Forum: Reise
Chimborazo-Besteigung in Ecuador: Scheitern wie Humboldt
Michael Martin

The Restless 08.09.2017, 09:30
1.

Nach Kopfschmerzen in der Nacht gleich weiter aufzusteigen verstößt allerdings gegen alle Regeln einer sicheren Höhenadaption. Man muss doch das Risiko nicht gleich derart herausfordern - was spricht dagegen, sich erst einmal 2-3 Tage zwischen Park und Höhenlager zu bewegen, bis es dann, fit und gesund, weiter rauf geht? Wer dort oben umkippt, hat schlechte Karten, wenn wegen des Sturms kein Helikopter fliegen kann.

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Papazaca 08.09.2017, 09:35
2.

Komische Art, den Chimborazo zu besteigen.
Also erstmal gefällt mir diese Art nicht, direkt vom Flughafen den Chimborazo besteigen zu wollen. Keine Akklimatisation? Mit Bergsteigern, die man wahrscheinlich nicht kennt? Für ein Buch, das die ganze Welt abfackelt? Muß man so Projekte (Projekt Planet Erde), die alles und nichts umfassen auf diese komische Art durchführen? Kann man in so kurzer Zeit einen Berg, die Gegend oder die Menschen auch nur annähernd erfassen? Oder rechtfertigen schöne Fotos alles?

Und dann bekommt der gute Michael Martin Kopfschmerzen (wegen fehlender Anpassung an die Höhe?). Beim lesen über diese Kurzreise kann man auch Kopfschmerzen bekommen. Und der Hinweis auf die dann folgende Reise in Südsee weckt bei mir unangenehme Assoziationen an Fastfood, Fast Sex, 4 europäische Hauptstädte in 4 Tagen usw. (Die Galapagos, die in relativer Nähe sind, sind nicht interessant?) Schade! Da treten die Fotos in den Hintergrund. Ich will jetzt nicht missionarisch auftreten. Aber wenn in einem Bericht so eine Reise hochgejubelt wird (selbst Humboldt durfte nicht fehlen) darf man ja schon mal den Kopf schütteln und laut "grummeln".

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tumut 08.09.2017, 09:48
3.

Ich verfolge MM schon lange interssiert und war auch schon auf einigen Ssiener Vorträge.
Aber entweder er recherchiert so schlampig, oder SPON überträgt falsch.
Bei der Bildunterschirft zu Bild 6 wird ein Unterschied zum Erdmittelpunkt zum Mt. Everest von 2m erwähnt - es sind c. 2km. Außerdem ist das mit dem Wulst am Äquator doch sehr einfach dargestellt - es ist kein Wulst (wo sollte der beginnen und warum sieht man den z.B. beim Überfliegen nicht) sondern die Erde ist an den Polen abgeflacht und durch die Rotation ein Rotationeellipsoid und hat so am Äquator einen größeren Durchmesser als durch die Pole gemessen.
Ich finde soviel Genauigkeit sollte bei einem Reisebericht schon drin sein.

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Stäffelesrutscher 08.09.2017, 09:59
4.

Bildlegende 6:
»Der Chimborazo ist mit 6310 Metern der höchste Berg Ecuadors. Rechnet man vom Erdmittelpunkt aus, ist er sogar zwei Meter höher als der Mount Everest, da die Erde am Äquator einen Wulst und damit einen größeren Umfang hat.«

Es sind zwei Kilometer, nicht Meter.
Und statt »Umfang« meint der Autor wohl »Radius«.

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lupenreinerdemokrat 08.09.2017, 11:37
5.

@Stäffelesrutscher: man kann es auch richtig interpretieren: wenn man die Abflachung der Erde miteinbezieht, dann ist der Chimborazo vom Erdmittelpunkt aus gemessen 2m höher als der Mount Everest, auch wenn dieser von Meereshöhe aus gemessen über 2,5 km höher ist.
Auch "Umfang" ist korrekt ausgedrückt, wenn auch "Radius" hier natürlich der passendere Parameter wäre ;-)

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dipl.-vw.dr.knilch 08.09.2017, 11:55
6.

Mit den nüchternen Fakten hat er es nicht so:

Bild 1: "Der 6263 Meter hohe Berg ist der höchste Ecuadors"
Bild 7: "Der Chimborazo ist mit 6310 Metern der höchste Berg Ecuadors"

Wie hoch ist denn nun der Berg? Der Diplomstudiengang Geographie liegt offensichtlich schon länger zurück...

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Wiedereinaussteiger 08.09.2017, 13:48
7.

Die Erde ist ein Geoid. Ein Kugel-ähnliches Gebilde, aber am Äquator "dicker" und zu den Polen hin flacher. Das macht sowohl den Erdumfang am Äquator als auch den Radius zum Erdmittelpunkt dort größer (als zB. auf der geografischen Breite des Everest), dont worry, beides richtig. Etwas plastischer wäre gewesen zu schreiben, dass der, der auf dem Chomborazo steht, am weitesten weg vom Erdmittelpunkt steht, auf dem Erdmitten-fernsten festen Punkt.

Und wenn man schon mal beim schlauen Geografie-Kleinklein ist: der höchste Berg ist weder der Chimborazo noch der Everest. Es ist der Mauna Kea auf Hawaii, der vom im Meeresboden steckenden Fuß bis zu seiner Spitze mehr als 11 Kilometer Höhe misst.

Und auch die Höhe des Mt Everest ist umstritten. Kommt drauf an, ob man den Pegel bei Karachi oder bei Peking zugrunde legt..., denn der Mt E steht auf der Grenze von Nepal (Bezug Indischer Ozean) zu China/Tibet (Bezug Pazifik/Chinesisches Meer).

NB OT - Auch die Höhe Venedigs oder Instanbuls über Null ist different. Nehme ich den Pegel des Mittelmeeres, oder des Atlantiks...?... Der Unterschied beträgt 1.80 Meter, den man von Gibraltar raus auf den Atlantik quasi "bergauf" segeln muss, weil die Einströmung der Flüsse ins Mittelmeer die Verdunstung nicht ausgleicht. Und daher eine gewaltige Einströmung vom Atlantik ins Mittelmeer sich ergießt.

Wenn einer aus dem Flieger anreist (Kabinendruck interkontinental entspricht ca. 2000-2500 Metern Höhe...) und landet in Südamerika auf einem Flughafen >2000 Metern, dann könnte er sich als schon ein wenig an Höhe akklimatisiert betrachten. Es ist aber dennoch extrem riskant, auf eine Höhe oberhalb 4500 Metern zu gehen - wenn denn man sein Akklimatisierungsverhalten nicht kennt. Ich darf aber bei einem vielreisenden Journalisten annehmen, dass er seine Empfindlichkeiten diesbezüglich kennt.

Top dumm, na schweinedumm waren damals die STERN-Journalisten beim Desaster am Mount E, als 1996 zwölf Menschen in einem Höhensturm zu Tode kamen. Die Schreiberinge ließen sich - voll geil auf böse Geschichten ... - mit einem Hubschrauber ins Basecamp fliegen, 5.300 Meter..., und wurden schon nach wenigen Stunden Patienten der Doktoren dort...., die eigentlich den Erfrierungsopfern hatten helfen wollen. Kein Wunder, dort ist knapp nur noch der halbe Luftdruck... Wurden schwer höhenkrank, lebensgefährlich war das, und sie mussten schleunigst wieder abreisen. Sie waren gewiss nicht akklimatisiert...

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walter_de_chepe 08.09.2017, 14:10
8.

Man sieht bei diesem Bericht, was Humboldt damals geleistet hat, ohne Fleece, Goretex und Vibram-Sohlen. Er konnte nicht einmal wissen, auf was er sich einläßt, konnte noch nicht wissen, dass seine Kopfschmerzen etwas mit mit Luftdruck und dem Sauerstoff in der Luft zu tun haben. Dazu hat er sehr viel Ausrüstung mitgeschleppt. Heute ist alles leichter, dafür werden heute aus Leichtsinn andere Fehler gemacht.

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