Forum: Politik
Superwahljahr 2017: Wie SPIEGEL ONLINE über Umfragen berichtet

Wahlprognosen sind in Verruf geraten. Trotzdem berichtet SPIEGEL ONLINE Woche für Woche über Umfrageergebnisse. Warum wir das machen - und welche Standards dabei gelten.

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RamBo-ZamBo 21.03.2017, 18:48
1. asdf

Klingt für mich wie die Mär vom "besser erklären" die uns die Politiker seit längerem erzählen. Nach dem Motto: Wir haben keine Fehler gemacht, es bleibt alles wie es ist, wir müssen es den Leuten nur besser verkaufen. Die wahre Ursachen für ungenaue Prognosen wurden hier gar nicht thematisiert: Die fortgeschrittene Individualisierung und die Zersplitterung in immer kleinere Milieus, die Diskrepanz zwischen öffentlich vertretener und privater Meinung, sowie die Schnelllebigkeit des politischen Diskurses.

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jh2015 21.03.2017, 18:55
2. Sinnvolle Berichterstattung aber bitte mit Hintergrundinfo

Sicher sinnvoll, ueber die Trends in Wahlumfragen zu berichten. Dabei sollten jedoch ein paar Punkte beachtet werden:1) Berichte nicht ueber einzelne Umfragen , sondern immer vollstaendig im Vergleich aller aktuellen Umfragen, 2) Toleranzbreite herausstellen, 3) Verdeutlichen , ob " aktuelle Stimmungslage" oder "Prognose" des Institutes, 4) Wenn verfuegbar , waere es gut mehr darueber zu erfahren , wie die jeweilige Agentur ihre Justierungen fuer die "Prognose" vornimmt. 5) Deutlich herausstellen , wann die Ufrage durchgefuehrt wurde , da einige erst mit Verzoegerung von bis zu 1 Woche kommuniziert werden. Abschliessend bleibt anzumerken , dass man in Schwankungen zwischen Umfragen innerhalb des Toleranzbereiches doch bitte nicht zuviel hineininterpretieren sollte - auch wenn man eine Schlagzeile braucht.

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nostalghia14 21.03.2017, 19:04
3. Repräsentativ?

Achtung, was heißt hier repräsentativ? In Bezug auf "Menschen in Deutschland" oder doch eher auf Menschen, die online bei SPON mitmachen? Seriöser wäre es, wenn Sie in Ihrem Artikel auch hinzufügen würden, dass sich solche Online-Umfragen von Civey unterscheiden von Telefon- oder Direktbefragungen. Denn bei Onlinebefragungen sind jüngere Menschen über- und ältere Menschen unterrepräsentiert. Und ich mutmaße mal, dass SPON eher links- als rechtsgerichtete Zielgruppen anspricht. Daher wundert es mich nicht, dass die Umfragen von Civey die Zustimmung für Martin Schulz etwas überbewerten.

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Laura.S 21.03.2017, 19:13
4.

Wieso wird trotz angeblicher Transparenz nicht darauf hingewiesen, dass der Gründer und Geschäftsführer Gerrit Richter von Civey vor einigen Jahren den Vorsitz der SPD Main-Taunus innehatte und Mitarbeiter des SPD-Bundestagsabgeordneten Hans Eichel war? So hat das ganze wieder einen faden Beigeschmack..

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auchdasnoch 21.03.2017, 19:30
5. Civey

Grundsätzlich finde ich die Partnerschaft von SPIEGEL online mit Civey ja ganz interessant. Wenn ich das richtig verstehe, wird ja eine nicht-repräsentative Umfrage (nichts anderes ist Civey) durch die Gewichtung der Nutzerdaten in eine repräsentative Umfrage umgerechnet. Es wird sich zeigen (interne Daten liegen bestimmt schon vor), ob man mit dieser Methode zu ähnlichen Ergebnissen kommt wie echte, repräsentative Umfragen.

Allerdings beschleichen mich Zweifel, ob das wirklich so gut funktioniert. Civey ist ja vorselegiert, d.h. es nehmen überproportional Bürgerinnen und Bürger teil, die politisch interessiert sind. Wie man das rausrechnen kann, ist mir schleierhaft.

Außerdem besteht im Prinzip Missbrauchsverdacht: wer danach trachtet, die Umfrageergebnisse zu fälschen, muss wahrscheinlich Nutzerdaten angeben, die dem eigenen Urteil ein höheres Gewicht verleihen. Wenn also der durchschnittliche Civey-Nutzer, sagen wir mal, männlich und 40 ist, dann könnte ein 40-jähriger Mann mit Verzerrungsabsichten angeben, er sei eine 80-jährige Frau. Da dürfte die "Stimme" dann wahrscheinlich 10-mal so viel "wert sein"...

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Thoregon 21.03.2017, 19:33
6. Wieso?

Zitat von Laura.S
Wieso wird trotz angeblicher Transparenz nicht darauf hingewiesen, dass der Gründer und Geschäftsführer Gerrit Richter von Civey vor einigen Jahren den Vorsitz der SPD Main-Taunus innehatte und Mitarbeiter des SPD-Bundestagsabgeordneten Hans Eichel war? So hat das ganze wieder einen faden Beigeschmack..
Steht denn Eichel wieder zur Wahl?
Zum angeblichen faden Beigeschmack: das Ganze ist über acht Jahre her. Wie lange müsste denn jemand warten, damit er keinen faden Beigeschmack bei Ihnen auslöst? 20 Jahre oder 30? Noch länger?

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lupo44 21.03.2017, 19:37
7. offenes Visier ist erwünscht bei jeder Einschätzung....

es ist sicher nicht einfach neutral eine Wahlentscheidung vorher zu deuten sagen wir mal.Aber so ist fest zu stellen in meinen Arbeits und bekanntenkreis ,dass immer mehr Menschen beriet sind die Ähra Merkel ab zu hakken.Man ist einfach dieser Sache überdrüssig.Wer es stattdessen sein soll steht aber immer noch nicht fest.
Nur nicht Merkel!

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k.hand 21.03.2017, 19:38
8. Man schaue

sich nur die jetzigen Umfragewerte zur LTW im Saarland an und vergleicht diese dann mit den Ergebnissen vom kommenden Sonntag. Dann weiß man wieder einmal, welche Maßstäbe gelten.

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DerDifferenzierteBlick 21.03.2017, 19:46
9. Nicht ganz richtig & Umfragen besser als ihr Ruf

1. Wenn eine Partei in einer Umfrage auf 30% kommt und die Unsicherheit bei 3% liegt, dann heißt das nicht, dass der wahre Wert mit absoluter Sicherheit zwischen 27% und 33% liegt, sondern er in der Regel nur mit 95%iger Wahrscheinlichkeit in diesem Bereich liegt. In jeder 20. Umfrage liegen die realen Werte also noch weiter vom genannten Wert weg.

2. Gerade was die US-Wahl angeht ist die Kritik nicht ganz korrekt: Laut Mittelwert der Umfragen der letzten 3 Tage vor der Wahl lag Clinton zwischen 1,5% und 3,2% vor Trump. In der Wahl erhielt sie schließlich 2,1% mehr - also einen Wert der eindeutig in dem erwarteten Bereich lag. Das Problem ist, dass in vielen Bundesstaaten (vor allem im Rust Belt) in den letzten 1-2 Wochen keine Umfragen mehr gemacht wurden, da man davon ausging, dass diese Staaten in demokratischer Hand waren. Allerdings gab es in genau dieser Zeit (siehe Comey, E-Mail-Affäre) eine deutliche Annäherung von Trumps Umfragewerten, die in diesen Staaten nicht geprüft wurde, und tatsächlich hat Trump dann vor allem aufgrund der Gewinne dieser Bundesstaaten gewonnen.

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