Forum: Politik
Kapitalismuskritik: Du, was macht das mit dir?

Was haben Frauenzeitschriften wie "Brigitte" mit Bewegungen wie Occupy zu tun? Mehr als man meinen sollte. Statt um Argumente geht es bei dem Protest vor allem um Gefühlslagen.

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MutzurLücke 25.03.2015, 10:50
150. Na dann - Kumbaya!

Zitat von berger-maik
... Auf der Gegenseite stehen Menschenleben und -würde, Klima- und Umweltschutz, Verbraucherschutz, Gesellschaft, Staat, Soziale Gerechtigkeit, angemessenen Löhne, Ressourcenschutz, Gesundheit, breite Bildung, Sicherheit und FRIEDEN....
Ihnen ist schon klar, welch gewaltige materielle Ansprüche genau dieses ach so humane "Gegenmodell" erfordert, um auch nur annähernd auf dem Lebensstandard, den Sie - unterstelle ich mal - als "menschenwürdig" bezeichnen würden, realisiert zu werden, oder? Haben Sie eine konkrete Vorstellung, mit welchem menschengemachten und -betriebenen System diese Ressourcen besser erwirtschaftet werden könnten als mit dem jetzigen?

Das ist doch genau die kritische Frage. Materieller Wohlstand lässt sich nicht postulieren. Er muss hart erarbeitet werden, und dafür ist neben der reinen Fähigkeit auch jede Menge indivdueller Motivation nötig. Wo wollen Sie die hernehmen, wenn nicht aus der möglichst unmittelbaren Belohnung von nachgefragter(!) und erbrachter Leistung und Schaffung von Werten, also kapitalistischer Marktwirtschaft?

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Darwins Affe 25.03.2015, 10:56
151. Liberalismus

Zitat von derHamlet
Guten Tag Rio Tokio, übrig geblieben ist der Privatkapitalismus der ›westlichen Welt‹. So, wie der Staatskapitalismus sich in seiner eigenen Lebenslüge lieber ›Sozialismus‹ nannte, bedient sich auch der Privatkapitalismus schicklicherer Namen: ›Soziale Marktwirtschaft‹ oder ›freier Markt‹. Leider ist dies ebensowenig wahr. Heute triumphiert der Privatkapitalismus weltweit und feiert sich selbst als das beste aller Systeme, weil der Staatskapitalismus gescheitert ist. Das ist ziemlich töricht. Vor lauter Überheblichkeit übersehen die Fans der Marktwirtschaft, daß ihr System keineswegs das andere ›besiegt‹ hat. Sie vermögen nicht zu erkennen, daß diese eine Form des Kapitalismus zusammenbrach, weil sie versagte, und die Menschen sie nicht länger tragen wollten, und daß ein solcher Zusammenbruch der anderen Form – unserer – ebenso rasch blühen kann. Es handelt sich hierbei um Arroganz und alberne Schadenfreude; eine irgendwie geartete Form grundsätzlicher Überlegenheit kann daraus aber nicht abgeleitet werden. Auch die privatkapitalistische Marktwirtschaft hat ihre Lebenslüge. Sie besteht in der Annahme, daß alles das, was sich auf ›dem Markt‹ verkaufen läßt, auch gut, sinnvoll und vernünftig sei, und umgekehrt Dinge, die schlecht, sinnlos und unvernünftig sind, sich auf dem Markt auch nicht verkaufen ließen. Der Markt sei der Spiegel der Bedürfnisse und regele sich am allerbesten selbst. Diese Selbstregelung erzeugte im Wechselspiel von Angebot und Nachfrage einen gerechten Preis und sei daher zum Wohle aller Menschen. Diese wirtschaftliche Theorie nennen wir auch Liberalismus, und konsequenter Liberalismus gipfelt in der Forderung des laissez faire* : Das freie Spiel der Kräfte eines Marktes sollte tunlichst durch nichts gestört werden. Das klingt zu schön, um wahr zu sein.
Also soll der Staat bestimmen, was produziert wird und die Menschen kaufen dürfen. Genau dies ist die Idee der Planwirtschaft, die zwangsläufig zur politischen Diktatur führt: Wer bestimmt was die Menschen brauchen? – der oberste Planer natürlich. Die Grundidee des Liberalismus ist dagegen zuvörderst politische Freiheit mit Machtbeschränkung des Zentralstaats und (ja auch) Marktwirtschaft. Die Rolle des Staates beschränkt sich hier auf die Aufstellung von Regeln des Wirtschaftsablaufs (gerade kein laissez-faire) und deren strikte Einhaltung. Ein gutes Beispiel bietet die Schweiz: Dezentrale Entscheidungen, dezentrale Steuereinnahmen, Volksentscheide. Nebenbei: Gerade auch die Marktwirtschaft muss immer wieder kritisiert und durch Reformen verbessert werden (insbes. der sog. Finanzkapitalismus, der den Regeln einer Marktwirtschaft diametral widerspricht) – sonst erhält man eine Oligarchie. Vielleicht sollte man aber nicht das Kind mit dem Bad ausschütten.

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#hotteffm 25.03.2015, 10:56
152. Bravo, bravo, bravo

Lieber Herr Fleischhauer, Ihr Kommentar trifft die Sache auf den Punkt und unterscheidet sich wohltuend von dem Kommentar des linksextremen Jakob Augstein, der zwar die Gewalt ablehnt, aber dennoch versucht einen Rechtfertigungsgrund für dafür zu sehen (Zorn, Wut etc.). Aus meiner Sicht müsste die linke Gewalt noch mehr medial untersucht und auch gesellschaftlich diskutiert werden. Wenn in Frankfurt blinde Gewalt gegen alles herrscht (u.a. mussten Schulen evakuiert werden, da die Gebäude mit Steinen beworfen wurden und es zu einer Bedrohung für die Schüler kam), so wundert es mich, dass hier der Schrei nach Konsequenzen, insb. von den Medien, nicht da ist. Warum werden denn nicht die Organisatoren von Blockupy zur Verantwortung gezogen, wie es beispielsweise bei Fußballvereinen der Fall ist, wenn deren Fans gewaltätig werden? Erst wenn die Verantwortlichen von Blockupy auch mal der Verantwortung stellen, kann man in Zukunft Gewalt ggf. vermeiden. Die Kosten des Wahnsinns und der Gewaltexzesse in Frankfurt sollten nicht bei der Stadt oder dem Steuerzahler verbleiben, sondern den Organisatoren in Rechnung gestellt werden. Erst, wenn es nämlich an den eigenen Geldbeutel geht, werden die linken Verantwortlichen motiviert sein, Maßnahmen zu treffen, um diese blinde linke Gewalt einzudämmen bzw. im besten Fall zu verhindern. Alternativ sollte Blockupy oder ähnliche Demos, bei denen die (linke) Gewalt absehbar ist und man um sein Leben fürchten muss, verboten werden!

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wiebitte 25.03.2015, 11:07
153. Wow!

Zitat von Central Park
Das ist schon ziemlich grober Unfug. "Kapitalismus" ist lediglich ein ideologisch konnotierter Begriff für ein marktwirtschaftlich organisiertes Wirtschaftssystem (im Gegensatz zu staatlich organisierter Planwirtschaft), in dem private (und manchmal auch staatliche) Akteure im Wettbewerb stehen. Es basiert auf fundamentalen Freiheitsrechten, insbesondere dem Recht auf privates Eigentum. Wenn Sie sich den Human Development Index anschauen, finden Sie auf den ersten über 100 Plätzen nur Länder, die ein kapitalistisches Wirtschaftssystem praktizieren. Es schafft Wohlstand, so dass sich diese Gesellschaften funktionierende Infrastruktur, Gesundheits- und Bildungssysteme leisten können. Diese Länder sind z. B. Australien, Kanada, Norwegen, USA, Länder also, die bei allen Emigranten hoch im Kurs stehen. Das Gegenbeispiel sind Gesellschaften, die kein kapitalistisches Wirtschaftssystem haben. Sie sind arm, rückständig, und meist müssen sie ihre Bürger mit Gewalt daran hindern, das Land zu verlassen (aktuell: Kuba, früher: DDR). Ergo: für den nachhaltigen Wohlstand einer Gesellschaft gibt es nichts besseres als ein möglichst freies marktwirtschaftliches System. Nennen Sie es von mir aus auch Kapitalismus.
Der Kapitalismus ist vor allem ein System, dass sich sofern nicht durch Moral gebremst, insbesondere durch Ausbeutung jeglicher Art auszeichnet und das immer im Sinne der rücksichtslosen Profitmaximierung. Deshalb finden Sie an erster Stelle Ihrer tollen Liste vor allem Staaten, die sich auf Kosten anderer bereichert haben oder bereichern (Ausnahmen bestätigen die Regel).

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zursachet 25.03.2015, 11:12
154.

Zitat von unschärfer
In einer Zeit in der die linke Gewalt die Absolution erhält weil es ja die gute Gewalt ist, bin ich froh, dass noch solche Kolumnen geschrieben werden dürfen.
Das dürfen Sie gerne. In der Zeit in der Sie sich vielleicht wünschen zu sein, dürften solche Kolumnen wahrscheinlich gar nicht erscheinen. Auf welchem Auge unsere Justiz tatsächlich blind ist brauchen wir in D nicht zu diskutieren.

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wiebitte 25.03.2015, 11:13
155. Schönes Schlusswort:

"Das ist das Problem mit Posern: Der richtige Auftritt geht ihnen über alles, das Ergebnis ist zweitrangig." - und genau so verhält es sich mit Ihnen Herr Fleischhauer.

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zursachet 25.03.2015, 11:14
156. Lichterketten

Zitat von Kris
Argumente, gar keine, für Körperverletzung, Brandstiftung und Sachbeschädigung um auf einen tatsächlichen oder eingebildeten Missstand hinzuweisen. Nicht eins. Was also sollte man da widerlegen müssen?
Es gibt auch keine - ABSOLUT GAR KEINE - Argumente für > 20% Jugendarbeitslosigkeit, Altersarmut, Ungerechte Verteilung, Chancenungleichheit, globale Ausbeutung. Schon mal was von der Gewalt des Kapitals gehört?
Glauben Sie Lichterketten helfen hier weiter?

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Dr_Text 25.03.2015, 11:18
157. Wunderbar, einfach nur wunderbar ...

dieser Artikel. Mein Kompliment Herr Fleischhauer! Nur ein Highlight will ich rausgreifen: es sind gelangweilte Söhne aus der Mittelschicht, aus dem Bürgertum, denen der Pelz juckt. Die Arbeitersöhne müssen sich von diesen Flegeln mit Steinen bewerfen lassen.

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blackpride 25.03.2015, 11:18
158. Besser hätte ich es nicht sagen können

Zitat von chrome_koran
Wer Kunstgeschichte oder Germanistik studiert, ist in aller Regel besser geschichtlich informiert als Leute, die wie Sie stolz auf ihre klischeehafte antiintellektuelle Pose sind. Es gab mal Zeiten, da galt es als geradezu peinlich, sich als Kulturbanause zu outen. Eigentlich dauern die Zeiten immer noch… kommt ein bisschen drauf an, in welchen Kreisen man für gewöhnlich verkehrt. Der Stammtisch im einstigen Land der Dichter und Denker bestätigt andererseits perfekt die oktroyierte kulturelle Verprivatfernseheung der Gesellschaft.
Herzlichen Dank dafür; die um sich greifende Kulturlosigkeit in Deutschland ist auffällig. Sich hier über Menschen lustig machen, die Kunst oder Germanistik studieren und dann am Abend gegen die "Zerstörung des Abendlandes" demonstrieren.

Niemand hat an der Zerstörung deutscher Kultur soviel Schuld wie die Deutschen selbst.

Das merkt man immer wieder, wenn arrogante MINTler sich über Kunst, Kultur, Geschichte und Philosophie lustig machen.

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a.b. surd 25.03.2015, 11:19
159. Occupy ...

ist nicht die Kapitalismuskritik, und umgekehrt auch nicht!

Aber lassen wir ihn einfach weiter schreiben. Er schreibt sich - wie man beobachten kann - mit zunehmender Kritik immer weiter ins intellektuelle Abseits.

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