Forum: Reise
Tour zur Zwanzigerjahre-Serie "Babylon Berlin": Eine Form der Realitätsflucht
Frédéric Batier/ Sky/ obs

In Berlin werden die Zwanzigerjahre gefeiert - mit Swing in Ballhäusern und Stummfilmen mit Live-Musik. Und das nicht erst seit dem Start von "Babylon Berlin" in der ARD.

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ruhepuls 02.10.2018, 08:34
1. Alles wiederholt sich...

Die "Goldenen 20er" - in Berlin feierte man Party. Und bald darauf marschierten Rechte auf den Straßen. Heute feiert man wieder. Und auf den Straßen marschieren wieder Rechte...

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pejoachim 02.10.2018, 10:03
2. Nicht das Feiern, das Weghören war fatal!

Zitat von ruhepuls
Die "Goldenen 20er" - in Berlin feierte man Party. Und bald darauf marschierten Rechte auf den Straßen. Heute feiert man wieder. Und auf den Straßen marschieren wieder Rechte...
Die Lebenslust, die es nach großen Kriegen immer wieder gibt, ich erinnere nur an den Barock nach dem 30-jährigen Krieg, war nicht schuld am Aufkommen des Nationalsozialismus. Schuld daran war meines Erachtens die Unfähigkeit der gesellschaftlichen Eliten, den Nazis zuzuhören. Der Nationalsozialismus hat nicht mit dem Russlandfeldzug und neuen Kriegen Propaganda gemacht. Er hat Wählerstimmen mit Argumenten bekommen, die die Menschen verstanden - und was sehr unangenehm ist - mit denen er recht hatte. Heute geschieht ähnliches. Und wie wird darauf reagiert? Mit Demonstrationen gegen rechts - das gab es in Masse auch in der Weimarer Zeit und machte die Nazis nur stärker.
Ich hoffe sehr, dass das Versagen der Weimarer Republik auch Thema der Serie sein wird.

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bicyclerepairmen 02.10.2018, 11:32
3. @pejoachim

..die gesellschaftlichen Eliten, zumindest die mit dem nötigen Einfluß standen damals doch eher rechts, bzw. der (Weimarer) Republik ablehnend bis feindlich gegenüber. Dito die Reichswehr und weite Teile der Beamtenschaft, schon aus ihrer Sozialisierung im Kaiserreich geschuldet. Das Anbiedern der konservativen Kräfte der SPD ( Ebert und Co. ) mit diesen politischen Kräften als vermeintliche Abwehr gegen ganz Links steht als teil des Versagens auch noch im Raum....

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ruhepuls 02.10.2018, 14:32
4. Feiern statt zuhören?

Zitat von pejoachim
Die Lebenslust, die es nach großen Kriegen immer wieder gibt, ich erinnere nur an den Barock nach dem 30-jährigen Krieg, war nicht schuld am Aufkommen des Nationalsozialismus. Schuld daran war meines Erachtens die Unfähigkeit der gesellschaftlichen Eliten, den Nazis zuzuhören. Der Nationalsozialismus......
Schon richtig: Man feierte lieber, als sich mit Problemen zu befassen. Das ist heute ja auch wieder so. Der Hedonismus ist der neue Gott - wie damals auch.
Klar haben die Nazis dem "Volk" aufs Maul geschaut und sich die Unzufriedenheit zu Nutze gemacht. Nur konnten sie ihre Versprechungen letztlich nicht einlösen - wie auch? Es reicht nämlich nicht, zuzuhören (ich vermute mal, das man das heute durchaus tut), sondern man muss auch in der Lage sein, etwas zu ändern.
Das "Volk" schreibt Wunschzettel - und denkt, die Politik könnte diese erfüllen, wenn die nur wollte. Aber das Volk tanzt genauso seine Partys wie die Eliten - nur halt mit Bier statt mit Champus.

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ruhepuls 02.10.2018, 14:37
5. Gefestigte Demokratie?

Zitat von Sportzigarette
Sorry, aber wer sowas schreibt, hat von Geschichte keine Ahnung oder hat sie nicht verstanden. Welche Agumente der Nazis waren denn war? Die Verschörung der jüdischen Finanzelite etwa? Oder dass das deutsche Volk die Herrenrasse sei und überlegen oder dass es mehr Raum.....
Nun, so gefestigt ist die Demokratie auch heute nicht. Für viele ist die Demokratie eine Schönwetterveranstaltung, zu der man geht, solange es dort Freibier und Spaß gibt. Kaum tauchen aber Wolken am Himmel auf, sieht es schon anders aus. Wenn heute tatsächlich 70% der Deutschen "populistisch" denken, ist das erschreckend.

Vermutlich liegen die schlechten Zeiten schon so lange zurück, dass niemand mehr einen Vergleich damit zieht - oder etwas daraus lernen mag. Lieber klagt man über die angeblich so schlechten Zeiten heute und ruft Geister, die man ggf. nicht mehr los wird.

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Susi64 02.10.2018, 21:10
6. Versagen der Demokratie

führte zu den Weimarer Zuständen. Die einen konnten ihren Hedonismus ausleben und die anderen zahlten dafür, die Leichen, die man dann aus dem Landwehrkanal fischte, waren die andere Seite.
Heute wie damals hat man gegen rechts gewettert, dass war es dann aber auch. Heute wie damals wollten und konnten die Salon-Demokraten nichts ändern.

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at.engel 02.10.2018, 22:08
7.

Warum ihn die Zwanzigerjahre so faszinieren? "Weil sie schon fast hundert Jahre her, aber unserer Zeit trotzdem nah sind."
Und genau das stimmt halt nicht! In den Zwanzigern, war Berlin modern, und heimlich modern... (gleichzeitig politisch bzw. gesellschaftlich natürlich schon fast am Ende).
Heute baut Berlin nur noch "Kulissen"... Stadtschloss, Bauakademie, ... und manchmal noch schlimmeres. Wahrscheinlich wurde seit 1990 zehnmal so viel Geld verpulvert wie in den Zwanzigern. Was davon wirklich sehenswert ist bzw. bleibt, lässt sich an den Fingern einer Hand abzählen... architektonisch wie kulturell...
Die (Zwischen-) Bilanz ist einfach trostlos.

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ansv 03.10.2018, 10:45
8.

Zur Zeit ist mit "Party" einfach der meiste Profit zu machen. Alle geschäftlichen Unternehmen - und nichts anderes betreiben die genannten - zielen auf Profit. Und in der Gastronomie war es schon immer essenziell, den richtigen Riecher für die Trends der Partypeople zu haben.

Der Wohlstand der "goldenen 20er" beruhte zu großen Teilen auf Krediten. Und das wiederum schließt den Kreis zu Berlin: Man lebt auf Pump, finanziert vom Rest der Republik. Niemand weiß, wie lange es geht, aber jeder weiß, mitnehmen kann man nichts. Also: Ab ins Partyleben, was morgen ist, interessiert uns erst morgen.

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Deify 04.10.2018, 13:32
9.

Zitat von ruhepuls
Die "Goldenen 20er" - in Berlin feierte man Party. Und bald darauf marschierten Rechte auf den Straßen. Heute feiert man wieder. Und auf den Straßen marschieren wieder Rechte...
Es ist schon erstaunlich, dass man die sog. Rechten heute von denen damals nicht zu unterscheiden in der Lage ist. Und was auch immer wieder fehlt, ist die Erkenntnis, dass es heute ganz einfach wäre, wieder Ruhe zu bekommen: Einfach mal den Grund beseitigen und nicht immer weiter "mehr Bunt" rufen.

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