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Kritik an Mertesacker : Schauen Sie in den Spiegel, Herr Matthäus
Getty Images/ Arsenal FC

Per Mertesacker hat ein Tabu gebrochen. Im SPIEGEL beschreibt er, wie Profifußballer Druck erleben, daran auch verzweifeln. Dafür loben ihn viele. Andere, wie Lothar Matthäus, empören sich. Und zeigen nur: Sie selbst sind das Problem.

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hgwxx/7 11.03.2018, 14:34
1. Mertesacker: ja, aber......

Das Outing von Per Mertesacker in Ehren.
Aber warum kommt der ausgerechnet jetzt, kurz vor Ende seiner Karriere, wo ihm niemand mehr (finanziell?) etwas wegnehmen kann?

Er beschreibt ja, dass er schon 2006 während der WM furchtbar gelitten hat.
Warum kam er nicht damals?

Weil er, menschlich verständlich, noch lange Jahre auf hohem Niveau verdienen wollte?

Da ist ein Harald Schumacher, genannt Toni Schumacher, ehrlicher gewesen: der hat auf dem Höhepunkt seiner Karriere, 1987, ein Buch geschrieben (schreiben lassen?), in welchem er sich aus seiner Sicht sehr ehrlich über den Fußball ausgelassen hat. Schon Schumacher konnte damals wissen, dass dieses Buch ihn seine Karriere kosten könnte. Der 1. FC Köln entließ ihn auch als Reaktion auf dieses Buch. Schumacher war also bereit, seine Karriere für dieses Buch zu opfern.

Deswegen empfinde ich das jetzige Outing von Mertesacker als zeitlich sehr taktisch gewählt und nicht unbedingt als Befreiungstag für die vielen, scheinbar mitleidenden Kollegen, die sich nicht outen.
Wenn die Taschen schon voll sind, lässt es sich immer leichter outen.

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finnstroem 11.03.2018, 14:35
2. Dank

Danke für den wunderbaren Artikel! Danke für den Mut und danke an Per Mertesacker! Es wird allerhöchste Zeit für mehr Menschlichkeit. Jeder wünscht sich das für sich selber und jedem steht ein großes Maß an Mitgefühl zu. Ich hoffe noch auf viel Unterstützung in dieser Richtung!

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rambazamba1968 11.03.2018, 14:35
3. Matthäus und Presse

Ja, das was Matthäus gesagt hat. ist empörend und wird hier zu Recht kritisiert.
Ich möchte aber auch ein Beispiel nennen, was leider auch Journalisten gerne machen.
Köln hat das letzte Spiel im Abstiegskampf gegen VFB verloren. 99% der Kölner Fans haben dennoch der Mannschaft applaudiert, auch wenn allen klar ist, dass es fast unmöglich ist und der Abstieg besiegelt wurde.

Von der Unterstützung der Fans war nichts zu lesen, aber über einen emotional fehlgeleiteten Capo haben sich alle vor allem in der Presse aufgeregt und die Kreuze vom HSV sind schön in den Medien heute present.

Auch die Presse hat Verantwortung den Druck von den Spielern zu nehmen und nicht noch einen oben drauf zu setzen wie die Bild, die von den Luschen vom HSV schrieben.

Es ist leider wie bei Kindern. Man muss das Positive vielleicht auch mal mehr erwähnen als immer nur das Negative

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Emderfriese 11.03.2018, 14:37
4. Vox populi

Nach meiner Überzeugung ist der Profi-Fußball Populismus pur. Fans denken in den seltensten Fällen nach, sie empfinden einfach nur. Vor allem empfinden sie das mit, was ihnen von den großen Vereinen angeboten wird: eine Art örtlich begrenzter Nationalismus, dem im Krieg gegen die anderen, "fremden" Vereine Geld und sogar die eigene Gesundheit geopfert wird. Und wie im richtigen Leben stoßen sich dabei wenige Häuptlinge gesund. Dass allerdings sogar die sehr gut bezahlten Profifußballer diesem System untergeordnet sind, war mir neu.

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lobivia 11.03.2018, 14:38
5. Petri Dank

Am 11.03.2018 um 14:12h hat Lukas Rilke in meisterlicher Weise, Lothar Matthäus mit einem gezielten, journalistischen Blattschuss erlegt.

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Minster 11.03.2018, 14:39
6.

Ich finds ja süß, dass die Spiegel Autoren wirklich glauben mit solchen Interviews was zu "bewegen", aber Sie selbst haben das Interview wohl nicht richtig gelesen, geschweige verstanden:
Mertesacker sagt selbst, dass das System nunmal so ist und es daran kein Ausbruch gibt, sondern nur Verletzungspausen als echte Pause empfunden wird. Auch der Selbstmord von Enke hat sich nicht geändert und die Psychologen in den Vereinen sind wohl größtenteils arbeitslos.
Er selbst sagt am Ende: Er hat es schließlich freiwililg gemacht. Er verharmlost somit sein eigenes Verschulden und sieht sich außerstande zu erkennen, dass er jemals früher hätte davon abrücken können.

Matthäus ist aus der alten Garde, wo der Erfolg nunmal alles ist und Empathie so beiläufig ist, wie Mertesacker es selber sagt: Du kannst noch so konstant gut spielen: Beim nächsten Patzer biste der Depp. Die Fans, die Fan des Vereins und nicht der Spieler sind, interessiert es nicht was Spieler wie er Empfinden. Die sollen gefälligst für ihren Verein alles Geben!

Diese Mentalität gibst nun seit Jahrzehnten und wird durch den Kommerz immer weiter auf die Spitze getrieben.

Das "Problem" nun an Personen wie Matthäus fest zu machen, zeigt nur, dass die Autoren auf dem Holzweg sind - oder halt ihr eigenes Interview pushen möchten. Kostet ja schließlich was ;)

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spmc-125536125024537 11.03.2018, 14:41
7. Viel Lärm um nichts

Mertesacker hat lediglich öffentlich zugegeben, dass der Druck ein so großes Problem für ihn war, dass er vor den Spielen unter Durchfall und Erbrechen litt. Das ist sicherlich extrem, aber im Showbizz auch nicht selten. Ansonsten hat er seine Leistung abgeliefert und funktioniert. Im ganzen Interview gibt es keine Kritik am System Fussball, an den Gehältern, den Fernsehgeldern oder schmutzigem Finanzgebahren a la footbal leaks.. Mangelnde psychologische Betreuung kritisiert er auch nicht, er stell gar nichts in Frage, bemängelt auch nicht irgendwelche Misstände, nichts! Er legt sogar Wert darauf - und da ist er nahe bei Mathäus - nicht als weinerlich hingstellt zu werden. Ihn jetzt in einem Atemzug mit obert Enke zu nennen ist völlig übertrieben.

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danubius 11.03.2018, 14:43
8. Profi Matthäus

Gut recherchierter Artikel - in den Neunzigern war Matthäus einmal ein guter Spieler - das ist nun fast 30 Jahre her. Als Mensch verfügt er trotz seiner erfahrenen Ehrungen bis heute über keinerlei soziale Komponente - siehe seine öffentlichen Auftritte und auch sein persönliches Umfeld. Statt Mertesacker so unqualifiziert zu kritisieren sollte er ihm besser dafür danken, dass dieser den Mut fand sich hier zu outen. Und damit zu einer weiteren Frage: für welche sozialen Werte im Fußball stehen denn HEUTE Calmund und Metzelder?

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Flo0911 11.03.2018, 14:47
9. Gänzlich anderer Meinung als der Autor

Sorry, aber ich muss Loddar in diesem Fall zustimmen: nix gegen Mertesacker, aber wenn ich den Job eines Profifußballers vergleichen müsste mit anderen Berufen in dieser Gehaltsklasse, kann ich nur den Kopf schütteln, wenn hier von zu viel Druck lamentiert wird. Welche Verantwortung tragen die Spieler denn wirklich? Wer die Millionen verdienen will, wird hoffentlich auch in der Lage sein, das Rampenlicht der Öffentlichkeit (im Guten wie im Schlechten) auszuhalten. Sonst hat er den Job tatsächlich verfehlt.

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