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Reiserücktritt: Sofort stornieren, wenn der Versicherungsfall eintritt
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Wer eine Reiserücktrittsversicherung abschließt, sollte nicht auf Zeit spielen, wenn sich abzeichnet, dass er eine Reise nicht antreten kann. Eine Krankheit zum Beispiel gilt nur dann als Versicherungsfall, wenn sofort nach der Diagnose storniert wird.

bumminrum 20.12.2013, 10:37
1. absolut Weltfremd

Wieso soll jemamd bei einem aktuell nicht vorhersehbaren Ereignis im August für den Oktober eine Reise stornieren. Das zeigt nur, wie sinnlos solche Versicherungen sind und wie völlig verbraucherunfreundlich die deutsche Justiz urteilt.

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Sibylle1969 20.12.2013, 10:57
2. Reiserücktrittskostenversicherung ist fragwürdig

Zum einen sind die Bedingungen relativ restriktiv. Wer also Wochen vor der Reise krank wird und nicht sofort storniert in der Hoffnung, dass es doch noch klappt mit der Reise, schaut in die Röhre. Zum anderen sind die Versicherungen relativ teuer und ersetzen auch nicht die gesamten Stornokosten, sondern haben noch einen signifikanten Selbstbehalt.

Ich selbst schließe nie eine Reiserücktrittskostenversicherung ab. In meinem ganzen Leben ist es nur ein einziges Mal vorgekommen, dass ich eine Reise wegen Krankheit nicht antreten konnte. Dabei habe ich nur 400 € in den Sand gesetzt. Wenn ich bei jeder Reise jedesmal eine Reiserücktrittskostenversicherung abgeschlossen hätte, dann hätte ich insgesamt ein vielfaches der 400 € dafür ausgegeben.

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indy555 20.12.2013, 11:20
3. Der Deutsche versichert sich halt gern

Durch eine schwere Krebserkrankung meiner Tochter konnten wir eine geplante Reise nach Tobago nicht antreten, wir hatten eine Reiserücktrittsversicherung.
Diese lies sich allerdings nicht nehmen, monatelang die Zahlung zu verweigern, da man nicht verstehen wollte, das es sich bei der erkrankten Person um ein Kind geb. 29.01.2012 und nicht meine Großmutter, geb. 29.01.1912 handelte.

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spon-1280943165745 20.12.2013, 11:48
4. Reiserücktrittversicherung

Die Frage ob eine Reiserücktrittersiherung sinnvoll ist kann nicht pauschal mit ja order nein beantwortet werden. DerReisende muß sich m.E. zwei Fragen stellen: 1. Wie hoch ist das Risiko zu erkranken? zu deutsch wie alt ist der Reisende und wieviel Zeit liegt zwischen Buchung und Reiseantritt. 2. Was kostet das stornieren der Reise: d.h. Pauschalreise oder individuell organisierte Reise. Speziell für die Individuell organisierte Reise: kann ich Flug und Hotel stornieren und falls dies der Fall ist was kostet das. Bei Pauschalreisen sind die Stornokosten bekannt un je näher der Reisetermin rückt desto höher die Stornogebühren. Speziell bei hochwertigen Pauschalreisen würde ich eine Rücktrittsversicherung empfehlen, auch wenn das locker 300 oder mehr EUR kosten kann. Immer noch billiger als im Schadensfall auf den Reisekosen von ein paar tausend EUR sitzen zu bleiben, auch wenn von der Erstattung noch der Selbstbehalt noch abgezoge wird.
Tipp: Zahlung mit einer Creditkarte die in den Bedingungen eine Reiserücktrittversicherung anbietet.Das mag sich in der Jahresgebühr und in den Gebühren des Reisenternehmens für de Zahlung mit der Creditkarte etwas niedeshlagen ist aber mit Sicherheit billiger als eine "normale" Versicherung. Die Abwicklung im Schadensfall, das weiss ich aus eigener Erfahrung, ist problemlos - man ist ja auch Kunde.

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spon-1280943165745 20.12.2013, 12:05
5. Reiserücktrittversicherung / Nachtrag

Um den konkreten Fall zu beurteilen müßte es bekannt sein wie der Arzt das Risiko am 6. Aug. bewertete, anscheinend nur eingeschränkt. Die Frage die sich mir stellt, wann hat er das gesagt: Erst im Prozess oder schon am 6. Aug.? Lehre aus der Sache sich auch für solche Bewertungen ein Attest ausstellen lassen, damit man später nicht in Beweisnot gerät.

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mundi 20.12.2013, 12:37
6. Es gibt Schlimmeres als den Tod

Zitat von spon-1280943165745
Die Frage ob eine Reiserücktrittersiherung sinnvoll ist kann nicht pauschal mit ja order nein beantwortet werden.....
Man kann die Frage mit "nein" beantworten.

Normalerweise wird der Urlaub mit überzähligem Geld, also mit Geld, das man entbehren kann, finanziert. Nach dem angetretenen oder nichtangetretenen Urlaub ist das Geld weg. Ärgerlich, aber keine finanzielle Katastrophe. Die Reisgesellschaft erstattet ohnehin je nach Zeitpunkt der Absage anteilmäßig die Reisekosten. Die Versicherung zahlt einen Teil(!) der Reisekosten, denn Selbstbeteiligung und Gebühren werden abgezogen. Der Versicherungsfall tritt nur bei sehr schwer wiegenden Gründen ein. Todesfall, Krankenhausaufenthalt und ähnliches werden anerkannt. Nicht aber gebrochene Hand, Erkältung oder Arbeitslosigkeit in der Probezeit.

Eine Operation ist für die Versicherung auch nicht immer ein Grund, die Reisekosten zu erstatten. Viele Gesellschaften schließen die Erstattung dann aus, wenn eine Vorerkrankung oder bereits eine Behandlung in der Vergangenheit stattgefunden hat.

Wo Leute sich versichern, da kann man gut verdienen:
„Beamte nehmen Manager von Fluege.de fest
Mit Seiten wie Ab-in-den-urlaub.de und Fluege.de gehört die Leipziger Firma Unister zu den größten deutschen Internetanbietern.
….den Kunden sei eine Absicherung gegen Stornierungen angeboten worden. Dahinter habe aber nicht, wie bei Reiserücktrittskosten-Policen üblich, eine Versicherung gestanden, sondern Unister selbst. Dafür hätte der Portal-Betreiber eine Genehmigung benötigt. "Diese Genehmigung hat die Firma nicht."
Mit dem Stornierungsschutz habe Unister zudem "nicht unerhebliche Einnahmen erzielt" …“
Quelle: Razzia bei Unister: Beamte verhaften Manager von Fluege.de - SPIEGEL ONLINE

Die Bedingungen der Reisegepäckversicherung sind so abgefasst, dass man Ihnen schon das Gepäck aus der Hand reißen müsste, um den Gegenwert Ihres Koffers erstattet zu bekommen. Natürlich sind Wertsachen nicht mitversichert! Das Aufzählen des Gegenwertes Ihrer Unterwäsche im Koffer für die Versicherung lohnt die Mühe nicht.

Es gibt Schlimmeres als den Tod. Wer schon einmal einen Abend mit einem Versicherungsvertreter zugebracht hat, wird wissen, was ich meine. (Woody Allen)

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mundi 20.12.2013, 12:40
7. Eine Frage der Mentalität

Zitat von bumminrum
Wieso soll jemamd bei einem aktuell nicht vorhersehbaren Ereignis im August für den Oktober eine Reise stornieren. Das zeigt nur, wie sinnlos solche Versicherungen sind und wie völlig verbraucherunfreundlich die deutsche Justiz urteilt.
Versicherung wird von Sicherheit abgeleitet. Man möchte sicher sein, dass nicht Schlimmes passiert, und wenn es passiert, dann ist man gesichert.

Der Abschluss einer Versicherung wird vom Wunsch getragen, mit wenig Geld, im Versicherungsfall einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen.
Paradoxerweise will man in Wirklichkeit gar nicht, dass dieser Versicherungsfall wirklich eintritt. "Rundum versichert" - mit diesem Slogan wird geworben und dabei die Illusion geweckt, dass der "versicherte" Mensch von nun an wirklich sorglos leben (und sterben) kann.

Schon der Begriff "Lebensversicherung" suggeriert positiv die Unsterblichkeit. Eigentlich müsste die häufigste Variante "Versicherung nach dem Tode" heißen. Dieser Begriff wäre vermutlich nicht marktfähig, ähnlich die neu in Mode gekommene "Arbeitslosenversicherung".
International gesehen gibt es große Unterschiede im Bedürfnis der Menschen, Vorkehrungen für den Notfall zu treffen. Schon in der Bibel wurde empfohlen, in den fetten 7 Jahren die Ernte für die mageren Jahre zu sichern. (Was der Staat oft versäumt). In den reichen Industrieländern, speziell in Deutschland, ist der Wunsch nach "Rundum-Vollkasko-Versicherung" für alle Lebenssituationen besonders ausgeprägt. Zudem ist der ursprüngliche Sinn einer Versicherung, nur finanzielle Katastrophen über die Gemeinschaft abzufedern, in den Hintergrund geraten.

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spon-1280943165745 20.12.2013, 15:11
8. überzähliges Geld / Reiserücktritt

[QUOTE=mundi;14476369]Man kann die Frage mit "nein" beantworten.

Normalerweise wird der Urlaub mit überzähligem Geld, also mit Geld, das man entbehren kann, finanziert. Nach dem angetretenen oder nichtangetretenen Urlaub ist das Geld weg. Ärgerlich, aber keine finanzielle Katastrophe. Die Reisgesellschaft erstattet ohnehin je nach Zeitpunkt der Absage anteilmäßig die Reisekosten. Die Versicherung zahlt einen Teil(!) der Reisekosten, denn Selbstbeteiligung und Gebühren werden abgezogen. Der Versicherungsfall tritt nur bei sehr schwer wiegenden Gründen ein. Todesfall, Krankenhausaufenthalt und ähnliches werden anerkannt. Nicht aber gebrochene Hand, Erkältung oder Arbeitslosigkeit in der Probezeit.

Eine Operation ist für die Versicherung auch nicht immer ein Grund, die Reisekosten zu erstatten. Viele Gesellschaften schließen die Erstattung dann aus, wenn eine Vorerkrankung oder bereits eine Behandlung in der Vergangenheit stattgefunden hat.

Wo Leute sich versichern, da kann man gut verdienen:
„Beamte nehmen Manager von Fluege.de fest
Mit Seiten wie Ab-in-den-urlaub.de und Fluege.de gehört die Leipziger Firma Unister zu den größten deutschen Internetanbietern.
….den Kunden sei eine Absicherung gegen Stornierungen angeboten worden. Dahinter habe aber nicht, wie bei Reiserücktrittskosten-Policen üblich, eine Versicherung gestanden, sondern Unister selbst. Dafür hätte der Portal-Betreiber eine Genehmigung benötigt. "Diese Genehmigung hat die Firma nicht."
Mit dem Stornierungsschutz habe Unister zudem "nicht unerhebliche Einnahmen erzielt" …“
Quelle: Razzia bei Unister: Beamte verhaften Manager von Fluege.de - SPIEGEL ONLINE

Sie haben recht, ein Urlaub wird normalerweise mit "überzähligem Geld" bezahlt. Aber auch diese Geld verliert man nicht gerne. Die Argumentation meines ersten Beitrages liegt auch auf Ihrer Linie was die Individualreise betrifft. Für Pauschalreisen werden aber in vielen Fällen sehr frühzeitig namhafte Beträge fällig und das können bei teuren Reisen locker 2000 EUR sein. zu den Vorbehalten der Versicherungen: Bei Vorerkrankungen dürften Sie recht haben, aber schon bei Knochenbrüchen sieht das anders aus. Keine Versicherung wird von Ihnen verlangen mit einem gebrochenem Bein oder Arm auf eine Wanderreise zu gehen. Auch eine kräftige Erkältung, natürlich mit Attest vom Arzt, dürfte zur Anerkennung der Zahlungspflicht führen.
Nun zu den beiden Fällen die mich betrafen. Im ersten Fall mußte meine Reisebegleiterin einer Chemotherapie unterziehen, natürlich unaufschiebbar und Gott sei Dank mit guten Ausgang. Erstattung wenn ich mich richtig erinnere ca. 4000 EUR. Im zweiten Fall war es eine starke Erkältung die es unmöglich machte eine Reise nach New York anzutreten. Eine Individualreise, allerdings mit Flug und Hotel ohne Stornomöglichkeit. Schadenssumme ca. 600,-- EUR.

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spon-1280943165745 20.12.2013, 15:25
9. Berichtigung Beitrag 8

Mein Beitrag beginnt erst mit der Zeile "Sie haben recht ein Urlaub wird normalerweise mit überzähligem u.s.w." Ich habda bei der Eingabe wohl etas falsch gemacht. Zu der Gepäckversicherung, da haben Sie recht,die ist so berflüssig wie ein Kropf.

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