Forum: Politik
Varoufakis' Berlin-Besuch: Zu Gast bei Freunden
AFP

Bei den Euro-Lenkern ist er unten durch. Jetzt stellte sich Gianis Varoufakis in Berlin dem deutschen Publikum. Das begegnete dem griechischen Finanzminister nahezu ehrfürchtig. Bis ein Mann von der CDU aufstand.

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nemediah 09.06.2015, 00:06
1. Überzeugungsarbeit

Wenn ich nur vor dem Publikum spreche, das mich ohnehin beklatscht, habe ich weder etwas aus meinen Fehlern gelernt noch die Leute überzeugt, die mich nicht beklatschen.

Seinem Ego tut so ein Abend mit Sicherheit gut. Dem Volk, das er vertritt, bringt er wenig bis gar nichts.

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derdesillusionierte 09.06.2015, 00:20
2. Der Artikel

kritisiert Varoufakis rein formell und konzentriert sich auf politische Plänkeleien, der wichtigste Aspekt, die soziookönomischen Ursachen der Krise, die Varoufakis analysiert, werden unter "dozieren" abgehakt. Das Ganze impliziert, dass es keinen Zweifel mehr an der Richtigkeit der Varoufakis-Analyse zweifelt, doch da das subversive Potenzial nicht zu dulden ist, werden die Ideen unter einem Haufen formellen Drecks versteckt.

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*Travelyunkie* 09.06.2015, 00:23
3. Varoufakis ist gegen alles, aber für weitere finanzielle Unterstützung Griechenlands ...

Hallo Herr Varoufakis, warum werden reiche Griechen anscheinend nicht besteuert? Aus der Schweiz kamen Angebote die griechische Regierung beim einziehen der Steuern auf die in der Schweiz angelegten griechischen Vermögen zu unterstützen - jedoch wurde das Angebot anscheinend nicht angenommen.

Anscheinend werden in Griechenland kaum Steuern gezahlt. Dann fehlt natürlich Geld für Ausgaben.
Dieses fehlende Geld kann nicht auf Dauer von anderen Ländern gezahlt werden, auch (und gerade) wenn alle gemeinsam in der EU und dem Euro sind.

Das ist nicht nur den Deutschen nicht zuzumuten. Nein, auch andere EU-Länder leiden unter hoher (Jugend-)Arbeitslosigkeit, einem schrumpfenden Bruttoinlandsprodukt, stagnierender Wirtschaft, bröckelnder Infrastruktur (auch und gerade in Deutschland), (in naher Zukunft) kollabierenden Sozialen Systemen, steigenden Gebühren, Lohn- und Rentenkürzungen sowie Steuererhöhungen, und unkontrollierter illegaler Armutsmigration.

Es wird Zeit erwachsen zu werden und zu verstehen, dass man Geld erst verdienen muss bevor man es ausgeben kann. Und, dass man auch nur soviel ausgeben kann, wie man vorher verdient hat.

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gerasimos 09.06.2015, 01:06
4. Ende der demokratischen Diktatur

Vielleicht sollte Europa mal etwas genauer hinhören, was die neue Regierung in Griechenland zu Verkünden hat.
Aus diesem innovatievem Land das die Ursprüngliche Demokratie hervorgebracht und gelebt hat, könnte eine neue Form des miteinander. Entstehen.
Die heutige Demokratie ist mittlerweile ein auslaufmodell. Zu manipuliert und von einer Hand voll Leuten lenkbar.

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arrache-coeur 09.06.2015, 01:19
5.

"Als er mit dem Grexit droht und sagt, der würde als Versagen der gesamten politischen Klasse, von Athen bis zu Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Finanzminister Wolfgang Schäuble wahrgenommen, klatscht das Publikum laut." - Au weia. So weit ist es also schon. Richtig sollte der Satz heissen: "Der Grexit würde als Versagen der gesamten politischen Klasse von Athen wahrgenommen." Dann wird ein Schuh draus.

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Josephk76 09.06.2015, 01:25
6. Dozent

Ich mag den Habitus von Varoufakis auch nicht, aber seine sachliche Analyse sollte man in den Medien ernst nehmen und nicht mit einem " doziert" abtun. Die Zusammenhänge sind kompliziert, und der ehemalige Wirtschaftsprofessor hat eine andere Sicht der Dinge, von der zwei sind, dass Deutschland natürlich vom Euro und der Krise profitiert und die Austeritätspolitik gescheitert ist.
Sinn des Treffens war auch, die Argumente des anderen zu hören und zu respektieren. Davon ist in diesem Artikel leider wenig von zu spüren.

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am68 09.06.2015, 02:53
7. Mangelnde Qualität der Berichterstattung von Spiegel Online

Die fast dreistündige Konferenz habe ich live verfolgen können. Leider beweist ihr Artikel einmal mehr, warum Tagungen wie die heutige in Berlin für die Demokratie in Europa unersetzlich sind: aufgrund der einseitigen und unvollständigen Berichterstattung wie der ihrigen!
1. Bzgl. der Reaktion auf die Fragen von Herrn Willsch beschränken Sie sich in tendenziöser Weise auf die Beschreibung der Reaktion des Publikums. An dieser Stelle hätten Sie aber auch auf die exzellente Antwort von Herrn Prof. Dr. Y. Varoufakis hinweisen müssen, welche wichtige Gemeinsamkeiten bei den Standpunkten der beiden Personen deutlich gemacht hat: z.B. die Ablehnung der Hilfsprogramme (in der bekannten Form) in den Jahren 2010 und 2013. Auch ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass die Partei Syriza nicht für die in den Jahren 2010-2014 gemachten Schulden (in Höhe von 175% des BIP) verantwortlich ist, sondern leider die Schwester-Partei der CDU in Griechenland!
2. Ihre Aussage, Herr Varoufakis sei von seinem Premier Alexis Tsipras an die Seitenlinie verbannt worden, entspricht offensichtlich nicht den Tatsachen. Offensichtlich kopieren Sie hier die tendenziöse Berichterstattung der anderen Leitmedien. Der Grund für den Umbau des Verhandlungsteams wurde offiziell durch den Pressesprecher der griechischen Regierung mitgeteilt - bitte lesen Sie diese Mitteilung noch einmal nach (den Link kann ich Ihnen zukommen lassen). Herr Juncker hat vor drei Tagen zum Ausdruck gebracht, dass Herr Varoufakis im Verwandlungsprozess derzeit „nicht hilfreich sei“. Wenn ein Minister, wie Sie schreiben, an die Seitenlinie verbannt worden sei, wieso kann er dann noch ein "Hindernis" sein? Sehen Sie den Widerspruch? Herr Tsipras, Herr Tsakalotos und Herr Varoufakis sprechen seit Februar uneingeschränkt dieselbe Sprache, wie auch die jüngsten von Ihnen beschriebenen Ereignisse deutlich beweisen.
3. Sie erläutern nicht, warum auch Athen irritiert ist: Auch Herr Tsipras wartet noch immer auf eine Antwort von Herrn Juncker bzgl. letzten Vorschlages (siehe das 47-seitige auf ekathimerini.com geleakte Dokument).
4. Es wäre korrekter gewesen, auch Titel und derzeitige Position von Frau Prof. Dr. Gesine Schwan anzugeben, damit sich der Leser ein Bild von der Qualifikation der weiteren Podiumsteilnehmer machen kann.

(weiter im folgenden Kommentar)

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am68 09.06.2015, 02:54
8. .. Fortsetzung

5. Der Vorschlag einer "Speech of Hope" mag jeden von uns zunächst irritieren. Aber, reisen Sie nach Griechenland, machen Sie sich dort selber ein Bild. Ein solcher Schritt der Kanzlerin würde mit Sicherheit eine neue Ära einleiten und den Menschen dort wieder Mut machen (und somit der jetzigen Regierung die notwendige Unterstützung seitens der griechischen Bevölkerung für die kommenden schmerzhaften Reformen sichern).
6. Danach schreiben Sie, Herr Varoufakis „doziere“. Ja, so ist das nun mal bei einer Keynote in einer Tagung zur Finanzkrise. Leider hat es sich in der deutschen Presse eingebürgert, dass die Vorträge von Herr Varoufakis immer wieder auf diese subtile Weise abgewertet werden. Herr Varoufakis wird leider solange „weiterdozieren“ müssen, bis die deutschen Leitmedien endlich anfangen, objektiver, differenzierter und vollständiger zu berichten.
7. Dann sprechen Sie die Aussagen des Herrn Juncker an, welche dieser anlässlich einer PK am Rande des G7 gemacht hat. Ohne Zweifel sehr wichtig. Nur, wenn Sie selber sagen, Herr Varoufakis spiele in der Politik in Athen kaum noch eine Rolle, wieso erwarten Sie dann plötzlich hier eine informierte Aussage von ihm? Ich denke, dass Herr Tsipras und Herr Varoufakis aus den Verhandlungen der vergangenen Jahre mit den Politikern der Troika und der EU gelernt haben: nur schriftliche Angebote haben einen Verhandlungswert. Herr Juncker aber bezieht sich auf persönliche mündliche Zusagen. Zwei griechische Regierungen mussten seit 2010 „einpacken“, weil sich der jeweilige griechische Ministerpräsident in den Verhandlungen zunächst auf mündliche Zusagen verlassen hatte und diese anschließend seitens der EU nicht eingehalten worden waren. Außerdem steht noch Junckers Antwort auf den erwähnten griechischen Entwurf aus (worauf ekathimerini.com treffend hinweist).
8. Sie schreiben, "worüber er (Herr Varoufakis) wenig redet“, seien konkrete Reformpläne, „die die Troika verlangt“. Sorry, der geleakte Entwurf des griechischen Teams ist bzgl. der Reformen sehr weitreichend und detailliert. Auch haben Sie offensichtlich nicht die diversen Konferenzen und Interviews des Herrn Varoufakis verfolgt. Z.B. gab er am 07.05.2015 im Rahmen des WDR Europaforums ein fast zweistündiges Interview, in welchem er sehr detailliert auf die Reformpläne eingeht (auch diesen Link kann ich Ihnen zusenden). Es ist allgemein bekannt, dass über die Notwendigkeit von Reformen in allen Bereichen Einigkeit herrscht. Uneinigkeit herrscht über verschiedene Details dieser Reformen. Hätten Sie der Keynote von Herrn Varoufakis und der anschließenden Diskussion genauer zugehört, dann hätten Sie über die zahlreichen, detaillierten Informationen zu den Reformen in Ihrem Artikel schreiben können

(... Ende des Kommentares folgt)

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am68 09.06.2015, 02:55
9. ... Fortsetzung und Ende

9. Sie schreiben bzgl. des Treffens mit FinMin Dr. Schäuble: "Was wohl auch heißt, man hat noch kein gemeinsames Verständnis der Lösung." Natürlich nicht. Beide Minister gehören unterschiedlichen "Schulen" an. Herr Schäuble vertritt die sog. "Austerität", während FinMin Varoufakis einen anderen Ansatz vertritt (Ansatz, welcher mittlerweile von unzähligen renommierten Wirtschaftswissenschaftlern und mehreren Nobelpreisträgern aktiv unterstützt wird). Darauf hätten Sie hinweisen können.
10. usw.
Insgesamt ist Ihr Artikel unglaublich schlecht recherchiert, oberflächlich, unvollständig, einseitig und zum Teil leider auch tendenziös. Durch das Weglassen bestimmter wichtiger Informationen vermitteln Sie ein verzerrtes Bild von der Tagung und dem Stand der Verhandlungen. Von „Spiegel Online“ erwarte ich eigentlich eine höhere Qualität, vor allem wenn es um eine Krise geht, welche so vielen Menschen Leid und Armut bringt (muss ich Ihnen die genauen Zahlen für Griechenland wiederholen?) Herr Varoufakis hat diese in den letzten 5 Monaten doch so häufig "doziert"!
Andreas Meyer, Marseille

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