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Omans Machthaber Sultan Qabus: Der Strippenzieher
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Oman ist ein unscheinbares Land, durch Meer und Wüste isoliert - und dennoch ein diplomatisches Schwergewicht. Sultan Qabus ibn Said mischt bei allen Krisen im Nahen Osten mit, verhandelt mit Saudi-Arabien und Iran. Wie ist das möglich?

Beccaria 09.11.2018, 16:37
1. die Zukunft von Oman ist ungewiss

Vielleicht hätte man auch erwähnen sollen, dass der Sultan ohne Erben ist, was ein zusätzliches Element für die Nachbarstaaten sein kann, politische Aktivitäten in Oman zum eigenen Vorteil auszulösen.

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magic88wand 09.11.2018, 16:39
2. Qaboos - ein Mann der alten Schule

Aus einer Zeit, in der man im Gespräch blieb statt sich permanent Beleidigungen an den Kopf zu werfen. Oman ist das toleranteste Land auf der arabischen Halbinsel, es gab sogar schon Zeitungsartikel, die die Homosexualität nicht verdammt haben. Und die Ungleichheit ist nicht so groß wie in den Golfstaaten. Man kann nur hoffen, dass es nicht bald vorbei ist damit. Qaboos ist gesundheitlich angeschlagen und hat keine Kinder.

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thomas_linz 09.11.2018, 17:08
3. Well done Spiegel,

Sultan Qaboos koennte nicht nur Vermittler in der arabischen Welt sein, sondern auch mit der westlichen Welt. Leider befürchte ich aber, dass man im Westen die Verhandlungspartner nach Renditechancen bewertet. Bis man den Irrtum bemerkt, wird der Sultan, mit einem Beliebtheitsgrad, von dem nicht nur jeder Politiker traeumen kann, seinem Krebsleiden erlegen sein. Im uebrigen, die Legende mit den Strassen kann ich nachvollziehen. Noch vor 10 Jahren war eine PKW ohne Allrad und drei 20 Liter Benzinkanister auf dem Dach, kein geeignetes Fortbewegungsmittel. Als Expat wuensche ich His Majesty Sultan Qaboos noch ein langes Leben.

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Safiye 09.11.2018, 17:18
4. Sultan Qaboos ...

... war und ist ein Politiker der leisen Töne, die aber, wenn man sie hören will, unüberhörbar sind. Deutsche Politiker liessen und lassen das Land leider häufig links liegen, obwohl Oman beim Deal mit Iran vertrauensbildend mitgewirkt hat. Oman ist Mitglied im Gulf Cooperation Council (GGC), lässt sich aber von Saudi-Arabien nicht vorschreiben, wie es agieren soll. Oman drohte - vom Westen eher unbemerkt - sogar schon mal im Vorfeld des jährlich im Dezember stattfindenden Gipfel der sechs Mitgliedsstaaten mit Austritt, weil es Saudi nicht seine Sicherheit überlassen wollte. Clever und zusammen mit Kuwait machte Oman auch nicht den Boykott Qatars 2017 mit. Gleichzeitig hilft es still und leise, so weit es eben kann, seinem vom Krieg mit Saudi-Arabien, Bahrain, den VAE und vielen anderen Ländern gebeutelten Nachbarn Jemen. Gut so, denn der Westen hat 3 1/2 Jahre nur zugesehen, wie Millionen Menschen immer dünner werden und am Hunger zu sterben drohen. Grund genug, das Sultanat Oman und seine Menschen mal näher kennenzulernen, oder ?

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alan.ito 09.11.2018, 17:18
5.

Dass der Sultan keine Kinder hat, könnte genau der Auslöser einer dicken weiteren Krise werden.

Qaboos solle genau festgelegt haben, was "nach ihm" zu geschehen habe. Es ist ja in Arabien generell nicht so, dass der älteste Sohn das Prä hat - nach dem Tod eines Herrschers kommt eine Schura zusammen, ein Rat der Ältesten, der letztlich auswählen hilft, wer den Job weitermachen solle. Da haben Kinder der Herrscherfamilie zwar ein Prä. Durchaus nicht der Älteste, sondern der fähigste. Aber wenn es keine gibt, ist der Stamm an der Reihe, oder der Bruder des Sultan, oder ein Neffe, oder oder oder.

Man wird jemanden Geeigneten finden.

Dass die Ibaditen weder der einen noch der anderen Glaubensrichtung zugerechnet werden, ist nur eine Lesart. Eine andere besagt, dass die Ibaditen Schiiten sind, und das erklärt u.a. auch die Nähe des Oman zum Iran.

NB OT Auch sehr viele Jemeniten sind Schiiten. Der alte Herrscher in Sanaa, als es noch Nordjemen und Südjemen gab, war Schiit.

Der Iran könnte allerdings nach Ableben Qaboos auf die Idee ... kommen, zur Sicherung seiner "Möglichkeiten" im Südosten der Arabischen Halbinsel den Oman zu besetzen.

Dann knallt es "da unten".

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satirique 09.11.2018, 18:13
6. Nicht vergessen GB

man sollte die entscheidende Rolle Großbritanien bei all dem nicht vergessen!?

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jenska 09.11.2018, 18:48
7. Der Oman ist eine absolute Monarchie, also Diktatur

Bei allem Lob auf den Oman, man kann höchstens sagen, dass der Oman der wenigste schlimme Staat dieser Region ist. Wer schon mal im Land war, weiss dass, dass Land sich Land durch Propaganda einen demokratischen Anstrich versucht zu verpassen. Da ist Gerede von einem Zwei-Kammer-Parlament, dass der Sultan eingeführt habe und vieles, was auf den ersten Blick schön und gut ausschaut. Wer genauer hinschaut, weiss, dass das Parlament nur eine beratende Funktion besitzt - die Gesetze erlässt der Sultan höchstpersönlich. Das Oberhaus ernennt der Sultan komplett. Für das Unterhaus finden zwar Wahlen statt, aber nur die Hälfte der gewählten Personen, ziehen auch ins Parlament. Die Auswahl trifft wieder der Sultan höchstpersönlich. Parteien oder überhaupt Organisationen, die der politischen Meinungsbildung dienen, gibt es natürlich ebenfalls nicht. Die Regierung wird ebenfalls komplett vom Sultan ernannt und die Justiz untersteht ihm ebenfalls komplett. Menschen, die sich für mehr Rechte einsetzen, werden inhaftiert, und teilweise gefoltert. Um Journalist zu werden, sich frei zu versammeln, oder einen Ausländer zu heiraten, benötigt man eine staatliche Genehmigung. Kritische Berichte über den Sultan oder seine Regierung sind nicht erlaubt. Die Polizei benötigt keine richterliche Genehmigung, um Wohnungen und Häuser zu durchsuchen. Die Liste liesse sich weiter fortsetzen.

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heinz.murken 10.11.2018, 10:21
8. Shocking

Es ist nicht wie bei uns-wie kann es denn sein, dass die Leute trotzdem ihren Sultan lieben?
Das geht natürlich nicht.
An der Bildung kann es kaum liegen, denn die wird gefördert und Frauen wie Männer werden vom Sultan aufgefordert, sich auf ihre Bildung zu konzentrieren. Weil das ihre islamische Pflicht sei!
Der Oman ist anders als jedes andere Land auf der Welt. Richtig, keine westliche Demokratie, aber so gut wie jeder Mensch ist zufrieden mit den Zuständen. Richtig, kein gewählter Herrscher, aber einer, der sein Volk in eine gebildete Zukunft in Wohlstand führt und wo jeder Omani.egal ob Mann oder Frau, seine Chance bekommt. In einem Land, dass sich nicht abhängig macht von größeren Mächten, sondern von diesen sogar gebraucht wird.
Wer den Oman über längere Zeit beobachtet, der wird all dies nicht übersehen können und einen positiven und friedlichen Kontrast zu allen Staaten rings um den Oman sehen... in der Schweiz sind wahrscheinlich weniger Einwohner zufrieden als im Oman. Und mit der Schweiz kann man den Oman unter seinem Sultan ruhig in vielen Bereichen vergleichen.
Ich glaube auch die Omanis werden die Nachfolge irgendwann in einen für ihr Land guten Übergang geregelt bekommen.
Auf große Veränderungen dürften nur sehr wenige heimlich schielen.

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