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Referendum in Katalonien: Sucht endlich den Kompromiss!
AFP

Die hässliche Situation in Katalonien ist das Ergebnis einer Eskalation, die der Katalane Carles Puigdemont und Spaniens Mariano Rajoy zuließen. Statt Dialog setzen beide auf Konfrontation. Das muss sich ändern.

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querollo 01.10.2017, 23:56
1. Danke!

Ein hervorragender von großer Sachkenntnis getragener Artikel.

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Thorsten_Barcelona 01.10.2017, 23:58
2. Da gibt es keinen Kompromiss mehr ...

Rajoy wollte, dass wenige zum Referendum gehen würden, während die Umfragen eine Beteiligung von 63% vorhersagten. Er hatte 12.000 Polizisten um mehr als 2000 Wahllokale zu schließen, ein Ding der Unmöglichkeit. Also, war die Taktik: Ich schließe 100 mit brachialer Gewalt, mit Gummigeschossen und sogar Schlagstockeinsatz gegen Großmütter, und dann rennen die anderen in purer Angst von den Schlangen vor den anderen Wahllokalen. Das typische franquistische Denken. Das funktionierte aber nicht. Die Leute blieben und selbst die eigentlich Nein Stimmen wollten, mögen es sich in diesem Moment anders überlegt haben, als sie auf ihren Handys die Bilder sahen.
Das erklärt auch die Auswahl der Wahllokale, wo die Polizisten eingesetzt wurden. Einige waren kleine Dörfer, zu den kein normaler Mensch ein Räumkommando geschickt hätte. Aber klar, man muss den Terror im gesamten Territorium erzeugen, und deswegen muss man diese Dörfer auswählen.

Ich bin heute den ganzen Tag durch Barcelona gelaufen. Der einzige mögliche Kompromiss wäre vielleicht, und nur vielleicht, das Referendum nochmal mit Zustimmung von Madrid durchzuführen. Aber eigentlich ist die Stimmung: Das war es! Und selbst einige Nein Stimmer, die ich kenne, haben diese Stimmung schon.

Es ist alles sehr irreal ...

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jomateixa 02.10.2017, 00:06
3. Es wurde schon einmal so gehandelt

"Puigdemont und Rajoy dürfen es nicht auf die Spitze treiben. Sie haben beide ihr Durchhaltevermögen bewiesen. Jetzt müssen sie zeigen, dass sie verantwortungsvolle Politiker sind. Und endlich den Kompromiss suchen: zum Beispiel ein neues Autonomiestatut für Katalonien. Wenn sie es nicht alleine hinkriegen, muss die EU vermitteln. "
Es wurde schon einmal so gehandelt und ein neues Autonomiestatut mit Spanischer Regierung genehmigt (PSOE) leider hat dies der PP gestrichen und deswegen sind wir heute in dieser Situation.

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biesi61 02.10.2017, 00:15
4. Die Gewalt ging eindeutig von Madrid aus!

Jetzt in einem Kommentar so zu tun, als seinen beide Seiten an der heutigen Eskalation schuld, ist unseriös. Und es ist sehr traurig, dass die Katalanen angesichts dieser brutalen Gewalt keinerlei Unterstützung aus Brüssel, Berlin oder Paris bekommen.

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Minster 02.10.2017, 00:20
5.

Katalonien hat sich schon immer eine Unabhängigkeit gewünscht, aber es fehlte der Glaube daran, dies irgendwie gegen den Madrider Staatsorgan durchsetzbar wäre.
Da Madrid sich aber auch keine Mühe damit machte den Katalanen irgendwie entgegen zu kommen, war es doch nur eine Frage der Zeit bis der richtige Mann an richtigen Ort die Leute mobilisieren konnte.
Und was tut Rajoy ? Lässt Gewalt für sich sprechen.
Das hat weder Katalonien gewollt noch provoziert, denn die Wahl wäre so oder so nicht akzeptabel gewesen, hätte aber mehr dazu beigetragen, dass sich Madrid mehr mit dem Thema beschäftigen müsste.
Mit der Polizeigewalt ist das nun alles zwangsweise so und jetzt musst Rajoy entgegen kommen, will er Katalonien und die Regierungsfähigkeit nicht verlieren.

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territrades 02.10.2017, 00:25
6. Beidseitige Eskalation

Wie bitte kann von beidseitiger Eskalation die Rede sein, wenn Rajoy friedliche Menschen niederknüppeln und niederschießen lässt, deren einziges "Verbrechen" es ist, einen Zettel in eine Box zu stecken? Das war die einseitigste Gewalteskalation dieses Ausmaßes in Europas jüngerer Geschichte. Aber bei SPON habt ihr ja den Newsticker dann abgeschaltet als die Guardia Civil richtig aufdrehte. Übermorgen wird Puigdemont die Unabhängigkeit verkünden, und nach dieser Show heute werden andere Regionen folgen.

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conillet 02.10.2017, 02:50
7. Sehr guter Artikel .....

..... , der bisher beste hier über das Thema. Das Problem dieses Pseudo-Referendums war von Anfang an seine mangelnde Legitimität, bedingt durch die Illegalität, die für die Nein-Sager das perfekt Argument darstellte, überhaupt nicht mit abzustimmen, wodurch wiederum der klare "Sieg" des Ja ebenso unvermeidlich wie wertlos wurde. Wenn Puigdemont dieses "Resultat" nun tatsächlich benutzt, einseitig die Unabhängigkeit zu erklären, dann hat er endgültig den Verstand verloren. Wäre dieser Mann ein U-Boot der Madrider Zentralregierung, dann hätte er es auch nicht viel schlechter machen können. Was Rajoy betrifft, so sind ihm zwei Dinge wohl ziemlich wurscht: Was die Katalanen von ihm halten (PP ist dort auf Dauer eh nur noch eine Splitterpartei), und ob er im Ausland Ansehen verliert (was natürlich massiv der Fall ist). Das einzige, was ihn interessiert, sind die nächsten spanischen Wahlen, die er sicher wieder gewinnen wird, weil PSOE intern heillos zerstritten ist und Podemos eine Mitte-Links-Allianz weiterhin verlässlich sabotieren wird, so lange der unsägliche Pablo Iglesias dort das Sagen hat. Alles in allem ein trostloses Panorama. Die Bundestagswahlen waren im Vergleich dazu so etwas wie "comic relief"...

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b1964 02.10.2017, 06:01
8. Guter Artikel, guter Appell!

Aber ich bin pessimistisch und befürchte in der Tat eine Entwicklung hin zu ETA oder IRA.
Der Wahnsinn ist, das es auch bei uns in Bayern so Bekloppte gibt, denen ich zutraue eine Separation anzustreben...

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mazzeltov 02.10.2017, 07:03
9. Es heißt ja immer...

... "die spanische Verfassung verbietet eine Abspaltung, sie sieht auch kein Referendum über einen Austritt von Teilen des Landes vor." (siehe u.a. http://www.spiegel.de/politik/ausland/katalonien-90-prozent-stimmten-bei-referendum-fuer-unabhaengigkeit-von-spanien-a-1170872.html).

Richtiger wäre vielleicht zu sagen: Die spanische Zentralregierung unter Führung Rajoys hat keine Möglichkeit vorgesehen, wie Katalonien friedlich und freiwillig Teil der spanischen Republik bleiben kann.

Denn erst mit Zwang und Gewalt wird es so richtig überzeugend demokratisch?

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