Forum: Politik
Präsidentschaftswahl in Russland: Putins Inszenierung
AP

Dass Wladimir Putin noch einmal als Präsident antritt, ist die Nicht-Nachricht der Woche - wäre da nicht das interessante Spektakel, mit der er die Ankündigung inszeniert.

Nordstadtbewohner 07.12.2017, 17:58
1. Wladimir Putin vs. Angela Merkel

"zumal für einen alternden Präsidenten, der faktisch - offiziell sind es weniger - seit 18 Jahren im Amt ist."

Mal so angemerkt: Man schaue sich Angela Merkels Lebensweg an und vergleich ihn mit Wladimir Putin. Merkel ist gerade mal 2 Jahre jünger als Putin und die offiziellen Amtsjahre sind in etwa gleich. Interessanterweise spricht da keiner von einer "alternden Bundeskanzlerin". Auch würde sie, wenn es Neuwahlen geben sollte, 2018 laut eigener Aussage noch einmal kandidieren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
aaaron 07.12.2017, 18:08
2. Und was sagen die Russen zu ihrem Präsidenten?

Im letzten Jahr berichtete Reuters, dass 74 % seine Wiederwahl als Präsident wünschen. Vier Jahre zuvor hätte die Quote noch bei 40 % gelegen.
https://de.reuters.com/article/russland-putin-umfrage-idDEKCN0W51EZ

Aktuell dürfte die Quote wohl eher über 80 % liegen. Warum sollte bei einer solchen Beliebtheit Putin sich also nicht wieder der Wahl stellen?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
HeisseLuft 07.12.2017, 20:33
3. ?

Zitat von aaaron
Im letzten Jahr berichtete Reuters, dass 74 % seine Wiederwahl als Präsident wünschen. Vier Jahre zuvor hätte die Quote noch bei 40 % gelegen. https://de.reuters.com/article/russland-putin-umfrage-idDEKCN0W51EZ Aktuell dürfte die Quote wohl eher über 80 % liegen. Warum sollte bei einer solchen Beliebtheit Putin sich also nicht wieder der Wahl stellen?
Hat doch auch niemand gesagt das er nicht soll. Oder habe ich da was verpasst?

Es ging um das alberne Schauspiel.

Da lobe ich mir doch die relative Langweiligkeit hierzulande.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
DerDifferenzierteBlick 07.12.2017, 22:14
4. Unterschiede: Merkel und Putin! Demokratie?

Zitat von Nordstadtbewohner
"zumal für einen alternden Präsidenten, der faktisch - offiziell sind es weniger - seit 18 Jahren im Amt ist." Mal so angemerkt: Man schaue sich Angela Merkels Lebensweg an und vergleich ihn mit Wladimir Putin. Merkel ist gerade mal 2 Jahre jünger als Putin und die offiziellen Amtsjahre sind in etwa gleich. Interessanterweise spricht da keiner von einer "alternden Bundeskanzlerin". Auch würde sie, wenn es Neuwahlen geben sollte, 2018 laut eigener Aussage noch einmal kandidieren.
Also Putin ist bald 18 und voraussichtlich (die Wahl wird er wohl "knapp" gewinnen) mindestens 24 Jahre an der Macht. Merkel ist aktuell 12 Jahre und voraussichtlich dann in vier Jahren 16 Jahre Kanzlerin.

Putin hat als russischer Präsident zudem sehr viel mehr Macht als eine deutsche Bundeskanzlerin. Im vergleichsweise schwachen russischen Parlament hat "Putins Partei" über 76% der Sitze und bei wichtigen Entscheidungen (Kriegseinsätze etc.) stimmt auch die sogenannte Opposition geschlossen für Putin. (Das müsste man sich mal bei uns vorstellen...) In Deutschland profitiert Merkel von historisch günstiger Wirtschaftslage (für die sie nichts kann, s. andere Beiträge von mir) und trotzdem hat sie bei der Wahl nicht einmal 33% der Stimmen geholt. Putins Zustimmung liegt trotz (selbst verschuldeter) schwerer Wirtschaftskrise (fing schon vor Ölpreisverfall und Sanktionen an) bei über 80%. Fast die kompletten relevanten Medien sind gleichgeschaltet, es gibt keine nennenswerte Opposition, seit Putins Amtsantritt sind mehrere Dutzend unabhängige Journalisten ermordet worden, zudem zahlreiche weitere Regierungskritiker, Oppositionelle etc. NGOs und unabhängige Medien werden entweder massiv unter Druck gesetzt oder komplett verboten usw.

Ich würde daher noch einmal betonen wollen, dass es abgesehen vielleicht vom Alter in meinen Augen durchaus noch ein paar relevante Unterschiede zwischen Putin und Merkel gibt...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Celegorm 07.12.2017, 22:57
5.

Zitat von Nordstadtbewohner
Mal so angemerkt: Man schaue sich Angela Merkels Lebensweg an und vergleich ihn mit Wladimir Putin. Merkel ist gerade mal 2 Jahre jünger als Putin und die offiziellen Amtsjahre sind in etwa gleich. Interessanterweise spricht da keiner von einer "alternden Bundeskanzlerin". Auch würde sie, wenn es Neuwahlen geben sollte, 2018 laut eigener Aussage noch einmal kandidieren.
Also mir schien eher, als wären vor und nun auch nach der Wahl die Analysen und Kommentare voll davon gewesen, dass Merkel nicht von der Macht lassen, keine Nachfolger aufbaut oder zulässt, über den Zenit ist und wie so viele den richtigen Zeitpunkt zum loslassen findet. Durchaus zu recht. Und deshalb ist es umso legitimer, Putin dafür zu kritisieren, insbesondere da sich dieser nicht mal dem Risiko einer Wahlschlappe aussetzt wie Merkel das getan hat, sondern bloss ein quasi-diktatorisches Personenkult-Schauspiel inszeniert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Clara77 09.12.2017, 20:38
6.

Zitat von DerDifferenzierteBlick
Also Putin ist bald 18 und voraussichtlich (die Wahl wird er wohl "knapp" gewinnen) mindestens 24 Jahre an der Macht. Merkel ist aktuell 12 Jahre und voraussichtlich dann in vier Jahren 16 Jahre Kanzlerin. Putin hat als russischer Präsident zudem sehr viel mehr Macht als eine deutsche Bundeskanzlerin. Im vergleichsweise schwachen russischen Parlament hat "Putins Partei" über 76% der Sitze und bei wichtigen Entscheidungen (Kriegseinsätze etc.) stimmt auch die sogenannte Opposition geschlossen für Putin. (Das müsste man sich mal bei uns vorstellen...) In Deutschland profitiert Merkel von historisch günstiger Wirtschaftslage (für die sie nichts kann, s. andere Beiträge von mir) und trotzdem hat sie bei der Wahl nicht einmal 33% der Stimmen geholt. Putins Zustimmung liegt trotz (selbst verschuldeter) schwerer Wirtschaftskrise (fing schon vor Ölpreisverfall und Sanktionen an) bei über 80%. Fast die kompletten relevanten Medien sind gleichgeschaltet, es gibt keine nennenswerte Opposition, seit Putins Amtsantritt sind mehrere Dutzend unabhängige Journalisten ermordet worden, zudem zahlreiche weitere Regierungskritiker, Oppositionelle etc. NGOs und unabhängige Medien werden entweder massiv unter Druck gesetzt oder komplett verboten usw. Ich würde daher noch einmal betonen wollen, dass es abgesehen vielleicht vom Alter in meinen Augen durchaus noch ein paar relevante Unterschiede zwischen Putin und Merkel gibt...
Natürlich gibt es massive Unterschiede zwischen Merkel und Putin. Die sind aber nicht so groß, wie sie sein sollten und das ist, worüber sich hier viele Leute ärgern.
Die Russland-Hetze geht mit einem auffälligen zumindest zeitweise demokratisch ungesunden Phase zusammen.
Eine Opposition, die ernsthaft die Regierung kontrolliert hatten wir zumindest in der letzten Legislaturperiode nicht mehr, sondern oft genug hat die Opposition de facto mitregiert. Der Bundestag wurde zu relevanten Fragen wie der Flüchtlingspolitik überhaupt nicht gefragt, die Euro-Rettung wurde in ein paar Tagen durch das Parlament gepeitscht. Was die Medien betrifft ist das Meinungsspektrum bei uns teilweise sogar geringer, als in den russischen Medien. Und die Inszenierung ist teilweise wirklich eher ähnlich. Teilweise sogar schlimmer. Putin stellt sich kritischen Fragen sogar mehr als Merkel. Natürlich kann man das alles nicht gleichsetzen. Allerdings dient das Russland-Bashing teilweise offenbar auch dazu, sich nicht mit dem eigenen System auseinander setzen zu müssen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren