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Korea-Experte im Interview: "Die Stimmung kann wieder kippen"
REUTERS/ KCNA

Binnen weniger Wochen haben sich Nord- und Südkorea angenähert. Korea-Experte Lars-André Richter erklärt, wie es dazu gekommen ist - warum das aber noch nicht das Ende des Atomkonflikts bedeutet.

KingTut 06.03.2018, 19:29
1. Lasst uns einen kühlen Kopf bewahren

Liebe Forengemeinschaft,
so wünschenswert es ist, dass Nord- und Süd-Korea zu einer friedlichen Übereinkunft kommen, so wichtig ist es aber auch - trotz dieser veremeintlich positiven Meldung - einen kühlen Kopf zu bewahren. Wenn sich am Ende herausstellt, dass ich zu Unrecht übervorsichtig agiert habe, dann freut es mich umso mehr.
Allerdings (und jetzt kommt der kühle Kopf) gab es unter der Kim-Dymastie schon zahlreiche vermeintliche Zeichen der Entspannung, um z.B. Getreidelieferung aus den USA zu erpressen, die auch erfolgten, aber nachher musste man feststellen, dass das Atomwaffenprogramm unvermindert fortgesetzt wurde. Die Kim-Dynastie hatte die Weltöffentlichkeit bloßgestellt.
Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es sich um ein skrupelloses, verbrecherisches Regime handelt, das nicht mit unseren Maßstäben gemessen werden kann.
Vor diesem Hintergrund und eingedenk der bisherigen Erfahrungen möchte ich meinen Beitrag verstanden wissen.

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frank.huebner 07.03.2018, 08:16
2. Nordkorea braucht den Konflikt

Was immer gerne vergessen wird ist, dass Nordkorea den ständigen Konflikt braucht, um das Drohgebilde des bösen Westens aufrecht zu erhalten. Kims Land ist seit Jahren am Rande des Zusammenbruchs, weite Teile des Landes sind nicht elektrifiziert, und die versorgten Gebiete leiden unter ständigen Stromrationierungen. Hunger ist normal, Konsum ist eh schlecht. Dazu unterhält Kim immer noch eine im Verhältnis riesige Armee auf Kosten des ZIvillebens. Da kann der Westen soviele Sicherheitsgarantien geben, wie er will. Wenn es in Nordkorea wieder krieselt wird Kim die Bedrohungskeule rausholen, um der Bevölkerung die schlechte Versorgung zu erklären, an der ja die Imperialisten Schuld seien. Es wäre naiv zu denken, dass Kim wirklich Frieden und Abrüstung will, geschweige denn eine Öffnung gen Süden hin. Dann wäre sein Traumland schnell am Ende.

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