Forum: Politik
Wahl in Schweden: "Die Suche nach einer Nationalkultur führt zu Ausgrenzung"
DPA

Nach der Wahl in Schweden stehen die Rechtspopulisten im Fokus. Der Soziologe Joakim Palme, Sohn des ermordeten Ministerpräsidenten Olof Palme, sieht die Regierungsbildung als heiklen "politischen Test".

quark2@mailinator.com 11.09.2018, 19:12
1.

Ein interessantes Experiment. Überall auf der Welt definieren sich Menschen über ihre nationale Identität. "Ich bin Mexikaner" oder "Ich bin Japaner" ... wird normalerweise mit einem gewissen Stolz ausgesprochen, aber selbst wenn jemand es eher selbstabwertend sagt, weil er sein Land kritisch sieht, wird es ihm dennoch einen Stich versetzen, wenn ein Ausländer zustimmt - "right or wrong - my country" ... und wir versuchen nun in der EU, genau das irgendwie wegzudefinieren. Nationale Identität soll etwas Fragwürdiges sein, etwas worauf man verzichten kann und das nur Probleme macht. Aber schon innerhalb DEs stärkt man die Bundesländeritis, mal geht es gegen Bayern, mal gegen Sachsen, Badenser und Schwaben haben sich sogar innerhalb eines Bundeslands besonders lieb, usw. ... Tut mir leid, aber ich bin überzeugt, daß Menschen ein Bedürfnis nach Heimat und Zugehörigkeit haben und das wird man aus meiner Sicht nicht per Dekret nach Brüssel und Europa verlagern können. Die Lösung bestünde mMn. weniger darin, die Völker zu mischen, in der Hoffnung, daß sie sich irgenwann selbst nicht mehr erkennen, sondern eher darin, untereinander tolerant und großzügig zu sein, statt die ewige Konkurenz um den Platz an der Sonne weiter zu verfolgen. D.h. anerkennen, daß man nicht ein Volk ist, sondern dahin zu kommen, daß es allen Völkern in Europa gut geht. Und damit meine ich nicht statistisch, sondern faktisch und von den Menschen auch so wahrgenommen. Dazu müßte als erstes das Angstlevel reduziert werden (wie hier bei SPON letzte Woche angesprochen), auch wenn das ja so wunderbar taugt, die Leute fleißig und politisch stumm zu machen (nur wer Zeit und Muße hat, wird politisch positiv tätig werden können, wer Angst hat, wird wohl eher arbeiten oder Ablenkung suchen). Insofern - Schweden ist überall.

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kpkuenkele 11.09.2018, 19:18
2. Wie erfolgreich ist das Erfolgsrezept?

Die Unruhen, Schießereien, Brandanschläge und Bandenkriege in den Südschwedischen Großstädten sind ja keine Folge der jüngsten Einwanderungswelle. Die Täter sind Migranten der 2. Generation, also die Folgen des sozialdemokratischen Erfolgsrezepts von Olof Palme.

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achterhoeker 11.09.2018, 19:35
3. Ausgrenzung

Die Bayern haben eine Nationalkultur die mich ausgrenzt. Ich möchte nicht in Krachlederner rumhopsen und meine Frauen nicht ihren Balkon zur Schau stellen. Deswegen f?hle ich mich aber nicht ausgegrenzt. Ich gönne ihnen das und erfreue mich in Bayern an deren Eigenheiten.
Und mit anderer Völker Nationalkultur hat Schweden ja reiche Erfahrung. Da an erster Stelle deren Umgang mit den Sami. Zwangschristianisierung, Verbot und Bekämpfung der Kultur und der Sprache bis in die Neuzeit. Landraub und Umweltzerstörung in den historischen Siedlungsgebieten der Sami.

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j.ogniewski 11.09.2018, 20:19
4. Das Problem in Schweden...

...ist genau dasselbe wie in den meisten anderen Ländern. Die gesellschaftlichen Unterschiede vergrössern sich. Und die Sozialdemokraten machen längst keine Politik mehr, die die sozial Schwachen in den Vordergrund stellt, sondern eher eine die gutverdienenden Städtern nützt. Was wir bräuchten wäre eine Rückkehr der Sozialdemokratischen Parteien zu ihren Wurzeln. Dann klappts auch wieder mit dem Wahlresultat.

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Newspeak 11.09.2018, 21:13
5. ....

@#1

"Nationale Identität soll etwas Fragwürdiges sein, etwas worauf man verzichten kann und das nur Probleme macht."

Wie viele hundert Millionen Tote, die auf das Konto von Nationalismus gehen, seit der Idee der Nation im 18. Jahrhundert, brauchen Sie? Es dürften allein im 20. Jahrhundert mindestens 200 Millionen sein. Umgebracht von ihrer eigenen Nation oder in Kriegen zwischen den Nationen.

Nationalität ist Zufall. Nichts, worauf man stolz sein kann, noch muss. Nichts, was einen zu einem besseren Menschen macht, der sich über andere erheben kann. Nichts, was friedliches Zusammenleben fördert.

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