Forum: Schule Bayerische Höflichkeit: Passauer Schulleiterin verbannt "Tschüss"
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Darf ein Bayer Tschüss sagen? Eine Passauer Rektorin löst die ewige Diskussion auf ihre Weise: Sie erklärt ihre Schule zur "Tschüss- und Hallo-freien Zone" - die beiden Wörter seien unhöflich. Recht so, meint ein Dialektpfleger, Tschüss tue in den Ohren weh. zum Artikel Antworten
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#791 19.02.2012, 23:34 von naabaya

Au ja

Zitat von Antiautor
Das tun sie aber nicht, denn sie haben schon sehr früh im geschwisterlichen Umgang herausgefunden, wo die Grenzen sind. Jedes Kind orientiert sich in seinem Verhalten am Verhalten seiner Eltern. Wenn diese weder untereinander noch dem Kind gegenüber Grenzen überschreiten, erkennt es dieses Verhalten als normal an. Im umgekehrten Fall aber auch, und genau da liegt die Krux im Pfeffer.
Diese Art von Erziehung -die Kinder sollen ihre Grenzen selbst austesten-kenne ich von befreundeten Familien bzw. aus dem alternativen kindergarten, den mein Enkel besuchte. Da sind die schönsten Raufereien im Gange, die Kids prügeln teilweise mit Stöcken aufeinander ein, und die progressiven Eltern und Erzieher lassen sie gewähren. Die Kinder müssen schließlich selber darauf kommen, dass man das nicht tut!

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#792 19.02.2012, 12:46 von Antiautor

Weniger Kontrast

Zitat von naabaya
Diese Art von Erziehung -die Kinder sollen ihre Grenzen selbst austesten-kenne ich von befreundeten Familien bzw. aus dem alternativen kindergarten, den mein Enkel besuchte. Da sind die schönsten Raufereien im Gange, die Kids prügeln teilweise mit Stöcken aufeinander ein, und die progressiven Eltern und Erzieher lassen sie gewähren. Die Kinder müssen schließlich selber darauf kommen, dass man das nicht tut!
Sie denken in viel zu harten Kontrasten und übersehen die ganze Grauskala zwischen Schwarz und Weiß. Ich plädiere keinesfalls für die Kultur des Wegschauens und Gewährenlassens, im Gegenteil. Ich plädiere für die Kultur des Hinschauens und Ausdiskutierens. Sie glauben gar nicht, wie früh man mit einem Kind sprechen kann und wie viel selbst ein drei- oder vierjähriges Kind schon versteht. Ob es das gleich umsetzen kann ist eine andere Frage, dafür ist es ein Kind. Aber trotzdem darf man seine Kinder niemals und unter keinen Umständen zum Opfer machen im Glauben daran dadurch Schlimmeres verhüten zu können. Das kann man nicht, im Gegenteil.

Letzten Endes überträgt sich die soziale Kompetenz der Eltern auf die Kinder, wie Sie es in dem genannten "alternativen" Kindergarten beobachten konnten. Ein Kind das den Knüppel nicht kennt wird ihn nicht benutzen wollen.

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#793 19.02.2012, 14:01 von naabaya

Naivität

Zitat von Antiautor
Sie denken in viel zu harten Kontrasten und übersehen die ganze Grauskala zwischen Schwarz und Weiß. Ich plädiere keinesfalls für die Kultur des Wegschauens und Gewährenlassens, im Gegenteil. Ich plädiere für die Kultur des Hinschauens und Ausdiskutierens. Sie glauben gar nicht, wie früh man mit einem Kind sprechen kann und wie viel selbst ein drei- oder vierjähriges Kind schon versteht. Ob es das gleich umsetzen kann ist eine andere Frage, dafür ist es ein Kind. Aber trotzdem darf man seine Kinder niemals und unter keinen Umständen zum Opfer machen im Glauben daran dadurch Schlimmeres verhüten zu können. Das kann man nicht, im Gegenteil. Letzten Endes überträgt sich die soziale Kompetenz der Eltern auf die Kinder, wie Sie es in dem genannten "alternativen" Kindergarten beobachten konnten. Ein Kind das den Knüppel nicht kennt wird ihn nicht benutzen wollen.
Ich halte Sie für naiv im positivem Sinne. Sie glauben zu sehr an das Gute im Menschen. Und zu Ihrem Satz: Wer den Knüppel nicht kennt benutzt ihn nicht, würde ich Ihnen empfehlen, sich mit dem Schlüsselversuch von Mary Gribbins zu beschäftigen!

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#794 19.02.2012, 16:17 von Antiautor

Nix da

Zitat von naabaya
Ich halte Sie für naiv im positivem Sinne. Sie glauben zu sehr an das Gute im Menschen. Und zu Ihrem Satz: Wer den Knüppel nicht kennt benutzt ihn nicht, würde ich Ihnen empfehlen, sich mit dem Schlüsselversuch von Mary Gribbins zu beschäftigen!
Vielleicht könnten Sie in kurzen Worten den Schlüsselversuch von Mary Gribbins schildern. Ich kenne die Dame nicht und bei Google finde ich nichts Erhellendes dazu.

Mein eigener Versuch reicht mir eigentlich. Meine Kinder sind im Glauben an das Gute im Menschen aufgewachsen, und wenn das Experiment in die Büx gegangen wäre hätte ich das in den letzten 23 Jahren bestimmt gemerkt. Ihre Argumentation erinnert mich an die der Leute, die meiner Frau und mir früher prophezeiten, dass unsere Kinder uns auf der Nase rumtanzen und am Leben scheitern würden, wenn wir sie nicht frühzeitig in die Schranken weisen würden. Nichts von alledem ist eingetreten.
Also halte ich an der Richtigkeit meiner Aussagen fest und erkläre Ihre Orakel für Unsinn.

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#795 19.02.2012, 20:27 von naabaya

Entschuldigung

Zitat von Antiautor
Vielleicht könnten Sie in kurzen Worten den Schlüsselversuch von Mary Gribbins schildern. Ich kenne die Dame nicht und bei Google finde ich nichts Erhellendes dazu. Mein eigener Versuch reicht mir eigentlich. Meine Kinder sind im Glauben an das Gute im Menschen aufgewachsen, und wenn das Experiment in die Büx gegangen wäre hätte ich das in den letzten 23 Jahren bestimmt gemerkt. Ihre Argumentation erinnert mich an die der Leute, die meiner Frau und mir früher prophezeiten, dass unsere Kinder uns auf der Nase rumtanzen und am Leben scheitern würden, wenn wir sie nicht frühzeitig in die Schranken weisen würden. Nichts von alledem ist eingetreten. Also halte ich an der Richtigkeit meiner Aussagen fest und erkläre Ihre Orakel für Unsinn.
Mir ist da versehentlich das Genitiv-s dazugerutscht. Die Dame heißt Mary Gribbin. Sie verglich das Verhalten von 2 Kindergartengruppen miteinander. Die eine durfte alles, bei der anderen wurde eingegriffen, wenn es zu Fällen von Gewalt kam. Bei der permissiven Gruppe gab es hunderte von Fällen von Gewalt, bei der autoritär behandelten nur wenige. So viel in aller kürze. Ergebnis: Pädagogik des Gewährenlassen impliziert Gewalt.

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#796 19.02.2012, 21:20 von Antiautor

Elterliche Gewalt verhindert kindliche Gewalt???

Zitat von naabaya
Sie verglich das Verhalten von 2 Kindergartengruppen miteinander. Die eine durfte alles, bei der anderen wurde eingegriffen, wenn es zu Fällen von Gewalt kam. Bei der permissiven Gruppe gab es hunderte von Fällen von Gewalt, bei der autoritär behandelten nur wenige. So viel in aller kürze. Ergebnis: Pädagogik des Gewährenlassen impliziert Gewalt.
Ach, und daraus schließen Sie, dass Eltern ihre Kinder autoritär erziehen müssen, damit diese nicht gewalttätig werden? Ich behaupte nach wie vor, dass Kinder Gewalt kennen gelernt haben müssen um auf die Idee zu kommen sie anzuwenden.
Die Kinder in den Untersuchungen waren gewaltverseucht, sonst hätten sie sich nicht so benommen. Natürlich hat Frau Gribbin Recht wenn sie sagt, dass man gewaltbereite Menschen durch Androhung von Repressalien zügeln kann. Genau das ist das Funktionsprinzip von Boot- Camps und Gefängnissen.

Sie können aber niemals elterliche Gewalt (und sei es in Form von Ausgehverbot) damit rechtfertigen dass Sie auf diese Weise Fehlverhalten vermeiden wollen. Sie können es damit unterdrücken, aber die gewaltsame Struktur nicht durch Gewalt vermeiden. Ganz das Gegenteil ist der Fall.

Ich fordere alle jungen Eltern auf ihre Kinder vom ersten Tag als Freunde zu behandeln.
Einen Freund bestraft man nicht, man spricht mit ihm.
Ich glaube, Sie fürchten sich vor dieser Erkenntnis.

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#797 21.02.2012, 09:58 von naabaya

Mittelweg

Zitat von Antiautor
Ach, und daraus schließen Sie, dass Eltern ihre Kinder autoritär erziehen müssen, damit diese nicht gewalttätig werden? Ich behaupte nach wie vor, dass Kinder Gewalt kennen gelernt haben müssen um auf die Idee zu kommen sie anzuwenden. Die Kinder in den Untersuchungen waren gewaltverseucht, sonst hätten sie sich nicht so benommen. Natürlich hat Frau Gribbin Recht wenn sie sagt, dass man gewaltbereite .....
Bei Ihnen hat man den Eindruck, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.Die in der Untersuchung angeführten Kinder stammten keinesfalls aus einem gewaltverseuchten Milieu. Ich selbst habe erlebt, wie die Kinder in einem "progressiven" Kindergarten mit Stöcken aufeinander einprügelten, obwohl sie aus Elternhäusern stammen, die autoritäre Erziehung ablehnen. Permissive Erziehung ist also ebenso schädlich wie Erziehung mit zu großer Strenge. Es gilt, den goldenen Mittelweg zu finden. Habe ich schon dreimal gepostet, ich weiß nicht, was dem Sysop nicht daran passte.

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#798 21.02.2012, 20:43 von Antiautor

Frustration -> Aggression -> Gewalt

Den Begriff der permissiven Erziehung würde ich gern etwas differenzierter betrachten. Lateinisch "permittere" heißt durchlassen, und eine gewisse Durchlässigkeit in menschlichen Beziehungen sind für mich ein ganz wichtiger Punkt. Ich will dieses Wort nicht im Sinne von "alles durchgehen lassen", sondern im Sinne von gleichberechtigter Interaktion, in diesem Fall zwischen Eltern und Kindern, verstanden wissen. Das bedeutet, dass man auch kleinen Kindern schon ein gewisses Selbstbestimmungsrecht einräumt und ihnen zugesteht, ihr Begehren argumentativ zu vertreten. Das mag zeitweise anstrengend sein und auch mal Überwindung kosten, aber es ermöglicht eine frustrationsfreie Entwicklung des Kindes. Diese zwischenmenschliche Wertschätzung beantwortet das Kind mit einer unbedingten Offenheit den elterlichen Anliegen gegenüber.

Zum Thema Gewalt: Gewalt hat viele Gesichter. Gewalt erwächst aus aufgestauter Aggression. Aggression erwächst aus aufgestauter Frustration. Frustration ist in der Praxis nicht immer vermeidbar, und Aggressivität ist sicher auch ein Teil der menschlichen Natur. Aber wichtig ist, diese Zusammenhänge zu erkennen und dem Kind die Fähigkeit zu geben, mit Frustration und Aggression umgehen zu können. Daraus ergibt sich zwingend die Notwendigkeit zum drucklosen Umgang mit dem Kind und daraus folgend die völlige Unsinnigkeit eines (womöglich noch strafbewehrten) elterlichen Autoritätsanspruchs.

Ich hoffe, mich einigermaßen verständlich ausgedrückt zu haben.

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#799 24.02.2012, 14:34 von naabaya

Folgereihe

Zitat von Antiautor
Den Begriff der permissiven Erziehung würde ich gern etwas differenzierter betrachten. Lateinisch "permittere" heißt durchlassen, und eine gewisse Durchlässigkeit in menschlichen Beziehungen sind für mich ein ganz wichtiger Punkt. Ich will dieses Wort nicht im Sinne von "alles durchgehen lassen", sondern im Sinne von gleichberechtigter Interaktion, in diesem Fall zwischen Eltern .....
Frustration entsteht, wenn man etwas nicht erreicht oder bekommt. Wenn ein Kind gewohnt ist, alles zu bekommen oder zu dürfen, ist es natürlich schnell frustriert, wenn es an seine Grenzen stößt. Es muß sich also selber fragen können, was es falsch gemacht hat (Eigenreflexion), es muss also überlegen. Aus dieser Überlegung erst kommt es zu einer Lösung . Die Aktionsfolge muss also lauten:
Frustration> Eigenreflexion>Lösung.

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#800 24.02.2012, 19:35 von Antiautor

Freiheit. Ein arschcooler Titel.

Ihre Folgereihe macht dann Sinn, wenn es sich um die ureigenen kindlichen Belange selbst handelt. Wenn das Kind zum Beispiel den Anspruch an sich selbst hat gut in der Schule zu sein, wird es auf eine schlechte Note hin erkennen dass es mehr tun muss, das Für und Wider abwägen und seine Entscheidung treffen. Aber dafür muss es daran gewöhnt sein, Entscheidungen treffen zu dürfen. Je früher man damit anfängt desto besser. Ziel einer sinnvollen Erziehung muss also sein, das Kind frühzeitig in die Lage zu versetzen, eigenverantwortlich zu handeln. Das erreicht man nicht durch ein enges Regelkorsett, sondern durch größtmögliche Freiheit.

Um ein Beispiel zu nennen: wir haben unseren Kindern schon mit 4 Jahren eigene Fernseher zur Verfügung gestellt und den Fernsehkonsum nicht reglementiert. Der Grundgedanke war, dass sie selbst lernen müssen, wozu der Ausschalter gut ist. In der ersten Phase lief der Fernseher praktisch ständig. Sie haben sich die billigen japanischen Animes angeschaut und dann die Handlung nach- und umgespielt. Heute sind sie selektive Fernsehzuschauer, die meistens Arte, 3sat und Phoenix einschalten. Meine Tochter lernt gerade ihre sechste Fremdsprache und nutzt das TV- Gerät meistens für fremdsprachige Programme, aktuell vorwiegend für isländisches Fernsehen. Zum Glück ist Vaddern vom Fach und hat eine drehbare Satellitenschüssel für alle Satelliten zwischen 42° Ost und 30° West...

Wenn ich Ihren erzieherischen Duktus richtig interpretiere, plädieren Sie für die strikte Begrenzung der kindlichen Bedürfnisse. Nach wie vor trete ich für die Feiheit des Individuums ein, auch und gerade in der Familie.

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