Forum: Politik
Neuer Präsident: Iran wählt - was steht auf dem Spiel?
AFP

Die Iraner bestimmen einen neuen Präsidenten. Hält sich Reformer Hassan Rohani an der Macht? Oder schafft es ein Hardliner? Und was wären die Auswirkungen? Ein Überblick.

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darthmax 19.05.2017, 10:28
1. Reformer

Vorgegeben wird die Politik von dem Wächterrat und seinen illegalen Truppen.
Da kann Rohani ( auch ein Mullah) oder sonstwer die Regierungsarbeit ( das Tagesgeschäft ) führen, ändern tut sich leider nichts in dem Gottesstaat.
Die Mullahs wissen, was Gott will.

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krautrockfreak 19.05.2017, 10:45
2. Ein gegängeltes Volk, das nur leben möchte wie alle anderen

Ich habe die Iraner als extrem nett, gebildet und vor allem "Deutschland-verrückt" erlebt. Die Art und Weise, wie ein paar alte Männer dieses junge Volk regiert, ist einfach nur zum Ko....
Man sperrt z. B. das Internet bzw. viele Seiten und jeder (!) Iraner umgeht die Sperre mittels VPN. Und wehe, eine Frau ist allein unterwegs oder spricht gar einen Mann an....
Es wird Zeit, dass das Volk aufbegeht und sich seiner Diktatoren entledigt. Die Macht hätte es, nur würde das nicht unblutig von statten gehen.

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Pixopax 19.05.2017, 11:18
3. Sie werden erst frei sein wenn die Mullahs in den Moscheen bleiben

Wer sich die Geschichte des Landes anschaut weiß, dass die Wahlen gar nichts bringen. Im Hintergrund sitzen im Mittelalter gefangene Mullahs, die jede Freiheitsbestrebung im Keim ersticken. Die Gesetze sind streng, alles was nicht islamisch ist wird hart bestraft. Dieses Regime ist seit der Revolution dabei alle Gegner zu ermorden, tausende wurden gehängt. Erst wenn das Volk die Mullahs davon jagt wird es frei sein können. Leider hat das Volk einst die Mullahs an die Macht gebracht, daher sehe ich da auf lange Sicht schwarz was Iran angeht. Ihnen fehlen auch die fähigen, die sind damals alle geflohen. Es blieben die Dummen, die Khomeini zugejubelt haben. Mögen sie doch wählen wen sie wollen, sobald der neue Präsident etwas lockern möchte wird er kassiert.

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Beetulli 19.05.2017, 11:28
4.

Zitat von krautrockfreak
Ich habe die Iraner als extrem nett, gebildet und vor allem "Deutschland-verrückt" erlebt. Die Art und Weise, wie ein paar alte Männer dieses junge Volk regiert, ist einfach nur zum Ko.... Man sperrt .....
Sind sie sicher, dass sie vom Iran schreiben? Oder doch nicht eher von Saudi-Arabien??

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eule_neu 19.05.2017, 11:30
5. Wie soll der Iran demokratische Basiszüge erreichen?

Die bisherige Politik von Rohani unter der Aufsicht von Khamenei (Wirtschaftsförderung, vertragliche Absage einer Atombombenentwicklung) hat das Land eigentlich wirtschaftliche Freiheiten und Lockerungen im öffentlichen Umgang gebracht.
Aber die republikanischen Kräfte in den USA geben die gesperrten Finanzmittel nicht frei und lockern nicht - trotz vertraglichen Zugeständnissen - ihre Sanktionsmaßnahmen, im Gegenteil, sie wollen sie noch erhöhen. Anscheinend verfolgt die Trump-Regierung das Ziel, den Iran willfährig für die US-Wirtschaft zu machen, ein Ziel, was seit den Ereignissen Anfang der 50iger Jahre des vorigen Jahrhunderts verfolgt wird. Zudem haben sich wohl die USA seit der seinerzeitigen Botschaftsbesetzung in Teheran in den Revolutionszeiten Rache geschworen, weil sie vor aller Welt erniedrigt worden sind.
Wie sollen sich denn basisdemokratische Züge in Iran entwickeln, wenn sich die USA dagegen stellen? So haben doch die mit stark blutverschmierten Händen (Ermordung von 4.000 politischen Gefangenen) konservativen Kräfte ein bessere Möglichkeiten, an die Macht zu bekommen, diese Kräfte werden dann der Weltgemeinschaft weitere Probleme schaffen, so wie es derzeit Nordkorea vorführt. Wollen wir das? Was die US-Regierung anstellen will, sollte uns darin stärken, entgegen aller Widrigkeiten Handel treiben mit dem Iran, wenn das Wahlergebnis Rohani bestätigt ...

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the_tetrarch 19.05.2017, 12:37
6. Dem Iran eine Chance geben!

Ich glaube an das Potenzial dieses Landes. Im Unterschied zu den meisten anderen Drittweltländern verfügt der Iran über eine vergleichsweise hochgebildete Bevölkerung. Es gibt viel zu kritisieren an der politischen Verfasstheit dieses Staats und viele anachronistische Widersprüche in der Gesellschaft, aber gleichzeitig ist der Iran m. W. die einzige stabile und vor allem autochthone "islamische Demokratie".

Ich würde dem Iran eine mittel- bis langfristige organische Entwicklung wünschen, vergleichbar zum Beispiel mit China ab der Regierungszeit von Deng Xiaoping, ohne Einmischung von Außen und behutsam Schritt für Schritt. Die Regierung unter Rohani wies nach meiner Beobachtung in die wünschenswerte Richtung, nachdem zuvor der irre Ahmadinedschad unendlich viel Porzellan zerschlagen hatte. Dass der Wächterrat seine erneute Kandidatur verhinderte, werte ich zum Beispiel als ermutigendes Zeichen. Den Industrienationen sei das Prinzip "Wandel durch Annäherung" ans Herz gelegt. Nichts verändert friedlicher und nachhaltiger als mannigfaltige Wirtschaftsbeziehungen.

Von den USA ist diesbezüglich nichts zu erwarten, allein schon, weil derzeit überhaupt nichts Konstruktives von den USA zu erwarten ist. Der vernünftige Teil der "westlichen Welt" sollte den Iran nicht China und Russland überlassen, dafür ist er viel zu wertvoll. Iran sollte uns bedeutend näher stehen als z. B. Saudi-Arabien oder die Emirate.

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Auferstanden aus Ruinien 19.05.2017, 13:09
7. Schiitische Gesellschaft im Iran

Mir fehlt die Vorstellungskraft, wie sich die iranische Gesellschaft zu einer demokratischen westlichen Gesellschaft entwickeln könnte. Europa hat Jahrhunderte gebraucht, um sich von den Religions-Monarchien über den Protestantismus und die Aufklärung auch in Verbindung mit Sozialismus und Kommunismus zu befreien. Und zumindest bis zum Ende der Schahzeit war der Iran tiefstes Mittelalter mit einer kleinen westlich orientierten reichen gebildeten Oberschicht (hab damals 6 Monate in Teheran gearbeitet, Savac usw.. !). Und unter den Mullahs und Wirtschaftsembargo soll eine gebildete Gesellschaft entstanden sein, wie hier geträumt wird ? Einfach mal zum Todestag Alis in Teheran den Basar besuchen (als Ungläubiger ist das Selbstmord) um in die schiitische Realität zurück zu finden. Was bis jetzt in dem Forum erschien und wohl mehrheitlich erscheinen wird, sind für mich phantastische realitätsferne Träumereien beider Seiten, von einem großartigen Iran mit Mullahs oder einem großartigen Iran nach westlichem Vorbild. Der Weg vom Mittelalter in die Neuzeit ist weit und für eine schiitische Gesellschaft unmöglich.

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klmo 19.05.2017, 13:13
8.

Zitat von the_tetrarch
Ich glaube an das Potenzial dieses Landes. Im Unterschied zu den meisten anderen Drittweltländern verfügt der Iran über eine vergleichsweise hochgebildete Bevölkerung. Es gibt viel zu kritisieren an der politischen Verfasstheit dieses Staats und.......
Der Titel besagt doch schon alles:
„Junge Iraner vor der Wahl: "Wenn du die Grenzen überschreitest, brechen sie dich". Übersetzt: Autokratie eines Mullah-Regimes, präsentiert als Scheindemokratie.
Ergo, die Wahl ändern an dem System absolut nichts. Interessant das unterschiedliche Wahlverhalten in den Städten, Metropolen und den ländlichen Gebieten. Ähnliches Verhältnis bei den Wahlen in der Türkei. Solche Affinitäten sind kein Zufall.

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tliesenf 19.05.2017, 14:13
9. Wann sehen wir sie, die Reformen?

Immer wieder das gleiche Kasperle-Theater mit "Hardlinern" und "Reformern". Chatami, Rohani... angesichts der progressiven Reformer, die -- mit kurzer "Hardliner"-Unterbrechung -- seit Jahrzehnten das Land öffnen, müsste Teheran inzwischen eine offene LGBT-Szene haben und in Isfahan Katy Perry ohne Kopftuch auf der Bühne auftreten.
Es ist traurig genug, dass viele scheinbar westlich orientierte, gebildete Iraner aus der oberen Mittelschicht aktiv mithelfen, uns dieses Märchen der unaufhaltsamen Liberalisierung aufzutischen. Die jungen Leute werden's schon richten: schau nur, wie lebensfroh die Freundinnen aus dem Norden Teherans in die Kamera lächeln!
Die Realität ist anders. Im Iran ist ein erstaunlich hartnäckiges Herrschaftssystem entstanden. Es lässt seinen durchweg entmündigten Bürgern gezielt kleine, scheinbar heimliche Inseln der persönlichen Freiheit und gerade genug Hoffnung auf Öffnung, dass sie auf dem Sofa sitzen bleiben und lieber die nächste Folge Grey's Anatomy schauen, als einen ernstzunehmenden Widerstand zu formieren.
Dass sich in Iran so bald nichts ändert, damit habe ich mich abgefunden.
Mich enttäuscht bloß noch die Bereitschaft vieler Journalisten, sich über Jahrzehnte hinweg so hinters Licht führen zu lassen und bereitwillig, als handelten Sie im Auftrag des Regimes, die falsche Fassade einer bald richtig beginnenden Reform aufrecht zu halten.

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