Forum: Politik
Präsident auf Weltkriegs-Tour: Macrons neue Front gegen den Populismus
LUDOVIC MARIN/ POOL/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Der französische Präsident Emmanuel Macron reist eine Woche an der Front des Ersten Weltkriegs entlang. Er will alte Kriegsängste in neuen Mut für Europa verwandeln. Ein politisches Wagnis.

Seite 1 von 3
Stäffelesrutscher 08.11.2018, 22:28
1.

»Man stelle sich vor, Kanzlerin Merkel würde eine Woche lang von Görlitz über Chemnitz nach Magdeburg reisen, um deutsche Geschichte und Europa zu diskutieren.«
Ein hinkender Vergleich. Erstens ist Macron Staatsoberhaupt und direkt gewählt. Zweitens müsste man die Orte, in die ausländische Armeen 1914 eingefallen sind, in Deutschland erst noch suchen. Oder soll man eine Reise nach Leipzig, Jena/Auerstedt, Großgörschen und Lützen unternehmen?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
schwäbischalemannisch 08.11.2018, 22:36
2. Er spricht mit den Menschen

Auch wenn es Wahlkampf ist. Eine hervorragende Idee die Menschen zu erreichen, die ihm sonst nicht zuhören. Wie der Autor schreibt. Merkel könnte sich da eine Scheibe abschneiden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
brux 08.11.2018, 22:39
3. Genau

Nichts ist wichtiger als Frieden.

Aber natürlich ist das keine spontane Macron Agitprop Nummer. Der 100. Jahrestag des Waffenstillstands von 1918 ist seit hundert Jahren terminlich bekannt.
Dieser Tag ist der zweitwichtigste französische Feiertag. Das grosse Programm wird seit 4 Jahren geplant. Dass das den Deutschen entgangen ist, wundert mich aber nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
thoms1957 08.11.2018, 22:53
4. Macron wenigstens bedeutet Europa noch etwas

Bei der deutschen Regierung vermisse ich das. Überall Bedenken und Mutlosigkeit und Angst vor der Zukunft. Anstatt diese Zukunft zum Wohle aller Europäer gestalten zu wollen, wird hier nur irgendwie der Status Quo verwaltet. Begeisterung für das Potential und die Möglichkeiten, die Europa bietet, wird so trantütig im Keim erstickt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
quark2@mailinator.com 08.11.2018, 22:58
5.

Hmmm, die Weltkriege sind zwar DAS Argument, die europäische Einigung nicht zu versauen. Aber leider bekommt man eine Einigung nicht hin, wenn man alte Schuld und alte Niederlagen vorholt und sie der ehemals anderen Seite unter die Nase reibt. Wenn Frankreich ernsthaft eine weitere Einigung Europas will, dann muß es leider genau das tun, was es nicht vorhat, nämlich seine damals gewonnene Position der Stärke gegenüber DE soweit zurückfahren, daß eine echte Balance entsteht. Eine Einigung via primus inter pares ist auf Dauer einfach nicht gut genug. Sie würde es erfordern, daß BEIDE Seiten verdammt viel davon aufgeben, was ihnen wertvoll ist. Wenn dazu keine Bereitschaft da ist, sind Macrons Visionen unrealistisch, denn dann fehlt seinen gemeinsamen Armeen, Sozialversicherungen, Rettungsschirmen, etc. einfach der nötige Unterbau. Wovon ich rede ? Nun, ich rede von UN-Sicherheitsrat und Atomwaffen. Ja, schon klar. Aber mMn. geht es nicht ohne. Vertrauen gegen Vertrauen, um mal aus alten Büchern zu zitieren :-).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
PETERJohan 09.11.2018, 23:02
6. Ja, er hat Recht

Man muss die Zerstörung mit eigenem Augen gesehen haben um eine Ahnung von Krieg zu bekommen wie ich,dann kann man verstehen und schätzen unsere EU. Ich habe keine Großväter gehabt,die im 1,WK gefallen sind. Nationalismus ist eine schlimme Verführung. Wir Europäer sind geeint mit bestimmten Regeln. WIR SIND WER:"WIR"

Beitrag melden Antworten / Zitieren
_derhenne 09.11.2018, 23:04
7.

Vielleich ist es ein Wagnis, aber wer nicht wagt, der gewinnt eben auch nichts. Der Mann hat zumindest eine Idee (um nicht Vision zu sagen) für sein Land und für Europa, das ist mehr als alle Deutschen Spitzenpolitiker zusammen.

Sicher, Macron ist auch kein Messias. Aber wer steht denn bei uns in den Startlöchern, nach gefühlten tausend Jahren Merkel? Friedrich Merz und AKK... Na schönen Dank auch!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
andreas_schmidt 09.11.2018, 23:22
8. Vielen Dank

Monsieur Macron,

merci beaucoup! Vielen Dank für das offen gezeigte pro Europa!
Auch wenn ich nicht in allem mit Herrn Macron übereinstimme, das offen pro europäische und der mutig vorgetragene Wille eines stärkeren und reformierten Europas, das imponiert mir und lässt mich hoffen!
Ich wünschte deutsche Politiker würden genau so handeln und einfach mal mutig ihre Vision eines Europas skizzieren, den Menschen wieder die Vorteile eines friedlichen Europas, einer modernen Gesellschaft, einer starken Zusammenarbeit und der Freiheit erklären. So kämen wir zu echten Kompromissen in Europa, man könnte die EU weiter entwickeln, gemeinsam Wohlstand herstellen ohne noch stärker auf Kosten anderer zu leben und könnte auf weitere 70 friedliche Jahre hoffen.

Chapeau et felicitation!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Reinhardt Gutsche 09.11.2018, 23:23
9. Auch de Gaulle, Mitterand, Chirac und Hollande ehrten Pétain

Zitat: „Für Irritation sorgt Macron auch, als er den späteren Nazi-Kollaborateur Philippe Pétain als "großen Soldaten" des Ersten Weltkriegs bezeichnete. Der Elysee-Palast beeilte sich, klarzustellen, dass eine Ehrung Pétains nicht geplant sei.“

Pétain als „Sieger von Verdun“ zu ehren, ohne damit seinen Verrat 1940 zu vergeben, ist in Frankreich ein alter Hut und keine Erfindung Macrons. Andere Präsidenten vor ihm haben dies mit ähnlichen Worten getan, so etwa General de Gaulle im Mai 1966 zum 50. Jahrestag der Schlacht von Verdun: "Wenn unglücklicherweise der Verschleiß des Alters Maréchal Pétain zu anderer Zeit und im extremen Winter seines Lebens, inmitten maßloser Ereignisse, zu verwerflichem Fehlverhalten führte, so wird der Ruhm, den er sich fünfundzwanzig Jahre zuvor in Verdun erworben hatte und bewahrte, als er die französische Armee zum Sieg führte, vom Vaterland weder bestritten noch mißachtet werden". («Si, par malheur, en d’autres temps, en l’extrême hiver de sa vie, au milieu d’événements excessifs, l’usure de l’âge mena le maréchal Pétain à des défaillances condamnables, la gloire qu’il acquit à Verdun, qu’il avait acquise à Verdun vingt cinq ans auparavant et qu’il garda en conduisant ensuite l’armée française à la victoire ne saurait être contestée ni méconnue par la patrie».)

Später äußerten sich Mittérand, Chirac und Hollande fast wortgleich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 3