht

denn, hier prallen geostrategische, sowie wirtschaftliche Interessen von USA und Russland aufeinander. Immer wieder schafft es die durch Nato-Überlegungen gesteuerte Außenpolitik der USA (ausgerechnet jene Nation, die Menschrechte 1776 als Erste formulierte) und der EU, auch unter dem Deckmantel von Demokratie und Menschenrechte, ganze Länder ins Chaos zu stürzen, beginnend (im zweiten Jahrtausend) mit Irak, gefolgt von Ägypten, Syrien, Libyen und nun der Ukraine. Was wurde mit dem Sturz der autoritären Regime erreicht? Doch nur, dass alles grausam schlimmer wurde als alles, was vorher geschah.
„In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt“ (Egon Bahr in einer Rede (Dezember 2013) vor Schülern in der Friedrich Ebert Gedenkstätte).
Schritt für Schritt näherte sich die NATO mit Waffenlieferungen (selbst schweres Gerät), Training von Kiews Spezialeinheiten durch US-Armee, einer „schnellen Eingreiftruppe“ von 40.000 Mann und mit provokanten Militärmanövern im Schwarzen Meer, hautnah an das russische Kernland heran; ein neuer „Kalter Krieg“ begann, der, mit den Rebellen im Osten und dem „Rechten Sektor“ im Westen, sogar das Potential zu einem blutigen Bürgerkrieg birgt.
In einem Spiegel-Interview (31/2015) sagte Gorbatschow (ein Mann des Friedens): „Die Nato-Osterweiterung hat die europäische Sicher-heitsordnung zerstört, so wie sie in der Schlussakte von Helsinki 1975 festgelegt worden war. Die Osterweiterung war eine 180-Grad-Kehrtwendung, die wegführte vom Beschluss der Pariser Charta 1990.“

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Käptn Horn 17.05.2018, 14:09
4. Nett, dass Ihr Oskar mal etwas Raum gebt.

Lafontaine hat es verdient, dass man dem, was er sagt Gehör schenkt. Seine Motive damals, die SPD unter Schröder zu verlassen kann ich nachvollziehen. Die Deregulierung der Banken, die zu seinen Forderungen gehörte, der Widerstand gegen die Agenda... Auch wenn ihm das lange als "Verrat" ausgelegt worden ist. Hatte er denn eine reale Chance, seine Ideen, sein Programm in dieser SPD die ganz durch den Zeitgeist Ende des letzten Jahrhunderts auch nur ansatzweise durchzusetzen? Ich glaube nicht, und wenn ich mir anschaue, was aus Andrea Nahles geworden ist, dann bestätigt mich das nur. Lafontaine ist ein Fossil mittlerweile, aber nicht zuletzt durch seine immer noch junge und sympathische Frau wird er auch in der Linken gut unterstützt. Die öffentliche Debatte, und auch die Politik sollten ihm und seinen politischen Ideen eine Chance geben.

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Dark Agenda 17.05.2018, 14:12
5. Inzwischen sehen es selbst Presseclub und Printspiegel ein

Wir müssen Trump danken dass er die Wahrheit auf den Tisch legt und keine Freundlichkeit heuchelt um hinterrücks zu spionieren.
Immerhin wissen wir schon im voraus, dass er Krieg gegen den Iran plant und werden nicht von "demokratischen" Umsturzversuchen wie in Libyen und Syrien überrascht.
Nur Andrew "Leuchtturm der Demokratie" Denison ist ganz entsetzt dass die schmutzige Wäsche nun auf dem Tisch liegt.

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dragondeal 17.05.2018, 14:13
6. Lafontaine hat

wo auch immer er verantwortlich war, es verpaßt, eine zukunftsorientierte Politik zu betreiben. Das Saarland leidet noch heute darunter, dass er jeden Euro zweimal ausgegeben hat, und keinen von beiden sinnvoll. Und nach seiner SPD-Linke-Historie dann zu erzählen, ein Parteivorsitzende hätte vornehmlich integrative Funktion, ist nur noch lächerlich.

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Epsola 17.05.2018, 14:16
7.

Mag ja sein, dass die USA nicht Demokratie herbeibomben, aber wem hilft Lafontaine indem dann er den Blödsinn hinterherschiebt, dass die Kriege wegen Rohstoffen geführt werden? Die USA könnten sich auch komplett selbst mit Öl versorgen und Öl ließe sich leichter und billiger besorgen als z.B. einen vierstelligen Milliardenbetrag für den Irakkrieg auszugeben. Mit solchem Quatsch nährt Lafontaine nur Verschwörungstheorien des radikalen Pseudolinken-Flügels, die ihre eigene Parallelwelt geschaffen haben und die Partei die Linke für echte Linke unwählbar machen, weil diese dort den Ton angeben ein sachlicher und faktenbasierter Diskurs unmöglich geworden ist.

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b1964 17.05.2018, 14:19
8. Links? Klassenkampf?

Das Problem aller linken Parteien ist, dass Sie letztlich noch immer den Klassenkampf verfolgen. Damit verkenne sie aber sowohl die gesellschaftlichen Realität als auch die für eine eigene Politikgestaltung erreichbaren politischen Mehrheiten. Was wir benötigen, die die Stärkung der gesellschaftlichen Solidarität sowie die Verbesserung der Bildungs- und Aufstiegschancen unabhängig von der Herkunft. Mit diesen Themen könnte eine Linke Sammlungsbewegung einen echten und gesellschaftlich attraktiven Gegenentwurf zum "bürgerlichen" Lager machen. Statt dessen verliert sich die Linke in noch immer maxistischen Theorien (stehen immer noch im SPD-Parteiprogamm), einem nicht vermittelbarem "Internationalismus" und einer irrationalen Friedenspolitik, die zwar sehr an die Bergpredigt, aber um so weniger an das wirkliche Leben erinnert. Zudem leugnen die Linken (in Treue zu einem vermeintlichen Klientel), dass die Ursachen der Verarmung von Menschen nicht etwa nur in deren Ausbeutung liegen, sondern leider auch in sehr vielen gesellschaftlichen Fehlentwicklungen ("Präkariatsfernsehn", fehlverstandene Liberalität, soziale Hängematte, Etablierung von bildungsfernen Schichten). Linke Kritik an der Gesellschaft ist wichtig, um Fehlentwicklungen gegenzusteuern. Nur hat Herr Lafontaine irgendwie noch nicht verstanden, dass er auch eine Politik machen muss, die realtitätsbezogen und mehrheitsfähig ist. Wenn aber die Linke sich durch eine überkommene Weltsicht immer weiter marginalisiert, wird auch die Kritik aus dieser politischen Gruppe immer weniger relevant. Man hat den Eindruck, Lafontain will mit seiner "Sammlungsbewegung" eigentlich nur die Linken in der "Linken" vereinen. Was für ein Irrweg! Die Linke muss sich ändern!

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Havel Pavel 17.05.2018, 14:21
9. Es braucht mehr solch mutige ehrliche Politiker!

Zitat von Sonia
und alles richtig, Herr Lafontaine, und bekannt. Leider wird darauf selten hingewiesen. Das Gerde von westlichen Werten, was für ein Geschwätz. Dem Ex-Bundespräsidenten Köhler kostete seine Aussage, dass auch Deutschland seine wirtschaftlichen Intetessen am Hindukusch vertritt, seinen Job. Mutig war das von ihm. Lang ist die Liste amerikanischer Kriege seit 1945, militärischer Interventionen, Geheimdienstaktionen zum Sturz unliebsamer Regierungen. Einer der übelsten Aktionen mit schwersten Folgen für die Menschen im Iran der Sturz der frei gewählten iranischen Regierung mit Hilfe der CIA; ein grausames Regime folgte. Das Gebrüll mit der Krim u. gleichzeitig das Schweigen zur Annexion Ost-Jerusalems, der Besetzung des West-Jordanlandes, der Besetzung Nord-Zyperns, der Besetzung Tibets. Alles Brüche des Völkerrechts ohne Sanktionen. All diese Lügen haben zum Vertrauensverlust in unsere westlichen Demokratien geführt. Diese sind in großer Gefahr, selbst Opfer ihrer Lügen zu werden. Was die USA anrichteten und weiter anrichten werden, wie Europa folgte, das gehört auf den Tisch. Ansonsten werden wirklich Rechte unsere Demokratie zerstören.
Leider verfügen offenbar immer weniger Menschen über den nötigen Weitblick und den Scharfsinn die Vorgänge in der Welt realistisch einschätzen zu können und von denen die dazu in der Lage sind getrauen es sich auch nur recht wenige die Dinge öffentlich auszusprechen. Herr Lafontaine ist offensichtlich ein mutiger Mann und sagt aus was er denkt und weiss. Schade eigentlich, dass es davon nur so wenige gibt und die grosse Mehrheit lieber alles glaubt was man ihnen über die Medien einredet. Man muss keineswegs mit allem was Lafontaine vertritt einverstanden sein aber in sehr vielen Punkten liegt er offenbar völlig richtig!

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