Forum: Politik
Kampagne gegen ungarische Minderheit: Hetzlich willkommen
AP

Ein manipulatives Video sorgt in Rumänien für neuen Hass auf die ungarische Minderheit. Wer hinter der Kampagne steckt, ist unklar. Nutznießer des aufkeimenden Nationalismus aber ist die Regierung.

Seite 1 von 2
Faceoff 13.09.2017, 17:02
1. Nationalisten

So ist das, wenn Nationalisten regieren / agieren. Ob in Ungarn, Rumänien, Polen, Türkei, USA, Russland, tbc. - überall wird Stimmung gegen andere Staaten / Ethnien / Religionen geschürt und es werden Konflikte heraufbeschworen, um von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Ich weiß schon, warum ich eine bestimmte deutsche Partei mit ganz ähnlichen Tendenzen (in dem Fall ist eine andere Religion der universelle Sündenbock) mit absoluter Sicherheit nicht wählen werde.

Beitrag melden
lotterliesel 13.09.2017, 17:49
2. Irritation...

Während meiner Schulzeit (etwas ziemlich länger her) wurde mir vermittelt, der Kerngedanke für die Gründung einer Europäischen Union sei das Streben nach einem friedlichen und gedeihlichen Miteinander sämtlicher europäischer Staaten. Nach zwei verheerenden Kriegen, deren Anlass u.a. verbitterter, verbohrter Nationalismus war ein guter Ansatz. Hat selbst meinem frontalgesteuerten Teenagergehirn eingeleuchtet.
Frage: Was berechtigt Staaten wie Rumänien zur EU-Mitgliedschaft?
Derart ausgeprägte nationalistische Denk-und Verhaltensweisen passen für mich nicht ins Konzept "Europäische Union".
Habe ich damals was falsch verstanden ? Oder in meiner Naivität falsch interpretiert?
(Naja, vielleicht lag's auch an mangelnder Aufmerksamkeit im Unterricht - Jungs, Rockmusik und Parties haben mich in meiner Jugend sehr in Anspruch genommen, grins)

Beitrag melden
wrkffm 13.09.2017, 17:58
3. Jeder ist sich selbst der Nächste ?

Die Globalisierung und der darin enthaltene rücksichtslose Turbokapitalismus trägt immens dazu bei, das viele Staaten sich nicht nur abgehängt fühlen, sondern es auch sind. Sie sollen letztendlich vor den finanzstärkeren Staaten den Hofknicks machen und sich von ihnen moralisch und wirtschaftlich dominieren lassen. Diverse Menschenvölker sind daher nicht unter einen Hut zu bringen, es wollen anscheinend immer mehr ihre Eigenständigkeit bewahren, verspüren Ängste der Überfremdung und Einflussnahme gegenüber ihrer Kultur und Lebensweise. Eine Entwicklung die böse enden kann.

Beitrag melden
Frietjoff 13.09.2017, 18:13
4.

Zitat von lotterliesel
Was berechtigt Staaten wie Rumänien zur EU-Mitgliedschaft?
Derselbe Gedanke, der das Nachkriegswestdeutschland dazu berechtigte, in den Genuss des Marshallplans und der Mitgliedschaft in der Montanunion und der EWG zu kommen.

Der Versuch war (damals wie vor 20 Jahren) richtig, aber wenn es nicht klappt, müssen irgendwann auch Konsequenzen folgen.

Beitrag melden
skeptikerjörg 13.09.2017, 18:42
5. Bumerang

So, wie Orban die nationalistische Karte spielt, Flüchtlinge zur Bedrohung für Ungarn hochstilisiert und Sinti und Roma ausgrenzt, so machen es die rumänischen Nationalisten nun wieder mal mit der ungarischen Minderheit. Nationalisten brauchen entweder innere oder äußere Feinde, um überhaupt politisch lebensfähig zu sein. Schlimm, aber altbekannt. Ist für unsere neue Rechte ja nicht anders. Nationalismus braucht die Ausgrenzung als Kitt für den inneren Zusammenhalt.

Beitrag melden
burlei 13.09.2017, 19:08
6. Die EU wird scheitern ....

.... aber nicht an sich selbst, sondern am Nationalismus in den Mitgliedsstaaten. Abschreckendes Beispiel sind Polen, Ungarn und jetzt auch Rumänien. Kein Wunder, dass diejenigen, die der EU skeptisch bis feindlich gegenüber stehen, den Nationalisten hinterher laufen. Junker liegt falsch, wenn er den Euro als verbindendes Element sieht. Diese Nationalisten sehen ja grade den Euro als gescheitert an und damit ist für sie auch die EU gescheitert. Schlussendlich wird die EU wieder auf die Kernstaaten schrumpfen, einige kleinere Staaten eingeschlossen. Der Rest wird sich in kleinlichen Streitereien verhaspeln und langsam aber sicher zu Grunde gehen.

Beitrag melden
Ostseeland 13.09.2017, 19:09
7. @Faceoff

Zitat von Faceoff
So ist das, wenn Nationalisten regieren / agieren. Ob in Ungarn, Rumänien, Polen, Türkei, USA, Russland, tbc. - überall wird Stimmung gegen andere Staaten / Ethnien / Religionen geschürt und es werden Konflikte heraufbeschworen, um von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Ich weiß schon, warum ich eine bestimmte deutsche Partei mit ganz ähnlichen Tendenzen (in dem Fall ist eine andere Religion der universelle Sündenbock) mit absoluter Sicherheit nicht wählen werde.
Also ich glaube nicht, dass die "bestimmte Partei" zum Aufstand der Friesen gegen die Bayern aufruft. Auch die Sorben sind sehr friedlich und haben bestimmt nichts gegen die Baden-Würtenberger. Konflikte werden nicht herauf beschworen sondern entstehen wenn Ungerechtigkeiten die Oberhand gewinnen. Egal ob es um Religion, Ethnien oder Völker geht. Komisch, es gibt Staaten die Vielvölkerstaaten sind und die kommen gut miteinander klar die aber eine Richtlinie haben und das ist das Gesetz egal ob in Russland oder USA eben auch in Kanada und einige mehr. Erst wenn der Staat seine Oberhoheit über das Gesetz verliert gibt es Chaos. Ursache-Wirkung Prinzip.

Beitrag melden
tm74mpt 13.09.2017, 19:26
8.

Zitat von lotterliesel
Während meiner Schulzeit (etwas ziemlich länger her) wurde mir vermittelt, der Kerngedanke für die Gründung einer Europäischen Union sei das Streben nach einem friedlichen und gedeihlichen Miteinander sämtlicher europäischer Staaten. Nach zwei verheerenden Kriegen, deren Anlass u.a. verbitterter, verbohrter Nationalismus war ein guter Ansatz. Hat selbst meinem frontalgesteuerten Teenagergehirn eingeleuchtet. Frage: Was berechtigt Staaten wie Rumänien zur EU-Mitgliedschaft? Derart ausgeprägte nationalistische Denk-und Verhaltensweisen passen für mich nicht ins Konzept "Europäische Union". Habe ich damals was falsch verstanden ? Oder in meiner Naivität falsch interpretiert? (Naja, vielleicht lag's auch an mangelnder Aufmerksamkeit im Unterricht - Jungs, Rockmusik und Parties haben mich in meiner Jugend sehr in Anspruch genommen, grins)
Hallo
"Was berechtigt Staaten wie Rumänien zur EU-Mitgliedschaft" dazu habe ich Antwort ... Weil Rumänien mehr ist als was man im fernsehen sieht. Rumänien ist nicht nur Zigeuner und andere Personen die das Westen zum betteln und rauben besuchen. Rumänien ist nicht nur Nationalismus. Natürlich haben wir unsern 1 Million Idioten aber das habt ihr allen. Die kluge Rumänen haben keine zeit blöde fernsehenprograme wie Antena 3 zu gucken.
Die sind beschäftigt arbeiten zu gehen um eine dezenten leben zu führen, um einen Urlaub am eine warmen Strand zu genießen, um die Kinder großziehen.
Rumänien ist und wird immer eine west- orientiertes Land sein, und das bedeutet EU und nicht Soviet Union (ups ... heutige Name ist Russland ... kleinen tippfehler :-)
Dies ist jetzt meine eigene Meinung: Europäische Länder gehören zusammen, manche mögen das heute nicht so sehen aber eine starke Europa hat im weiteren Zukunft anders keine Chance. Unsere Konkurrenz wird (und ist schon) China, USA ... einzeln wird daraus nichts.
Und das sage ich als einer halb Ungarische / halb Deutsche Abstammung, Staatsbürger Rumäniens.

Thomas

Beitrag melden
laracrofti 14.09.2017, 09:07
9. Im Falle Rumäniens ist

es jedenfalls so, dass es den Rumänen null juckt ob die in Odorheiu Secuiesc und Sfantu Gheorghe die ungarische oder deutsche oder rumänische Flagge schwenken. Die jetzige Regierung versucht mit solchen Geschichten abzulenken. Und es wird ihr dadurch leicht gemacht, weil Orban in der Vergangenheit ähnlich wie Erdogan in einem fremden Land (Rumänien bzw. Deutschland) Wahlkampf gemacht hat. Und die ungarische Minderheit sich aktiv in ihren Siedlungsgebieten von Rumänien ab-/hervorheben und/oder distanzieren will. Das liegt auch an deren politischen Vertreter, die schon jahrelang (ähnlich wie früher bei uns die FDP) das Zünglein an der Waage spielte, und sich von jeder Regierung Sonderrechte sicherte.
Ich habe die Rumänen als DAS toleranteste Volk überhaupt kennen gelernt, egal welcher Religion, Ethnie oder Staatszugehörigkeit man war/ist. Sie finden in Rumänien z.B. Kirchen und Gebetshäuser verschiedener Religionen (inklusive der islamischen) in trautem Zusammensein immer in der Dorfmitte. Und die Feste der Religionen werden von allen gefeiert, grins.

Beitrag melden
Seite 1 von 2
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!