Forum: Politik
Rassistische Morde in den USA: Die Rache der Vergangenheit
AP

Warum debattiert die US-Gesellschaft erst jetzt ernsthaft über Rassismus? Die Toten von Charleston sind auch die Toten einer Nation, die sich bislang geweigert hat, ihre früheren Fehler aufzuarbeiten.

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Reza Rosenbaum 26.06.2015, 17:03
120. So ein Unsinn!

Ich habe selten einen derartigen Unsinn gelesen, wie in diesem Artikel. Die Nuernberger Prozesse hier als Paradebeispiel fuer Wiederaufarbeitung dunkler Geschichte hinzustellen ist hanebuechen. Eine Aufarbeitung der Nazivergangenheit hat in Deutschland doch nie wirklich stattgefunden. Das haette man natuerlich gerne, den paar Hanseln, die in Nuernberg verurteilt wurden die Schuld fuer die Verbrechen der Nazis aufzubuerden. Aber es gab zehntausende von Taetern in Deutschland. Richter, Polizisten, Verwaltungsangestellte, Banker, Geschaeftsleute, Aerzte, und so weiter. Weniger als 100 wurde der Prozess gemacht.


Selbst bis in die 90er Jahre durften sich alle mit dem Vorwand des Unwissens entschuldigen. Kein einziger Richter wurde je belangt. Und von den ganzen Menschen und Unternehmen, die bis heute von den Enteignungen der Ermordeten und Vetriebenen profitieren, fange ich besser erst gar nicht an. Ein ferner Verwandter von mir hat vor kurzem ein Buch ueber die Profiteure der Judenvertreibung in einer kleinen Stadt im Muensterland geschrieben. Da war aber was los, kann ich Ihnen sagen. Das der nicht geteert und gefedert durch die Stadt getragen wurde, war schon alles...


Genauso unsinnig ist es, den USA gesellschaftlichen Rassismus vorzuwerfen, Einem Land mit einem Afroamerikaner als Praesident. Guter Witz!


Natuerlich gibt es in den USA Rassisten und Nazis. Aber daraus abzuleiten, dass das Land rassistisch waere ist ebenso dumm, wie zu sagen dass alle Deutschen Nazis sind, weil die NSU-Bande mit staatlicher Hilfe jahrelang morden durfte, und es kein vernuenftiges Verfahren gegen braune Terroristen in Deutschland gibt.

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tom-rheker 26.06.2015, 18:08
121. Danke!

Ein wahnsinnig guter Kommentar! Danke.

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BlakesWort 26.06.2015, 19:40
122.

Zitat von jhea
Natürlich werden die Nordstaaten weiterhin - als Hort der Freiheit und des Friedens - immer behaupten es ging um die Sklaven. Macht sich auch PR Technisch besser und ist einfacher zu merken, ist aber nicht korrekt. Die Materie ist ein wenig .... nein viel komplexer ... selbst so komplex dass das was ich da oben schrieb sicher nicht richtig ist. Aber Sklaven waren beiden Seiten ziemlich egal - das waren bestenfalls "Gegenstände", so wie ein Hund heute auch rechtlich ein Gegenstand ist.
Sie schreiben es und nehmen es als Gegenbeweis für die Richtigkeit des Artikels. Ich bezweifle dass viele Amerikaner wirklich wissen, warum der Krieg geführt wurde. Nur ist das eben nicht der Punkt. Farbige in den USA sind vielerorts Bürger zweiter Klasse. Filmtipp hierzu "L.A. Crash" von 2004, der überraschend zum Besten Film gekürt wurde.

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UM Pieper 27.06.2015, 02:29
123. (nicht vorhandene) US- Erinnerungskultur

Zitat von analyse
Die Indianer z.B. wurden von keiner Nation vertrieben und getötet,sondern von eingewanderten Europäern! Die Nation war dann in vielerlei Hinsicht besser als andere Nationen,vollkommen aber nicht und da könnte dann berechtigte Kritik einsetzen !Haben Sie auch Vorschläge für Erinnerungskultur in Japan,Rußland,China und der Kirche ?
Ihr erster Satz gibt exakt das in den USA gepflegte Geschichtsbild wieder: Die Vertreibung und der Völkermord an den Indianern gehen auf Kosten der "European settlers", die Gründung des Staates wurde von den "young Americans" betrieben.

Wieso sollte Herr Feldenkirchen allen Nationen - oder auch nur zwei, drei weiteren - , die Dreck am Stecken haben, Wege zur Erinnerungskultur vorschlagen? Erschließt sich nicht. Mit der nicht vorhandenen bzw. einseitigen/fehlgeleiteten Erinnerungskultur der USA beschäftigt er sich aus Anlaß des neuerlichen rassistisch motivierten Massakers an Schwarzen und der Diskussion um die Südstaatenflagge.
Beides ist wohl Anlaß genug.

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UM Pieper 27.06.2015, 02:55
124. Behauptet auch niemand...

Zitat von deus-Lo-vult
[...] Nur ein Hinweis: Die Sklaverei war EIN Punkt von vielen, warum es zu einem Krieg kam. Und die Sklaverei sollte nicht der Sklaverei Willens aufrecht erhalten werden, sondern dass die Baumwollwirtschaft des Südens nicht zusammenbricht!
Daß die Sklavenhaltung nicht Selbstzweck war, versteht sich ja von selbst. Sklaven, die nichts tun, kosten bloß. Daß sie für einen Zweck schuften, macht es allerdings nicht besser.

Die Sklaverei war der entscheidende Grund für den Krieg zwischen Norden und Süden, denn er stand im Zentrum der Differenzen zwischen beiden.

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UM Pieper 27.06.2015, 04:38
125. Steht gleich unter seinem Kommentar....

Zitat von Treibsand
"Soldaten können noch so "tapfer" gewesen sein, - wenn sie für ein widerliches Anliegen kämpften, setzt man ihnen einfach keine Denkmäler. Es sei denn, man findet diese Anliegen gar nicht so widerlich." [...] haben Sie bzgl. der USA rein gar nichts verstanden und sollten dringend zu Studienzwecken dort hinfahren und ibs. den Süden jenseits der Dixon Mason Line bereisen.
Hr. Feldenkirchen ist bereits da, und das nicht nur zu Studienzwecken. Er ist USA-Korrespondent vom Spiegel in Washington.....

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UM Pieper 27.06.2015, 04:45
126.

Zitat von Treibsand
Vielleicht sind es ja doch die Gene? Afrika hat jedenfalls noch keine Hochkultur hervorgebracht, sieht man mal von Ägypten ab, dessen kulturelle Leistungen via Griechenland und Rom bei uns gelandet sind. Aber so was darf man ja eigentlich nicht mal denken, geschweige denn sagen. Darf man?
Darf man, aber wo ist der Bezug zum Thema?

"noch keine Hochkultur" außer Ägypten - sind Sie sicher? Wie gut wurden Sie in der Schule über Afrika bzw. dessen vorkolonialistische Geschichte informiert?
Daß wir nicht von weiteren Hochkulturen wissen (zählten die Nubier vielleicht noch dazu?), heißt erst mal gar nichts. Höchstens, daß unser Geschichtsunterricht lückenhaft und selektiv ist.

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Jowls Akimbo 27.06.2015, 05:29
127. Erst jetzt ernst debattiert?

Der Herr Feldenkirche spinnt. Das Problem wird schon seit 150 Jahren debattiert. Oder genauer gesagt: die U.S.-Amerikaner setzen solche Verbrechen überwältigend herab--die wirkliche Handlung sowie die rassistische und menschenfeindliche Weltanschauung, die dieser grausamen Untat zugrundeliegt. Diejenige Rassisten, die es immerhin gibt, werden wir wahrscheinlichst nie ganz los.

Es bleibt die Mode in allen anderen Ländern, die historische Misshandlung gegenüber den amerikanischen Ureinwohner zu kritisieren, und zwar nicht ohne Grund. Trotzdem, die USA wurden überwiegend von Kolonisten englischer Herkunft gegründet. Wenn es stattdessen Franzosen, Deutsche, oder Italiener gewesen wären, hätte die Geschichte auch in den kleinsten Einzelheiten anders gelaufen?

Wer fordert noch, dass die Franken sich bei den Gallien entschuldigen? Oder die Englander bei den Walisen und anderen Kelten? Nach wievielen Jahrhunderten darf man endlich aufhören, sich als Landräuber zu schämen?k

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Jowls Akimbo 27.06.2015, 07:33
128.

Zitat von Fuscipes
"Deutschland wird den USA ewig dankbar sein. Dafür, dass sie ihre Soldaten über den Atlantik schickten, um die Nazis zu besiegen. Und dafür, dass sie uns Deutsche zwangen, uns mit den eigenen Verbrechen zu beschäftigen." Ein wenig stört mich der Begriff "ewig", und die Tatsache, dass die Amerikaner mit der Aufarbeitung der eigenen Verbrechen Defizite haben, und dass ich diesen Kommentar unter der Rubrik Politik Deutschland finde…
'...Ein wenig stört mich der Begriff "ewig"'

Mich auch. Denn die USA haben ihre Soldaten über den Atlantik darum geschickt, nicht die deutschen Zivilisten von den Nazis zu retten, sondern ihre Allierten wie Freies Frankreich und Grossbritannien von den Deutschen zu retten.

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dherr 28.06.2015, 17:29
129. Sollte...

Zitat von Jowls Akimbo
'...Ein wenig stört mich der Begriff "ewig"' Mich auch. Denn die USA haben ihre Soldaten über den Atlantik darum geschickt, nicht die deutschen Zivilisten von den Nazis zu retten, sondern ihre Allierten wie Freies Frankreich und Grossbritannien von den Deutschen zu retten.
Deutschland nicht auch Russland ewig dankbar sein für die Befreiung vom Hitlerfaschismus?

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