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Paradoxien der Geschlechterdebatte: Die Frage des Unterschieds
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Eine Umfrage legt nahe: Es gibt beim Wissen über politische Themen einen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Was sagt uns das?

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pecos 24.08.2017, 18:18
1. Selten einmal einen so zutreffenden Artikel von ...

... Herrn Fleischhauer gelesen, dem ich ansonsten alles andere als nahe stehe. Besonders die Tatsache, dass das ständige Lob auf Vielfalt, Diversität und vor allem Intersektionalität ist bei näherem Hinsehen eine Mogelpackung: es kommt, wie Fleischhauer zeigt, nicht auf jedwede, sondern auf die richtige Vielfalt an. Das offensive Lob hört sich meist an wie das Pfeifen im Walde, um etwas anderes zu übertönen: dass es eben nicht um Vielfalt, sondern um Macht geht. Wenn Sie beispielsweise Genderbeauftragten - und sei es nur zum Spass - vorschlagen, sich für eine Schwulenquote einzusetzen (was ja ganz eindeutig unter den Begriff "Gender" fällt), dann ist ganz schnell Schluss mit lustig, weil sich in Wahrheit hinter "Gender" zumeist nichts anderes als "Frauen" verbirgt (Ausnahmen gibt es natürlich immer). Wagen Sie doch einmal den Versuch in Ihrem Unternehmen, ihrer Behörde oder der Bildungseinrichtung, in der sie arbeiten.

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shirker 24.08.2017, 18:24
2.

"Das Forschungsinstitut Kantar Public hat im Juli 1052 repräsentativ ausgewählte Menschen befragt,...".

Na ja, das ist aber jetzt beinahe schon ein ganzes Jahrtausend her. Heute würden die Befragungsergebnisse bestimmt ganz anders aussehen.

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Newspeak 24.08.2017, 18:29
3. ...

"Man muss beides sorgfältig trennen. Nur weil ich einer bestimmten Population angehöre, bedeutet das noch lange nicht, dass ich die Eigenschaften oder Verhaltensweisen teile, die man in dieser Population verstärkt antrifft."

Ja, theoretisch muss man das trennen. Praktisch bleibt eine Wahrscheinlichkeitsaussage ueber ein Kollektiv (6 von 10 Xen sind Y) eine Wahrscheinlichkeitsaussage ueber ein Individuum (ein X ist zu 60% Y) und es ist logisch diese Annahme zu machen, wenn man dann mal wirklich ein X vor sich hat. Das nennt sich Denken in Analogien, Heuristik, oder Klischee, oder Chauvinismus, natuerlich, und es wird jedesmal verstaerkt, wenn man wieder ein X vor sich hatte, das dazu passt. Es muessen schon verdammt viele X vorbeikommen, die dem widersprechen, dass man diese Erfahrung korrigiert. Das hat sehr viel damit zu tun, wie Menschen ticken, biologisch, psychologisch, und relativ wenig, welche Werte die Gesellschaft da vorgibt, ich glaube die meisten Menschen nehmen das gar nicht war. Nur weil man zum Glueck nicht von jedem die Gedanken lesen kann, im Alltag, bleibt es meistens friedlich und gesittet. Die interessante Frage waere, ob man nicht in einer besseren Gesellschaft leben wuerde, wenn man einen Teil der Ungerechtigkeiten (nicht alle), nicht immer so grundernst nehmen wuerde, wenn man also differenzieren wuerde zwischen einer massiven Ungerechtigkeit, die abgestellt gehoert, und dem, was man in einem religioesen Kontext vielleicht eine laessliche Suende nennen wuerde, die man zwar nicht toll findet, weswegen der man aber auch keine grauen Haare bekommen, und keine Prinzipiendiskussion lostreten, und nicht verbiestert allen anderen Mitmenschen das Leben zur Hoelle machen muss?

Ein gutes Beispiel ist doch die Familie. Wer kennt nicht den Nazi Opa, dessen bloede Sprueche man auf jeder Feier erwarten darf, den aber keiner wirklich ernstnimmt, weswegen all die Schlechtigkeit dahinter eigentlich im Raum verpufft. Und irgendwann war er dann das letzte Mal dabei, und alles ist gut. Es gibt natuerlich tausende andere Beispiele, die im Grunde alle dasselbe zeigen, wie man naemlich mit nicht netten Menschen so umgeht, dass diese eigentlich keine Resonanz finden. Wenn man jetzt jedesmal deswegen ein Fass aufmacht, an Diskussionen, wem ist damit gedient?

Es werden hier immer Frauen mit Maennern verglichen, aber man weiss doch gar nicht ob es diese Kollektive so gibt, biologisch ja, aber bei jedem beliebigen Thema wird man Maenner finden, die eine Frauenposition einnehmen und umgekehrt Frauen, die die Maennerseite repraesentieren. Wenn man die Kollektive getrennt und in Opposition betrachten will, sollte man also erst mal feststellen, wie gross die Varianz innerhalb eines Kollektivs ist, und ob die nicht groesser ist, als die zur Trennung benutzte. Aber das versteht natuerlich wieder keiner, weil sowas nirgends vermittelt wird, und 80% der Journalisten nichts von Wissenschaft verstehen. Ist natuerlich bei den Lesern nicht anders.

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keine-#-ahnung 24.08.2017, 18:35
4. Au weia, Herr Fleischhauer ...

... am Besten erst mal Koffer packen --> Airport suchen --> Ticket buchen ("wie weit komme ich mit XXXX Euro? - dann bitte dorthin. Nein Danke - zunächst nur one way") --> Flug --> aussteigen --> durchatmen --> Gefühl der relativen Sicherheit geniessen.
Man schreibt doch heute keinen Artikel mehr, der mit den Worten: "Jungen haben einen Penis und Mädchen eine Vagina." beginnt, ohne sich dem shitstorm der Aktivisten aller Couleur auszusetzen (Feministen, LGBT, Tierschützer*innen, AlpenveilchenzüchterXX, Verband bisexueller Militärköche etc.pp.).
Das war wohl dann Ihre letzte Kolumne - ich hoffe, das Geld hat für eine exotische Destination gereicht. Geniessen Sie Ihren Ruhestand und verzichten Sie nicht auf einen neuen Namen!
p.s.: ein Vollbart und endlich mal eine neue Haarfarbe können auch schon was helfen :-)

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stefank 24.08.2017, 18:35
5. Wie gemein von ihrer Kollegin, Herr Fleischhauer!

Da hat sie Ihnen doch glatt den Teil der Studie unterschlagen, in der die Forscher die Gründe für die größere politische Faktenkenntnis der männlichen Probanden nennen. Aber das hole ich hier gerne nach, so dass Sie sich nicht mehr fragen müssen, wie das nur sein könne : "In allen Ländern seien der Inhalt und der Stil politischer Nachrichtensendungen überwiegend an Männern orientiert. So sind die handelnden Personen meist männlich, von Experten bis zu Moderatoren, ebenso richtet sich die Art vieler Sendungen an Männer. Die Forscher sehen einen Teufelskreis. Schließlich sei bekannt, dass Menschen Vorbilder in den Medien brauchen und dass Interesse an der Politik immer auch damit zu tun hat, ob jemand glaubt, selbst etwas bewirken zu können. "
Gern geschehen!

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the_tetrarch 24.08.2017, 18:36
6.

Wichtigster Satz dieses guten Kommentars: "Nicht jede Äußerung über eine Gruppe, die man als ärgerlich empfindet, auf sich selber beziehen!"

Natürlich ärgert man sich über "Gruppenklischees", die so entstehen. Es ist peinlich, was die befragten Frauen da abgesondert haben. Aber ich möchte daran erinnern, wie cool man über blödsinnige Anwürfe wie "Deutsche sind Nazis" hinwegsieht. Man weiß, dass es nicht stimmt, man weiß auch, was mit demjenigen nicht stimmt, der den Unsinn von sich gibt, und zieht seines Wegs.

Es sollte allmählich bekannt sein, dass die Unterschiede zwischen den Individuen bedeutender sind als zwischen der allzu wohlfeilen 50/50 Alternative "Mann" oder "Frau".

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starling67 24.08.2017, 18:39
7. Weibliche Zustimmung!

In keinem Vorstellungsgespräch das ich jemals geführt habe, hat eine Frau auch nur annähernd einen ähnlichen Gehaltswunsch wie ihr männlicher Mitbewerber mit vergleichbarer Qualifikation, genannt.

Man möchte wahnsinnig werden und schreien: "Was soll das, wieso verkaufen sie sich so unter Wert, seien sie nicht so verdammt ängstlich, fordern sie!"

Man kann nicht nur von der Politik erwarten, dass sie Frauen den Weg für eine angemessene Vergütung ebnet, für die Erfüllung seiner Wünsche und die Arbeit am eigenen Selbstbewußtsein ist man in erster Linie selbst verantwortlich.

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schwaebischehausfrau 24.08.2017, 18:41
8. Skandal!!!

Unerhört , was erlauben Fleischhauer? Wo die Ursache für das Ergebnis dieser Umfrage doch sonnenklar ist: 1. werden Frauen schon in der Schule von den sicher meist männlichen "Politik"-Lehrern systematisch vernachlässigt und schlechter gefördert als Jungs. Und 2. sind solche Fragen wie "Welches Land ist nicht in der NATO" oder "Welche Aufgaben hat der Bundesrat" doch sowieso reine Faktenklauberei für Kleingeister.

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muskat51 24.08.2017, 18:44
9. Bitte nicht in einen Topf werfen,

was nicht zusammen passt. Frauen sind sicher anders als Männer (glücklicherweise). Aber sie sind nicht weniger wert! Es gibt keinen VERNÜNFTIGEN Grund, Frauen zu benachteiligen (oder zu bevormunden...), weil sie Frauen sind. Gleiche Leistung: gleiche Anerkennung (im Beruf gleicher Lohn). Übrigens gilt ähnliches für andere Hautfarben, andere Religionen etc., sofern die Religion sich nicht dazu versteigt, Frauen die Mündigkeit zu verweigern. Außerdem kann schon die Gestaltung einer Umfrage so bescheuert sein, dass die Ergebnisse zwingend in die Irre führen. Was wäre wohl passiert, hätte man die Teilnehmer einen Aufsatz über die Frage schreiben lassen, welches Konfliktpotenzial aus der aktuellen türkischen Politik und der türkischen Nato-Mitgliedschaft resultiert? Die feiner differenzierten Beiträge wären die der Frauen gewesen, behaupte ich mal frech. Viele Grüße und nix für ungut Achim

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