Forum: Reise
Couchsurfing in Iran: Herzlichkeit und Horror
Christian Richter

Iraner zählen zu den gastfreundlichsten Menschen der Erde. Über das Internetportal Couchsurfing laden sie Reisende zu sich nach Hause ein - und riskieren Ärger mit der Staatsgewalt. Drei Begegnungen in einem unterschätzten Reiseland.

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new-sense 12.06.2013, 11:33
1. Danke für den Artikel

Ich erwäge schon lange mal nach Iran/Persien zu reisen. Aber man muss ja leider jederzeit damit rechnen, dass Bomben auf das Land fallen. Es ist schon eine bittere Ironie dass ausgerechnet eines der "moderneren" islamischen Länder ständig am Pranger steht, während man nach Saudi Arabien u.a. Panzer verkauft und Menschenrechte mit keinem Wort erwähnt. Die Heuchelei ist unerträglich.

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Klaus Peters 12.06.2013, 11:48
2. Danke für diesen Artikel!

Zitat von sysop
Iraner zählen zu den gastfreundlichsten Menschen der Erde. Über das Internetportal Couchsurfing laden sie Reisende zu sich nach Hause ein - und riskieren Ärger mit der Staatsgewalt. Drei Begegnungen in einem unterschätzten Reiseland.
... und auch danke für die erste Antwort darauf.
Auch ich habe den Iran bei einer dreiwöchigen Reise von Turkmenistan durch den westlichen Iran und dann in die Türkei neuerdings als außerordentlich freundlich, kultiviert und gastfreundlich erlebt.
Nicht nur mit der kultivierten, gebildeten Bevölkerung haben wir gute Erfahrung gemacht, auch die Polizeibeamten waren entspannt und freundlich, was angesichts der permanenten Bedrohung durch das westliche Ausland nicht zu erwarten wäre. Ich kann nur jedem Europäer, der durch die ständigen Drohgebärden des Westens vorgespannt ist raten einmal in den Iran zu reisen.

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munich77 12.06.2013, 11:58
3. Beeindruckend und empfehlenswert

Ich hatte das Glück, diese wunderbare Erfahrung zu machen und dieses eindrucksvolle Land und diese unbeschreibliche Gastfreundschaft erleben zu dürfen. Die Wissbegierde mit der wir dort an jeder Stelle, in jedem Café oder einfach auf der Strasse begegnet wurden, war eindrucksvoll. Man wurde mit Staunen empfangen, dass man als Tourist, trotz all der "schlechten" Berichterstattung und schlimmen politischen Situation, in den Iran reist, befragt, zum Tee, zum Essen oder auch zum Übernachten eingeladen, man hat uns mit Stolz die Kulturgüter gezeigt und sogar die Mullahs waren sehr gastfreundlich, wenn auch erst einmal zurückhaltend. Allerdings hatten wir irgendwann den Unterschied zwischen schwarzen und weißen Turbanen gelernt und verstanden. Ich kann nur empfehlen, dieses Land zu bereisen, festzustellen, welch großer Unterschied zwischen Volk und Regierung herrscht. Und nur hoffen, dass sich die politischen Umstände des Volkes Willen eines Tages ändern mögen.

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soldev 12.06.2013, 12:05
4.

Zitat von Klaus Peters
... Ich kann nur jedem Europäer, der durch die ständigen Drohgebärden des Westens vorgespannt ist raten einmal in den Iran zu reisen.
Wir sind mit dem Motorrad durch den Iran und theoretisch bräuchte man keinen Zeltplatz (die finden sich in Form von Stadtparks), kein Hotel oder ähnliches suchen. Praktisch jeden Tag gab es Angebote privat zu nächtigen. Beim LKW Fahrer, der uns 100km vor seinem zu Hause bei einer Pause eingeladen hat schlufen wir Männer im Wohnzimmer und die Frauen nebenan. Der Taxifahrer, der uns ein Hotel zeigte, welches aber geschlossen hatte, lud uns über Nacht zu sich nach Hause ein. Der Hotelier, mit dem ich nachts noch stundenlang Wasserpfeife geraucht habe, der Ölhändler, der uns spontan in sein Auto verfrachtete und die Gegend zeigte und dann sogar noch versucht hat Bier zu organisieren (wurde dann Malzbier)
usw. usw... ich finde die Menschen dort einfach nur toll...

Allerdings nervt es auch irgendwann, wenn man bei jedem Stop von Menschen umringt wird, einem irgendwelche Handies gereicht werden, weil einer einen kennt der gut Englisch kann und der einen auch wieder einladen will, wenn man allerlei Früchte, Getränke usw in die Hand gedrückt bekommt und selbst abseits der Strassen dauert es nicht lange bis man entdeckt wird ;-)

... ich habe mir jedenfalls fest vorgenommen noch einmal nur den Iran (diesmal nicht nur Transit) zu bereisen - hoffentlich normalisiert sich die politische Landschaft irgendwann einmal...

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mc32_+ 12.06.2013, 12:07
5.

Zitat von sysop
Iraner zählen zu den gastfreundlichsten Menschen der Erde. Über das Internetportal Couchsurfing laden sie Reisende zu sich nach Hause ein - und riskieren Ärger mit der Staatsgewalt. Drei Begegnungen in einem unterschätzten Reiseland.
Die Aussage des Autors „Bei uns lädt keiner Menschen auf der Straße zum Tee oder Abendessen ein, nur weil sie ausländisch aussehen“ ist schon eine ziemlich steile und dazu noch anmaßende These.
Nur weil er und seine Familie / Verwandtschaft / Freunde / Bekannte ihm das Einladen von Fremden nicht beigebracht hat / haben, bedeutet das nicht, daß es solches in Dland von (indigenen) Deutschen nicht geben würde.

Selber in unserer Familie ungezählte Male geschehen. Allerdings gehörten zu unseren Auswahlkriterien nicht, daß jemand ausländisch aussieht, sondern daß er nach Tourist aussieht, daß er ggf. danach aussieht, als ob er in irgendeiner Form nach Hilfe suchen würde, daß er sympathisch ist und das er seriös aussieht.

Ausländisch auszusehen reicht nicht, um von uns eingeladen zu werden.

Ich bin mir ziemlich sicher, daß sich das im Iran auch nicht anders verhält.

Schon ziemlich peinlich, wenn jemand diese These aufstellt, weil er solches selber nie gemacht hat und aufgrund dieses Umstandes im Ausland bei vermutlich jeder sich bietenden Gelegenheit verlauten lässt, daß in Dland niemand Fremde einladen würden. Das ist ungefähr so, als ob sich ein kleines Kind die Augen zuhält und aus dem Umstand, nichts mehr sehen zu können, nun schließt, daß es selber auch nicht gesehen werden kann…

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kaynchill 12.06.2013, 12:08
6. toller Artikel!

So etwas liest man leider fast nur in unabhängigen Blogs. Iran wird immer so negativ dargestellt, dabei kommen die einfachen Menschen jedoch nie zu Wort.
Mir tut es Leid das wir im Westen ihnen so ein schweres Leben machen. Umzingelt von mehr als 40 US-Stützpunkten und Handelsembargos die teilweise lebenswichtige Medikamente knapp werden lassen.

Mal sehen was die Wahl bringt, vielleicht öffnen sich die Regierungen ja etwas. Aber bei der deutsch-französischen Freundschaft hat es auch mit dem Austausch der einfachen Menschen begonnen.
Bei einem Studenten-Austausch wäre ich sofort dabei.

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schon gewusst? 12.06.2013, 12:16
7. Nur das Weltbild nicht verzerren!

Auch ich habe schon eine Reise in den Iran gemacht. Damals war ich mit meiner Frau, einer Iranerin, noch nicht verheiratet. Ich hatte zu kaum einem Zeitpunkt das Gefühl gefährdet zu sein. Auch die Sicherheitsbeamten am Flughafen waren sehr freundlich und wünschten mir einen schönen Aufenthalt. Keine hochnotpeinlichen Verhöre, wie die, wenn man in die USA einreist. In Teheran liefen die Frauen mit Kopftüchern durch die Straßen, die so runtergerutscht waren, dass sie eigentlich mehr Nackentücher waren. Die Mäntel waren sehr figurbetont und hörten schon über dem Knie auf. Keiner störte sich daran. Das wäre in Saudiarabien völlig anders. In Isfahan waren wir im christlichen Viertel unterwegs. Hier wird Alkohol und Schweinefleisch verkauft, hier stehen überall Kirchen. Nicht zu vergessen die wenigen Tausend Juden, die noch im Iran leben. Auch sie dürfen ihre Religion frei ausüben. Im Iran gibt es eine Religionsfreiheit, die ich nie für möglich gehalten hatte. Die gilt allerdings nicht für Schiiten. Wer dem Glauben abschwört und konvertiert, dem droht nach wie vor die Todesstrafe.
Trozdem bekommt das Mullah-Regime die Jugend nicht mehr in den Griff. Die unglaublich vielen jungen Leute wollen leben, ihre Meinung sagen, feiern. Das ist oft sehr ausschweifend. Auf privaten Partys wird sehr viel Alkohol getrunken, sehr viel gekokst. Regelmäßig finden Sexparties statt. Das sind die Schattenseiten eines authoritären Systems, dass alles reglementieren will. Vielen Menschen im Iran ist der Kompass abhanden gekommen. Perspektivlosigkeit und Wut brechen sich Bahn. Überall auf den Straßen schimpfen die Menschen offen über das Regime. Ich habe keinen Polizisten oder Geheimdienstmitarbeiter gesehen, der sie daran gehindert hätte.

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nihahs 12.06.2013, 12:19
8. Schöner Artikel

Ein schöner Artikel, der meines Erachtens den wirklichen Iran einfängt. Kritisches Denken, Freiheitswunsch und Gastfreundschaft.
@ new-sense: Ich als Deutsch-Perser kann Ihnen versichern, solange der Iran Gas an Russland und China verkauft, solange werden keine Bomben auf den Iran fallen. Ich reise pro Jahr einmal dorthin seit meinem 2 Lebensjahr, versuchen Sie es, das Land wird sie faszinieren. Wenn etwas den Iran auszeichnet, dann ist es die knapp 8000 Jahre Kultur, Religionsfreiheit, da ein Jude neben einem Christen begraben sein kann, extreme Gastfreundlichkeit und vor allem der Wunsch nach Selbstbestimmung und Freiheit. Ich hoffe es noch erleben zu dürfen, dass dieses Terror-Regime fällt.

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mc32_+ 12.06.2013, 12:25
9.

Zitat von Klaus Peters
... und auch danke für die erste Antwort darauf. Auch ich habe den Iran bei einer dreiwöchigen Reise von Turkmenistan durch den westlichen Iran und dann in die Türkei neuerdings als außerordentlich freundlich, kultiviert und gastfreundlich erlebt. Nicht nur mit der kultivierten, gebildeten Bevölkerung haben wir gute Erfahrung gemacht, auch die Polizeibeamten waren entspannt und freundlich, was angesichts der permanenten Bedrohung durch das westliche Ausland nicht zu erwarten wäre. Ich kann nur jedem Europäer, der durch die ständigen Drohgebärden des Westens vorgespannt ist raten einmal in den Iran zu reisen.
Ich schließe einfach mal aus den Dingen, unter denen ein sehr großer Teil v. a. der jungen Bevölkerung leidet, daß sich die iranische Regierung auch gegenüber dem Ausland nicht besonders freundlich gesinnt verhält.

Wer die eigene Bevölkerung foltert, wg. Nichtigkeiten zum Tode verurteilt, homo-Hetze betreibt, (in der Öffentlichkeit) singenende, rauchende Frauen meint bestrafen zu müssen, Wahlen fälscht... etc. multi pp., von dem nehme ich eben logischerweise auch an, daß er sich gegenüber dem Ausland bei jeder sich bietenden Gelegenheit auch nicht unbedingt viel besser zeigen wird.

Diese Logik scheint Ihnen eher unbekannt zu sein.

Im übrigen richten sich die von Ihnen genannten Drohgebärden des Westens ausdrücklich nicht gegen die Bevölkerung, sondern gegen gewisse Atomanlagen.

Zu den Drohgebärden kann man ja stehen wie man will, aber die Drohgebärden und eine gewisse (berechtigte) Vorgespanntheit nun mit der Freundlichkeit und Kultiviertheit von recht vielen Iranern zu verknüpfen, ist hingegen eine reichlich seltsame Weise.

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