Forum: Politik Winzerprotest in Berlin: Kampftrinken gegen Kurt Beck
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Der Protest von Winzern gegen den Bau einer Mosel-Hochbrücke hat Berlin erreicht. Britische Weinkritiker und eine schwarz-grüne Allianz von Politikern und Publizisten trafen sich zum Kampftrinken in einem China-Restaurant. Als Hauptfeind wurde die SPD-Landesregierung in Mainz ausgemacht. zum Artikel Antworten
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#41 16.04.2010, 20:07 von Treverer

Edikt von Christian II, Kurfürst von Sachsen aus dem Jahr 1604

Zitat von mzbi
Vorsicht: Der Satz "Wo ein Pflug kann gehen darf kein Weinstock stehen " ist zwar schon älter, aber er wurde sich auch von dem Reichsnährstand, im Rahmen der Erzeugungsschlacht während der dunklen 12 Jahre zu eigen gemacht. Diese Bauernregel hat schon einen wahren Hintergrund, aber bedingt durch die NS Propaganda eine leicht braune Färbung, könnte manchem vielleicht sauer aufstossen, so wie Eva Herrmans Autobahnvergleich.
Hab mal ein wenig gegoogelt und bereits beim dritten Treffer folgende Quelle für „Wo ein Pflug kann gehen, soll kein Weinstock stehen“ gefunden:

http://kirchgemeinde-zadel.de/wein.php

„………Erst Christian II. ließ 1604 die ersten terrassierten Weinberge bei Cossebaude mit Trockenmauern anlegen, so dass der Wein nun auch an den steilen Abhangböschungen angebaut werden konnte. Der günstige Einstrahlwinkel der Sonne und die Wärmespeicherung durch die Steinmauern verbesserten die Qualität des Weins.

Bereits im 17. Jahrhundert hatten die Bauern allerdings erkannt, das sich der Luxusartikel "Wein" zu besseren Preisen vermarkten ließ, als herkömmliche Feldfrüchte. So kam es in der Region zu einer Überbesetzung der Fluren mit Weinstöcken. Das Edikt Christian II. in 1604 lautete daher folgerichtig wörtlich: "Wo ein Pflug kann gehen, soll kein Weinstock stehen." Insofern wurde eine Regulierung der Landwirtschaft vorgenommen und der Anbau der Weinstöcke auf die oberen Lagen verschoben. Freilich erhöhte sich dadurch die Qualität zu Ungunsten der Quantität, was durch den Erlass auch gewollt war und die Versorgung mit der Ernährung dienenden Feldfrüchten wieder in ein sinnvolles Maß brachte. „

Text nach Frau Ursula Liebau, Pfarrerin i.R., Meißen

Der Reichsnährstand hat auf anscheinend aus dem 17. Jahrhundert stammende Vorschrift übernommen. Evtl. hat der Reichsnährstand auch mal das Reinheitsgebot beim Bier zitiert bzw. zur Anwendung vorgeschrieben. Darf man das Reinheitsgebot nun auch nicht mehr zitieren, weil das Reinheitsgebot von den Nazis zitiert wurde. Hoffentlich haben die Nazis nicht den Satz des Pythagoras oder andere wichtige Sätze aus der Mathematik zitiert, dann haben wir in der Mathematik ein großes Problem.

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#42 17.04.2010, 00:44 von mzbi

Wein Wein ich muss weinen

Das hier nur über Wein diskutiert wird, zeigt ja auf aus welcher Lobby der Protest kommt.
Der Landkreis hat 112.000 Einwohner, und gerade mal 2400 haben gegen die Brücke votiert.
Die Landrätin (CDU) steht einträchtig mit dem politischen Gegner zu dem Projekt.
Das deutet doch darauf hin das in der Bevölkerung eine stillschweigende Zustimmung für das Projekt herrscht. Wäre es anders müsste der Landrat ja von einer anderen Partei gestellt werden, nicht von der SPD, und wohl auch nicht von der CDU, oder der FDP, den war es nicht der Brüderle der vorher Hering Zuständigkeiten hatte, Zeit für eine Abwahl wäre ja lange genug gewesen.
Da hier immer nur links von den Weinliebhaber gelistet werden, möchte ich auch mal die offizielle Erklärung der Landeregierung RLP anfügen, in welcher auch Stellung zu den Themen genommen wird, die hier als Argumente gegen gegen die Brücke aufgeführt werden, wie zum Beispiel der Wasserhaushalt:

http://www.rlp.de/no_cache/aktuelles...her-bedeutung/


Desweiteren werden hier auch Gründe genannt, wie die "beste Weinbauregion die optimalsten Bedingungen" usw, das behauptet
doch jede Weinbauregion in Deutschland für sich, das sind Marketingsprüche.

Wenn ich irgendwann mal
2016 über die Brücke fahre erinnere ich mich bestimmt kurz an die Diskussion, und bin froh das ich nicht unten durchs Tal gurken muss.

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#43 17.04.2010, 15:43 von Treverer

Auch ich muss weinen!

Bei den Eifelern und Hunsrückern kann ich ja noch halbwegs verstehen, dass man sich nicht für die Mosel einsetzt und sich in der Brücke einen kleinen verkehrsstrategischen Vorteil, vor allem Wittlich und Morbach, auf Kosten der ungeliebten Moselaner verhofft. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der vieztrinkenden Eifeler, der biertrinkenden Hunsrücker und der Wein trinkenden Moselaner ist naturgemäß nicht besonders groß, da die Mosel nicht nur geographisch sondern auch die Mentalitäten getrennt hat. Nicht selten ist das Verhältnis der Hunsrücker und Moselaner von Neid und Missgunst geprägt, was sich auch in Witzen (z.B. die Monzelfelderwitze in Anlehnung an die Ostfriesenwitze) widerspiegelt. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass sich die wenigen Moselgemeinden von dem im Wittlich, also in der Eifel, tagenden Kreistag über den Tisch ziehen lassen müssen. Aber auch die Mosellaner selbst sind in der Vertretung ihrer ureigensten Interessen keine homogene Gruppe. Dort gibt es viele, die mit dem Weinbau oder dem Tourismus nie etwas zu tun hatten oder mittlerweile haben. Diese möchten oft im falschen Glauben an Urbanität, Moderne und Globalisierung die in ihren Augen „Alte Zöpfe“ bzw. „Alte wurzelechte Weinstöcke“ abschneiden und moderne Strukturen schaffen. Bei diesen Moselanern ist leider auch der Neid auf die Winzerschaft weit verbreitet. Diese Klientel verteilt sich auf alle Parteien gleichmäßig, so dass mich nicht verwundert, dass im Kreistag zu Wittlich sogar ein Konsens für die Brücke über alle Parteien besteht. Eine weitere Misere für die fehlende Resonanz der Moselregion gegen die Brücke ist, dass es im Bereich der Mittelmosel keine größere Stadt gibt, die sich für die Mosel besonders interessiert und stark macht. Trier ist da leider keine Ausnahme, da man sich hier selbstverliebt auf das historische Erbe beschränkt. Die meist aus Eifel und Hunsrück stammenden Redakteure des Tierischen Volksfreundes verlustigen sich bezeichnenderweise in der Rubrik "Total Lokal" über die Grammatikfehler, die den Hochmoselübergangsgegnern unterlaufen (http://www.volksfreund.de/totallokal...art671,2417324). In Koblenz, der anderen größeren Stadt an der Mosel, muss es ja der Mittelrhein und die demnächst anstehende Bundesgartenschau sein, was man schätzt, so dass für die Brücke ebenso kein Raum bleibt. Für die Moselaner ist das ganze aber ein Armutszeugnis ersten Ranges. Von Perl bis nach Koblenz müsste ein Aufschrei ausgehen, den man in Mainz und Berlin dann auch nicht überhören würde, stattdessen freut man sich hinter der nächsten Flussbiegung über diese Landschaftszerstörung, damit von dort die Touristen alsbald das eigene Örtchen und vor allem die Keller bevölkern und bezeichnet die Kritiker der Brücke als Nestbeschmutzer. Man schneidet sich aber ins eigene Fleisch, da der gerade im Raum Bernkastel hochwertige Kulturtourismus einen schweren Schlag erleidet und der billige Kegelklubtourismus, dort wird man sich nun mit Eimern und Strohhalmen eindecken müssen, übrig bleiben wird, da sich dieses Klientel erfahrungsgemäß wenig um Störungen des Landschaftsbilds kümmert. Der Kulturtourist, der in blumigen Worten die Landschaft und den Wein preist, wofür im Internet mit wenig Mühe vor allem auf angelsächsischen Seiten genügende Beispiele zu finden sind, wird dies dann für andere Gegenden tun, während Forist mzbi vergnügt, über die Köpfe der Moselaner hinwegbraust.

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#44 19.04.2010, 23:03 von Kurt Kurzweg

Weil es um den Wein geht

Zitat von mzbi
Das hier nur über Wein diskutiert wird, zeigt ja auf aus welcher Lobby der Protest kommt. Desweiteren werden hier ....
Klar geht's hier um den Wein...wenn die Brücke in einer Wüste üer ein ausgetrocknetes Flussbett gebaut würde, hätte kein Frosch gequakt. Andererseits zeigt der späte und spärliche Protest, dass von "Lobby" kaum zu reden ist. Die Sache ist - wie Sie in einem ihrer Beiträge terffend festgestellt haben - gelaufen. Und genau da begann schon beim Lesen des Artikels mein Unbehagen. Da es sich offenbar um eine Bundesstraße handelt, hätten sich die politischen "Kampftrinker" schon viel früher um das Problem kümmern können und - wenn es ihnen denn ernsthaft am Herzen oder in der Kehle gelegen hätte - müssen. Was da hier in Berlin beim "Chinesen" abgelaufen ist riecht nach Wahlk(r)ampf...hätte man es Ernst gemeint, hätte man sich vor Jahren in Habels Weinstube treffen müssen...

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#45 15.05.2010, 23:50 von Treverer

Die Leute sind endlich aufgewacht!

Zitat von Kurt Kurzweg
Klar geht's hier um den Wein...wenn die Brücke in einer Wüste üer ein ausgetrocknetes Flussbett gebaut würde, hätte kein Frosch gequakt. Andererseits zeigt der späte und spärliche Protest, dass von "Lobby" kaum zu reden ist. Die Sache ist - wie Sie in einem ihrer Beiträge terffend festgestellt haben - gelaufen. Und genau da begann schon beim Lesen des Artikels mein Unbehagen. Da es sich offenbar um eine Bundesstraße handelt, hätten sich die politischen "Kampftrinker" schon viel früher um das Problem kümmern können und - wenn es ihnen denn ernsthaft am Herzen oder in der Kehle gelegen hätte - müssen. Was da hier in Berlin beim "Chinesen" abgelaufen ist riecht nach Wahlk(r)ampf...hätte man es Ernst gemeint, hätte man sich vor Jahren in Habels Weinstube treffen müssen...
Der spärliche Protest ist innerhalb eines Monats stark angeschwollen. In RLP wird man langsam nervös:

http://www.volksfreund.de/totallokal...rt1129,2443823

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