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Terror und Mitgefühl: Die vergessenen Toten
DPA

Am 19. Dezember jährt sich der Terroranschlag vom Berliner Breitscheidplatz. Was ist von einer Regierung zu halten, die es bis heute nicht vermocht hat, den Angehörigen der Opfer ihre Anteilnahme zu zeigen?

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mc6206 07.12.2017, 16:07
1. Vielen Dank

Sie sind der einzige Aufrechte im Spiegel. Das Verhalten der Frau Merkel ist erbärmlich.

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olli0816 07.12.2017, 16:07
2. Die Anteilnahme langfristig würde ich nicht überbewerten

Letztendlich ist es doch so, dass die Angehörigen und die Personen, die langfristige oder auch kurzfristige Schäden bei dem Anschlag erleiden, einen Weg finden müssen, wie Sie damit leben können. Was hat es denn für eine großartige Bedeutung, wenn der Bundespräsident oder die Bundeskanzlerin die Standardsätze im Fernsehen verbreitet, alle wären so betroffen?

Viel wichtiger als das ist eine gute Betreuung der Opfer und Angehörigen. Hier auch eine finanzielle Unterstützung, damit sie die finanziellen Einbrüche durch die Krankheit und Genesung etwas abfangen können, möglichst in der Übergangsphase keine Existenzängste haben müssen und bei den Leuten, die für immer arbeitsunfähig werden eine Rente, dass sie durch den Monat kommen können. Gerade die Überlebenden, die schwere lebenslange Schäden davontragen sind die Opfer, die es am schlimmsten erwischt hat. Wenn man bei einem Anschlag stirbt, ist es zwar tragisch, aber es ist für den Betroffenen vorbei. Da sind eher die Angehörigen, die sehr schwer zu leiden haben.

Medienrummel sind für die Opfer überflüssig. Ein Politiker, der die Leute im Krankenhaus besucht, ist zwar gut gemeint und zeigt Empathie, wenn es ernst gemeint ist, aber das ist nur eine kurzfristige Angelegenheit. Langfristige Hilfe wäre für die Opfer sehr viel wünschenswerter.

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Daedalus 07.12.2017, 16:08
3.

Richtig und wichtig, Herr Fleischhauer. Ich habe die vergangenen Jahre immer Frau Merkel als das kleinste Übel angesehen und folgerichtig gewählt. Mittlerweile ändert sich meine Meinung diesbezüglich deutlich.

Eine Regierung, die das eigene Versagen (oder genauer, das Versagen der ihr unterstellten Organe) oder das von ihr nur selten zu beeinflussende Versagen der Bundesländer so behandelt, verfehlt ihre Aufgabe.

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rennflosse 07.12.2017, 16:10
4. Erwartungshaltung

Was will man von Pathologen erwarten? Etwa Menschlichkeit und Mitgefühl? Der Pathologe Mark Beneke, der bei jeder Gelegenheit an die Öffentlichkeit drängt, hat als Chef des Hauses, welches die Rechnungen an die Angehörigen verschickte, an jeglichem Anstand fehlen lassen.
Die Regierung der Stadt Berlin und die Bundesregierung haben es an jeglichem Anstand fehlen lassen. Das trifft auch auf das Führungspersonal einiger Berliner Behörden zu, die teilweise schlicht überfordert sind, nachdem der in den Medien gefeierte Superstar Klaus Wowereit diese hat bis zur Unkenntlichkeit ausbluten lassen.
Das trifft auf den Innensenator und die ihm unterstellte Behörde LKA zu, die sich erdreisteten, Akten zu fälschen um die eigene Unfähigkeit geheim zu halten.
Das Wort Skandal ist angesichts der Opfer hier noch zu harmlos.
Ich schäme mich, in einer Stadt geboren zu sein, in der solches möglich war und auch in Zukunft immer möglich sein wird.

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Planquadrat 07.12.2017, 16:13
5. Das ist doch

immer so, ob bei Katastrophen oder einem solch schrecklichen Verbrechen. Die Politiker stellen sich vor die Kameras und versprechen das Blaue vom Himmel, am nächsten Tag ist alles wieder vergessen und die Opfer bleiben sich selbst überlassen, während man Tätern alle mögliche Maßnahmen zur Seite stellt.

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newline 07.12.2017, 16:13
6. Lieber Herr Fleischhauer,

ich bin oft nicht mit Ihren Kolumnen einverstanden, heute schon. Das Versagen und Wegducken vieler gewählter Vertreter unseres Staates quer durch alle Bereiche und Parteien macht einen nur fassungslos und wütend.

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troka 07.12.2017, 16:24
7. Was einem den Atem raubt...

Was einem den Atem raubt ist nicht die Abwesenheit von Anteilnahme, es ist vor allem das Wissen darum, was man weiß. Man weiß, dass Anis Amri den Behörden, speziell dem Verfassungsschutz, sehr wohl bekannt war, man weiß, dass er von einem V-Mann "betreut" wurde, man weiß, dass es Fingerabdrücke von ihm gab, die ihn identifiziert hätten und damit eine Abschiebung ermöglicht hätten, man weiß, dass er unter den Augen des Verfassungsschutzes (sehr wahrscheinlich mit deren Unterstützung) ein Netzwerk von Radikalisierten aufbaute und als Drogendealer "beschäftigt" war. Man weiß, dass der Verfassungsschutz nicht eingreifen durfte, um eine angebliche Militäraktion der USA in Libyen nicht zu gefährden. Man wusste nach dem Attentat ja auch ganz genau, wo man ihn finden konnte, um ihn in bewährter Geheimdienstmanier hinzurichten. Mit diesem Wissen käme eine Anteilnahme der Behörden grenzenloser und menschenverachtender Heuchelei gleich...Und: warum hat der Spiegel nicht über das Interview von Herrn Ströbele berichtet, das er Anfang der Woche (Dienstag) dem ZDF gegeben hat. Darin kommen diese Dinge zur Sprache. Am selben Abend hat Frontal21 einige dieser Fakten beleuchtet. Wo bleibt hier der investigative Journalismus? Oder möchte sich niemand den Bleistift verbrennen???

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Beauregard 07.12.2017, 16:24
8. Leider....

liest der Herr Fleischhauer wohl nicht die taz. Sonst hätte er in einem Interview vor ca. 2 Wochen nachlesen können, daß sich die bundesregierung hier keineswegs wegduckt und es sich schon gar nicht leicht macht. Aber nicht jeder hat eben Interesse damit in den Medien auf zu tauchen. Es drängt sich der Verdacht auf, als ob für Fleischhauer das Leid der Hinterbliebenen sowieso nur Vehikel ist für seinen latenten Rassismus. Denn wen ich mir aufgrund eines Anschlages durch einen aus dem Ausland stammenden Einzeltäter Gedanken mache " über die Natur der Leute, die man ins Land ließ", dann ist das meiner Meinung nach ganz klar Rassismus übelster Art... Oder muss ich mir aufgrund der Taten des NSU vielleicht grundsätzlich Gedanken machen "über die natur von Leuten, die in Deutschland wohnen"? Da sollte doch auch für einen Salonrechten der Unsinn seiner Äußerungen offenbar werden.

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keine-#-ahnung 07.12.2017, 16:30
9. Mark Beneke ...

Zitat von rennflosse
Was will man von Pathologen erwarten? Etwa Menschlichkeit und Mitgefühl? Der Pathologe Mark Beneke, der bei jeder Gelegenheit an die Öffentlichkeit drängt, hat als Chef des Hauses, welches die Rechnungen an die Angehörigen verschickte, an jeglichem Anstand fehlen lassen. Die Regierung der Stadt Berlin und die Bundesregierung haben es an jeglichem Anstand fehlen lassen. Das trifft auch auf das Führungspersonal einiger Berliner Behörden zu, die teilweise schlicht überfordert sind, nachdem der in den Medien gefeierte Superstar Klaus Wowereit diese hat bis zur Unkenntlichkeit ausbluten lassen. Das trifft auf den Innensenator und die ihm unterstellte Behörde LKA zu, die sich erdreisteten, Akten zu fälschen um die eigene Unfähigkeit geheim zu halten. Das Wort Skandal ist angesichts der Opfer hier noch zu harmlos. Ich schäme mich, in einer Stadt geboren zu sein, in der solches möglich war und auch in Zukunft immer möglich sein wird.
... ist weder Pathologe noch Chef des Pathologischens Instituts der Charite.
"Diese Toten kommen der Politik einfach ungelegen."
Kann man unkommentiert so stehen lassen, die Kolumne war das Beste, was ich in den letzten 3 Jahren in SPIEGEL oder SPON gelesen habe. Danke!

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