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Armenviertel von Rio de Janeiro: Fünf-Sterne-Menü in der Favela
REUTERS

In den Küchen der Favelas brodelt es: Ein Marketing-Dozent möchte anlässlich des Uno-Umweltgipfels mit Gourmetgerichten und Caipirinha Touristen in die Elendsviertel locken. Nicht alle Einwohner Rio de Janeiros können sich mit der Idee anfreunden.

mhampel 15.06.2012, 14:12
1.

Tolle Idee. Da kommen dann also Touristen. Dann kommen die Hotels und spätestens dann werden die jetzigen Bewohner enteignet (die Häuser -- der Grund gehört denen sowieso nicht) und vertrieben. Die Favela verkommt dann zur bunt gestrichenen Kulisse für Touristen.

Die ehemaligen Bewohner werde sich dann auf einem anderen (noch schlechteren) Grund eine neue Existenz aufbauen müssen. Aber Favelas sind ja so romantisch und pittoresk. Da *muss* man ja als Tourist unbedingt duchstiefeln und Fotos zum Angeben machen.

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de omnibus dubitandum 15.06.2012, 16:18
2. Favelas zur Publikumsbelustigung

Ja, wirklich ein super Einfall. In Rio sind bereits tausende Favela-Bewohner wegen der WM 2014 "umgesiedelt" worden,und zwar gegen ihren Willen. Sie wohnen jetzt zig Kilometer entfernt in "schönen" neuen "Sozialwohnungen", haben ihr gesamtes soziales Umfeld verloren und meist auch ihre Erwerbsquellen, worin die auch immer bestanden haben mögen. Dieses "Favela-Gucken" wie im Zoo ist auch nicht immer ohne Überfall- oder Entführungsrisiko, denn die
"Wilden" verhalten sich nicht immer so, wie der erlebnishungrige "Turi" sich das so vorstellt. Der Staat hat es etwas schwer, den Favela-Bewohnern seine "Moral" und moralisches Handeln näherzubringen, denn es herrscht eineabgrundtiefe Ungerechtigkeit in dieser Gesellschaft und
die Banditen in den Favelas reklamieren zu recht, daß die meisten Polizisten und politiker viel skrupellosere Verbrecher sind, als sie selber.

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StOpHey 15.06.2012, 16:51
3. Marketing ohne Verstand

1. Die Höchstzahl an Sternen in der Gastronomie ist 3 (nach Michelin) nicht 5 (wie in der Hotellerie).
2. Teures Essen im Elendsviertel? Das passt nicht zusammen. Ein Feinschmecker steht eher auf eine andere Umgebung.
3) Als Tourist bevorzuge ich einheimisches Essen, also Rigatoni mit Basilikum vielleicht in Italien ;-)

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Oskar ist der Beste 16.06.2012, 14:40
4. optional

also, erstmal finde ich die Kritik an "Favelas gucken" albern; natuerlich gibt es diesen Zoo effekt, aber andererseits werden die Touris darauf aufmerksam und man darf davon ausgehen, dass diese Eindruecke, die man dort sammelt auch in Gespraechen mit anderen Bevoelkerungsgruppen, die besser gestellt sind, eine Rolle spielen.
Die Frage der Sicherheit kann ich fuer Brasilien nicht beantworten...aber fur (Sued) Afrika: kenne einige Wohngebiete mit ueberwiegend schwarzer Bevoelkerung (also Townships oder auch shack towns (Wellblechhueten) und die Vorstellung, dass da alle nur kriminell sind und weisse Touris abstechen wollen, ist aberwitzig.
Und wer ein Land der 3 Welt besucht und diese Armut nicht sehen will, der soll am Besten gleich zu Hause bleiben.

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