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Jugendliche in Frankreichs Banlieues: Kurz vor dem Knall
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Armut, Wut, Polizeigewalt - in Frankreichs verarmten Vorstädten drohen wieder schwere Krawalle. Präsident Macron will mehr Ordnungshüter einsetzen. Das eigentliche Problem geht auch er nicht an.

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dr.joe.66 11.11.2017, 17:31
1. Der einzige Ausweg...

Es gibt nur einen Ausweg aus dieser Misere: Bildung, Bildung, Bildung und nochmals Bildung. Nicht ein Lehrer für 30 Schüler, sondern 2 Lehrer und ein Sozialarbeiter für 15 Schüler. Keine abgewrackten Schulen, sondern moderne Gebäude. Ich war in den 80ern in Aulnay-sous-Bois, die Schule war schon damals hässlich. Und schon damals war die Ghettoisierung der Franzosen mit arabischen und nord-afrikanischen Wurzeln sichtbar.
Die Investition in Bildung und Sozialarbeit wird Geld kosten, sehr viel Geld. Aber die Alternative - schlecht ausgebildete Jugendliche ohne Perspektive - wird noch viel viel teurer.
Die Herkunft dieser Franzosen (die überwiegende Mehrheit besitzt die französische Staatsbürgerschaft) ist nicht das Problem. Das Problem ist ihre Sozialisierung in den Beton-Ghettos. Jedes Kind in der Banlieue (heißt auf Deutsch übrigens "Bannmeile"...) hat die gleichen Träume wie alle anderen auch - nur haben sie nicht die gleichen Chancen und nicht die gleichen Vorbilder. Und wenn die einzigen mit einem "Job" und dickem Auto die Drogendealer und Zuhälter sind, warum sollen sich die Kids in der Schule anstrengen??

Das Problem ist lösbar. Dafür braucht es viel Zeit und Geduld, und sehr viel Investitionen in gute Lehrer, Sozialarbeiter, Schulen, Ausbildungsförderung, Jugendclubs, etc. Wenn die Franzosen heute damit anfangen würden, hätte man in 20 Jahren eine andere Generation in der Banlieue. Es wäre den Aufwand wert. Aber ich befürchte, dass niemand bereit ist dafür zu bezahlen.

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schadland 11.11.2017, 17:34
2. Tee im Harem

Ich empfehle dazu den wunderbaren Film "Tee im Harem des Archimdes".
Freilich noch ohne das zusätzliche Terrorproblem, das hier auf längere Sicht jede Chance auf einen Lösungsansatz verstellen dürfet. Und es würde helfen, wenn sich die Integrationswilligen und Anständigen stärker zusammenfinden und sich abgrenzen würden von den Gewaltbereiten und Kriminellen in den Banlieues.

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vliege 11.11.2017, 17:36
3. Banlieus

Die Anzeichen für solch eine Entwicklung gibt es auch in Deutschland. Die Verdrängung der Armen und Migranten an den Rand der Städte durch steigende Mieten, kein wirkliches Programm sowie der Wille bei den meisten für eine erfolgreiche Integration. Religionsfanatiker haben leichtes Spiel für Indoktrination. Ich war in Marseille in einem Banlieu, dagegen sind die No Go Areas in Deutschland reinste Spielwiesen. Viele versuchen mit aller Kraft dort heraus zu kommen, schaffen es aber aufgrund ihrer Meldeadresse nicht. Bewerber aus Banlieus werden so gut wie immer abgelehnt. Ein Teufelskreis.

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i.dietz 11.11.2017, 17:58
4. Warum sind diese Krawall-Jugendliche

fast ausschließlich "männlich" ?
Kann es sein, dass sich viele dieser "m"Jugendlichen einfach zu "einfach" macht ?
Wieso haben die "w"-jugendlichen Mädchen/Frauen weniger Probleme bzw. bereiten auch weniger Probleme ?

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moritz27 11.11.2017, 17:58
5. Eigentlich gleicht die Situation

die der Farbigen in den USA. Es fehlt am gegenseitigen Respekt, da einerseits die Farbigen, oft arbeitslos und kleinkriminell, als nicht auf Augenhöhe betrachtet werden und umgekehrt von der Polizei nur Negatives erwartet wird. Dafür herrscht Angst auf beiden Seiten. Die Polizei fürchtet bei Kontrollen, dass der Kontrollierte aggresiv wird und auch noch seine Freunde mit eingreifen. Der Betroffene fürchtet die Überreaktion der Polizei. Und warum arabisch aussehende junge Männer in Frankreich häufiger kontrolliert werden? Wenn das der gute IT-Spezialist und "Blogger" nicht versteht, sollte er sich mal richtig intensiv mit dem Thema beschäftigen.

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Solid 11.11.2017, 18:00
6.

Die Ursache ist der Mangel an Willen, Chancen zu nutzen, auch wenn es anstrengend ist. Denn an Chancen mangelt es nicht, auch nicht in den französischen Slums.

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burgundy 11.11.2017, 18:02
7.

Zitat von dr.joe.66
... Die Herkunft dieser Franzosen (die überwiegende Mehrheit besitzt die französische Staatsbürgerschaft) ist nicht das Problem. ...
Ist es oft doch. Die Ghettoisierung ist nicht nur ein infrastrukturelles sondern durchaus auch ein kulturelles und nicht zuletzt ein Glaubens - Problem. In Frankreich leben in der Tat verschiedene Nationen mit französischem Pass aber eben unterschiedlicher nationaler Identität, die sich nicht nur zu den Franzosen, sondern auch untereinander stark abgrenzen. Dieses Problem ist, wenn überhaupt, nicht in einer Generation zu regeln, noch nicht einmal mit der fast verzweifelten Globalisierungs- und Multikulti - Propaganda von Politikern und Wirtschaft . Das ist in Deutschland zwar nicht so prononciert, aber im Prinzip nicht anders. Eigentlich in keinem Land, nicht einmal in den klassischen Einwanderungsländern wie den USA. Die Probleme werden im Gegenteil erst geschaffen und künftigen Generationen heftig um die Ohren fliegen.

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adieu2000 11.11.2017, 18:06
8. Naja, was so in den französischen Medien zu finden ist

aber man frage mal einen oder mehrere Franzosen, wirtschaftlich sehen viele Bürger dort das Land am Rande eines Bürgerkrieg, kein Wunder das Rechts Populisten dort so große Unterstützung genießen,
aber der Widerstand gegen etablierte Parteien kommt aus allen Richtungen.
Was man sagen kann, eine deutliche Mehrheit der französischen Bürger lehnt die Rechts Populisten vehement ab, aber genauso verabscheut man die etablierten Parteien.
Macron ist für die Allermeisten einfach noch das kleinste Übel,
ohne seine Bewegung, wäre Frankreich schon längst im Chaos versunken, doch viele Probleme sind nur aufgeschoben.

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m.m.s. 11.11.2017, 18:06
9. Der mittlere Teil

Interessanterweise wird auf den mittleren Teil von "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" verwiesen. Gleichheit bedeutet die rechtliche Gleichstellung aller Bürger. Sie bedeutet nicht eine wirtschaftliche Versorgung. Da besteht ein Unterschied und kein Anspruch. Um diese ungerechte ökonomische Situation zu verbessern müsste sich die Politik von der Freiheit beherrschen lassen, also der individuellen Einsicht, der Erkenntnis von vielen Menschen. Ich hoffe das wird endlich gemacht. Aber, bitte keine sozialistische Gleichstellung, denn das wäre Diktatur der Gleichheit außerhalb der Rechtsstellung.

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