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Verfassungsänderung in China: "Die westliche Elite war fehlgeleitet"
ETIENNE OLIVEAU/ POOL/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Chinas Staatschef Xi kann nach der Verfassungsänderung bis an sein Lebensende regieren. Wie soll der Westen reagieren?

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makromizer 13.03.2018, 12:53
1.

Ist es überhaupt relevant, ob man das Ganze nun als Autokratie oder als Diktatur bezeichnet? So lange der Volkskongress keinerlei demokratische Legitimation hat, ist es doch gehüpft wie gesprungen, wen die an die Spitze wählen. In beiden Fällen basieren Korrekturfaktoren durch Kontrolle und Erneuerung einzig auf einem vom Volk entkoppelten System.

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Fuxx81 13.03.2018, 12:55
2. Wie naiv kann man sein?

Zitat von
Die folgte der klassischen westlichen Modernisierungstheorie, die davon ausgeht, dass hochentwickelter Kapitalismus zwangsläufig zu einer Demokratie führen muss
Bestätigt mich mal wieder in meiner Meinung, dass Ökonomie bestenfalls eine Pseudowissenschaft ist. Ich habe nie verstanden, wieso man einem autoritären Staat derart den Hintern pudert.

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SPONU 13.03.2018, 13:03
3. Einerseits Hochtechnologie

...die mehrheitlich den Köpfen freier und kreativer Forscher in Europa entsprang, die zudem ohne Angst vor dem wirtschaftlichen Bankrott auf allen Gebieten herausragendes leisten. Deren Kompetenz überwiegend durch ein kostenloses Bildungssystem gefördert und geformt wurde. Das schöpft China nun ab. Ungehindert.
Andererseits Zugang zu natürlichen Resourcen. China sichert sich schon seit Jahrzehnten wichtige Zugänge zu Bodenschätzen und fruchtbarem Ackerland, hauptsächlich auf dem afrikanischen Kontinent. Womit? Geld, sanftem Druck und knallharter Ignoranz von Menschenrechten vorort.

Während sich die EU an kleingeistigem Gezänke und Ueberregulierungen in selbst entfernteste Lebensbereiche ergeht und sich obendrein in der sehr sehr sehr teuren Rolle des Samariters für die Verfolgten aller Welt gefällt, so überholt uns China links und rechts. Der Einkauf bei Daimler ist nur die Spitze eines immer grösser werdenden Eisbergs (siehe Immobilieninvestitionen bzw. Einkäufe bei KMUs).
Statt die EU derart massiv zu entschlacken dass der EU Wirtschaftsraum mit sinnvollen und zweckmässigen Harmonisierungen einen schlagkräftigen Gegenpol zwischen den Giganten USA und China bilden kann, so hat der Brüsseler Moloch nur seine Selbsterhaltung im Sinn.
Lernt Mandarin, liebe Foristen. In ein, zwei Generationen werdet Ihr es brauchen um Euren neuen Chef im Nähwerk verstehen zu können.

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oli_tf 13.03.2018, 13:10
4. fehlgeleitet, aber nicht nur in Sachen China

Wie viel spanische Staatsanleihen hat China gekauft, damit chinesische "Bazare" (Mega-Ramschwarenläden) kaum Steuern zahlen, nicht von den verschiedensten Behörden auf Einhaltung der Gesetze geprüft werden?
Das ist nur ein weiteres Detail für die Abhängigkeit, in die sich Teile von Europa begeben. Money makes the world go round!
Die Chinesen spielen auf Zeit, mit fast unendlichem budget. Und modernsten Mitteln zur Individualüberwachung.
Schaffen die demokratischen Instututionen nicht das Wahlvolk zu überzeugen, dann wird der Populismus wachsen. Sachen, wie die Ernennungen in EU-Brüssel, der Umgang in diesem Land mit Eigentümern von Diesel-KFZ usw. zeigen, das wo viele Köche kochen nicht umbedingt das Essen besser ist oder schneller fertig wird. Viele wünschen sich, das diese "Eliten" mal eine auf den Sack bekommen. Das ist Nährboden für Schlimmes! Und selbst-verschuldet.

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m.p 13.03.2018, 13:11
5. Wenn es den Menschen in China Mitte des Jahrhunderts besser geht ...

Wenn es den Menschen in China Mitte des Jahrhunderts besser geht, als vielen Menschen in Demokratien (z.B. in Indien), dann sollte man vielleicht daran zweifeln, ob Demokratie wirklich die beste aller Gesellschaftsformen darstellt. Nicht ohne Grund war auch Platon ein Gegner der Demokratie - für ihn war die beste Gesellschaftsform eine Gesellschaft, in der die besten regieren und nicht die, die die besten reden halten können.
Ich jedenfalls glaube daran, dass gerade die Diktatur der Partei den Aufschwung des Landes ermöglicht hat. Gerade indem man Einzelinteressen hinter die Interessen des gesamten Volkes gestellt hat, konnte man so eine Entwicklung realisieren, wie sie China vollzogen hat. Schaut man auf die Entwicklung des demokratischen Indiens in der gleichen Zeit, so sieht man, dass Demokratie durchaus ein Hindernis für das Wohlergehen des Volkes sein kann.

China hat das Ziel des Kommunismus nie aufgeben. Man hat das aber den Westen glauben lassen, um so einen guten Zugang zu den Märkten zu erhalten, um dadurch die eigene Wirtschaft stark zu machen. In China hat man verstanden, dass der Kommunismus nur mit einer extrem starken Wirtschaft möglich ist.
Mitte des Jahrhunderts, mit Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und einem enormen Grad der Automatisierung wird Kommunismus möglich werden. Und dann wird der Kapitalismus nicht mehr funktionieren - oder zumindest nicht mehr gerecht sein. Denn dann arbeiten Maschinen - die Kapitalisten besitzen diese Produktionsmittel und für große Teile der Bevölkerung bleibt nur das Betteln um Krümel des Kuchens.

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Bondurant 13.03.2018, 13:13
6. Nicht nur in diesem Fall

... Die Annahme, China würde sich mit politischer Einbindung und wirtschaftlichem Erfolg öffnen und sich demokratisieren, hat sich als falsch erwiesen.
...
Das war in der Tat eine überoptimistische und fehlgeleitete Annahme westlicher Eliten.


irrten unsere politisch Verantwortlichen. Die Grundannahme, eigentlich wollten alle Menschen gern so leben wie "wir" sollte mal einer kritischen Überprüfung unterzogen werden.

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markus_wienken 13.03.2018, 13:22
7.

Zitat von m.p
Wenn es den Menschen in China Mitte des Jahrhunderts besser geht, als vielen Menschen in Demokratien (z.B. in Indien), dann sollte man vielleicht daran zweifeln, ob Demokratie wirklich die beste aller Gesellschaftsformen darstellt. Nicht ohne Grund war auch Platon ein Gegner der Demokratie - für ihn war die beste Gesellschaftsform eine Gesellschaft, in der die besten regieren und nicht die, die die besten reden halten können. Ich jedenfalls glaube......
Nein, Indien ist keine Demokratie.
Ein Land mit einem religiösen unmenschlichen Kastenwesen und ein Land, in welchem jährlich über 1Mio. Kinder an Unterernährung sterben, dem spreche ich jede demokratische Legitimation ab.
Was China angeht, ich sehe die jetzige Entwicklung mit großer Sorge. Ja, solange die Führungsrige/der Führer/Vorsitzende vernünftige Politik macht, kann und wird es zum Wohl des Landes sein, keine Frage.
Die Gefahr besteht darin, dass irgendwann ein nicht so vernünftiger Mensch an die Macht kommt und dieser kann das Land schneller und gründlicher und langfristiger ruinieren als es eine Demokratie mit schlechter Regierung jemals könnte.

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made1973 13.03.2018, 13:24
8. Das hat sich schon lange angekündigt ...

www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/china-elektrofirma-uebernimmt-kuka-zu-knapp-95-prozent-a-1106634.html

Und die deutsche Regierung als auch die europäische Kommission schauen tatenlos zu. So verschwinden nach und nach die Schlüsseltechnologien nach China. Mittlerweile sind auch genug chinesische Ingenieure bei uns ausgebildet worden, um die Daten zu interpretieren und weiter zu entwickeln.

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unky 13.03.2018, 13:54
9. Tolle Wissenschaft

Bennerzitat: "Daraus leitete man ab, dass wirtschaftliche Prosperität in einem Einparteienstaat nicht zu haben ist und dass sich die Bevölkerung mit zunehmendem Wohlstand demokratische Grundrechte erkämpfen würde."
Keine Theorie ist zu weltfremd, als das sie nicht von Politökonomen in die Welt gesetzt werden würde. Ein Blick rund um den Erdball hätte schon gereicht, um es besser zu wissen.
Und im Übrigen ist es schon verwunderlich, dass die Einhaltung von Menschenrechten und demokratischen Spielregeln immer nur von China oder Russland gefordet wird. Was ist mit Saudi-Arabien, der Türkei - die gerade einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen in Syrien lebende Kurden führt - oder Indien mit seinem Kastenwesen? Es geht doch den westlichen Politikern nicht wirklich um die Menschen in den kritisierten Ländern, sondern nur um wirtschaftliche und politische Einflußsphären und Rohstoffe. Was macht eigentlich der Demokrat Poroschenko in der Ukraine? Warum wird von dort nichts über die Entwicklung der Demokratie und Wirtschaft berichtet?

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