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Land in Angst: Wann sind wir so zimperlich geworden?
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Früher musste man sich als Journalist die Kugeln um die Ohren pfeifen lassen, um als Held zu gelten, heute reicht ein Besuch im deutschen Osten. Die Empörung über das Getobe in Sachsen ist ebenso maßlos wie die Aufmärsche selbst.

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Tom77 30.08.2018, 14:43
1. Kurzsichtig

In Zeiten, in denen LKA-Mitarbeiter auf PEGIDA-Demos gegen den Rechtsstaat wettern, Haftbefehle ihren Weg in die Öffenlichkeit finden, Trump lügt wie gedruckt, Pressevertreter als Volksverräter bezeichnet und sogar Fakten manipuliert während er gleichzeitig jede Form der Presse, die ihn nicht lobpreist, als Fake News bezeichnet, ein wütender Mob in den Straßen "Lügenpresse" ruft, Russland die Wahlen in USA und Europa manipuliert, Assanges Wikileaks gezielt Stimmung gegen einen US-Präsidentschaftskandidaten gemacht hat und wo in Facebooks Filterblasen nicht nur krude Verschwörungstheorien kursieren, sondern auch rechter Hass und es in Ländern wie Myanmar gezielt für Hetze und Lynchjustiz gegen Minderheiten genutzt wird, sollte man die Pressefreiheit nicht als so etwas Lapidares abtun, wie es in dem Artikel getan wird. Von wegen "Macht ja nichts, wenn wir eine aufs Maul bekommen, gibt zumindest gute Bilder".

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csm101 30.08.2018, 14:44
2. Herrlich!

Nach den ganzen Aufregern von Augstein, Stokowski und Lobo endlich mal Jemand, der noch auf dem Boden der Tatsachen ist. Danke!

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berlinfelix 30.08.2018, 14:45
3. Kolumne oder Glosse

Ist das tatsächlich eine Meinungsäußerung oder eine Glosse und Sie meinen das Gegenteil, Herr Fleischhauer?
Bitte gehen Sie inkognito nach Sachsen, setzen Sie sich bei einem Stadtfest an die Bierbänke des Freistaates (Nicht die der Rotarier und Wirtschaftschefs, sondern der „bürgerlichen Mitte“) und sie werden landauf und landab einen Radikalismus wahrnehmen, der selbst Ihnen die journalistische Schamesröte ins Gesicht treibt. Die Ereignisse in Chemnitz sind deshalb nicht zu verharmlosen, weil Sie gewalttätiger Ausdruck einer Grundstimmung vor Ort sind, ganzer Städte. Und hier liegt die Gefahr. Das ist nicht zu vergleichen mit den Protesten gesellschaftlich ungeduldeter Autonomen.

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The Restless 30.08.2018, 14:46
4. Die 70er

Es gab rund 20 RAF Terroristen, unter deren Einfluss Deutschland seine Polizeikräfte fast verdoppelte. Damals wurde gehandelt - weil es gegen die Eliten ging. Heute darf gespart werden - die Rechtsterroristen prügeln ja nur auf Dunkelhäutige, nur manchmal schießen sie auch (was die Polizei dann irgendwie jahrelang nicht mitbekommt, siehe NSU).

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DiStefano8472 30.08.2018, 14:48
5. Wow

Ich bin beeindruckt - ich lese eine Kolumne von Jan Fleischhauer und muss zustimmen - das kommt in der Tat selten vor.

So viel Kopfschütteln die Szenen auch Chemnitz auch auslösen mögen. In vielen Medien und Foren werden die Sachsen und Chemnitzer dafür in genau die Sippenhaft genommen, für die sie AFD und Rechte verurteilen.

Ich hoffe auch, dass Medien wieder mehr ihre Rolle als neutrale Berichterstatter einnehmen, anstatt mit emotionalen und reißerischischen Artikel versuchen, ihre Auflage bzw. Klicks zu steigern. (auch wenn das Herrn Fleischhauer nicht immer gelingt)

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ptb29 30.08.2018, 14:48
6. Die Journalisten wollen ja dicht dran sein

Es kann ja nicht reißerisch genug sein. Und dazu setzen sie inzwischen Helme auf. Es wäre ja blöd, wenn sie dann erzählen müssten, hätte ich nicht gebraucht. Und wenn man so dicht zwischen die Fronten geht (das ist keine Journalistenfriedenszone) , kann man schon mal von einem Wasserwerfer erwischt werden. Dann sind die Journalisten wieder die ersten, die von unangemessener Polizeigewalt sprechen. Also, lasst die Polizisten ihre Arbeit machen.

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madameping 30.08.2018, 14:49
7. Köstlicher Beitrag!

Habe herzlich lachen müssen. Vielen Dank dafür, dass einer in dieser verbissenen Diskussion - manchmal gehöre auch ich dazu - einmal eine andere Gedankenprise dazumischt. Das wischt das Problem zwar nicht weg und es verharmlost es auch nicht, aber es zeigt eine andere Sichtweise auf. Und genau das täte vielen gut.

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el_flo 30.08.2018, 14:50
8. Endlich! Fleischhauer greift ein!

Na, darauf hab ich schon gewartet! Endlich greift Fleischhauer ein und nimmt die armen Neonazis aus Chemnitz in Schutz - zum Glück! Bei Fleischi - wie ihn nicht nur seine Fans liebevoll nennen - werden dann schnell aus tausenden gewaltbereiten Rechtsextremen aus dem gesamten Bundesgebiet, die 2 Tage lang als Lynchmob durch Chemnitz ziehen, "einige hundert Nazideppen", nach dem Motto: regt euch mal wieder ab, alles halb so wild! Was natürlich auch nicht fehlen darf, ist der obligatorische Hinweis, dass die Linken ja viel, viel schlimmer sind, schon immer waren und in Zukunft sein werden...

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zeichenkette 30.08.2018, 14:50
9. Schöne Polemik

Aber: Es ist ein Unterschied, ob ein Kriegsreporter in das Ausland fährt und dort freiwillig für Ruhm und Ehre den Helden spielt, oder ob der Krieg bei einem zu Hause stattfinden will. Wenn die hessische AfD-Fraktion Hochtaunuskreis auf ihrer Facebook-Seite kurz nach den Krawallen schreibt: "Zu Beginn einer Revolution haben die Staatsberichterstatter noch die Chance sich vom System abzuwenden und die Wahrheit zu berichten! Bei uns bekannten Revolutionen wurden irgendwann die Funkhäuser sowie die Presseverlage gestürmt und die Mitarbeiter auf die Straße gezerrt. Darüber sollten die Medienvertreter hierzulande einmal nachdenken, denn wenn die Stimmung endgültig kippt ist es zu spät!" dann ist das keine Kriegsberichterstattung einiger Heldenreporter im Ausland mehr, dann ist das nach dem Willen einer deutschen Partei Krieg gegen Reporter im Inland. Wer diesen Unterschied nicht sieht, der will das wohl so.

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