Forum: Reise
Sherpas im Himalaya: "Ich habe Träger zusammenbrechen sehen"
Claus Hecking

Dosenbier, Kühlschränke oder Toilettensitze für die Touristen: Im Himalaya muss alles von Männern auf die Berge befördert werden. Ein nepalesischer Träger erzählt von seinem zehrenden Job.

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simpson.paulo 06.12.2017, 05:41
1. Verschenkt auf dem Rückweg

eure Ausrüstung! Besonders Daunenjacken, Schuhe und vernünftige GoreTex-Sachen sind sehr beliebt! Der Dank, den ihr dafür erntet, lässt sich in Gold nicht aufwiegen.

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blauerapfel 06.12.2017, 06:14
2. Sherpas arbeiten nicht als Träger, Frauen schon

Sherpas sind eine Ethnie im Vielvölkerstaat Nepal, erkennbar daran, daß sie alle den gleichen Familiennamen "Sherpa" tragen. Nenne nie einen Träger "Sherpa", denn er ist es mit fast 100% Sicherheit nicht. Sherpas bilden die Elite im Himalaya. Sie führen die Bergsteiger auf den Sagarmatha (die Engländer nannten sie, die Göttin, Mt. Everest), ein Sherpa stand zusammen mit Sir Hillary als Erster auf dem Gipfel.
Trägerinnen gibt es durchaus, vor allem für Touristinnen, die lieber eine weibliche Begleitung haben.
Aber auch das, was sie für ihre Familie benötigen, schleppen Frauen in tagelangen Märschen vom nächstgelegenen Markt zu ihrem Bauernhof.
Auf dem Weg zum Sagarmatha Basislager überholte mich eine alte Bergbäuerin, ihre Last geschätzt mindestens doppelt so schwer wie mein Rucksack. Wahrscheinlich ist sie jünger, aber nach ihrem Gesicht hätte ich sie auf 80 geschätzt.

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inecht 06.12.2017, 06:56
3. Touristen-Terror

die individuell ausgetobte Mobilitätswahn der reichen Oberschicht dieses Planeten ist dekadent und unverantwortlich.
Das gilt für Vielflieger und Kreuzfahrer gleichermaßen.

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spiegelleser861 06.12.2017, 07:17
4. Naja....

Ja, das Trägerleben ist mit Sicherheit hart. Aber er bietet den Nepalis zumindest ein Einkommen, noch dazu eines, daß höher ist als das der meisten anderen Nepalis. 12 Euro am Tag ist doch für Südasien ein guter Tageslohn. Richtig dreckig geht es den Leuten in den Slums von Katmandu, Delhi oder Karachi. Da jammert der Träger m. E. auf hohem Niveau. Die reichsten Menschen Nepal sind meines Wissens übrigens die Sherpas...

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Crom 06.12.2017, 07:55
5.

Bei Touren mit Touristen ist er also versichert und es gibt wohl eine Maximallast sonst nicht. Das sieht man, dass die Träger vor allem von den eigenen Leuten ausgebeutet werden. Dennoch scheint man genug zu verdienen, um sich mit 50 zur Ruhe setzen zu können und drei Kinder eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Ohne westlichen Touristen blieb wohl nur der Acker.

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The Restless 06.12.2017, 08:05
6.

Ich mach mir schon in die Hose, wenn der Rucksack 20 Kilo wiegt. Wenn ich dann die Sandalen dieser Sherpas sehe, dann kommt mir der Verdacht, dass ich mir viel zu viele Gedanken um das optimale Schuhwerk gemacht habe. Meine Bitte an Himalaya Reisende: Gebt den Trägern ordentlich Trinkgeld, denn die Veranstalter behalten das meiste Geld für sich und bezahlen die Träger nicht gut.

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markus_wienken 06.12.2017, 08:59
7.

Zitat von inecht
die individuell ausgetobte Mobilitätswahn der reichen Oberschicht dieses Planeten ist dekadent und unverantwortlich. Das gilt für Vielflieger und Kreuzfahrer gleichermaßen.
Unsinn
Durch den Tourismus haben die Menschen dort Arbeit und die Chance ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen.

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ich-geb-auf 06.12.2017, 09:11
8.

Zitat von inecht
die individuell ausgetobte Mobilitätswahn der reichen Oberschicht dieses Planeten ist dekadent und unverantwortlich. Das gilt für Vielflieger und Kreuzfahrer gleichermaßen.
ohen diese, hätten die Sherpas gar kein Einkommen!
Sie sind auf Touristen angewiesen.

Nur müsste es eine gesetzliche Obergrenze geben für maximale Last und mindestlohn

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#jm2c 06.12.2017, 09:26
9. Nepal..

Nepal ist ein wunderschönes Land, das gleichzeitig auch bitterarm ist. Als dekadenter, unverantwortlicher, reicher Oberschichtmensch, war ich vor genau einem Jahr in Nepal und die Orte, die in diesem Artikel erwähnt werden, habe ich ebenso mit eigenen Augen gesehen, wie auch die Träger.

Zum Einen: Der Volksstamm der Sherpa ist einer der Bergbauern. Durch den Tourismus, den diese Sherpa mit ihrer zuvorkommenden Art und ihrer guten Anpassung an die Höhe, geschickt nutzen, haben diese Menschen für Nepalesische Verhältnisse ein sehr gutes Auskommen für die Zeit, in der sie nicht auf dem Feld arbeiten können. Viele Familien versuchen, ihren Kindern eine Ausbildung in der Hauptstadt Kathmandu zu finanzieren und viele, die dort oben wohnen, können das mittlerweile auch. Es gibt unter den Menschen, die mit Touristen zu tun haben, eine Hierarchie. Nach den Trägern der Waren gibt es Träger fürs touristische Gepäck, Hilfsguides, Guides für die normalen Routen. Geht es ans Klettern gibt es auch hier wieder Träger, Hilfsführer, (Berg-)Füherer. Ab Guides aufwärts sind fast nur Mensches aus dem Volksstamm der Sherpa zu finden, darunter auch recht arme Menschen aus anderen Regionen Nepals.
Guides in Nepal sind überraschend gut ausgebildet, haben das quasi "Studiert" und sprechen auch ein oder zwei Fremdsprachen. Die Touristen haben aber noch etwas bewirkt: Es gibt recht strenge Regeln zur Kranken-/Unfallversicherung für Träger und Guides, das auch die Agenturen in die Pflicht nimmt. Fast kein Nepali kann sich soetwas überhaupt leisten!
Für unsere Träger haben sich die zweieinhalb Wochen jedenfalls gelohnt: Fast anderthalb Durchschnittsmonatseinkommen gabs als Trinkgeld für jeden zu ihrem Lohn. Durch die Touristen - und natürlich Sir Edmund Hillary - haben die Menschen im Khumbu-Gebiet eine, im Landesvergleich sehr gute, medizinische Versorgung, bessere Chances auf Schulbildung und durch das Geld, dass die Touristen ins Land bringen, werden auch viele Projekte, wie Wasserkraftwerke, Hochwasserschutz und Umweltschutz realisiert. Müll auf oder um die Wanderstrecken habe ich nicht gesehen, (im Gegensatz zu ärmeren Gegenden ohne Touristen um Kathmandu) aber ich weiß natürlich, dass v.a. die Plastikflaschen dort ein großes Problem darstellen und einiges einfach verbrannt wird.

Ich werde übernächstes Jahr, wenn ich mir wieder eine Tour in Nepal leisten kann, mit gutem Gewissen und Freude nach Nepal zurückkehren, mich an der bombastischen Landschaft und der freundlichen Art der Nepali erfreuen und in den von Touristen weniger besuchten Teil östlich des Everests bis Gorak Shep gehen. Bis dahin habe ich noch ein paar Brocken mehr Nepali gelernt, was dort immer sehr überrascht und positiv wahrgenommen wird. Und ganz nebenbei helfe ich noch dabei, Nepal bei OpenStreetMap zu kartografieren.

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