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Kiteskiing in Grönland: Voll neben der Schnur
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Die Tage, an denen man das Segel nutzen kann, sind die besten auf einer Grönland-Eistour. Dann lassen sich große Distanzen in kurzer Zeit bewältigen. Doch der Lenkdrachen hat seine Tücken - und entschieden zu viele Steuerleinen.

sanctum.praeputium 27.08.2012, 12:59
1. Das Kokettieren mit dem Pulkatod

Schon wieder wird der Pulkatod erwähnt, das Scheitern der "Expedition" berichtet, aber kein Wort davon, ob und wie das Problem der beiden gebrochenen Pulkas gelöst wurde.
Für interessierte Leser ist dieses Informationsgebahren frustrierend.

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cor 27.08.2012, 13:32
2. Matte

Vielleicht hätten sich die Herren mal lieber einen vernünftigen Mattenkite + Trapez zulegen sollen, wie man ihn zum Snowkiting benutzt, und nicht diese komischen Mülltüten. Hätte wahrscheinlich nur unerheblich mehr Platz und Gewicht gebraucht.

Die Dinger sehen mir stark nach Marke Eigenbau aus...

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peterfleischhauer 27.08.2012, 14:43
3. Kiteski

Kiteski war der Markenname von Cory Roeselers Kiteskisystem, dass auf dem Wasser eingesetzt wurde.
Das war mitte der 90iger zur gleichen Zeit etablierte sich eine Scene in Silvaplana die mit Skiern auf dem gefrorenen See "Kitesailing" betrieben zur gleichen Zeit entwickelte sich das Kitesurfing.
Wie mein Vorredner bereits sagte, die "Kites" auf dem Foto sind kaum lenkbar, im Gegensatz zu heutigen Kites.
Die Leinen sind vertikal an der Stange angeordnet, so dass man nur den Anstellwinkel verändern kann, dadurch kann man nur auf Vor- oder Raumschotkurs fahren.
Den Umgang mit den Kites und seinen Leinen sollte man nicht erst im Schnee üben, denn mit kalten Fingern den Leinensalat zu ordnen ist nicht gerade nett.
Fürs nächstemal empfehle ich bessere Vorbereitung, indem man den Umgang mit Kites vorher übt.

MsG Peter Fleischhauer -Kiteboarding.de-

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diplodocus 27.08.2012, 15:04
4. Mäßig interessant

Neben den schon in anderen Beiträgen erwähnten lästigen Lücken im Informationsfluss (-> Pulkareparatur?) vermittelt die Kolumne nicht den Eindruck als ginge es um eine ernsthafte Unternehmung, so wie hier über Pleiten, Pech und Pannen berichtet wird.
Mit Kites haben Mitte der 2000er Jahre drei Norweger Anfang 20 Grönland von Süd nach Nord durchquert, 3500km in drei Wochen (!), wenn ich mich richtig erinnere. Und die Jungs hatten weniger Budget, weil keine Sponsoren- und keine Medienunterstützung, dafür aber mit klug ausgewähltem Material unterwegs.
Deren Plastikpulkas aus Polyethylen für 39,99€ haben die lange Strecke durchgehalten, ohne zu verschleißen.

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shewolf135 27.08.2012, 17:15
5. Selbst machen!

Ja, es gibt Jungs, die es "richtig" machen. www.greenlandquest.com (diplodocus: auch wenn die Fakten anders sind, vermute ich mal, Sie meinten DIESE Expedition? Ich bin nicht sicher, aber meines Wissens war das die Erste und Einzige, die von Süd nach Nord mit Kiteskies geführt wurde?). Und ja, vielleicht ist DIESER Blog nicht ganz so interessant. Aber bitte - dann lest ihn doch einfach nicht. Auch wenn das alles amateurhaft klingen mag, erst mal muss man den Mut finden, so eine Sache überhaupt anzugehen und durchzuziehen. Es ärgert mich immer wieder, wenn Schreibtischtäter oder Möchtegern-Abenteurer solche Urteile fällen.

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uwehofmann 27.08.2012, 22:41
6. Kurzer Kommentar

Hallo zusammen,

nach dem Lesen einiger Beiträge möchte ich (nicht anonym, sondern mit Klarnamen) zusammenfassend einige zusätzliche Informationen geben.

Als Teilnehmer der Überquerungen 2006 und 2010 (Datenerfassung für wiss. Zwecke - Eishöhenbestimmung und durch Differenzen > Eishöhenänderungen) siehe: www.groenlanddurchquerung.de habe ich ein gespaltenes Gefühl zu diesem Blogbeiträgen. Einerseits kan ich die Eindrücke von Stephan nachvollziehen, andererseits ist die Berichterstattung für meine Begriffe etwas "dick" aufgetragen. Aber Stephan ist Journalist und die sind vielleicht eben so.... ;-). Leute zu fesseln ist schließlich ihr Job! In jedem Fall sollte man berücksichtigen, das es die persönliche Begebenheiten und Eindrücke von Stephan sind, und gewaltige Eindrücke führen dann eben zu gewaltigen Worten.

Leider kommt der wiss. Aspekt hier etwas kurz > bestimmt gewollt (im gesamten Team) und durch den flapsigen Ton entsteht der Eindruck ein paar verhinderte Abenteurer sind auf dem Selbstfindungstrip. Aber der primäre Zweck der Überquerung war die Gewinnung eines weiteren Datensatz, um die Änderung der Eishöhen verfolgen zu können. Dazu wurden seit 2002 an exakt gleichen Positionen (Camps) GPS Messungen durchgeführt. Die erste "moderne" Messung 2002 hatte als ein Ziel, die gemessenen Höhen der Eiskappe mit den Messungen von Quervain (1912) zu vergleichen. Soweit zu dem wiss. Projekt.

Das Ziel war nie schnell die Westküste zu erreichen, sondern an den Übernachtungsplätzen 2002 GPS Messungen zur Eishöhenbestimmung durchzuführen. Somit sind diese Expeditionen mit greenlandquest nicht zu vergleichen. Die Schwierigkeit lag 2006 die Camps unter den veränderten Bedingungen zu erreichen (laut der 2 Teilnehmer von 2002). Prof. Korth und W. Adler (beide haben sich auf Antarktisexpeditionen (!) kennengelernt) fanden dieses als den nervenaufreibendsten Part 2006.

Ich selber empfand die Etappen nie als einen täglichen Halbmarathon, aber es ist anstrengend und man steht jeden Tag sehr zeitig auf (zwischen 5 und 6) und die Tage werden sehr lang (manchmal bis 19 Uhr ohne Lageraufbau!). Und das alles 5 Wochen in Folge. Das heisst, es braucht eine gewisse Bereitschaft sich zu quälen. Und wenn man Zeit durch Segeln eingespart hat (ich nenne es bewusst nicht "Kiten"), dann haben wir Schürfe im Eis angelegt um Schmelzhorizonte zu finden. 2006 haben die anderen Expeditionsmitglieder ein 4,12 m tiefes Eisloch gegraben, um einen ausgelegten Magneten (2002) zu finden. Ziel: Fließgeschwindigkeit und -richtung der Eiskappe. Das Segeln dient nur dem Zweck etwas kraftsparender und schneller unterwegs zu sein. Es sollten leicht zu reparierende Segel sein (eventuell auch vor Ort zu verkleinern). 2006 waren z. Bsp. nur 2 sehr gute Skifahrer dabei. Wir anderen 4 waren eher Skilangläufer als Abfahrer, somit sollte nicht mit Maximalgeschwindigkeit gefahren werden, damit die Segel, Ski und 100kg-Pulka von allen beherrscht werden können.

Entschädigt wird man durch die grandiose Landschaft, das gemeinsame Arbeiten im Team (klar gab es manchmal Stress, ich war bspw. immer ein wenig zu langsam beim Packen, schließlich ist man sehr lange sehr eng zusammen und Rückzugsmöglichkeiten gibt es keine) und man hat dann doch das Camp erreicht.

Die beiden Pulken wurden repariert (Löcher gebohrt und mit Reepschnüren geflickt), sieht ein bissel aus wie Schuh und Schnürsenkel. Auf einen der Fotos ist das zu sehen.

Sorry für den langen Text, aber das musste ich nach dem Lesen hier mal loswerden

Viele Grüße an Euch alle Uwe

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inbu 28.08.2012, 01:12
7. Traurig, dass man eine so wichtige Sache noch verteidigen muss!

Man kann wohl kaum auf jedem Gebiet Profi sein. Es findet sich immer jemand, der irgendetwas oder auch gleich alles besser kann. Das ist kein Kiteskiing-Wettbewerb, sondern eine wissenschaftliche Expedition, die aber allein auf sportliche Fortbewegung baut und enorm viel Eigeninitiative.
Zu den unbeantworteten Fragen: Die Texte und Fotos werden wie im Text beschrieben, mit viel Ausdauer zur Redaktion gesendet und dort aufbereitet. Wer soll die in den Kommentaren gestellten Fragen beantworten? Die Expeditionsteilnehmer sind noch in Grönland.
Viele Fragen wurden schon im Text beantwortet, bevor sie überhaupt gestellt wurden, z.B die "Pulkafrage" mehr als ausführlich. Die zwei gerissenen wurden geflickt, entlastet (Extratransport mit Rucksäcken; Gewicht zurückgelassen, zu dritt eine Pulka, usw) und sind immer noch im Einsatz. Außerdem wurde auch geschrieben, dass das extrem schwierige Gelände am Anfang geschafft ist und das Team leider nicht wie geplant die gesamte Eiskappe Grönlands überqueren wird, sondern (jetzt) umkehrt!
Die Texte werden vom SpiegelOnline Mitarbeiter als eine Art Tagebuch geschrieben, der diese Expedition zum ersten Mal begleitet. Er schreibt über seine Eindrücke und Erlebnisse, so wie sie auf ihn wirken, wie ich finde in einer sehr humorvollen und interessanten Art. Danke dafür, ich habe viel gelacht. Ziel dieser Seite ist nicht, jemanden mit wissenschaftlichem oder vermessungstechnischem Fachwissen zu erschlagen.
Schön, dass alle des Teams zusammenhalten, noch Spass haben und ihren Humor nicht verlieren, obwohl das ursprüngliche gestellte wissenschaftliche Ziel dieses Mal leider nur teilweise erreicht werden kann. Hochachtung vor der Leistung aller Teilnehmer!

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sanctum.praeputium 28.08.2012, 14:26
8. Vielen Dank

Vielen Dank an Sie und "Inbu" für die wissenswerten Zusatzinformationen , die das Gesamtbild abrunden, den Kontext deutlicher hervortreten lassen und die Seriosität des Unternehmens verdeutlichen.

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