Forum: Politik
Österreich vor der Wahl: Wiener Wut
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Wien gilt laut Studien europaweit als Stadt mit der höchsten Lebensqualität. Und dennoch sind viele Menschen unzufrieden und wählen Rechtspopulisten. Auch in Umfragen zur Nationalratswahl stehen sie gut da. Warum?

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Hipster 12.10.2017, 16:25
1. Falsche Schlußfolgerung

"Wien gilt laut Studien europaweit als Stadt mit der höchsten Lebensqualität. Und dennoch sind viele Menschen unzufrieden und wählen Rechtspopulisten."

Wahrscheinlicher ist doch, daß die Wiener hochzufrieden sind und ihre hohe Lebensqualität auch künftig noch genießen möchten ...

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360° 12.10.2017, 16:32
2. Wieso sollte sie denn SPÖ wählen? Dafür gibt es keinen Grund mehr.

Wieso glaubt überhaupt jemand noch, dass die SPÖ den moralischen Anspruch auf die Kanzlerschaft hat? Nachdem sie den seit 1970 rund 41 Jahre inne hatte!

Ein neuer Skandal ist aufgetaucht, der exemplarisch zeigt, wie die SPÖ zu freier Meinung, selbstständigem Denken & Verantwortungsbewußtsein steht: die Bedrohung einer ehemaligen Mitarbeiterin der SPÖ, die die SPÖ verdächtigt, Internas öffentlich gemacht zu haben. Diese Frau wurde massiv von der Partei bedroht. Und auch das reicht vielen: dass die SPÖ sich heute gebärdet, als wäre sie der Staat. Ankläger, Richter und Exekutive in einem.

Um zu zeigen, was heute in Österreich alles schief läuft,die wie schmutzigsten Dinge in bestimmten Medien klein gespielt werden - halft, als sich der neueste Skandal der SPÖ auftat, ein Blick auf die ORF-Homepage. Dort war die Bedrohung der Dolmetscherin nur ein marginales Thema. Verniedlicht mit der Überschrift "Tal Silbersteins Dolmetscherin meldet sich zu Wort". Denn der ÖR Sender ORF ist in der Nachrichtenabteilung ziemlich SPÖ-lastig. Um es mal freundlich zu formulieren.

Und dort, wo der öffentlich rechtliche Rundfunk seiner, ihm eigentlich zugedachten, Rolle nicht mehr gerecht werden kann, musste die größte Boulevardzeitung einspringen - noch bei dem von Kern ausgeboteten Vorgänger aus der selben Partei, eine treue Unterstützerin der SPÖ - und diese Bedrohung einer einfachen Bürgerin durch die SPÖ zum Thema machen. Um diesem Thema erst die Aufmerksamkeit geben, die dieses Thema verdient.

Immer mehr Österreicher verstehen, wie sich im sozialdemokratischen Österreich unten nach oben und oben nach unten dreht. Wichtige Institutionen sind von der SPÖ unterwandert und fallen so als kritische Stimmen aus. Jetzt muss schon ein Boulevard-Blatt helfend einspringen.

Und da versthet jemand nicht, dass die Österreicher genug von dieser SPÖ haben? Dieser Art sich den Staat und wichtige Institutionen unter den Nagel zu reissen. Noch dazu gibt es ja eine Alternative zu den Rechtspopulisten: in Umfragen führt der junge, charismatische ÖVP-Mann Kurz. Augenblicklich Außenminister und OSZE-Vorsitzender. Ihm trauen viele Österreicher zu, diesen Sumpf endlich ein wenig seichter zu machen. Ganz wird das niemanden gelingen. Denn das wäre in Österreich eine reine Sysiphusarbeit.

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beob_achter 12.10.2017, 16:33
3. Die Welt ist zu kompliziert geworden für alternde Politiker

der herkömmlichen Art!
Natürlich sind die "Heilsbringer" mit ihren tumben Parolen erst recht nicht in der Lage (und auch gar nicht willens), Problemlösungen zu erarbeiten, aber wir brauchen eine Art "Crowd funding" für Ideen, die selbst für Politiker verständlich sind und über deren Umsetzung sie dann debattieren können.

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quark2@mailinator.com 12.10.2017, 16:34
4.

Also die unzufriedene Frau hat gar nichts über Ausländer gesagt. Sie hat gesagt, daß sie unzufrieden ist, weil die Mittelschicht wegbricht und sie täglich ums Überleben kämpfen muß. In der Statistik sehen 5% "Armutsgefährdete" ja vielleicht gut aus, aber in der Praxis sind das (bei uns) Millionen Menschen, die über Jahre nicht auf die Beine kommen. Und es sind ja nicht nur 5% und wenn man richtig rechnen würde, wären es noch mehr. Auch wenn ich verstehe, daß ein erfolgreicher Wiener Bürgermeister so weit runter gar nicht sehen kann, die Realität ist eben, daß die Schere immer weiter auf geht. Und das ist die Wurzel allen Übels - ein Leben lang rackern und trotzdem mit 70 im kalten Zimmer vor einen Teller Haferbrei sitzen müssen.

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Andrea.M 12.10.2017, 16:34
5. Lückenpresse?

Wien – Im Mai 2017 gab es in Wien erstmals mehr Mindestsicherungsbezieher mit nichtösterreichischer Staatsbürgerschaft als österreichische Empfänger.
http://derstandard.at/2000060944960/Erstmals-mehr-auslaendische-Mindestsicherungsbezieher-in-Wien

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JacksonBlood 12.10.2017, 16:35
6.

Zitat von Hipster
"Wien gilt laut Studien europaweit als Stadt mit der höchsten Lebensqualität. Und dennoch sind viele Menschen unzufrieden und wählen Rechtspopulisten." Wahrscheinlicher ist doch, daß die Wiener hochzufrieden sind und ihre hohe Lebensqualität auch künftig noch genießen möchten ...
die von wem genau bedroht wird?

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seyffensteyn 12.10.2017, 16:42
7. Es ist auch in Österreich an der Tagesordnung,

daß,hauptsächlich in großen Städten,die Menschen dazu neigen,möglichst 4 Stunden zu arbeiten,sich dann der Familie und Freizeitaktivitäten zu widmen und dabei auch noch 5000€ Einkommen zu haben.Das das nicht geht,dürfte jedem Realisten klar sein.
Auf dem Land(ich lebe teilweise in Tirol) sieht das ganz anders aus:Hier wird noch "richtig" gearbeitet und das Leben ist für viele noch in Ordnung.Die dörflichen Abläufe (Schützenfeste und ähnl.)werden noch hochgehalten und mit dem Begriff "Heimat"verbunden.

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GueMue 12.10.2017, 16:43
8. Die Differenz ist die Quelle der Toleranz

Verstehe den Journalisten. Er stellt etwas fedt, kann es nicht erklaeren und nutzt Standard soziologische Versatzstuecke. der das echte und nur zulaessige in Lebensgefühl wird auf Geld reduziert. Intetessant ist, warum man die Differenz zwischen Koennen und Wollen so charmant ueberwindet. Ebenso, warum man trotzdem FPO waehlt. Strache macht immer Kundgebung in den Favoriten. Die Tuerken sind in der Mehrheit. Strache hetzt. Ich habe mit Gewalt gerechnet und mich schon- deutsch politisch ueberreizt verdruecken wollen - . Nichts ist passiert. Wiener und Tuerken leben in ihrer Differenz wohl zusammen. Das hat mich sehr beeindruckt. Rate dem ehemaligen Istanbulreporter zu diesem Phaenomen zu arbeiten. Ist wichtiger als das Wiener Allerlei dieses Berichtes.

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mir-san-mir 12.10.2017, 16:43
9. Wirklich so unerklärlich?

Ob Wien die Stadt mit der höchsten Lebensqualität in Europa ist, wage ich zu bezweifeln, genauso wie die Vergleichsmethoden von Mercer. Selbst wenn man nur Millionenstädte vergleichen würde, wären andere Städte auf meiner Rangliste deutlich vor Wien. Damit will ich nichts gegen Wien sagen, wo ich mich geschäftlich gerne mehrmals im Jahr aufhalte. Warum viele Wiener nunmehr FPÖ wählen, mag sich aus Unterhaltungen erschließen, die ich persönlich geführt habe: Viele, denen es objektiv ganz gut geht (guter Verdienst, halbwegs sicherer Job, keine größeren familiären Sorgen), haben etwas zu verlieren. Deshalb ängstigt sie alles, was an ihrerm Status Quo rütteln könnte. Und hier suggeriert die FPÖ - aber nicht nur die -, dass eine unaufhaltsame Zuwanderung, insbesondere in die Sozialsysteme den Wohlstand gefährdet. Die ständig steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten geben diesen Bürgern dann einen Vorgeschmack dessen, was noch alles auf sie zukommen könnte. Obendrein wird dann medial verbreitet, welche Wohltaten der Staat für die Mitgranten parat hält und dass alles vom Steuerzahler finanziert werde. Die Wahlentscheidung vieler Österreicher beruht daher auf einer gewissen Desinformation, der Angst des sozialen Abstiegs aufgrund von Migranten (die nehmen ja Wohungen und Arbeitsplätze weg) und einer Rechtslastigkeit vieler Österreicher vor allem im ländlichen Raum, die mir seit Jahrzenten immer wieder entgegengeschlagen ist. Oder auf den Punkt gebracht: die braunen Ränder waren in Österreich schon immer sehr viel breiter.

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